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Lifestyle

Unter den Wolken

Christian Hinkel ist Pressesprecher des Düsseldorfer Flughafens und überzeugter Ronsdorfer, sein Kollege Michael Ludwig von der Flugsicherung lebt ebenfalls auf den Wuppertaler Südhöhen


„Die Faszination Flughafen ist hier überall spürbar“, so empfindet es nicht nur Christian Hinkel. Doch wo fast alle anderen abheben, bleibt er mit seinem insgesamt zehnköpfigen Team des Bereiches Media Relation & Interne Kommunikation auf dem Boden. 2002 hat Hinkel beim Düsseldorfer Airport angeheuert, bis dahin war er bei der Westdeutschen Zeitung als Redakteur auf der anderen Seite des journalistischen Geschehens tätig. Wobei: So ganz unterschiedlich sind die Arbeitsweisen gar nicht. „Fast jedes weltpolitische Thema lässt sich neben den ganzen lokalen und regionalen Vorgängen hier auf den Flughafen herunterbrechen“, erläutert Hinkel. „Robbie Williams spielt in NRW? Terror in Großbritannien? Erdbeben in Griechenland? All diese täglich aufkommenden kommunikativen Projekte, Themenfelder und Medienanfragen bearbeite ich mit meinem Team.“

Wichtig ist hierbei insbesondere eine präzise und effektive Krisenkommunikation. Die größte Herausforderung in diesem Rahmen war sicherlich der Absturz des Germanwings-Fluges 9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. „Für die gesamte Luftverkehrsbranche war der 24. März 2015 ein schwerer Tag“, bekennt Hinkel: „Auch wir – jeder einzelne Mitarbeiter – waren natürlich bestürzt und tief getroffen.“ Trotzdem galt es, mit dem Geschehen schnell und professionell umzugehen. „Für uns als Airport hatte die Betreuung und der Schutz der Angehörigen in ihrer Trauer von Anfang an die höchste Priorität.“ Nur wenige Minuten nach Bekanntwerden des Unglücks nahm ein Krisenstab mit Flughafen-, Airline- und Behördenvertretern die Arbeit auf. Schließlich stand der Airport in diesem Zusammenhang für eine Woche im Fokus der gesamten Weltpresse. „Alle Kollegen haben diese schwierige Aufgabe mit großem persönlichen Einsatz gemeistert“, zollt Hinkel auch im Nachhinein den Kollegen seine Anerkennung.

Christian Hinkel

„Ich bin kein Vielflieger“
Christian Hinkel

Trotz aller beruhigenden Statistiken bleibt auch beim Fliegen nun mal ein kleines (dann allerdings bedeutendes) Restrisiko – das spürt selbst, wer beruflich damit zu tun hat. „Ich bin jedoch kein Vielflieger, schließlich bleibt unser Flughafen immer am gleichen Ort“, schmunzelt Hinkel. Ein klein wenig prickelt es dann und wann beim Start, freilich nur marginal, denn die Routi-ne setzt sich halt doch immer mehr durch. Ein wenig sogar schon beim dreijährigen Filius, der bereits mehrfach klaglos mitge-flogen ist – zum Beispiel in die Wuppertaler Partnerstadt Košice. Denn von dort stammt Hinkels Frau Katarina. „Sie machte seinerzeit ein Praktikum bei der WZ“, erinnert er sich an das erste Zusammentreffen mit der Tochter des dortigen damaligen Universitätsrektors Professor Juraj Sinay. „Gelebte Partnerschaft“ kommentiert Hinkel die sich daraus ergebende Ehe lachend, die allerdings mit den langen Arbeitszeiten leben muss, die der Job mit sich bringt. (Nicht nur) um der obligatorischen Rushhour zu entgehen, macht sich Hinkel schon früh auf den berüchtigten Weg nach Düsseldorf, ist schon vor 8 Uhr im Flughafen und bleibt „zum Glück“ so lange dort, dass er dem Stau auf der Rückfahrt ebenfalls entkommt. Dazwischen gibt er Interviews in Funk, Fernsehen oder Print, stimmt die Informationspolitik des Unternehmens mit ab, informiert die Belegschaft, beschäftigt sich mit den hauseigenen Publikationen oder mit Dreh- und Aufnahmegenehmigungen für redaktionelle oder gewerbliche Zwecke. Oder er erklärt den ehemaligen Journalistenkollegen, warum es auch im Luftverkehr zu Verspätungen kommt und erläutert, was man gegen Fluglärm unternimmt.

Fluglärm ist auch ein zentrales Thema eines anderen Wuppertalers, der im Düsseldorfer Flughafen seine berufliche Heimat hat. Michael Ludwig begann mit der Ausbildung zum Fluglotsen und wechselte später ins Büro bei der DFS Deutschen Flugsicherung GmbH. Mittlerweile 22 Jahre im Unternehmen ist er überwiegend für „besondere Nutzungen im Luftraum“ und die Beantwortung von Lärmbeschwerden zuständig. Die Lotsenausbildung im Luftraum des östlichen Nordrhein Westfalen war sehr stressig. Denn im Bereich des Drehfunkfeuers Germinghausen, vom nördlichen Sauerland bis zur Warburger Börde, befindet sich bundesweit der höchst belastete Luftraum aufgrund zahlreicher Vertikalbewegungen in einem recht kleinen Luftraum. An- und Abflüge von Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund, Münster/Osnabrück, Frankfurt oder Paderborn prägen das Verkehrsbild dieses Flugsicherungssektors. Daher war Ludwig froh, dass sich die Gelegenheit bot, ins Büro zu wechseln.
Er befasst sich seitdem mit Fluglärmbeschwerden im Zusammenhang mit An- und Abflügen des Flughafens Düsseldorf sowie mit Freigaben für Bombenentschärfungen, Feuerwerken, Gasausblasungen, Vermessungsflügen oder Drohnenaufstiegen. „Ja, das Drohnenthema nimmt zu“, bestätigt Ludwig auf Nachfrage. Flughöhen bis zu 100 Metern sind in der Regel kein Problem, wenn die kleinen Helis nicht mit Kameras über Wohngebieten oder über Polizei- und Feuerwehreinsätze agieren. Doch im direkten Umfeld des Flughafens oder in größeren Flughöhen muss die Flugsicherung ein spezielles Auge auf die Anträge werfen. Die Freigaben werden dann mit zusätzlichen Auflagen versehen oder in manchen Fällen auch verweigert.

Michael Ludwig

Auch Ludwig ist ein Ereignis in seiner beruflichen Laufbahn besonders im Gedächtnis geblieben: „Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im April 2010 legte weite Teile des Luftverkehrs lahm, es herrschte teilweise eine geradezu gespenstische Ruhe auf dem Düsseldorfer Tower.“ Die würde sich manch lärmgeplagter Anwohner häufiger wünschen. Selbst aus seiner Heimatstadt erreichen Ludwig mitunter Beschwerden über den Krach aus der Luft. „Oft sind es Klagen über lang andauernde Hubschraubereinsätze, doch manch einer ärgert sich auch über das Dröhnen der Flugzeuge“, weiß Ludwig um die Konfliktbereitschaft der Wuppertaler. Dass die auf den Südhöhen besonders ausgeprägt ist, würde Ludwig nie behaupten, schließlich ist er seit fünf Jahren Vorsitzender des Küllenhahner Bürgervereins. Und verfolgt in dieser Eigenschaft aufmerksam die Debatte um ein ganz anderes „fliegendes Objekt“, das in Wuppertal gerade heftig diskutiert wird: „Für unseren Stadtbezirk wäre die Seilbahn schon prägend, schließlich würde hier die Bergstation, die Wagenhalle und ein Parkhaus entstehen.“ Bei den fast 500 Mitgliedern des Vereins gibt es neben vielen positiven auch negative Stimmen, die unter anderem auf die Kosten, die Änderungen im ÖPNV und die Belastungen durch die Seilbahn verweisen. Fest steht, dass die Diskussionen über den möglichen Bau einer Seilbahn lauter sind als der Luftverkehr über Wuppertal…

Artikel von www.top-magazin.de/wuppertal