Gesundheit

BIOHACKING – Tuning für Körper und Geist

Der Körper ist ein komplexes System mit wiederkehrenden Prozessen. Wer weiß, wie es funktioniert und auf äußere Einflüsse reagiert, kann es wie ein Computerexperte „hacken“ und durch gezieltes Training zu seinen Gunsten beeinflussen.


 

Die drei Säulen des Biohackings – gesunde Ernährung, körperliche sowie geistige Fitness – sind an und für sich nichts Neues. Dass sie sich ergänzen und nur im Zusammenspiel zum gewünschten Ziel führen, ist ebenfalls hinlänglich bekannt. Auch dass der Körper direkt oder auf hormoneller bzw. molekularer Ebene auf seine Umwelt reagiert, ist keine neue Erkenntnis.

 

Biohacking macht sich all das zunutze und entwickelt verschiedene Methoden, um die biologischen Prozesse im Körper zur Höchstform auflaufen zu lassen. Diese „Hacks“ basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und reichen von der simplen Änderung des Lebensstils bis hin zu Experimenten wie dem Einsetzen von Hightech-Implantaten. Ziel ist nicht allein die Verbesserung der körperlichen, sondern gleichzeitig auch der geistigen Leistungsfähigkeit und damit des allgemeinen Wohlbefindens.

 

Auf dem Markt tummeln sich viele Biohacker – mit Angeboten auf körperlicher, mentaler und spiritueller Ebene. Auch zahlreiche Selbstoptimierer preisen ihre Methoden insbesondere in den sozialen Medien an. Wer also auf der Suche nach dem für ihn richtigen Weg ist, braucht ein wenig Geduld, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

Bodyhacking

Biohacker gehen nicht unbedingt ins Fitnessstudio, um ihren Körper zu formen. Sie fokussieren sich lieber auf den Alltag, wo sie konsequent daran arbeiten, ihre Gewohnheiten zu ändern. Das Auto bleibt in der Garage – stattdessen schwingt man sich aufs Rad oder geht zu Fuß. Auch der Aufzug wird links liegen gelassen und gezielt die Treppe genommen. So werden Stoffwechsel, Zellwachstum und Muskelaufbau angekurbelt. Letzterer soll bei Biohackern, so heißt es, schneller gelingen.

 

Ebenso wie die Bewegung gehört auch die anschließende Entspannungsphase dazu, in der die Muskelmasse wächst. Hier kommt das genetische Biohacking ins Spiel. Es gibt Studien, die die Wirkung von genetisch verändertem Material untersuchen, das als Injektion die körperliche Kraft und den Muskelaufbau verbessern soll.

 

Der Begriff „Bodyhacker“ wird auch für solche Menschen verwendet, die sich Mikrochips unter die Haut implementieren lassen, um ihren Alltag zu erleichtern oder eine körperliche Beeinträchtigung auszugleichen. Operativ eingesetzte Cochlea- Implantate zählen ebenfalls dazu. Ein Teil der Hörprothese sitzt unter der Kopfhaut und stimuliert mit Elektroden den Hörnerv im Innenohr. Damit haben Gehörlose und Ertaubte, deren Hörnerv noch funktionsfähig ist, eine gute Chance, wieder hören zu können. Ebenso hochgradig schwerhörige Menschen, bei denen die Versorgung mit einem Hörgerät nicht mehr ausreicht.

 

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SO FUNKTIONIERT BIOHACKING

Viele schwören auf die Tasse Kaffee am Morgen, um richtig wach zu werden, oder auch tagsüber, um ein drohendes Leistungstief zu überwinden. Kein Wunder, denn nach dem Aufwachen beginnt das Gehirn mit der Produktion eines Botenstoffs, der bis zum Abend ansteigt und zunehmend müder macht: Adenosin. Je höher der Spiegel, desto kraftloser fühlt man sich. Da Coffein an die gleichen Rezeptoren im Körper andockt wie Adenosin, kann es diese für einige Zeit ausbremsen – Biohacking, das schon Jahrtausende  lang praktiziert wird.

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Foodhacking

“Du bist, was Du isst“, zeigt den Zusammenhang zwischen Ernährung und körperlichem sowie geistigem Wohlbefinden. Denn unsere Zellen ernähren sich von dem, was wir täglich zu uns nehmen. Daher gilt es, den „Treibstoff“ unseres Körpers möglichst optimal zu gestalten – ihm also alle Nährstoffe zu geben, die er braucht, und dabei potenzielle „Störenfriede“ wie Zucker oder ungesunde Fette zu vermeiden und Kohlenhydrate zu reduzieren.

 

Auf dem Speiseplan stehen Obst und Gemüse, ballaststoffhaltige Vollkornprodukte, gesunde Öle, ungesüßte Tees und Saftschorlen sowie jede Menge Wasser. Achtsamkeit spielt beim Essen eine wichtige Rolle. Also: kein Fernsehen oder Zeitunglesen nebenher, sondern bewusstes Erleben der Farben, Düfte und Geschmacksrichtungen.

 


Mindhacking

Um besonders leistungsfähig zu sein, benötigt das Gehirn Energie in Form von Glukose oder Ketonen – wobei Biohacker Letztere favorisieren, da sie wesentlich schneller vom Körper in Energie umgewandelt werden. Ketone entstehen bei reduzierter Aufnahme von Kohlenhydraten, da in der Konsequenz dann gespeichertes Fett und Nahrungsfett als Brennstoff verwendet werden. Beim Abbau dieser Fettsäuren in der Leber werden die besagten Ketone produziert, die der Körper als Energiequellen nutzen kann. Also gilt es, mit entsprechender Ernährung die eigenen Ketonwerte zu erhöhen.

 

Im Normalfall verbrennt der Körper nämlich kein Fett, sondern zunächst einmal Kohlenhydrate oder Zucker. Aber er lässt sich „hacken“, indem man ihn mit einer kohlenhydratarmen Keto-Diät quasi zur Fettverbrennung „umprogrammiert“. Angenehmer Nebeneffekt: Alles sinkt – Blutdruck, Cholesterinspiegel, das Verlangen nach Zucker und das eigene Körpergewicht. Was steigt, ist die Leistungsfähigkeit. Da auch das Gehirn nach der Arbeit eine Erholungsphase braucht, stehen beim Mindhacking unter anderem Meditationsformen auf dem Programm.

 


Gute Nacht

Es ist kein Geheimnis, dass nur der wirklich produktiv sein kann, der regelmäßig und ausreichend schläft und seinen Zellen die nötige Regeneration gönnt. Denn nur bei etwa sechs bis acht Stunden Schlaf können sich Körper und Geist regenerieren. Dazu gehört auch, sein Umfeld entsprechend zu gestalten, sprich: Keine elektronischen Geräte wie Fernseher, Computer und Co. und möglichst dunkel sollte das Schlafzimmer nachts sein. Routinierte Schlafzeiten helfen dem Körper außerdem, schneller einzuschlafen.

 

Apropos Geräte: Smartphone und Tablet gehören ebenso nicht ins Schlafzimmer, da das blaue Licht den Melatoninspiegel senkt und das Einschlafen erschwert. Natürlich sollten Alkohol, Kaffee oder Energydrinks schon einige Stunden vorher nicht mehr konsumiert werden.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn