Freizeit

ZU GAST BEI FÜRST UND GRÄFIN

Die Region um Bonn ist bekannt für ihre prunkvollen Schlösser und Burgen. Um die geschichtsträchtigen Anwesen zu erhalten, lassen sich ihre Besitzer so einiges einfallen. Sie veranstalten Events, beherbergen Übernachtungsgäste oder stellen Räumlichkeiten für Hochzeitsfeiern zur Verfügung. Wir haben uns ein paar besonders schöne Exemplare angeschaut: wem sie gehören, wann sie entstanden und was sich heute hinter ihren herrschaftlichen Mauern abspielt.


SCHLOSS MIEL

Wo einst wenige Adelige residierten, gehen heute unzählige Menschen ein und aus. Immerhin beheimatet Schloss Miel nicht nur einen Golf-Club, das Anwesen dient auch als Veranstaltungsort für Events und Festivitäten jeglicher Art. Im herrschaftlichen Gartensaal oder in der prächtigen Parkanlage finden regelmäßig Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen oder Konzerte statt. Aber auch für Tagungen und Konferenzen sowie Weihnachtsfeiern steht die historische Anlage zur Verfügung.

Das Schloss wurde von 1768 bis 1772 auf den Grundmauern einer zuvor abgebrannten Burg errichtet. Es ist einem französischen Jagdschloss im Stil von Ludwig XIV. nachempfunden. Hinter dem extravaganten Bauprojekt stand der damalige Besitzer, Caspar Anton Freiherr von der Heyden, genannt Graf Belderbusch – kürfürstlicher Kanzler des Rheinlandes, Ritter des Deutschen Ordens und Patenonkel von Ludwig von Beethovens Bruder. Sein Name lebt heute im Restaurant und Clubhaus weiter, das in der angrenzenden Kutschenremise seine Gäste empfängt.

Seit Anfang der 1990er Jahre befindet sich das Schloss in Privatbesitz einer Bonner Familie. Diese ließ das Anwesen und den Park nach und nach im barocken Stil renovieren. So konnte der Originalzustand des Hauses in seltener Vollständigkeit erhalten bleiben. Wer sich all die Details einmal genauer anschauen möchte, darunter ein Wandgemälde des Bonner Hofmalers François Rousseau, hat die Möglichkeit, an einer Burgführung teilzunehmen – zum Beispiel im Rahmen des alljährlichen Sommerfestes (27. Mai 2018).

 


 

BURG HEIMERZHEIM

In der Swistaue, umgeben von großen Weihern, erhebt sich malerisch die Wasserburg Heimerzheim. Mitte des 13. Jahrhunderts wurden die ersten Teile des Gebäudes als Wehranlage errichtet. Bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten die Herren von Heimerzheim in der Burg. Der Besitz wechselte dann an den Deutschen Ritterorden, der ihn als Kommende nutzte.

In den folgenden Jahrhunderten gab es eine ganze Reihe adeliger Burgherren. Darunter die Familie von der Heyden, genannt Belderbusch. Anlässlich der Ehe-schließung der Gräfin Josephine von Belderbusch mit dem Freiherrn Karl von Boeselager-Heessen ging der Besitz 1825 an die Familie von Boeselager über. Sechs Generationen später ist Antonius Freiherr von Boeselager Eigentümer des Anwesens.
Nach einer aufwändigen Restaurierung aller Räume dient die Anlage heute als Location für Events, Feiern und Veranstaltungen aller Art: Hochzeiten, Tagungen, Kongresse. Wer im Anschluss gleich ins Bett fallen möchte, bucht eines der exklusiven Übernachtungszimmer. Im Winter findet im historischen Ambiente der Burg ein ganz besonderer Weihnachtsmarkt statt.

 


 

BURG SATZVEY

Die Burg Satzvey gehört zu den schönsten Wasserburgen des Rheinlands und gilt als gutes Beispiel für eine gelungene Mischung aus Denkmalpflege und zeitgemäßem Event-Angebot. „Erhaltung durch Unterhaltung“ lautet das Leitmotiv der engagierten Burgherren. Von Frühjahr bis Weihnachten veranstalten sie verschiedenste Themenfeste: vom Ostermarkt über die Hexennacht bis hin zur historischen Burgweihnacht. Vor allem die detailverliebten Ritterfestspiele sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Obendrein realisiert das Team Hochzeiten, private Feste, Konferenzen, Tagungen und vieles mehr. Wer mag, kann auf der Burg sogar übernachten.

 

Patricia Gräfin Beissel von Gymnich

Sämtliche Veranstaltungen dienen dem Erhalt des mittelalterlichen Anwesens, dessen erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1396 stammt. Vermutlich sind die Grundmauern des Burghauses jedoch noch älter. Über 300 Jahre im Familienbesitz, ist Burg Satzvey auch heute noch Wohn- und Stammsitz der Grafen Beissel von Gymnich. Anfang 2012 übergab Franz Josef Graf Beissel von Gymnich jun. das operative Geschäft an seine Tochter. Seither kümmert sich die Patricia Gräfin Beissel GmbH um das abwechslungsreiche Programm.

Die junge Gräfin tritt allerdings nicht nur als Veranstalterin auf, sondern übernimmt im Rahmen der Ritterfestspiele auch selbst einen Part als Stuntreiterin. Außerdem bietet sie Feuerkurse für Pferde an und steht gelegentlich als Reitdouble vor der Kamera.

 


 

SCHLOSS AUEL

Schloss Auel, seinerzeit eine geschlossene Wasserburganlage im Eigentum von Peter van Auel, wurde 1391 erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 18. Jahrhunderts, der Besitz gehörte inzwischen Peter Joseph von Proff, wurde die Burg zu einem Schloss umgebaut und besteht seitdem in seiner heutigen barocken Form. Wenige Jahre später ging das Anwesen in den Besitz des Barons Franz von Broe, Bürgermeister von Wahlscheid, über. Dessen Tochter, Baronesse Franziska, heiratete 1818 den Marquis Philippe de la Valette. Noch heute gehört Schloss Auel der inzwischen deutschen Familie der Freiherrn von la Valette St. George.

Seit 1951 wird Schloss Auel von der Familie als Hotel geführt. Gäste können zum Beispiel jenes Zimmer buchen, in dem einst Napoléon I. nächtigte, als er 1811 von hier aus seine Rheinarmee inspizierte. Auch Zar Alexander I., Napoleons Gegner, residierte 1815 in dem schon immer als gastfrei bekannten Schloss. Und sogar der deutsche Kaiser Wilhelm II. war oft zu Gast in Auel, während der Kronprinz in Bonn studierte. Nach ihm ist heute eine der Suiten benannt.

Die feudalen Räumlichkeiten des Schlosses stehen zudem für Tagungen und natürlich auch Hochzeitsfeiern zur Verfügung. Wer mag, lässt sich vorab in der hauseigenen Schlosskapelle „Sankt Johannes Nepomuk“ trauen – vor einem wunderschönen Rokokoaltar und umringt von Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

 


 

BURG ADENDORF

Die Wasserburg Adendorf liegt im südlichen Rhein-Sieg-Kreis in der Gemeinde Wachtberg – am Rande des für sein Töpferhandwerk bekannten Ortes Adendorf. Ihre Ursprünge reichen in das frühe 14. Jahrhundert zurück: 1337 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt.

Das ehemalige Rittergut befindet sich, bereits in sechster Generation, im Besitz der Familie von Loë. Nachdem Friedrich Carl Freiherr von Loë das Anwesen 1829 erwarb, wird es gegenwärtig von Georg Freiherr von Loë und seiner Familie bewohnt und bewirtschaftet. Es ist Zentrum eines landwirtschaftlichen Betriebs mit Ackerbau und Forstwirtschaft.

Seit 2003 begrüßen Gabriela Freifrau von Loë und Georg Freiherr von Loë jeweils am Wochenende um Christi Himmelfahrt rund 20.000 Besucher zur „Landpartie Burg Adendorf“. Darüber hinaus wird die Burg gerne als originalgetreue Film-Kulisse oder auch für standesamtliche Hochzeiten genutzt. Gruppen ab zehn Personen können sich für private Führungen anmelden. Kundige Tour-Guides sind die Burgherren höchstpersönlich.

 


 

SCHLOSS DRACHENBURG

Oberhalb von Königswinter, mitten im Naturpark Siebengebirge, liegt das pittoreske Schloss Drachenburg auf halber Höhe zum Drachenfels. Das ungewöhnliche Bauwerk wurde zwischen 1882 und 1884 für Stephan von Sarter errichtet, der als Börsenspekulant zu Wohlstand und Ehren gekommen war. Nachdem er in den Freiherrenstand erhoben wurde, legte er den Grundstein für sein Traumschloss, das er allerdings nie selbst bewohnt hat. Nach dem Tod des Junggesellen, kaufte sein Neffe das Anwesen und ließ es als „Sommerfrische“ für wohlhabende Reisende umgestalten.

Heute gehört Schloss Drachenburg der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, die den Prachtbau behutsam restaurieren ließ. Seither ist es beliebtes Ausflugsziel für Wanderer oder Spaziergänger und wird gerne als Location für standesamtliche Trauungen, Konzerte oder Lesungen genutzt. Im Rahmen des Events „Schlossleuchten“ hüllt ein Lichtkünstler die prächtigen Gemäuer in bunte Formen und Farben. Wem die Wanderung zum Schloss zu mühsam ist, kann mit der historischen Zahnradbahn oder als Kind auf dem Rücken eines Esels den Berg erklimmen.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn