Wirtschaft

Markenbotschafter sind die neuen Marktschreier

Wie Influencer-Marketing vom vermeintlich kurzen Internettrend zu einer der wichtigsten Marketingstrategien von Unternehmen wurde.


Ur-Moerser Detlev Steves mit Hund Kai-Uwe. Ein Sympathieträger, wie auch die ENNI Unternehmergruppe erkannt hat.

 

In Zeiten, da fast jeder einen Adblocker im Browser installiert hat, versucht, die Werbung vor YouTube-Videos so schnell wie möglich wegzuklicken, und der TV-Werbung mit einem Seitensprung zu Netflix und Co ausweicht, hat es die Werbebranche deutlich schwerer, potenzielle Kunden zu erreichen. Auch das Plakat mit dem „witzigen“ Spruch zieht nur noch halbwegs. Gefragt ist: authentische Kommunikation – vertraut man doch heute lieber auf den letzten Post eines „Freundes“, der in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Co interagiert hat.

Auf dieses Bedürfnis einer authentischen und ehrlichen Empfehlung eines „Freundes“ setzen Unternehmen, wenn sie Social-Media-Influencer für ihre Marke sprechen lassen. Somit sichern sie sich den Weg in zahlreiche Jugendzimmer und Haushalte. Ein unterhaltsames Video, in dem nebenbei auch noch ein Produkt empfohlen wird, klickt niemand so schnell weg – „lästige“ Werbeanzeigen schon. Außerdem spielt das Vertrauen, das sich ein Influencer zu seiner Community aufgebaut hat, eine wichtige Rolle – die Zielgruppe erhält regelrecht das Gefühl, Empfehlungen eines tatsächlichen Freundes zu bekommen.

 

20 Prozent Wachstum sind drin

Was in den USA als „The New King of Content” gehandelt wird, nimmt seit einiger Zeit auch hier in Deutschland Fahrt auf – gerade große Unternehmen stellen mittlerweile hohe Budgets für Influencer Marketing bereit. Schließlich sind solche Markenbotschafter, denen bereits Millionen Menschen vertrauen, schwer zu finden und ihr Geld wert. Allein in 2017 haben deutschsprachige Influencer in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) rund 560 Millionen Euro netto umgesetzt. Und die Entwicklung geht weiter, nach einer Goldmedia-Marktstudie wird der Markt für Influencer-Marketing in der DACH-Region jährlich um 20 Prozent wachsen und so 2020 an der Milliardenmarke kratzen, das deutsche Marktvolumen läge dann schon bei über 800 Millionen.

 

Fanta(stische) Ideen

Ein gutes Beispiel für eine Influencer-Kampagne ist die von Fanta, die dank der Unterstützung von YouTuber Julien Bam sehr erfolgreich war. Mit aktuell über fünf Millionen Abonnenten zählt Julien Bam zu den bekanntesten und erfolgreichsten YouTubern Deutschlands und sorgt mit seinen aufwendig und hochprofessionell produzierten Videos immer wieder für virale Trends. Das hat die Coca-Cola Company erkannt und sich beim Projekt „Fanta x You“ zu Nutzen gemacht. Neben YouTube interagiert Julien Bam auch über Snapchat, wie gewohnt mit seinen Fans – nur eben unter der Flagge von Fanta. Über die verschiedenen Posts und Videos hinaus, wurde das Projekt um die klassischen Medien erweitert. Die Fans wurden aufgefordert ihre eigenen Vorschläge in einem Fanta Poster umzusetzen. Die besten Ideen wurden ausgewählt und hingen in ganz Deutschland an Bushaltestellen, Bahnhöfen und Litfaßsäulen.
Es muss aber nicht immer ein Influencer vom Kaliber Julien Bam sein, damit eine Kampagne erfolgreich ist. Vielmehr muss der neue Markenbotschafter zur Zielgruppe des Unternehmens passen. Es bringt wenig und es ist auch nicht authentisch, wenn Heidi Klum Gemüse aus einem niederrheinischen Bauernladen um die Ecke postet. Viel mehr Sinn macht es, wenn sich ein lokaler Sneakerstore auch einen Sneakerblogger ins Boot holt und wenn der, wie Christopher Blumental, noch dazu aus Krefeld kommt, ist die Marketingstrategie so gut wie perfekt. Da wären wir wieder bei der angesprochenen Authentizität, die bei der Gewinnung neuer Kunden so wichtig ist. Selbst wenn Christopher Blumenthal mit seinem Deadstock Sneakerblog nicht die Reichweite von einem Julien Bam hat – ein Post oder eine nette Erwähnung sind trotzdem mehr wert. Schließlich zählt er zu den größten und erfolgreichsten Sneakerbloggern Deutschlands und spricht so genau die Zielgruppe des stationären Ladens an.

 

Ein Moerser für ENNI

Gerade die lokale Verknüpfung ist eine wichtige Komponente, die beim Influencer-Marketing als starkes Ass ausgespielt werden kann. Ein gutes Beispiel dafür kommt aus Moers, wo die ENNI- Unternehmensgruppe Detlef Steves als Webepartner für sich gewinnen konnten. Der Ur-Moerser, der als „Hochdruckhandwerker“ in der TV-Show „Ab ins Beet“ Berühmtheit erlangte, ist seit Anfang 2018 das Werbegesicht der Stadtwerke – und es gibt wohl kaum einen Influencer, der verliebter in die Stadt Moers ist als er. Trotz seiner Bekanntheit – er hat knapp 500.000 Follower auf Facebook und über 100.000 Instagram-Abonnenten – hat es „Deffi“ nicht nach Berlin, München, Hamburg oder Köln verschlagen. Noch immer lebt er mit seiner Frau Nicole, der englischen Bulldogge Kai-Uwe und der Chihuahua-Hündin Diva in seiner Geburtsstadt Moers. Auch das nennt man Authentizität. Mit den genannten Followern zählt Detlef Steves zu den sogenannten Micro-Influencern, die das Talent haben, ihre Community von ihren Ansichten zu überzeugen.

„Genau der Richtige für uns“, wie ENNI-Energie-Umwelt-Geschäftsführer Stefan Krämer findet. „Werben muss jeder – auch ENNI“, so Krämer, der überzeugt ist, dass die Deffi-Kampagne den mit bislang rund 26.000 Kunden bundesweit erfolgreichen Strom- und Gasvertrieb weiter ankurbelt. „In Moers verwurzelt, aber weit über die Grenzen unserer Stadt bekannt“, bringe Deffi, der sich selbst nicht als Promi sieht, die nötige Aufmerksamkeit im hart umkämpften Energiegeschäft. Auch für die kommunalen Services der ENNI Stadt & Service sieht deren Vorstandsvorsitzender Hans Gerhard Rötters in Steves die ideale Werbefigur: „Deffi ist ein Typ, der polarisiert. Das bringt uns bei knappen Budgets mehr Wahrnehmung für unsere Aufgaben rund um die Infrastruktur in unserer Stadt und die tollen Moerser Bäder- und Sportstätten.“ Detlef Steves, der auch Werbefigur für Hyundai und Wenko ist, freut sich besonders für ein Moerser Unternehmen zu werben, denn er habe richtig Spaß, mit ENNI den Energiemarkt aufzumischen und in Moers die lokale Imagekampagne zu unterstützen.

 

 

„Mit Tanz- und Musik-Videos zum Erfolg: Julien Bam zählt mit mehr als fünf Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten deutschen YouTubern“

 

Der Influencer muss passen

Der kurzgeglaubte Trend, Influencer-Marketing, geht also deutlich über das reine „Produkt in die Kamera halten“ hinaus und hat sich auch bei uns am Niederrhein gefestigt und wichtig gemacht. Ziele wie Branding oder eine hohe Reichweite, können durch Influencer-Marketing gut und nachhaltig erreicht werden. Die Wahl des passenden Influencer muss aber gut überlegt sein und darf ruhig auch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn der Erfolg hängt maßgeblich von dem Markenbotschafter ab. Jeder elfte Deutsche ist laut einer Studie der Hochschule Macromedia ein Influencer, darunter muss erst der passende gefunden werden. Maßgeblich sollte der Influencer also zur Marke, Leistung oder zum Service passen, damit eine nachhaltige Bindung entstehen kann. Erst dann schaffen es Marke und Influencer, die Bindung auf ihre Follower auszudehnen. Außerdem sollte das Hauptaugenmerk, bei der Wahl der Influencer, nicht auf der reinen Like-Zahl liegen. Vielmehr geben Faktoren wie Interaktionsrate, Postfrequenz, Reichweite und die Auffindbarkeit im Netz Aufschluss über das Potenzial eines Influencers.

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein