Wirtschaft

VOM BONBONKOCHER zum Weltmarktführer

Top Bonn wünscht alles Gute zu 100 Jahren HARIBO. 2020 hat sich bisher nicht von seiner schönsten Seite gezeigt. Dennoch gibt es Grund zu Feiern: HARIBO wird im Dezember 100 Jahre alt! Wir haben das runde Jubiläum zum Anlass genommen, der Bonner Kultmarke einen Geburtstagsbeitrag zu widmen: mit zuckrigen Zahlen, fruchtigen Fakten und der ein oder anderen Anekdote, die Sie vielleicht zum Schmunzeln bringt.


 

160 Millionen

Goldbären verlassen täglich die HARIBO-Produktionsstätten auf der ganzen Welt. Seine Geschichte beginnt im Jahr 1922. Damals hat der Jungunternehmer Hans Riegel die Idee seines Lebens: In Anlehnung an die beliebten Jahrmarkt-Tanzbären entwickelt er einen kleinen Fruchtgummibären, der später als Goldbär weltberühmt wird. Über die Jahre erhält das Markenzeichen immer mal wieder ein Facelift: Er wird kleiner, rundlicher und bekommt zuletzt sogar ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Damit reagiert das Design-Team auf den netten Brief eines Haribo-Fans, der sich darüber wunderte, warum die Goldbären eigentlich so böse gucken.

 

4 ½ mal

würde eine Jahresproduktion HARIBO Lakritz-Schnecken die Erde umrunden, wenn man sie abgerollt aneinanderreiht. Das sind 217.500 Kilometer. In Deutschland gibt es übrigens einen Lakritz-Äquator, der ungefähr in Höhe der Mainlinie verläuft. Im Norden sind Lakritz- Produkte deutlich beliebter als im Süden.

 

In 3. Generation

leitet Hans Guido Riegel den Weltkonzern. Unter seiner Führung hat HARIBO seine internationale Präsenz stark ausgeweitet. Seit der Gründung ist das Unternehmen ununterbrochen in Familienbesitz und wirtschaftlich unabhängig von Dritten.

 

24 JAHRE

dauerte die Werbepartnerschaft mit Thomas Gottschalk und schaffte es damit sogar ins Guinnessbuch der Rekorde: als längste Werbepartnerschaft der Welt. 1991 wird der Entertainer offiziell Testimonial für HARIBO. 2014 übergibt er den Staffelstab an Michael „Bully“ Herbig. Zum runden Jubiläum hält Gottschalk eine Anekdote bereit: „Dr. Hans Riegel erzählte mir von einer Begegnung mit einer jungen Frau, die ihrem kleinen Sohn erklären wollte, wer er war. ‚Das ist der Dr. Riegel – dem gehört HARIBO.‘ ‚Nee‘, sagte der Steppke. ‚HARIBO gehört dem Thomas Gottschalk!‘ Hans Riegel fand das so lustig, dass er meinen Vertrag, der noch gar nicht ausgelaufen war, auf der Stelle verlängerte.“

 

Vor 100 Jahren

beginnt die Geschichte des Weltkonzerns in einer kleinen Hinterhof-Waschküche in Kessenich, damals noch ein Vorort von Bonn. Hier verwirklicht Hans Riegel senior am 13. Dezember 1920 seinen Traum und gründet eine eigene Firma. Das Startkapital besteht aus einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Hocker, einem gemauerten Herd, einem Kupferkessel und einer Walze. Noch im selben Jahr lässt er den Namen Haribo – ein Akronym für HAns RIegel BOnn – ins Handelsregister eintragen. Seine Produkte verkauft er zunächst auf dem Bonner Markt. Später in kleineren Geschäften. Die Auslieferung übernimmt die erste Mitarbeiterin: Hans Riegels Ehefrau Gertrud. Übrigens mit dem Fahrrad.

 

16

Produktionsstandorte in zehn Ländern hat HARIBO weltweit. Exportiert wird in mehr als 100 Nationen. Entsprechend hat das Unternehmen seinen eingängigen Werbespruch in unzählige Sprachen übersetzt: „kids and grow-ups love it so, the happy world of HARIBO“, heißt es zum Beispiel im englischsprachigen Ausland. Der erste Teil des deutschen Originals – „Haribo macht Kinder froh“ – entsteht bereits 1935. Der Zusatz „… und Erwachsene ebenso“ folgt erst in den 1960er Jahren.

 

1:10

ist das Verhältnis, zu dem HARIBO Herbst für Herbst Kastanien gegen Süßwaren tauscht. Für 10 kg Kastanien gibt es 1 kg Goldbären und Co. Auch Eicheln werden gehandelt, im Verhältnis 1:5. Die beliebte Aktion findet bereits seit 1936 statt. Um Futter für seine Rehe zu sammeln, lädt Firmengründer Hans Riegel Nachbarskinder dazu ein, Kastanien und Eicheln gegen HARIBO zu tauschen. Der Aufruf findet so großen Anklang, dass mit der Zeit eine liebgewonnene Tradition und über die Jahre ein großes Herbstevent daraus wird – inzwischen nicht mehr in Bonn, sondern an der neuen Firmenzentrale in Grafschaft. Im Jubiläumsjahr musste die Aktion corona-bedingt leider ausfallen. Ein Blick zurück ins vergangene Jahr zeigt die Ausmaße, die das zuckersüße Tauschgeschäft mittlerweile angenommen hat: 2019 kamen 40 Tonnen Kastanien und 35 kg Eicheln zusammen. Diese spendet der Konzern an Wildparks in Deutschland und Österreich, wo sie im Winter an Rehe, Hirsche und Wildschweine verfüttert werden.

 

Rund 1.000

verschiedene Naschereien produziert HARIBO weltweit. Nur ein Bruchteil davon steht auch in Deutschland in den Regalen. Als für den heimischen Markt eher untauglich, gelten zum Beispiel die unglaublich scharfen Fruchtgummi- Peperoni aus Mexiko. Der Goldbär verteidigt hierzulande eisern seine Position als Topseller. Dänen und Italiener greifen eher zu Lackritz- Schnecken. Der Franzose mag es besonders süß und beißt am liebsten in zuckrige Schaumerdbeeren.

 

60

Fußballfelder können allein die deutschen HARIBOProduktionsstandorte füllen. Die Firmenzentrale muss 2018 aufgrund der begrenzten Kapazitäten am Heimatstandort von Bonn ins nahegelegene Grafschaft umziehen. Das neue Werk betreibt die fortschrittlichsten Produktionsstraßen der Süßwarenbranche.

 

95%

beträgt die Recycelfähigkeits-Quote von HARIBO-Verpackungen. Das Unternehmen arbeitet kontinuierlich daran, 100 Prozent zu erreichen.

 

Über 7.000

HARIBOjaner tragen weltweit zum Erfolg der Marke bei. Etwa 3.000 Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen in Deutschland. Rund 50 von ihnen arbeiten schon in 2. oder sogar 3. Generation für HARIBO.

 

6

Geschmacksrichtungen finden Fruchtgummi- Fans in einer Goldbären-Tüte. Aber warum gibt es neben orangenen, gelben, grünen, transparenten und sogar zwei verschiedenen roten nicht auch blaue Goldbären? Die Antwort fällt deutlich einfacher aus, als so manche Verschwörungstheorie vermuten lässt: Denn lange Zeit gab es schlichtweg keine Möglichkeit, auf natürlichem Wege einen schönen blauen Farbstoff herzustellen. Da die Goldbären jedoch seit den 1980er Jahren ausschließlich durch natürliche Frucht- und Pflanzenkonzentrate ihre Farbe erhalten, kamen auch keine blauen Exemplare vom Band. Bis 2014, als im Rahmen einer Fan-Edition erstmals auch blaue Goldbären für Aufsehen sorgten. HARIBO-Tüftler hatten eine Lösung gefunden: Eine geheimnisvolle Alge gibt den blauen Gummibären ihre Farbe. Der Geschmack kommt zum Glück von einer Frucht: der Heidelbeere.

 

4 Produkttypen

kommen bei HARIBO in die Tüte: Fruchtgummi, Lakritz, Schaumprodukte und Kaubonbons.

 

99 PROZENT

der Deutschen kennen den Markennamen HARIBO. Kaiser Wilhelm II. soll einer der ersten bekennenden Fans gewesen sein. Einer Legende zufolge lässt er aus dem Exil verlauten: Gummibärchen aus Bonn seien das Beste, was die Weimarer Republik hervorgebracht habe. Als Hans-Dietrich Genscher als Außenminister die Welt bereiste, hatte er stets ein paar Tüten Goldbären im Gepäck. Zum Naschen natürlich. Aber vor allem als Gastgeschenk: ein zuckersüßer Gruß aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn.

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn