
Daniel Boden, Unternehmer aus Essen, ist als Berater und Investor viel im Ruhrgebiet unterwegs und berichtet für das TOP RUHR über Events und Menschen aus unserer bunten Ruhrmetropole. Leserbriefe an: info@bbi.one
Auf Einladung von André Weber, Vorstandssprecher des Bankhauses Bauer, trafen sich im FUNKE Medienhaus in Essen rund 70 Gäste aus Wirtschaft, Finanzbranche und Unternehmertum zum Austausch über Europas Zukunft. Moderator Peter Gewalt diskutierte mit der Europa-Expertin Prof. Dr. Funda Tekin und Zukunftsforscher Prof. Dr. Thomas Druyen darüber, wie sich Europa in Zeiten geopolitischer Umbrüche behaupten kann. Schnell wurde deutlich: Europa steht vor mehreren sich gegenseitig verstärkenden Herausforderungen. Krieg in der Ukraine, veränderte transatlantische Beziehungen, wirtschaftlicher Wettbewerbsdruck, technologische Abhängigkeiten und gesellschaftliche Verunsicherung wirken gleichzeitig. Fuda Tekin zeigte jedoch auch die vorhandenen Stärken auf.
Mit Binnenmarkt und Wirtschaftskraft verfügt Europa weiterhin über erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten. Thomas Druyen richtete den Fokus auf den gesellschaftlichen Wandel. Die Geschwindigkeit von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz überfordert vielerorts Politik, Bildung und Institutionen. Europa brauche deshalb mehr Mut, Innovationsbereitschaft und unternehmerischen Pioniergeist. Während der Diskussion stellte ich die Frage, wie eine demokratisch organisierte Europäische Union schnell genug werden könnte, um im Wettbewerb mit autokratischen Systemen handlungsfähig zu bleiben. Die kontroverse Debatte griff einen Gedanken auf, der den gesamten Abend prägte. Mein Fazit: Europas Stärke liegt in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit. Doch diese Werte allein genügen künftig nicht. Europa muss schneller entscheiden, Innovationen konsequenter fördern und gemeinsame Interessen entschlossener vertreten. Nicht weniger Demokratie ist gefragt, sondern mehr Handlungsfähigkeit.
Die Alte Synagoge Essen ist ein Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen. Besonders beeindruckend ist, dass das Gebäude derzeit denkmalgerecht saniert wird und sich zugleich immer stärker als Kulturhaus der jüdischen Gemeinschaft öffnet. Die sichtbare Polizei-präsenz erinnert daran, dass jüdisches Leben in Deutschland noch immer besonderen Schutz benötigt. Am 14.09. folgen rund 200 Gäste der Einladung von STADTGESPRÄCHE.ruhr, um über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und die Frage zu diskutieren, wie Juden und Christen gemeinsam dagegen eintreten können. Ausgangspunkt sind die alarmierenden Zahlen antisemitischer Straftaten. Musikalisch wird der Abend von Asisa Nasir und Christian Komorowski eröffnet. Ihre Darbietung schafft eine würdevolle und nachdenkliche Atmosphäre. Dr. Richard Kiessler begrüßt die Gäste gemeinsam mit Prof. Dr. Diana Matut, Leiterin der Alten
Synagoge.
Auf dem Podium diskutieren Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Kirchenrat Wolfgang Hüllstrung, Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog der Rheinischen Landeskirche. Souverän moderiert Pfarrer Steffen Hunder. Bewegend ist die Auseinandersetzung mit historischen Vorurteilen gegenüber Juden, die über Jahrhunderte auch durch christliche Institutionen geprägt wurden. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng Vertreter beider Religionen heute zusammenarbeiten, um Vorurteile abzubauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Hoffnung machen Initiativen des christlich-jüdischen Dialogs sowie Projekte der Erinnerungsarbeit.
Besonders beeindruckend ist die Ausstellung „Zweitzeugen“, in der Besucher mit Avataren von Holocaust-Überlebenden in einen Dialog treten können. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen und Stadtdirektor Peter Renzel nutzen die Gelegenheit zum Austausch mit den zahlreichen Gästen.
Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen empfinde ich Formate wie die von Dr. Richard Kiessler organisierten STADTGESPRÄCHE.ruhr an einem historisch so bedeutenden Ort als wichtiger denn je. Sie schaffen Raum für Begegnung, Verständigung und gemeinsame Verantwortung gegen Antisemitismus und Ausgrenzung.
Wenn sich die Lampen in der Lichtburg langsam dimmen und sich der Vorhang öffnet, entsteht ein besonderer Moment. An diesem Abend sogar ein ganz besonderer: In Deutschlands bekanntestem historischen Kino feiert die ARTE-/SR-Produktion „Europas große Filmpaläste“ ihre Weltpremiere (auch Seite 36). Gemeinsam mit Katrin Kroemer, Mitglied des ARTE-Programmbeirats Deutschland und Chefredakteurin Top Ruhr, nehme ich in einer der Logen Platz. Von hier aus verfolgen wir die Premiere gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kufen, Natalie Weber vom Saarländischen Rundfunk sowie Regisseur Axel Fuhrmann.
Für ihn dürfte es ein bewegender Augenblick sein: Sein Werk erlebt er erstmals im Leinwandformat genau hier. Schon vor der Vorführung wird deutlich, dass es an diesem Abend um weit mehr geht als um einen Dokumentarfilm. Im Foyer und in den historischen Räumen der Lichtburg begegnen sich Menschen, die die Kinokultur seit Jahrzehnten prägen und bewahren. Besonders beeindruckend ist das Gespräch mit Schauspieler Joachim Król, der die kulturelle Bedeutung der Filmtheater mit großer Leidenschaft unterstreicht.
Ebenso prägt die Begegnung mit Marianne Menze den Abend. Die ehemalige langjährige Geschäftsführerin hat die Lichtburg über viele Jahre entscheidend mitgestaltet und maßgeblich dazu beigetragen, dass sie heute weit mehr ist als ein Kino – nämlich ein kulturelles Wahrzeichen weit über das Ruhrgebiet hinaus. Die Dokumentation selbst führt nach Amsterdam zum prachtvollen Pathé Tuschinski und nach Paris zum legendären Le Grand Rex. Doch immer wieder richtet sich der Blick zurück auf die Lichtburg. Fast scheint es, als würde der Film bestätigen, was die Besucher im Saal längst wissen: Dieses Haus gehört zu den großen europäischen Filmpalästen. Nach der Vorführung diskutieren Regisseur Axel Fuhrmann, David Hanemaayer vom Pathé Tuschinski, Marianne Menze und Joachim Król auf dem Podium über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der großen Lichtspielhäuser.
Dabei wird deutlich, dass Kinos heute weit mehr leisten müssen als Filme zu zeigen. Sie sind Kulturorte, Erinnerungsräume und Begegnungsstätten zugleich, die sich, um ihre Daseinsberechtigung zu erhalten, mit zusätzlichen Angeboten diversifizieren. Als schließlich lang anhaltender Applaus durch den Saal geht, wird spürbar, warum solche Häuser über Generationen hinweg Menschen begeistern. Die Lichtburg zeigt an diesem Abend nicht nur einen Film über europäische Kinogeschichte – sie schreibt selbst ein weiteres Kapitel davon. Und einmal mehr wird mir bewusst, welchen kulturellen Schatz wir hier im Ruhrgebiet besitzen.
Veranstaltungen besuche ich meist als Journalist. Besonders wird es, wenn persönliche Erinnerungen hinzukommen. Der erste Connecting the Best Award im Erich-Brost-Pavillon auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist für mich ein sehr emotionaler Abend mit hoher öffentlicher Relevanz. Ausgezeichnet werden Horst Melzer für sein Lebenswerk und Tommy Thuerkow für sein Engagement für Jugendliche. Initiator des Awards ist Dr. Marc Schmidt, Gründer und CEO von MasterMatch. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die Potenziale erkennen, Entwicklung ermöglichen und Türen öffnen.
Mit Horst Melzer verbindet mich eine Geschichte von mehr als drei Jahrzehnten. Über meinen Schulfreund Christian Keller, mit dem ich 1992 mein Sportabitur absolvierte, lernte ich auch Horst kennen. Aus ersten Begegnungen wurden viele Berührungspunkte im Berufs- und Privatleben. Deshalb kann ich besonders gut nachvollziehen, was an diesem Abend gewürdigt wird: die Fähigkeit, Zeit, Erfahrung und Aufmerksamkeit in junge Menschen zu investieren. Als Bundestrainer prägte Horst Melzer über Jahrzehnte den deutschen Schwimmsport. Athleten wie Mark Warnecke und Christian Keller, die er zu Weltmeisterschaften führte, stehen stellvertretend für zahlreiche Talente, die von seiner Erfahrung, seinem Anspruch und seiner Menschlichkeit profitierten. Er vermittelte Leistungsbereitschaft, Disziplin und Selbstvertrauen weit über den sportlichen Erfolg hinaus.
Die Auszeichnung für sein Lebenswerk ist deshalb mehr als verdient. Ebenso verdient erhält Tommy Thuerkow die Ehrung für sein aktuelles Engagement. Er begeistert Kinder für Bewegung und nutzt Sport als Plattform, um Jugendlichen Orientierung, Halt und Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Gleichzeitig stärkt er den sozialen Zusammenhalt in Essen. So unterschiedlich ihre Lebenswege sind, Horst Melzer und Tommy Thuerkow verbindet derselbe Antrieb: Sie investieren Zeit, Erfahrung und Herzblut in junge Menschen, ohne selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen. Genau dafür steht der Connecting the Best Award. Viele Gäste eint am Ende die Hoffnung, dass Dr. Marc Schmidt mit dieser Premiere den Grundstein für eine neue Tradition gelegt hat.
(v.li.) Moderator Peter Gewalt, Prof. Dr. Tekin, André Weber, Gastgeber und Vorstand Bankhaus Bauer, Daniel Boden, Prof. Dr. Druyen