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Ruhrrevier

Klaus Roeser: Ein Leben mit Pferden

Wenn Klaus Roeser nicht bei seiner Familie ist, begleitet er als Equipe-Chef die deutsche Dressur-Nationalmannschaft weltweit


Equipe-Chef Klaus Roeser im Portrait

Pferde haben ihn schon immer fasziniert. Doch dass ihn diese Leidenschaft einmal bis zur Olympiade bringen würde, hätte sich Klaus Roeser, als mit 15 für ihn alles begann, auch nicht träumen lassen. Damals sattelte der Junge aus Essen buchstäblich um: Von Tennis und Fußball zum Reiten. Das hat er dann beim Essener Reitmeister Fritz Tempelmann von der Pike auf trainiert. Und dabei so viel gelernt über den Sport und die Pferde, dass er nun schon seit acht Jahren als Equipe-Chef die deutschen Dressur-Reiter zu allen Championaten in der Welt begleitet. Zuletzt nach Brasilien zur Olympiade.

„Das war schon toll“, lächelt der Mann, bei dem die Reiterei vielfältig das Leben geprägt hat. Toll: Gold für „seine“ Mannschaft in Brasilien, Silber und Bronze in den Einzel-Konkurrenzen obendrauf. Was er, Roeser, dabei leistet, ist ein reines Ehrenamt mit vielfältigen Aufgaben: „Als Equipe-Chef ist man wie die Mutter der Kompanie, das Mädchen für alles“, bekennt der 52-Jährige. Die Aktiven müssen es ihm wohl zutrauen, denn die Mitglieder der höchsten Kader wählen ihn seit 2008 in dieses Amt mit dem offiziellen Namen: Vorsitzender des Dressurausschusses beim Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR).

Klaus RoeserEin klingender Titel mit spannenden Herausforderungen und einer Menge Zeitaufwand. Das funktioniert bei Klaus Roeser deshalb so gut, weil auch seine berufliche Laufbahn an Pferdemenschen geknüpft ist. Paul Schockemöhle, Deutschlands Springreiter-Legende, machte den jungen Mann 1993 zum Geschäftsführer in seiner Unternehmensgruppe. Dort hat er weniger mit Vierbeinern als mit der riesigen schwarzen Lkw-Flotte Schockemöhles zu tun, und findet dabei gleichzeitig für das DOKR-Engagement den nötigen Background und Rückhalt.

Eng verwoben ist das mit Ehefrau Karin: Dressur aus Essen trifft Vielseitigkeit aus Lohne, es funkte bei einem Ball der Studentenreiter. Das bedeutet am Ende für Roeser den Wechsel aufs niedersächsische Land: Arbeiten bei Schockemöhle in Mühlen, leben wenige Kilometer weiter auf einem absolut idyllischen Anwesen in Lohne. Vier Töchter, Caroline, Katharina, Laura und Verena, sind dort groß geworden. Pferdemenschen, klar bei den Eltern, auch sie. Zur Familie gehören Rubio und Fabio, zwei Andalusier. Klaus Roeser gibt den Töchtern Unterricht, in den Sattel schwingt er sich selber „nur noch mal aus Jux und Dollerei“.

Aktives Turnierreiten hat er schon mit dem Studium an den Nagel gehängt: „Man kann nur eines richtig machen.“ Davor war er selber im Sattel bis zur Klasse S unterwegs, mit seinem ersten eigenen Pferd Crescendo, einem Grand-Prix-Wallach der Duisburger Olympia-Reiterin Gabriela Grillo. Die Grundlagen dafür lernte er bei Fritz Tempelmann in Essen-Schuir auf Schulpferden, bei dem Reitmeister, der auch Nicole Uphoff trainierte, die es selber im Sattel zu vier olympischen Goldmedaillen brachte. Aber nicht nur Erfolge zählten in der Ausbildung von Tempelmann: „Er war damals schon Vorbild bei dem, was man heute Horsemanship nennt“, erinnert sich Klaus Roeser.

Der Respekt vor den Pferden, seiner Riesenleidenschaft, leitet auch den Equipe-Chef Klaus Roeser. Das Pferd, sagt er, ist das einzige Lebewesen, das mit den Menschen auf Augenhöhe ist. Und das so viel zurückgibt.

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr