Krönung einer Rennfahrerkarriere – Heger
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Krönung einer Rennfahrerkarriere – Heger

Bilder sprechen Bände. Altfrid Hegers Ausstrahlung spiegelt seinen Charakter wider. Professionalität, Disziplin, Standfestigkeit, klare Zielorientierung und Souveränität sind wesentliche Bestandteile seiner Erfolge.

Krönung einer Rennfahrerkarriere – Heger

Altfrid Heger gehört zu den lebenden Legenden des deutschen Motorsports. Ein Fahrer, der mehr als vier Jahrzehnte lang im Grenzbereich unterwegs war – und es immer noch ist. Während viele seiner einstigen Rivalen längst in Geschichtsbüchern, Ehrengalerien und Gesprächsrunden angekommen sind, steht Heger weiterhin dort, wo er sich am natürlichsten bewegt: auf der Rennstrecke. Und nun, mit 67 Jahren, hat er ein Kapitel gekrönt, das ihn ein Leben lang begleitet hat – den Sieg beim 1000 km Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings.

Die Krönung Altfrid Heger´s Karriere auf dem Siegertreppchen des 1.000 km-Rennens auf dem Nürburgring. Sein Resumée: „Damit hat sich der Kreis für mich geschlossen“
Die Krönung Altfrid Heger´s Karriere auf dem Siegertreppchen des 1.000 km-Rennens auf dem Nürburgring. Sein Resumée: „Damit hat sich der Kreis für mich geschlossen“

... liegt an der konsequenten Aufrechterhaltung seiner Fitness, seinem nicht nachlassenden Ehrgeiz in Kombination mit einem Erfahrungsschatz, der seinesgleichen sucht.

Heger wächst in Essen auf, der Vater führt ein Schreibwarengeschäft, Motorsport taucht erst spät und zufällig auf. Nach einer Gärtnerlehre holt Heger das Abitur nach. Dann der Wendepunkt: Ein Fahrtraining, „weil ich zu wild gefahren bin“, wie er sagt. Aus einem Fahrsicherheitstraining wird ein Sportfahrertraining auf der Nürburgring-Nordschleife – und ab diesem Moment geht es nicht mehr zurück.

1981 kauft er seinen ersten VW Golf GTI, Baujahr 1976. Er räumt ihn aus, legt die Werkzeugkiste in den Kofferraum und fährt zum Ring. 1983 folgt der Renault-5-Turbo-Cup – ein harter, physischer Markenpokal. „42 Autos, 26 Startplätze. Da musst du zubeißen.“ Heger beißt. Er qualifiziert sich, setzt sich gegen etablierte Namen durch, wird bemerkt.

1984 und 1985 fährt er die 24 Stunden von Le Mans. Parallel Formel 3 und Formel 3000. Ab 1986 wird er BMW-Werksfahrer, gewinnt 1986 und 1988 die 24 Stunden von Spa, beide Male als wesentlicher Faktor der Teamleistung. Es folgen DTM-Jahre gegen die großen Namen der Zeit, dann Meistertitel im Porsche Supercup und der Vizetitel im deutschen Carrera Cup.

In den GT-Serien der späten 1990er und frühen 2000er Jahre bleibt er ein Fahrer, auf den man setzt, wenn es auf Präzision und Gefühl ankommt. Dieses Gefühl ist sein Markenzeichen. Heger fährt nicht „aggressiv“, sondern intelligent. Er erklärt sein Idealauto so: „Vorne maximale Haftung, hinten darf es leicht arbeiten. Mit dem rechten Fuß formst du den Kurvenradius.“ Es ist die Art, wie er spricht, die deutlich macht, warum Ingenieure ihn schätzen: keine Mythen, keine Posen, sondern beschreibbare, wiederholbare Abläufe.

Genau das war auch der Grund, warum er einst mit Michael Schumacher lange über Setups sprach. Beide kannten sich aus Fahrerlagern, Tests, Gesprächen am Rand von Sitzungen. „Michael konnte etwas, das nur sehr wenige können: Er konnte exakt sagen, was die Vorderachse in Kurve vier bei 210 macht – und warum. Das ist kein Talent. Das ist Arbeit.“ Heger sagt einen Satz, der sein eigenes Rennverständnis vielleicht besser erklärt als jeder Lebenslauf: „Gewinnen muss man. Nicht schön fahren.“

Parallel zur Karriere baut Heger Strukturen auf, die ihn neben dem Motorsport zum erfolgreichen Unternehmer machen. 2000 gründet er gemeinsam mit Christof Maischak die Agentur Hegersport. Sie entwickelt Rennserien, Fahrerprogramme, Trainings- und Coachingmodelle. Für Porsche organisiert Hegersport den Porsche Sports Cup Deutschland und später den Porsche Carrera Cup Deutschland – Formate, die viele heutige Profifahrer geprägt haben. Heger wird so zu einem derjenigen, die nicht nur Rennen fahren, sondern Motorsport erhalten, formen und weitergeben.

Dass er heute im historischen Motorsport fährt, ist also keine nostalgische Rückkehr, sondern eine Fortsetzung. Die Fahrzeuge stammen aus den 70er, 80er und 90er Jahren – genau die Ära, in der er gefahren ist. Und dort gewinnt er weiter. In Spa steuerte er einen Audi 200 Quattro in der Serie Tourenwagen Golden Ära zum Gesamtsieg über eine Saison hinweg. Die Rennen ziehen bis zu 60.000 Zuschauer an. Die Boxengassen sind zugänglich, die Mechaniker sind sichtbar, der Motorsport riecht wieder nach Motorsport. „Die Menschen wollen das Echte. Auto, Mensch, Maschine. Kein Filter.“

Dass er nun die 1000 Kilometer gewonnen hat, fügt seiner Laufbahn keinen sentimentalen Schluss an – sondern ein Ausrufezeichen. Er fährt nicht, weil er „nicht loslassen kann“, sondern weil er weiterhin auf dem Niveau fährt, auf dem es zählt. „Ich mache es für mich. Wenn ich merke, dass ich meinem Anspruch nicht mehr gerecht werde, höre ich auf. Aber hinterherfahren werde ich nicht.“ Solange das nicht der Fall ist, gehört Altfrid Heger weiterhin dahin, wo seine Geschichte begonnen hat: auf die Strecke, in den Wettbewerb, in das Herz des Motorsports – und damit in das Selbstverständnis eines Ruhrgebietlers, der nie etwas sein wollte, was er nicht war, sondern stets das blieb, was er ist: Rennfahrer. Und einer der letzten seiner Art.

top magazin Ruhr Winter 2025-2026
Redakteur: Daniel Boden
Fotograf: Ralf Schultheiß, Elfi Jung

Titelbild: Bilder sprechen Bände. Altfrid Hegers Ausstrahlung spiegelt seinen Charakter wider. Professionalität, Disziplin, Standfestigkeit, klare Zielorientierung und Souveränität sind wesentliche Bestandteile seiner Erfolge.