Gesundheit

Im Beruf erfolgreich – körperlich kaputt

Vom Schreibtisch ins Auto auf die Couch. Wir Deutschen bewegen uns zu wenig. Mit drastischen Folgen. „Dabei ist es gar nicht so schwer, regelmäßigen Sport selbst in den stressigsten Arbeitsalltag zu integrieren“, sagt Rüdiger Bülow, Personal Trainer aus Bonn. Im Top Magazin zeigt er, wie es geht.


 

Zweieinhalb Stunden moderate körperliche Aktivität pro Woche – das empfiehlt die World Health Organization (WHO). Allerdings nimmt sich, laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts, nur knapp jeder zweite Bundesbürger so viel Zeit für seine Gesundheit. Und nur circa ein Drittel betätigt sich mindestens zwei Mal in der Woche muskelkräftigend. The Lancet, eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, sprach bereits im Sommer 2016 von einer Pandemie durch die Folgen körperlicher Inaktivität. Schmerzhafte Verspannungen im Nacken oder im Rücken sind da nur harmlose Beispiele. Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2 sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle als Folge von Arteriosklerose die deutlich gravierenderen.

Im Gegenzug zählt körperliche Aktivität zu den wichtigsten Schutzmechanismen gegen eben diese Krankheiten und Beschwerden. Ärzte wie der Amerikaner Dr. Robert Sallis, Mit-Initiator der „Exercise is medicine“-Initiative, setzen sich seit Jahren für eine Verschreibung von Sport auf Rezept ein. Auch viele deutsche Krankenkassen erkennen die Zusammenhänge und haben zum Beispiel den regelmäßigen Besuch eines Fitnessstudios oder die Teilnahme an Präventionskursen in ihre Bonusprogramme aufgenommen. Anscheinend lässt sich jedoch nur knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung von solchen Argumenten reizen.

 

Keine Lust, wenig Zeit

Top-Magazin-Bonn_Im-Beruf-erfolgreich-koerperlich-kaputt-2Daran ist bestimmt der vielzitierte Schweinehund schuld. Viele Sportabstinenzler nennen aber auch eine deutlich pragmatischere Entschuldigung: den Mangel an Zeit. Neben dem Berufsleben, Hobbies und Notwendigkeiten wie Essen und Schlafen stehen bei vielen auch noch die Familie und andere soziale Verpflichtungen auf dem täglichen Plan. Um dennoch nicht die Gesundheit zu vernachlässigen, schlage ich vor, das regelmäßige Sportpensum so effizient wie möglich zu gestalten. Meine Erfahrungen als Personal Trainer haben gezeigt, dass es nicht die von der WHO geforderten 150 Minuten pro Woche sein müssen. Mit dem richtigen Training reichen zwei Einheiten á 30 Minuten, um deutliche Erfolge zu erzielen. Dabei kommt es maßgeblich darauf an, das Training optimal auf individuelle Voraussetzungen und Wünsche abzustimmen. Viel zu häufig funktionieren Trainingsangebote nach dem Motto „one size fits all“. Die Folge: ein zu großer Zeitaufwand für zu wenig Erfolg. Darunter leidet dann die Motivation.

 

„Viel zu häufig funktionieren Trainingsangebote nach dem Motto ‚one size fits all‘. Dabei kommt es maßgeblich darauf an, das Training optimal auf individuelle Voraussetzungen und Wünsche abzustimmen.”

 

Arme wie Michelle Obama

Top-Magazin-Bonn_Im-Beruf-erfolgreich-koerperlich-kaputt-3Auch beim Sport gilt: Jeder Jeck is anders! Und wünscht sich etwas anderes. Der eine möchte seinem Körper etwas Gutes tun, die andere ihre Nacken- und Rückenschmerzen loswerden. Der eine braucht den Bewegungsausgleich nach einem Tag am Schreibtisch, die andere hätte gerne Arme wie Michelle Obama oder möchte einfach wieder in ihre Lieblingsjeans passen. Die Gründe sind so individuell wie die Menschen selbst. Das heißt: Für jeden ist eine individuelle Herangehensweise nötig. Wo soll das Training stattfinden? Soll Kraft aufgebaut werden? An Geräten? Mit dem eigenen Körpergewicht? Oder geht es eher um Kondition? Welche Trainingsmittel machen Spaß, welche nicht? Welche körperlichen Voraussetzungen liegen vor? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Eher früh morgens oder lieber nach der Arbeit? Genau auf diese Individualität gehe ich bei meiner Arbeit als Personal Trainer ein.

 

Fit am Arbeitsplatz

Top-Magazin-Bonn_Im-Beruf-erfolgreich-koerperlich-kaputt-4Für den ein oder anderen besteht eventuell die Möglichkeit, Personal Training direkt in den Arbeitsalltag zu integrieren. Eine Trainingseinheit kann nämlich auch im Büro oder in der unmittelbaren Umgebung stattfinden. Immerhin haben immer mehr Unternehmen verstanden, dass Freiräume für Sport oder andere Auszeiten mehr Leistung und Kreativität zum Ergebnis haben. In der heutigen Zeit braucht sich keiner mehr heimlich für eine kurze Laufrunde zu verdrücken. Es ist angesagt und spricht für eine bewusste Lebensweise, den Sport geschickt in den Arbeitsalltag zu integrieren.

 

Sport tut gut

Egal welcher Ansatz mit ins Training gebracht wird, für jeden muss gelten: Das eigene Training ist ein Investment in die eigene Gesundheit, keine Ausgabe! Denn wer körperlich aktiv ist, tut dadurch nicht nur seinem Körper etwas Gutes. Sport ist auch für den Kopf wichtig. Regelmäßiges Training hat positive Auswirkungen auf das eigene Körpergefühl und steigert das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Sport reduziert Stress und verbessert das Selbstvertrauen. Alles Aspekte, die sich im Umkehrschluss positiv auf den beruflichen Alltag und Erfolg auswirken. Also: Achten Sie auf sich!

 


Über den Autor

Top-Magazin-Bonn_Im-Beruf-erfolgreich-koerperlich-kaputt-10Rüdiger Bülow ist studierter Sportwissenschaftler und Personal Trainer. Nach der eigenen sportlichen Laufbahn im Schwimmen und dem Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln entschied er sich für die Trainerlaufbahn, um seine beiden Leidenschaften zu verbinden: den Sport und die Arbeit mit Menschen. Kern seiner Trainingsphilosophie ist es, mit geringem zeitlichem Aufwand große Ziele zu erreichen. Dabei spielt die Kräftigung der Muskulatur eine zentrale Rolle. Doch auch koordinative und konditionelle Aspekte dürfen nicht fehlen. Immer getreu dem Motto: Wer kann, der muss.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn