Schalke - wir sind erste Liga!
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Schalke - wir sind erste Liga!

 

Schalke - wir sind erste Liga!

Wer die Bedeutung des 1.FC Schalke 04 verstehen will, muss seinen Blick über aktuelle Tabellen­plätze hinaus richten. Um nachvollziehen zu können was passiert, wenn die Königsblauen, auf Kohle geboren und tief verwurzelt im Herzen des Ruhrpotts, nach Jahren des Drucks und Selbstzweifels wie „Phönix aus der Asche“ zurückkehren, sollte diesen Beitrag lesen und zumindest einmal bei einem Heimspiel „Auf Schalke“ gewesen sein. Nach drei Jahren in der 2. Bundesliga hat sich einer der größten und mitglieder­stärksten Traditions­vereine Europas zurück in die Erstklassigkeit gekämpft. Ein Klub, dessen Name im deutschen Fußball zu den größten gehört.

Auf Schalke wird nie „nur“ Fußball gespielt. Wer die legendäre Nordkurve erlebt hat, weiß, dass Schalke Identität, Heimat und Generationen­vertrag zugleich und Gelsenkirchens größter Stolz ist.

Schwere Zeiten sind dieser Aufstiegs­saison vorausgegangen. Das Top Magazin Ruhr hat den Vorstands­vorsitzenden Matthias Tillmann und Sportdirektor Frank Baumann interviewt um herauszufinden, wie es Schalke gelang, wieder erstklassig zu werden. Für Tillmann ist der Aufstieg kein „plötzliches Wunder“, sondern einerseits Ergebnis von vergangenen Entscheidungen und andererseits die Nutzung des Momentums, dass in der Geschäftsstelle, im Verein, im Zusammenspiel mit Fans und Mitgliedern eine Veränderung und Euphorie gespürt wurde. „Irgendwann merkt man einfach, hier entwickelt sich etwas Positives, etwas richtig – und daran halten wir jetzt fest“. Natürlich gibt es im Fußball selten den einen Augenblick, in dem aus Hoffnung endgültig Gewissheit wird. Schon gar nicht auf Schalke. Tillmann erinnert an das bis heute unvergessliche Liga-Finale 2001. Schalke war eigentlich schon Meister – aber nur für kurze 4 Minuten, bis die Bayern dann doch noch das alles entscheidende Tor und Schalke weg von Platz 1 schossen. „Im Fußball ist alles möglich, das haben wir 2001 auf Schalke im tragischen Sinne hautnah erleben müssen. Gewissheit gab es für mich daher dieses Jahr erst mit dem Schlusspfiff gegen Düsseldorf.“ Sowohl Tillmann als auch Baumann empfinden die Auswärtsspiele gegen Paderborn und Elversberg als Schlüssel­momente, die etwas verändert haben. Als Schalke diese Partien drehen konnte, so erinnert sich Baumann, hat er sich „mit dem Gedanken angefreundet, dass der Aufstieg gelingen kann“. Seine Antwort macht deutlich, wie professionell geplant wurde: Über ein Erstliga­szenario hat man bereits vorher gesprochen – nicht aus Übermut, sondern weil es „unvernünftig und unprofessionell“ gewesen wäre, das nicht rechtzeitig zu tun.

Der Erfolg ist auch Ergebnis harter Entscheidungen. Tillmann sagt, die schwersten Entscheidungen seien jene, „bei denen Herz und Verstand in unterschiedliche Richtungen zeigen“. Gerade bei einem Verein wie Schalke, der von Emotionen lebt, treffe man nicht nur wirtschaftliche, sondern auch menschliche Entscheidungen. Manchmal müsse er Dinge tun, „die kurzfristig wehtun, um den Verein langfristig zu stabilisieren“. Tillmann verweist dabei auch auf den langen Weg, der im Sommer 24 einen entscheidenden ersten Wendepunkt darstellte, als Schalke begann, eine eigene sportliche Identität, eine sogenannte Schalke-DNA, zu entwickeln: Wie will dieser Verein Fußball spielen? Welche Parameter sollen entscheidend sein? Was macht Schalke langfristig erfolgreich? Trotz Trainerwechsel in einer schwierigen Phase sei es wichtig gewesen, diese begonnene Arbeit konsequent und mit Kraft weiter voranzutreiben. Baumann habe darauf aufgesetzt und die Basis weiterentwickelt; ohne diesen Weg wäre der Aufstieg aus Sicht von Tillmann deutlich unwahr­scheinlicher gewesen. So spricht er vom „Ausnahmezustand Schalke“ – einem Druck, der Krisen bis ins Privatleben tragen kann. Umso größer war die Erleichterung über den Aufstieg. Entscheidend war die Trendwende. Schalke sollte wieder stark, stolz und kraftvoll wirken. Genau das gelang der Mannschaft vom ersten Spieltag an. Baumann beschreibt, dass er früh überzeugt gewesen ist, dass mit Momentum und wenig Verletzungspech viel möglich sei. Die 2. Liga ist eine große Herausforderung, weil die Mannschaften eng beieinander liegen. So kam es auch auf viele entscheidende und enge Momente an, die Schalke aufstiegsreif machten. Für Baumann waren die beiden Spiele gegen den VfL Bochum ebenfalls wichtige Wegmarken: Sieg nach Rückstand und gehaltenem Elfmeter im Hinspiel, aber auch die Reaktion nach der Niederlage im Rückspiel. Bis klar war, dass die gegnerischen Auswärts­mannschaften, die zu „Besuch Auf Schalke“  in der kommenden Saison antreten, der 1. Liga entstammen, verlor der S04, der wiederauf­erstandene Leuchtturm des Revier-Fußballs, kein Spiel mehr.

Schalke hat eine stabile Achse aus Führungsspielern geschaffen, die in schwierigen Momenten der Mannschaft Halt geben. „Jede Mannschaft braucht diese Spieler“, sagt Baumann. Er fasst zusammen, dass Widerstandskraft und Qualität essenziell sind, um sich aus schwierigen Situationen zu befreien, Druck auszuhalten und dabei mutig zu bleiben. Sein Credo für die kommende Saison: „Schalke wird agieren, aggressiv, sowie intensiv auftreten“. Baumann, seit einem Jahr auf Schalke, empfindet Stolz: Stolz auf die Mannschaft, auf das Auftreten und die gezeigten Leistungen. Zugleich liegt darin die Verantwortung. Schalke feiert zu Recht, weiß aber auch, dass die Bundesliga kein Empfangs­komitee stellt. Was braucht es jetzt? Baumann antwortet klar: „Schalke muss sich stetig verbessern, in jeder Transferperiode. Im täglichen Arbeiten gilt es, die Intensität hochzuhalten. Die etablierte Höchst­leistungs­kultur ist Grundlage für die dauerhafte Rückkehr in die 1. Liga“.

Die Aussagen der Herren Tillmann und Baumann passen 1 zu 1 zur Ruhrpott-DNA: nie locker zu lassen und nach Rückschlägen: „Mund abwischen, weiter machen“. Der Ruhrpott und ganz Deutschland verfolgt mit Spannung und mit der Hoffnung, ob und dass sich der S04 in der 1. Liga etablieren kann.

Gemäß Sepp Herberger`s Spruch „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ drückt das TOP RUHR dem S04 die Daumen. 

top magazin Ruhr Herbst 2026

Wenn „Auf Schalke“ gespielt wird, stehen zum Steigerlied mehr Stadionbesucher auf und singen mit, als bei jedem Auftritt des DFB zur Nationalhymne.