Kultur

Japan – Kultur und Moderne am Fuße des Fuji

Ein kleiner Streifzug durch das Land der aufgehenden Sonne


 

Es ist Februar. Die berühmte japanische Kirschblühte zeigt noch nicht ihre volle Strahlkraft. In Osaka geht gerade die Sonne unter, als der Flieger aus Dubai zur Landung ansetzt. Der Empfang unseres Reiseleiters ist herzlich. Keishi Miyamura spricht unsere Sprache, mit der typischen „R“ = „L“-Schwäche, was noch für viele Schmunzler und gute Stimmung sorgen wird.

Kyoto – das ursprüngliche Japan

Unser erstes Reiseziel ist Kyoto, die alte Kaisermetropole und einstige Hauptstadt des Landes. Hier spürt man noch das alte Japan. Über 17 UNESCO-Welterbe-Stätten beherbergt die Millionenmetropole in Westjapan. Auf 1,5 Mio. Einwohner kommen jährlich gut 55 Mio. Besucher! Das ist Wahnsinn! Das ist normal – sagt der Reiseleiter. Und wir haben Glück, der Touristenstrom ist vor der Blüte gedämpft. Kein Gedränge und kein Anstehen vor all den sehenswerten buddhistischen Tempelanlagen oder shintoistischen Schreinen, auch die Shogun-Burg empfängt uns majestätisch in aller Stille. Noch mehr Ruhe und Selbstfindung vernehmen wir im Ryoan-ji Tempel und verweilen im Zen-Garten. Lassen die Anordnungen der Steine auf uns wirken und sind im Einklang mit der Natur.

Etwas lebhafter wird es wenig später beim Besuch des über 400 Jahre alten Nishiki-Marktes. Ein Eldorado für Feinschmecker, Testesser und alle Neugierigen. Spezialitäten wie gesalzenes Gemüse, Fisch in allen Formen und Kreationen, Gewürze,
Nudeln und vor allem unglaublich viele Süßspeisen wollen
probiert und entdeckt werden. Die Japaner lieben Süß! Ein warmes zuckerintensives Melonenpan mit Matcha-Softeis schmeckt sogar bei einstelligen Temperaturen.

Maiko und Geiko – aber sagen Sie bitte nicht „Geisha“!

Abends im Hotel führte eine Maiko beindruckend ihre traditionellen Unterhaltungskünste vor. Eine Maiko ist die in fünfjähriger Ausbildung befindliche junge Geiko. In einer Okiya werden die 15 bis 20 Jahre alten Maiko unterrichtet in Tanz, Gesang,
Kimono-Tragen, in Verhaltensregeln, Unterhaltungskünsten, der Teezeremonie, einschließlich Schminkkurs und vielem mehr. Hierzulande kennen wir die Damen als „Geisha“, was aber nicht richtig sei, wie uns der Japaner erklärt. Dies beruht auf einen Übersetzungsfehler, den seinerzeit die Amerikaner verursacht haben. Kyoto ist bekannt für sein Geiko-Viertel. Eine traditionelle Teezeremonie mit einer Geiko als Tourist zu besuchen, ist schier unmöglich. Dies ist gut betuchten Geschäftspartnern vorbehalten, die im engen Kontakt mit den Patronen der Geikos stehen.

Wer Japan besucht, den erwartet ein sehr sauberes und freundliches Land. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Die Mentalität ist uns weit voraus. Man ist allerorts stets freundlich und hilfsbereit, man drängelt nicht und man wirft nichts rücksichtlos weg oder lässt seinen Müll einfach liegen. Wenn man einen Raum betritt, werden zuerst die Schuhe ausgezogen. In Tempelanlagen stehen dann Schläppchen für den Fortgang bereit, im Restaurant ist man auf Socken unterwegs.

Nara – Nippons erste Hauptstadt

Die erste ständige Hauptstadt Japans um 710 bis 784 zählt heute gut 370.000 Einwohner. Götterboten – über 1.200 zahme Rehe und Hirsche – säumen noch heute die riesige buddhistische Tempelanlage im Nara-Park, in der Kaiser Shomu um 745 seinen Hauptsitz hatte. Im Todai-ji, dem größten aus Holz gebauten Tempel, hebt der Daibutsu („großer Buddha“) die rechte Hand, als Symbol des Friedens. Es ist die größte bronzene Buddha-Statue der Welt.

Shirakawago – verborgene Geschichte

Die Reise führt uns in die Berge der japanischen Alpen. Zwischenstopp für eine kurze Fotosafari im malerischen Dorf aus strohgedeckten Bauernhäusern, welches auch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte. Die Bewohner betrieben Reisanbau und Seidenraupenzucht. Auch für Schießpulver und Seidenraupenseife erlangten sie Berühmtheit.

In Takayama erleben wir den architektonischen Charme der Vergangenheit. In der alten Provinzverwaltung erhalten wir Einblicke, wie Gericht gehalten und eine Stadt verwaltet wurde. In einer Sake-Brauerei inmitten der Altstadt probieren wir für nur 300 Yen zwölf Sake-Variationen und zwei Kartoffel-Weine. Köstliches Hidda-Beef (das Pendant zum Kobe-Beef) lassen wir uns abends in einem traditionellen Restaurant zum Selbergrillen schmecken. Übrigens werden die Qualitätsstufen bei der Maserung des Fleisches in bis zu fünf A-Klassen eingeteilt. A5 = Premiumqualität, während Filet aufgrund der fast nicht vorhandenen Maserung einen Level außerhalb/unterhalb der A-Klassen einnimmt.

Yamanouchi – die Affen sind los

In der Präfektur Nagano inmitten der Berge statten wir dem „Wild-Snow-Monkey-Park“ bei leichtem Schneefall einen Besuch ab. Hier nehmen die in den Wäldern heimischen Makaken-Affen gern bei sehr kaltem Wetter ein Bad in den heißen Quellen, das in Japan „Onsen“ heißt und bei Menschen gleichermaßen beliebt ist.
Nagano – Olympiametropole von 1998
An die Olympischen Winterspiele erinnert einzig ein Denkmal an der großen Glocke beim Zenko-Tempel. Alle prächtigen Sportbauten von einst sind dem Erdboden wieder gleichgemacht. Liebhaber der Eisenbahn können indes im prächtigen Bahnhof alle Zugvariationen des mobilen Japans besichtigen. Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fährt mit durchschnittlich 206 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von über 440 km/h durchs Land der Vulkane und Erdbeben. Übrigens, ein Zugführer muss bereits bei 1 Minute Verspätung zum Report! – Pünktlichkeit ist eine gelebte Tugend!

In Matsumoto besichtigen wir die gleichnamige sehr gut erhaltene alte Burg, die in der Übersetzung „Krähenburg“ heißt und damit fast schon Heimatgefühle aufkommen lässt.

Fuji-san

Der Fuji-Hakone Nationalpark im Fünf-Seen-Gebiet beschert uns bei bestem Wetter einen fantastischen Blick auf den heiligen Berg – Fuji-san (im japanischen ist dieser Berg übrigens weiblich!). Sie ist noch immer ein aktiver Vulkan mit beeindruckenden 3.776 Höhenmetern. Seit 2013 gehört der höchste Berg Japans dank seines perfekten Kegels ebenfalls zum Weltkulturerbe. Ganz Nippon sitzt auf sprichwörtlich heißen Kohlen, da die Dame bereits seit Mitte der Achtziger für ihren nächsten Ausbruch ausgezählt ist. Doch noch ist alles ganz ruhig.

Tokyo – Megacity

In 2019 zählt die heutige Hauptstadt 13,6 Mio. Einwohner, die ganze Präfektur Tokyo beheimatet über 36 Millionen Menschen. Da wird es schon mal eng, in den Straßen und in den Wohnungen. Unser Reiseleiter lebt mit seiner Familie (Frau und Kind) auf gerade einmal 50 qm und nennt dies für Tokyo „großzügig“, bei einer Monatsmiete von über 1.700 € (kalt). Dafür pulsiert hier das Leben. Im Stadtteil Ginza ist nicht nur die Modewelt zu Hause, alle international namhaften Edel-Marken haben sich niedergelassen und sind auf die finanzkräftige Klientel eingestellt.

Im Wolkenkratzerviertel Shinjuku wurde 1991 das Rathaus der Stadt mit imposanten 243 Höhenmeter nach den Plänen des Stararchitekten Kenzo Tange errichtet. Die Bauzeit betrug nur drei Jahren, die Baukosten ca. 1 Mrd. USD. Hier werden im Sommer 2020 die Olympischen Sommerspiele eröffnet.

Der Tokyoer Fernsehturm „Sky Tree“ ragt mit 634 m am Ufer des Sumida-Flusses majestätisch über die Stadt. Im traditionellen Stadtteil Asakusa empfängt der buddhistische Kannon-Tempel seine Besucher. Pilger zieht es zum imposanten Meiji-Schrein.

Einmal in Tokyo U-Bahn fahren, ist für Europäer ein Erlebnis und eine Herausforderung zugleich. Wenngleich das System logisch und einfach ist, mangelt es doch an der Lesbarkeit. Alles auf Japanisch! Die freundlichen und hilfsbereiten Japaner(innen) sind aber schnell zur Stelle.

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– hier geht die Sonne auf! Arigatho – Nippon!

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein