Gesundheit

LEBEN VERÄNDERN – NEUE PERSPEKTIVEN ÖFFNEN

Dr. med. Daniel Sattler ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Als Leiter der Beta Aesthetic bringt er seine Patienten wieder in Einklang mit ihrem Körperbild. Und in der Beta Humanitarian Help kümmert er sich um Menschen in der Dritten Welt – und verhilft ihnen zu neuen Perspektiven. Das Top Magazin sprach mit dem Bonner Chirurgen über sein Herzensprojekt.


 

 

Top: Warum sind Sie Plastischer Chirurg geworden?

Dr. Sattler: Ich war schon immer fasziniert von dem Spannungsfeld zwischen Plastischer und Ästhetischer Chirurgie, die beide stark ineinandergreifen. Als Plastischer Chirurg anderen helfen zu dürfen, empfinde ich als Privileg – denn man schaut tief in die Seele des Menschen, wo es um Wünsche, Sehnsüchte und Leidensdruck geht. Ich bin dankbar, anderen durch meinen Beruf zu einem stärkeren Selbstwertgefühl verhelfen zu können.

Top: Wie kam es 2013 zur Gründung der Beta Humanitarian Help?

Dr. Sattler: Während wir uns hier den Luxus einer rein elektiven Chirurgie erlauben, gibt es Menschen in der Dritten Welt, die keine medizinische Versorgung haben, um wichtige Operationen durchführen zu lassen, die ihr Leben verbessern. Diesen Menschen will ich mit meiner Initiative helfen – denn rein operativ macht es kaum einen Unterschied, ob man eine Nase auf Wunsch korrigiert oder nach einer Tumorentfernung rekonstruiert.

Top: Woher kommen die Gelder für Ihren humanitären Einsatz?

Dr. Sattler: Der größte Teil wird über unsere Charity Gala finanziert, die in diesem Jahr am 20. Mai im GOP Varieté-Theater Bonn erneut unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister a.D. Ashok Sridharan steht. Ohne groß die Werbetrommel zu rühren, wurden für die 2. PROBASKETS Charity Gala zugunsten der Beta Humanitarian Help bereits über 200 Karten verkauft. Ich denke, die Menschen freuen sich wieder auf solche Veranstaltungen, weil sie in der augenblicklichen Situation, wo man nicht dauernd irgendwo eingeladen wird, etwas Besonderes sind. Darüber hinaus unterstützen uns große Unternehmen wie proWIN.

Top: Wo waren Sie schon im Einsatz?

Dr. Sattler: Wir haben 2013 in Peru in nur sieben Tagen 60 Operationen durchgeführt sowie mehr als 120 Patienten untersucht und beraten. Zwei Jahre später haben wir in Nepal überwiegend Schwerverletzte des Erdbebens im Frühjahr operiert, und 2017 in Madagaskar in zwölf Tagen rund 56 Eingriffe im Bereich der Gesichts- und Handchirurgie durchgeführt sowie schwere Verbrennungsopfer behandelt. 2018 konnten wir in Togo zahlreiche erfolgreiche Operationen durchführen und im gleichen Jahr in Uganda schwerwiegende Säureverbrennungen behandeln. Zuletzt waren wir 2019 in Burundi, was damals politisch relativ unsicher war, sodass wir während des gesamten Einsatzes Militärschutz hatten.

Top: Was ist an dieser Arbeit anders als in der Beta Aesthetic?

Dr. Sattler: Es geht um gravierende Entstellungen, wo Funktion und Ästhetik stark zusammenspielen, und nicht um die Frage, ob man eine Nase noch schöner machen kann. Wir sehen Kinder und Erwachsene, die beispielsweise unter geschwulstartigen Tumoren im Gesicht leiden, was nicht nur die Funktionalität einschränkt, sondern auch ihre Perspektive, einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Hinzu kommen Arbeitsunfälle mit Verbrennungen und Verätzungen. Viele laufen barfuß und tragen schwere Baugüter, die beim Sturz zu offenen Knochenbrüchen führen. Wir fliegen gut ausgestattet in einen Einsatz, wissen aber nie ganz genau, was uns dort erwartet. Der Andrang ist meist höher als das, was wir bewältigen können. Der Bürokratismus, in dem wir hier alle stecken, existiert dort nicht. Man interagiert viel mehr mit den Menschen. Der gegenseitige Respekt und die Dankbarkeit, die einem entgegengebracht werden, sind enorm, weil man dem Leben eine zweite Chance gegeben hat durch das eigene Handeln. Ich nehme viel mit zurück, das nicht in Euro messbar ist, und es erfüllt mich auf einer ganz anderen Ebene.

Top: Wer begleitet Sie dieses Mal nach Burundi?

Dr. Sattler: Wir werden in diesem Jahr erstmals mit zwei aufeinanderfolgenden Teams fast vier Wochen lang im Einsatz sein. Ich fliege am 13. April mit meiner Crew nach Burundi und zehn Tage später erfolgt die Übergabe ans zweite Team, das dann bis 30. April bleibt – geleitet von PD Dr. med. Armin Kraus, der schon 2019 in Burundi war und dementsprechend einsatzerfahren ist. Unterstützt werden wir von Dr. med. Lisa Gambhir, Fachärztin für Allgemeinmedizin am Centre Hospitalier de Luxembourg, und Michael Bochnick, Leitender Arzt der Anästhesie in der Beta Klinik Bonn.

 

 

Top: Wie bereiten Sie sich vor?

Dr. Sattler: Wir haben Anfang Februar das Centre Médical Hippocrate in Burundi darum gebeten, vergleichbare Fälle zu suchen, wie wir sie schon beim letzten Mal dort erfolgreich behandeln konnten. Diese Patienten werden uns vorab per E-Mail vorgestellt, damit wir direkt für die ersten Tage einen OP-Plan erstellen können. Labore und Tests lassen wir schon im Vorfeld durchführen. Wie bei unserem letzten Einsatz 2019 werden wir am Tag der Ankunft direkt vom Flughafen ins Krankenhaus fahren, um dort die ersten OP-Fälle vorzuuntersuchen, damit wir direkt am nächsten Tag mit der ersten Operation starten können.

Top: Mit welchen Gefühlen fliegen Sie nach Burundi?

Dr. Sattler: Nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause sind alle im Team ganz euphorisch und können es gar nicht erwarten, den Menschen dort unten zu helfen. Wir stecken mitten in der Planung und haben bereits im Februar dem Einsatzleiter und Koordinator von Burundikids Ersatzteile für ein Beatmungsgerät zur Narkose mitgegeben. Die Techniker bauen das jetzt ein, sodass in Kürze hoffentlich alles repariert und einsatzbereit ist. Wir sind sehr gespannt, welche Menschen und Schicksale uns dieses Mal erwarten.

 

Spendenkonto:
IBAN: DE21370502990047009145
BIC: COKSDE33XXX Kreissparkasse Köln

 

Reisten im Oktober 2019 nach Burundi (v.l.): Doreen Sattler (Vereinsvorsitzende Beta Humanitarian Help), Dr. Daniel Sattler (Plastischer Chirurg), Sigrid Martens (Krankenschwester), PD Dr. Armin Kraus (Plastischer Chirurg) und Maria von Kohout (Doktorandin Plastische Chirurgie).
UNTERNEHMENSINFORMATIONEN
Dr. med Daniel Sattler Leitender Arzt & Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie Beta Klinik Bonn
Joseph-Schumpeter-Allee 15 53227 Bonn
Telefon
0228 909075-778
Artikel von www.top-magazin.de/bonn