Cuisine

Chillen beim Grillen mit der Plancha

Nach dem Grillen ist vor dem Grillen – und dazwischen liegt die meist lästige Reinigung des Gerätes, jedenfalls beim traditionellen Grill. Deutlich leichter wird es mit der Plancha, die ich Ihnen heute gern mal vorstellen möchte und mit der Sie höchstwahrscheinlich noch häufiger Spaß am Grillen haben …


Der Plancha Grill

Ganz ehrlich: Was mich bislang am meisten vom Grillen abhielt, war die anschließende Reinigung des Grills. Da ich nach dem Wenden und Hin- und Herschiebens des Grillguts meist mit Essen, Trinken und anschließend mit „Müde sein“ beschäftigt war, hatte ich das Grillgerät auch nicht, wie es sich gehört, sofort gereinigt, sondern diese unschöne Aufgabe auf später verschoben. Dieses war dann der Moment, in dem meine Gattin mich fragte: „Wollen wir heute grillen, Schatz?“ Ich sah mich dann, über den Badewannenrand gebeut, mit einer Bürste die unappetitlichen Überreste vom letzten Grillen vom Rost schaben, um anschließend die alte kalte Asche zu entsorgen und den Grill zu putzen. Die Antwort an meine Frau lautete meist: „Lass uns lieber was essen gehen, Liebes.“

Meine Rettung war die Plancha

Allzu oft hatten wir mehrere Jahre lang nicht mehr privat gegrillt. Meine Rettung war die Plancha: ein Gasgrill, der, statt Grillrost, über eine Grillplatte verfügt. Ähnlich wie ein japanischer Teppanyaki-Grill. Jetzt ist eine Grillplatte nicht weniger pflegeintensiv als ein Grillrost, sollte man denken. Weit gefehlt! Eine Plancha ist erst dann eine richtige Plancha, wenn die Grillplatte eine gewisse Stärke (ab 6 Millimeter), das richtige Material (Stahl) und genug Energie (zwei Gasbrenner) zur Verfügung hat. Nur bei dieser Konstellation ist es möglich eine Temperatur von über 300 Grad Celsius auf der Grillplatte zu erreichen. Bei dieser Temperatur stellt sich ein physikalischer Effekt ein, der sich „Leidenfrost“-Effekt nennt. Hierbei handelt es sich um den Effekt, den man kennt, wenn man Wasser auf eine ganz heiße Herdplatte schüttet: Das Wasser verdampft nicht zischend, sondern trollt sich als Wasserperlen über die Herdplatte. Das Gleiche passiert mit dem Essen: Zwischen den Speisen und der Grillplatte entsteht ein kleines Luftpolster, das verhindert, dass das Gargut anbrennt oder zu schnell schwarz wird, und das dafür sorgt, dass Olivenöl trotz seines geringen Rauchpunktes nicht verbrennt. Vielmehr verwandelt sich die Farbe der Speisen relativ schnell in ein Goldbraun und die Röstaromen werden ganzflächig herausgekitzelt. Die Resultate sind ein hocharomatisches, saftiges Stück Fisch oder Fleisch, knackige Gemüse und sogar außergewöhnliche Dessertkreationen vom Plancha-Grill.

Für Grillfreunde mit Ansprüchen

Durch die ausgefeilte Technik ist es sogar möglich, das Grillgut mit Spiegelei zu servieren und karamellisierte Nüsse zuzubereiten. Besonders verwöhnte Grillfreunde, die im Grillen nicht nur eine lustvolle Zubereitungsart von Würstchen und Nacken-Koteletts sehen, sondern durchaus kulinarische Ansprüche haben, sind von der Plancha begeistert, denn die Zubereitung eher diffiziler Speisen wie Fisch oder Meeresfrüchte fällt mit der Plancha sehr leicht. Auch das Würzen der Speisen ist viel variantenreicher und einfacher als bei herkömmlichen Grills. Man kann jedes Grillgut mit Flüssigkeiten wie Fonds oder Marinaden übergießen. Die Flüssigkeiten verdampfen sofort und das Aroma bleibt an der Grillspeise haften. Ja, selbst das Dämpfen ist auf der Plancha möglich, wenn man nach dem Übergießen eine Glocke über das Gargut stülpt. Aufgrund der großen Hitze ist das Essen sehr schnell gegart, und der Grillmeister hat die Möglichkeit, mit seinen Gästen gleichzeitig und zusammen zu essen – der sonst übliche „Strafdienst“ am Grill entfällt. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden bei Grillabenden an der Plancha oft fünf oder sechs Kleinigkeiten hintereinander zubereitet.

Der „Leidenfrost“-Effekt macht’s möglich

Aber damit nicht genug: Das verblüffendste Erlebnis ist und bleibt das abschließende Reinigen der Plancha. Sie müssen einfach nur eine Tasse Wasser auf die knallheiße Grillplatte gießen. Der „Leidenfrost“-Effekt löst augenblicklich alle Speisereste und Grillrückstände von der Grillplatte ab und diese werden dann mit einem Schaber in die Fettauffangschale geschoben, und diese kommt dann in die Spülmaschine. Der ganze Reinigungsvorgang dauert nicht mehr als 15 Sekunden – kein Witz. Es funktioniert tatsächlich, ich schwör. Für mich ist die Plancha ein Grund, bei schönem Wetter bis zu viermal pro Woche zu grillen, denn man kann wirklich alles damit zubereiten; nicht nur Fisch, Fleisch und Gemüse, auch Risotti oder in kaltem Wasser eingelegte Nudeln, Bratkartoffeln, Früchte und Omeletts oder Pfannkuchen. Alles geht! Ein Paradies für Gourmets und für Gourmands und deren Mischwesen, von denen ich eins bin.


Viel Spaß und einen chilligen Grillabend mit der Plancha wünscht Ihnen

Ihr Ralf Bos bosfood.de

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein