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Anja Fichtel – Fechtmeisterin

Unverhofftes Fotoshooting für Fotograf Ralf Schultheiß mit Anja Fichtel


Anja Fichtel

Anja Fichtel vor der Kamera

Das Bundesleistungszentrum in Tauberbischofsheim 1991. Ralf Schultheiß ist von einem deutschen Lifestyle-Magazin beauftragt, die Fechterinnen der Nationalmannschaft in ihrem Trainingszentrum zu fotografieren. Vorgabe des Chefredakteurs: „Es darf ruhig erotisch sein…!“ Der Tag des Shootings beginnt jedoch mit einer leichten Enttäuschung für den Fotografen. Die eine Person, die Presse und Fotografen heiß begehren, Anja Fichtel, ist gar nicht vor Ort.

Profi genug, lässt er sich nichts anmerken und startet das Shooting mit der Fechterinnen-Equipe. Es läuft gut, Fotograf und Assistent haben alle Hände voll zu tun und es dauert länger als geplant. Ralf Schultheiß fotografiert bis in die Abendstunden – vielleicht Glück oder auch Fügung. Nach der Foto-Session gönnen sich die „Sport-Models“ und ihr Fotograf in der Kantine des Leistungszentrums eine Ruhepause, als SIE hereinkommt und mit großem Hallo von allen begrüßt wird: Der Star der Mannschaft, Anja Fichtel, ist überraschend ins Zentrum zurückgekehrt. Eine großartige Gelegenheit, die genutzt werden muss,


denn lässig wendet sich die Fechterin an Ralf Schultheiß: „Und, machen wir jetzt ,was für den Playboy?“


Der Fotograf nimmt die kecke Herausforderung der Sportlerin an und möchte „die Frau hinter der Maske“ zeigen. Stimmung und Atmosphäre passen. Vor einem weißen Laken, das Schultheiß bei seinen Shootings immer dabei hat, nimmt Anja Fichtel  Aufstellung, aber nicht in klassischer Fecht-Montur mit schützender Maske.

Den bloßen Oberkörper nur mit ihren Armen und einem Florett bedeckt, schaut sie in die Kamera. Kein Shooting für das Männermagazin, aber die Geburtsstunde eines Fotos, das bundesweit in allen bekannten Magazinen, Boulevardblättern und Tageszeitungen erschien. Es erhielt Einzug in die 2005 erschienene Enzyklopädie „Deutschland im SPIEGEL“ und wurde 2013 in einem BILD-Zeitungsbericht über die Jahrhundert-Fechterin wiederverwendet. In einem Interview mit dem Stern sagte Anja Fichtel später, dass sie mit diesem Foto zeigen konnte, dass sie „nicht nur eine Fechtmaschine, sondern auch eine sensible Frau“ sei. Eine Frau mit einer Aussage erhielt ihr Foto mit genau dieser Aussage.

Anja Fichte: Die heute 46-Jährige war die jüngste Fecht-Weltmeisterin und das Jahrhundert-Talent des Fechtsports. Ihre großen Erfolge verzeichnete die Ausnahme-Fechterin zwischen 1986 und 1996. 1997 nahm sie offiziell Abschied vom Fechtsport. Die gebürtige Tauberbischofsheimerin (Baden-Württemberg) ist zum zweiten Mal verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr