Menschen

Am liebsten nur Musik

Als Musikerin ist Makeda Michalke eine echte Bonner Institution. Mit ihrer Band „Steal a taxi“ bespielte sie so ziemlich alle Bonner Bühnen, bevor es sie zum Musical zog und beinahe sogar nach Tel Aviv zum Eurovision Song Contest. Mit Top Bonn sprach sie über echte Highlights ihrer Karriere, Tücken des Musikgeschäfts, ihre Zusammenarbeit mit der Telekom und warum sich Sebastian Vettel bei ihr für einen Formel-1-Sieg bedankte.


 

Wer Makeda privat begegnet, erlebt eine bescheiden auftretende, allzeit gut gelaunte Künstlerin, die gerne lacht und so gar nichts von einer Diva an sich hat. Der Eindruck darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie gelernt hat, sich in einer nicht immer einfachen Branche durchzusetzen. Am liebsten würde sie aber einfach nur Musik machen, und das bevorzugt in Bonn.

Top: Du bist gebürtige Bonnerin mit Wurzeln in Trinidad, pendelst heute zwischen Köln und deiner Heimatstadt hin und her. Warum zieht es dich immer wieder hierher?

Makeda: Ich sage allen immer ganz konsequent, dass ich aus Bonn komme, weil hier einfach mein Zuhause ist. Das merke ich schon, wenn ich mit dem Zug einfahre. Da stellt sich ein Heimatgefühl ein. Und auch wenn es klischeehaft klingt, aber mein Lieblingsplatz ist die Rheinaue. Ich finde da so viel Ruhe und Frieden, egal ob ich mit meiner Familie spazieren gehe oder Inliner fahre, jogge oder auf der Wiese liege. Die Mischung aus Ruhe, Rhein und Sonnenschein macht es für mich. Meine ersten Schritte als kleines Kind habe ich tatsächlich im Schatten der UN gemacht, auf dem Gelände, wo demnächst einmal der Aire-Tower mit seinem Konzertsaal stehen soll. Da schließt sich dann fast schon ein Kreis.

Top: Bei einer Musikerin würde man ja eher erwarten, dass es sie in die Großstadt zieht.

Makeda: Was Musikkontakte angeht, hat Köln natürlich wahnsinnig viel zu bieten, aber das ist ja nur die eine Seite. Ich habe in Bonn mit der Musik angefangen und mich von der Stadt und den Menschen hier immer aufgefangen und unterstützt gefühlt. In Bonn Musikerin zu sein, das war für mich schon immer ein großes Geschenk. Ich durfte mit meiner damaligen Band sogar Botschafterin der Stadt in China sein. Ich habe gefühlt jede Bonner Ecke schon bespielt, die Museumsmeile, den Kunstrasen, den Alten Zoll, den Marktplatz. Und noch nie habe ich das Gefühl gehabt, dass das Publikum mich nicht mag oder mich nicht als eine von ihnen sieht. Ich glaube, das kann nicht jeder von sich und seiner Stadt behaupten. Ich bin jedenfalls sehr stolz darauf.

Top: Beinahe hättest du Bonn beim Eurovision Song Contest vertreten. Wie kam es dazu?

Makeda: Der ESC war immer ein Traum von mir und ich hatte jahrelang vergeblich versucht, mich zu bewerben, und dann wurde ich gleich mehrmals in Folge aktiv angefragt. Beim ersten Mal haben mir aber weder die Songs noch die Vertragsbedingungen gefallen, und so bin ich gar nicht erst eingestiegen. Für den Vorentscheid 2019 durfte ich meinen Song aber dann selbst schreiben, es gab keine Knebelverträge und das klang für mich soweit gut. Die Reise war aber insgesamt anstrengend. Zum Teil war es wunderschön und ich habe mich auch in vielen Bereichen gehört und unterstützt gefühlt. In anderen Bereichen hingegen war es eher schwierig und kräftezehrend.

Top: Wie muss man sich das vorstellen?

Makeda: Man hat einfach von vielen Seiten an mir und den anderen Kandidaten gezerrt. Auch finanziell fühlten wir uns eher alleingelassen. Es gab zwar eine Aufwandsentschädigung, aber die hat nicht einmal die Produktionskosten für den Song decken können. In letzter Sekunde wurde uns dann noch ein neuer Act als Mitbewerber mit einer problematischen Jurykonstellation vorgesetzt, die viel Kritik ausgelöst hat. Das war alles einfach unordentlich und hat auch den Gewinnerinnen eher geschadet. Rückblickend möchte ich die Erfahrung zwar nicht missen, aber noch mal würde ich etwas in der Art nicht mehr machen wollen, sondern lieber authentisch bleiben. Lustigerweise werde ich bis heute von praktisch jeder Castingshow angefragt, die man so kennt. Von X-Factor UK und The Voice of Germany über The Four mit P. Diddy in den USA bis zu DSDS war schon alles dabei.

 

 

»Für den Herbst habe ich tatsächlich schon wieder erste Konzertbuchungen, bei denen wir dann hoffentlich wieder vor Publikum spielen können.«

 

Top: Ein weiteres Casting hast du dann noch mitgemacht und sogar gewonnen – nämlich für das Musical Bodyguard, das lange in Köln und Wien gespielt wurde.

Makeda: Freunde hatten mich auf das Casting aufmerksam gemacht. Ich hatte schon von dem Musical gehört und dachte, dass ich das stimmlich gar nicht schaffen würde. Und dann hatte ich auch weder Tanz- noch Schauspielerfahrung. Ich dachte mir aber, ich könnte es mir ja zumindest einmal anschauen und habe spontan vorgesungen. Tatsächlich wurde ich dann gefragt, ob ich dabei sein wollte, und obwohl ich zu der Zeit auch unbedingt meine eigene Musik machen wollte, habe ich den Vorteil der Ausbildung gesehen, die ich dabei genießen würde. Und überhaupt: Einmal die Songs von Whitney Houston auf einer großen Bühne spielen zu dürfen, mal eine richtige Diva, ein richtiger Popstar zu sein, zu tanzen, zu schauspielern und all das zu bezwingen, wovor ich eigentlich auch ein bisschen Angst hatte, das schien mir dann doch wie ein besonderes Abenteuer. Und da habe ich einfach Ja gesagt und jeden Abend vor rund 1.600 Menschen im Musical Dome in Köln gespielt. Nach Wien ins Ronacher Theater bin ich dann später auch eingeladen worden. Das war sehr spontan und ich wurde extra eingeflogen und habe dann unter Standing Ovations meine Rolle als Hauptdarstellerin gespielt.

Top: Deine Rolle bei Bodyguard hat dich dann auch zur Formel 1 auf den Hockenheimring gebracht, wo du die Nationalhymne gesungen hast.

Makeda: Oh ja, und wow, das war echt toll. Ich muss allerdings sagen, als die Anfrage kam, habe ich mich zwar wahnsinnig gefreut, aber auch unfassbare Panik bekommen. Seit Sarah Connor, die sich da textlich einmal ziemlich versungen hat, ist die Nationalhymne für viele deutsche Musiker ein echtes Trauma. Aber natürlich war das vor allem eine riesige Ehre. Ich war zuvor noch nie bei einem Formel-1-Rennen und hier durfte ich plötzlich ganz nah an die Autos, in die Boxengassen und nachher vom besten Platz der ganzen Strecke aus zuschauen. Kurz vor dem Startschuss stand ich dann vor den Fahrern und habe ihnen a cappella die Nationalhymne vorgesungen, zitternd zwar, aber zum Glück fehlerfrei, und ich dachte, verrückter wird es nicht mehr. Doch dann hat sich Sebastian Vettel bei mir auch noch für den Sieg bedankt, als ob ich irgendetwas dazu beigetragen hätte! Er hatte vom letzten Platz aus starten müssen und sich dann in einem Regenrennen Runde für Runde nach vorne gekämpft. Ich sei sein Glücksbringer gewesen, hat er gesagt. Das war echt ein Traum und total cool.

Top: Nun liegt das alles in der Vergangenheit und im Moment ist es für Musiker und Künstler pandemiebedingt nicht so einfach, von ihrer Arbeit zu leben, weil es kaum Auftrittsmöglichkeiten gibt. Wie gehst du damit um?

Makeda: Auch hier kann ich mich wirklich glücklich schätzen, dass ich weiterhin Möglichkeiten bekomme, Musik zu machen und davon zu leben. In erster Linie ist es die Telekom gewesen, die mich jetzt schon mehrfach für digitale Formate gebucht hat. Dass sie da eine tolle Bühne für Künstler schafft, um den MitarbeiterInnen gerade in diesen Zeiten Kunst präsentieren zu können, zeigt eine tolle Verbindung zwischen Musik und Unternehmensgeist. Zuletzt durfte ich sogar einen Corporate Song für T-Systems aufnehmen und in einem weltweiten Stream performen.

Top: Wie genau lief das ab?

Makeda: Das war total spannend. Harald Lindlar ist selbst Mitarbeiter von T-Systems und hat einen Song für die Firma geschrieben, in dem er den Zusammenhalt, den er zwischen den Mitarbeitern spürt, in Musik und Text gefasst hat. Das hat mir ein Gefühl vermittelt, wie es sich anfühlen muss, Teil eines riesigen Teams zu sein. Der Song existierte also schon, aber es gab die Vision, ihn einmal in einem größeren Arrangement glänzen zu lassen und live für die Mitarbeiter zu streamen. Dafür bin ich angesprochen worden. Wir haben dann zusammen mit Wolfgang Dalheimer, dem Musical Director der Heavytones, ein Arrangement für Klavier, zwei Gitarren und Saxophon zusammengestellt. Aufgezeichnet und gestreamt haben wir es im BaseCamp, wo die Firma Showtime extra für uns ein riesiges Greenscreen-Studio mit ganz viel Technik aufgebaut hatte. Das war einfach ein richtig professioneller Tag, wie man ihn sich im Showbusiness vorstellt. Reinkommen, schminken, sich anziehen, die Band ist ready. Und das alles ganz ohne Reibung oder Widrigkeiten. Ein echter Musikertraum: Zum gedeckten Tisch kommen und einfach nur singen. Dabei wurde auch mir noch einmal bewusst, wie viele Menschen daran arbeiten müssen, dass so etwas möglich wird. T-Systems hat keine Kosten und Mühen gescheut, um dafür zu sorgen, dass wirklich ein hochwertiges Produkt entstehen konnte. Jeder einzelne hat gespürt, wie wundervoll es ist, wenn alles perfekt funktioniert. Wir spielen besser, wir spielen mit mehr Freude, und das kann man dann sehen und vor allem hören. Und genau dafür machen wir es eigentlich.

 

 

»Es wird leider immer alltäglicher, dass Musiker die Qualität ihrer Arbeit an vielen Stellen reduzieren, um Kosten zu sparen.«

 

Top: Etwas Ähnliches hast du auch in Eigenregie schon einmal umgesetzt.

Makeda: Das war ein Weihnachtskonzert für einen guten Zweck, das ich zusammen mit dem Gitarristen Matt Sonnicksen erarbeitet hatte. Auch hier waren das BaseCamp und die Firma Showtime an unserer Seite, um die gute Sache zu unterstützen. Wir hatten mit Matthias Schwab sogar einen erfahrenen TV-Regisseur dabei, der sonst bei „Wer wird Millionär“ Regie führt. Ein richtiges Fernsehteam eben, das dafür gesorgt hat, dass unser kleines Konzert auch wirklich Fernsehqualität hat. Und genau das wollten wir eigentlich auch zeigen. Es wird leider immer alltäglicher, dass Musiker die Qualität ihrer Arbeit an vielen Stellen reduzieren, um Kosten zu sparen. Und jetzt in dieser Zeit, wo sie nicht noch hundert Jobs nebenbei haben können, um ihre Kunst zu finanzieren, wird einfach noch deutlicher, was verloren geht, wenn wir nicht alle Mühe reinstecken können. Wer von zu Hause aus streamt, hat nur noch sehr wenig, mit dem er arbeiten kann, um Emotionen zu schaffen. Und wenn man dann hingegen in so einem Livestream spielt, wo die Technik stimmt, das Bild perfekt ist, wo die Kulisse toll ausgestattet ist, da merkt man auch als Künstler noch mal, was für einen Unterschied das macht. Aber das geht eben nur, wenn alle Beteiligten angemessen bezahlt werden, Künstler und Technikdienstleister gleichermaßen. Im Endeffekt müssen das auch die Zuschauer und Zuhörer begreifen. Niemand kann seine Arbeit immer nur kostenlos anbieten. Wir arbeiten jetzt an mehreren Streams, für die man dann ganz regulär Tickets kaufen muss, und hoffen, dass die Leute da mitmachen.

Top: Wie sehen sonst deine musikalischen Pläne aus? Zuletzt hast du ja deine zweite Single veröffentlicht.

Makeda: Genau, wobei „Fabulous“ eigentlich nach Sommer klingt und für die Weihnachtszeit eine eher ungewöhnliche Entscheidung war. Ich wollte aber, dass die Leute in diesen schwierigen Zeiten, wenn sie morgens im Bett liegen und nicht wissen, warum sie gerade aufstehen sollen, einen Song haben, der ihnen hilft, sich daran zu erinnern, dass wir trotz aller Schwierigkeiten doch wunderbare und wertvolle Menschen bleiben. Auch wenn jetzt alles anders ist und die Welt nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Ich werde jetzt immer im Abstand von zwei bis drei Monaten neue Songs veröffentlichen, während ich parallel an meinem ersten Album arbeite. Produziert sind sie alle schon, jetzt arbeiten wir noch an den Konzepten für die Musikvideos. Und für den Herbst habe ich tatsächlich schon wieder erste Konzertbuchungen, bei denen wir dann hoffentlich wieder vor Publikum spielen können.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn