Freizeit

Hilfe Weihnachten!

Festtagsfrust kennt Halima Lohbeck nur zu gut. Auf ihrem Blog „Mama Mia“ schreibt die Bonnerin über ihr Leben als Frau, Ehefrau, Mutter und Arbeitnehmerin – mal euphorisch, mal schonungslos. Im Top Magazin Bonn verrät sie, warum sie sich dennoch immer wieder ins Zeug legt, um ihren Söhnen ein zauberhaftes Weihnachtsfest zu bescheren.


Weihnachten ist für Mütter vor allem eine Aufgabe! Entschuldigung, wenn das zu dramatisch klingt, aber ich stehe noch unter Nikolaus-Schock!

Nikolaus ist mir nämlich irgendwie entglitten. Nach 20 Sekunden Stiefelputzen sprang mein Sohn auf und sagte fast mitleidig: „Ich geh wieder zum Papa, is gut, ja Mama?“ und damit war das Thema für ihn beendet. In meiner Vorstellung hatten wir stundenlang eifrig Stiefel geputzt, in freudiger Erwartung Kerzen angezündet und mit vor Aufregung geröteten Wangen Lieder gesungen… aber mein Kind interessierte sich einmal mehr nicht für meine Vorstellungen und fand das Kontrastprogramm, das der Vater im Wohnzimmer abhielt, interessanter. Klar, der Papa saß ja auch mit iPad auf dem Sofa! Später sah ich im Netz die Nikolaus-Fotos anderer Familien. Die waren schön. Wir hatten zum Glück keine Fotos gemacht. Seit diesem Nikolausabend ist Weihnachten mein Angstgegner.

Stille Nacht? Nicht bei uns!

In meinem Elternhaus war Weihnachten ein wunderschönes Fest. Meine Schwestern und ich waren wilde Mädchen, jede von uns hat auf ihre Weise gegen die Eltern rebelliert, aber zu Weihnachten da hätte keine von uns jemals die Tradition in Frage gestellt. Der Ablauf des Heiligen Abends war unumstößlich, und wir hätten es meiner Mutter übel genommen, wenn sie es gewagt hätte, auch nur in einem Punkt davon abzuweichen.

Heiligabend anders zu verbringen, als wir es zu Hause immer getan hatten, war für mich so unvorstellbar, dass ich im ersten Jahr meiner Ehe Heiligabend getrennt von meinem Mann verbracht habe, weil ich lieber bei meinen Eltern und meinen Schwestern sein wollte, als mit ihm alleine zu Hause. Und da er seine Familie nicht zugunsten meiner Familie sitzen lassen wollte, feierte jeder von uns in seinem Elternhaus.

An unserem ersten Heiligabend mit Kind war unser Sohn gerade zwei Wochen alt, und als wir gerade in die Kirche gehen wollten, hatte der einen wunden Popo und schrie wie am Spieß. Stille Nacht? Nicht bei uns! Im zweiten Jahr haben wir es zwar in die Kirche geschafft, aber die Messe hatte noch nicht angefangen, da machte unser Sohn sich die Windel randvoll und brachte mindestens zehn Reihen vor, hinter und neben uns mit einem bestialischen Gestank fast um den Verstand. Uns blieb nichts anderes übrig, als zu gehen. Letztes Jahr hatte der Sohn schon richtig Spaß an Weihnachten. Wir haben Raclette gemacht, und das Kind hat so viel gegessen wie nie zuvor. Anschließend hat er sich übergeben.

Dieses Jahr soll alles anders werden. Dieses Jahr habe ich den Eindruck, dass es das Jahr ist, in dem die Weichen für unsere Weihnachtstradition gestellt werden. Und ich trage die Verantwortung dafür. Als Mutter bin ich die zentrale Figur des Heiligen Abends. Ich kann mich nicht mehr nur damit beschäftigen, noch schnell die Geschenke einzupacken und mich dann mit meinen Schwestern vor den Fernseher zu setzen, um Pipi Langstrumpf zu gucken, so wie wir das noch bis vor wenigen Jahren getan haben.

Mama ist nicht die Person, die das Weihnachtsgefühl genießt, Mama ist die, die das Weihnachtsgefühl machen muss!

Ich möchte, dass meine Kinder den Weihnachtszauber erleben und ihn im Laufe der Jahre so verinnerlichen, wie ich es getan habe.

 

Ich habe ja sogar eine Vorstellung davon, wie ich Heiligabend mit meinem Mann und meinen Söhnen feiern möchte. Ich fürchte allerdings, dass ich am Ende mit meinen Plänen dastehen werde, als hätte ich eine flammende und wirklich brillante Rede vor einer Horde Erdmännchen gehalten. Klar, dass da keiner klatscht. Nicht deren Sprache!

Keiner wird sich ohne Geschrei etwas Schönes anziehen lassen. Keiner wird Lust haben, sich in der Kirche zumindest nicht deutlich auffallender als die anderen Kinder zu benehmen. Niemand wird ordentlich am Tisch sitzen, niemand wird einen Blick dafür haben, wie schön ich alles dekoriert habe. Keiner wird anerkennen, wieviel Arbeit ich mir gemacht habe. Oder zu schätzen wissen, dass ich die passende Musik für den Abend ausgewählt habe. Erschöpft von aufwendigen Vorbereitungen werde ich beleidigt den Boden von Essensresten befreien.
Und nun? Weihnachten Weihnachten sein lassen? Essen bestellen und den Abend verbringen, wie jeden anderen auch – Hauptsache kein Stress? Nein! Ich möchte, dass meine Kinder den Weihnachtszauber erleben und ihn im Laufe der Jahre so verinnerlichen, wie ich es getan habe. Die Söhne sollen ein wunderschönes „Weihnachtsgefühl“ erleben. Ich trage die Verantwortung dafür und ich will meine Sache gut machen.

Ich mache das nicht nur für meine Söhne, ich mache das auch für mich, denn ich möchte mein Weihnachtsgefühl, meinen Weihnachtszauber in meiner eigenen Familie weiterleben. Zum Glück darf ich sicher sein, dass die Kinder Teile der Tradition begeistert aufnehmen werden: Pipi Langstrumpf gucken ist so gut wie sicher gekauft. Der Rest wird schon werden…


Halima Lohbeck


www.mamablog-mamamia.com

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn