DEN HANDEL IM BLUT
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DEN HANDEL IM BLUT

DEN HANDEL IM BLUT

Zwei Standorte, drei Marken, die Nummer eins in Essen, für alle, die nach Citroën, Ford oder Nissan suchen. Und eine Familie, die dahintersteht. Und das seit nahezu 50 Jahren. 1979 legt Joachim Kufen den Grundstein für das Autohaus Kufen in Borbeck und schreibt mit Fleiß, Know-how und immer dem richtigen Gespür damit eine ganz besondere Erfolgsgeschichte.

Er zählt gerade einmal 13 Jahre, als Joachim Kufen die Schule verlässt und am 1. April seine Lehre als Automechaniker bei der KHG, der Kraftfahrt-Handels-Gesellschaft antritt. Das ist zu der Zeit, 1960, gar nicht so ungewöhnlich, einige Tage später feiert der Junge seinen 14. Geburtstag, ist mit 18 Jahren dann schon ausgelernter Monteur. Autos sind nicht nur seine Profession, sondern auch seine Leidenschaft. Dennoch begleitet er weiterhin die Eltern regelmäßig bei ihrem Geschäft – sie betreiben wie schon der Großvater einen Marktstand, und eigentlich soll der einzige Sohn den auch übernehmen. Die Abläufe kennt Joachim von klein auf, statt im Kindergarten spielt er neben seinen Eltern in Rüttenscheid und auf dem Webermarkt zwischen Obst und Gemüse. Da ist die Wurzel für seine Überzeugung: „Mir liegt der Handel im Blut“. Die überträgt er auf sein eigenes Metier – die Autos.

„Das war die Zeit, da hatten alle eine Ente, und niemand hatte viel Geld“. So kommen immer mehr seiner Kumpel und klopfen bei ihm an: „Kannste mal gucken, kannste mir helfen?“ Joachim Kufen kann, und er macht auch, widmet die elterliche Garage zur provisorischen Werkstatt um, spezialisiert sich auf die Ente von Citroen. Er wird bald zum Geheimtipp unter den 2CV-Fahrern. Das Auto ist beliebt und gefragt, sodass Joachim Kufen sie schließlich nicht nur repariert, sondern auch damit handelt. „Die Enten liefen wie verrückt, da brauchte man gar nicht zu inserieren“, erinnert er sich. Und er fährt selbst auch so ein Kult-Auto, schafft es mit den 23 PS bis nach Hammerschmidt in Norwegen.

„Was habe ich mein Auto geliebt, darin geschlafen, gegessen“. Bald wird die elterliche Garage zu klein für all die Aufträge, und so wechselt Joachim Kufen 1972 in eine Halle an der Altendorfer Straße, richtet die als Werkstatt ein. „Da habe ich fünf Jahre gewerkelt“, sagt er, dann bietet die Stadt dem aufstrebenden Unternehmer ein Grundstück auf dem ehemaligen Zechengelände am Wolfsbankring 5a an. Joachim Kufen baut dort eine Halle, Sozialräume, darüber noch eine Wohnung – die Geburtsstunde für das Autohaus Kufen. Viele Jahre lang läuft dort der Betrieb, längst nicht mehr nur noch mit der Ente.

Kufen mit seinem Gespür fürs Geschäft holt Citroen-CX-Modelle aus Frankreich, wo sie günstiger zu haben sind, und vermarktet sie dann in Essen. „Ohne Fleiß kein Preis, das habe ich schon auf dem Markt gelernt“, ist sein Credo.

Damit wagt er auch den nächsten Schritt: der Betrieb wird langsam eng, da wird nur ein wenig entfernt, an der Wolfsbankstraße 61, ein großes Gelände durch die Insolvenz eines anderen Autohauses frei. Joachim Kufen sieht die Chance und greift zu, hat nun alle Möglichkeiten, sein Unternehmen zu entwickeln. Er baut den Standort um, hat Platz für eine weitere Marke, und weil hier einst Ford zu Hause war, nimmt er die mit dem alten Team unter dem neuen Dach wieder auf.

„Das war eine gute Entscheidung, wir haben damit richtig Gas gegeben, das Geschäft ging steil nach oben“. Da kommt die nächste Option: An der Müller-Breslau-Straße in Rüttenscheid wird wieder ein ehemaliges Autohaus frei, Joachim Kufen nutzt die Chance, es entsteht das Auto-haus Süd. Auch hier ohne Fleiß, kein Preis: „Ich hab‘ da oben selbst mit Hand angelegt, geschippt und gemacht“. Immer noch kann der umtriebige Geschäftsmann die Hände nicht in den Schoß legen: Auf dem großen Gelände an der Wolfsbankstraße entsteht ein moderner Anbau für den Verkaufsraum. Er will gefüllt sein, also kommt die Marke Nissan, sonst in Essen kaum vertreten, dazu.

Und wieder geht die Erfolgsgeschichte weiter, 46 Menschen beschäftigt das Unternehmen in Verkauf, Büro und Werkstatt heute. Das Rezept: „Der Laden läuft nur, wenn man selbst darauf aufpasst“. Da passt es gut, dass Sohn Michael und Tochter Maximiliane längst mit im Unternehmen aktiv sind. So bleibt Jachim Kufen Zeit für seine Leidenschaft, vor allen Dingen alte Autos und Motorräder. Bei der Restaurierung legt er immer noch gerne selbst Hand mit an. Ein Ford A von 1930, ein Citroen DS von 1982 und natürlich eine bestens aufbereitete Ente legen davon zwischen all den modernen Modellen im Autohaus Kufen Zeugnis ab. Dazu summt eine alte DKW-Hummel auf zwei Rädern, eine Victoria Avanti und eine Kreidler Florett zählen neben vielen anderen historischen Zweirädern zu Joachim Kufens Sammlung. „Das macht Laune“, sagt er schlicht und ist überzeugt: „Ich würde alles noch einmal genauso machen“.

top magazin Ruhr Herbst 2026
Fotograf: Ralf Schultheiß

Joachim Kufen hat das Autohaus Kufen aufgebaut. Autos sind bis heute seine Leidenschaft.