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Großer Bahnhof für den „Herrn des Lichts“ – Johannes Dinnebier wird 90

Johannes Dinnebier feiert seinen 90. Geburtstag Open-Air im Hof von Schloss Lüntenbeck


Besser kann es nicht sein

Die Sonne lacht vom Himmel und die Temperaturen geben einen ersten Vorgeschmack auf den nahenden Sommer. Vor dem Schlosshof begrüßt der siebenjährige Hannes, lebensgroß als Foto auf Pappmaché aufgezogen, seine Gäste, mitten im Schlosshof, ebenfalls auf Pappmaché, Lisa und Johannes Dinnebier an ihrem Hochzeitstag 1954. Spätesten jetzt ist klar, dass dem Gastgeber der Kopf nicht nach Pomp, Promis und vielen Reden steht, sondern dass Johannes Dinnerbier seinen Ehrentag zusammen mit seiner Familie, Freunden und langjährigen Weggefährten begehen will. Und so ist es Sohn Jan, der in einer kurzen, liebevollen Rede, das Leben von Johannes Dinnebier Revue passieren lässt, humorvolle Anekdoten verrät, die den Familienvater und seiner Ehefrau schmunzeln lassen. Auch der Jubilar darf kurz das Wort ergreifen, doch bevor er ansetzen kann, seine Lebensgeschichte zu erzählen, klopft Tochter Antonia energisch an eine Suppentasse und erinnert ans Buffet. Und da Dinnebier das Licht der Welt in Böhmen erblickte, dürfen Szegediner Gulasch und böhmische Pflaumenknödel nicht fehlen.

 

Johannes Dinnebier hat viel zu erzählen

Sein Leben könnte als Film- oder Romanvorlage dienen, über den Selfmade-Mann oder das Stehaufmännchen. Kindheit und Jungend verbrachte er in Herrnskretschen. „Meine Großmutter führte mit meiner Mutter und meiner Tante die Pension ‚Zum weißen Rössl‘, da meine Mutter geschieden war, so etwas gehörte sich einfach nicht, hatte ich keine Freunde, also ging ich angeln, sammelte Pilze und trug so zum Unterhalt der Familie bei. Besonders stolz war ich auf meine Uniform, ein Liftboy ohne Lift, so stand ich an der Straße und animierte die Touristen, bei uns zu essen“, erinnert sich Johannes Dinnebier gerne an seine Kindheit. „Da hat er seine Marketingstrategien erlernt“, ergänzt Sohn Jan.

Dr. Inge Knyrim, Martin Smida und Oliver Hepp

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Mit 17 Jahren wird er noch eingezogen, überlebt die Ostfront und muss dann zum Katastropheneinsatz nach Dresden. Das Leben als Deutscher in der Tschechoslowakei wird immer schwieriger, die Touristen bleiben aus, die Grenzen werden geschlossen. Die Großmutter verlässt mit ihren Töchtern die Heimat, flieht nach Kassel. Johannes blieb noch, lernte amerikanische Generäle kennen, kam zu seinem ersten Jeep, wurde von den Tschechen verhaftet, überstand mit List und Tücken auch diese Situation. 1945 ging es bei Nacht und Nebel über die Elbe, in Kassel traf er die Familie wieder. „Wir lebten auf dem Dachboden einer Scheune, abends musste die Oma hochgetragen werden. Tagsüber ging ich Kirschen und Äpfel pflücken, die ich dann verkaufte. Einen Beruf hatte ich ja nicht erlernt. Im Sommer kellnerte ich auf Norderney, im Winter im Zugspitzhotel, als Eselstreiber und Skilehrer habe ich auch gearbeitet. Zu der Zeit wurde schwarz geschlachtet , ich lernte die Felle zu gerben und beim Schuster, wie man Schuhe macht. Auch das wurde ein gutes Geschäft“, erzählt der Senior und lächeltverschmitzt. Doch Dinnbier wollte für Mutter und Tante eine Existenz schaffen, baute auf einem Trümmergrundstück in Kassel einen Laden. „Fast täglich kam ein Herr vorbei, der mich beobachtete, eines Tages machte er mir den Vorschlag, dass sein Sohn, ein Architekt, mit die Pläne machen könnte. Es war Arnold Bode, der Vater der Dokumenta. Unsere Familien sind noch heute befreundet“.

 

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Als die Familie versorgt war, brach Dinnebier auf zu neuen Ufern.

Aus Buchenholz stellte er Kugeln her, baute sie zu Lampen zusammen, um sie in der ganzen Republik zu verkaufen. „Düsseldorf war für mich damals der Nabel der Welt, dort traf ich meine Frau Lisa, 1954 haben wir geheiratet und dann dort mit ‚Licht im Raum‘ unser erstes Lampengeschäft eröffnet. Von den Schwiegereltern erhielten wir 700 Markt für eine Waschmaschine, mit dem Geld sind wir nach Amsterdam gefahren und haben Lampen gekauft.
top-magazin-wuppertal-grandseigneur-17Aber wohnen wollte die Familie, mittlerweile waren Tochter Antonia und Sohn Jan auf der Welt, Sonja, Jenny und Julia folgten, nicht in Düsseldorf. In Solingen fand er die Bausmühle, jetzt wurde das Restaurieren und Konservieren zum Thema für Johannes Dinnebier. „Die Bausmühle war das erste Objekt, das die Stadt Solingen unter Denkmalschutz stellte.“ Der Lichtplaner hatte Blut geleckt, die Renovierung von Schloss Lüntenbeck und die des Gräfrather Wasserturms waren seine nächsten Projekte.
Dann kam der erste große Auftrag im Ausland. „Ich erhielt die Anfrage, das Opernhaus in Istanbul zu beleuchten. Daraufhin folgten unzählige Kirchen in ganz Deutschland.“ Auch im russischen Olympiaflughafen knipste Dinnebier das Licht an. Für die Moschee in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, entwarf er eine begehbare Leuchtkugel von zwölfeinhalb Meter Durchmesser, die in der Lüntenbeck zusammengebaut wurde. Bei der Ausschreibung für den Messeflughafen in Hannover trat er gegen Siemes und die AEG an, beide Firmen hatten Kosten von 2,5 Millionen veranschlagt, Dinnebier stieg mit 500.000 in den Ring und gewann. „Etwas Hochstapelei war schon dabei, aber es ist immer gut gegangen“, gibt der Unternehmer schelmisch zu.
Und wie ist es heute um die Kreativität bestellt? „Ja, vielleicht habe ich meine Kinder enttäuscht, dass ich sie nicht immer mit neuen Ideen befeuere. Ich will keine Wiederholung, meine Ideen kommen jedoch nur, wenn ich ein Projekt habe, nach Lösungen suche. Heute möchten meine Frau und ich gerne noch Urgroßeltern werden, doch da tut sich bisher nichts“, wendet sich Johannes Dinnebier gespielt vorwurfsvoll an seine älteste Tochter Antonia, die sich gerade mit dem Kind einer Mitarbeiterin in der Rolle der Oma übt…

Artikel von www.top-magazin.de/wuppertal