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Wirtschaft

Vom Fleischer zum Künstler

Hans Horst Thomas malt – und lebt die Hälfte des Jahres auf Ibiza


 

Neugier und unbändiger Wissensdurst bestimmen das Leben von Hans Horst Thomas bei allem, was er tut und wo er sich aufhält. Wuppertal ist für ihn in erster Linie Ronsdorf, wo noch heute eine Fleischerei seinen Familiennamen trägt. Dieser erfolgreiche Berufs- und Lebensabschnitt wurde mit der Verpachtung schon 1995 abgeschlossen. Hans Horst Thomas brach zu neuen Ufern auf und widmete sich der Kunst. Stets an seiner Seite blieb seine Kindergartenliebe Ulrike, ein Mitglied der bekannten Ronsdorfer „Dynastie“ der Monhofs, die er 1964 geheiratet hat.

Der Jüngste, der Beste…
Im Denken, Forschen und Handeln war Hans Horst Thomas, der drei Wochen nach der Kriegszerstörung Ronsdorfs mangels Krankenhaus am 23. Juni 1943 in Remscheid-Lennep zur Welt kam, vielen Menschen voraus. Bereits mit fünf Jahren wurde der heute 73-Jährige eingeschult, 16-jährig machte er die Gesellenprüfung im Fleischerhandwerk mit Auszeichnung – und mit 19 legte er die Meisterprüfung mit Auszeichnung als jüngster Fleischermeister in Deutschland ab. Die Übernahme des 1876 von Ewald Thomas sen. in der Lüttringhauser Straße 29 gegründeten Familienbetriebes mit 26 Jahren war 1969 das Ergebnis familiärer Diskussionen, wie es sie vielfach gegeben hat, wenn und wann der Sohn dem Vater folgen soll oder will. Ulrike und Hans Horst Thomas folgten ihrem eigenen hohen Anspruch, höchstes Qualitätsniveau zu erzielen und weiter zu entwickeln. Ein Ergebnis war 1980 der von Bundesernährungsminister Joseph Ertel verliehene Bundesehrenpreis als beste deutsche Fleischerei.

Hier springt der „Thomas-Tiger“ förmlich aus dem Rahmen…

Hier springt der „Thomas-Tiger“ förmlich aus dem Rahmen…

 

Viele Technik-Innovationen
Unvergessen ist in Ronsdorf der 10. September 1980, als am „Thomas-Tag der offenen Tür“ Interessierte und Kunden hinter die Kulissen schauen konnten. Davor lagen zahlreiche Versuche, die Fleisch- und Wurstwaren qualitativ zu verbessern, optimal zu präsentieren und die Verkaufsorganisation zu straffen. Bei Waagen verließ sich die Industrie auf Thomas‘ Erfahrungen. Wurden die ersten Dekorationen noch aus echtem Fleisch gestaltet, lieferte Thomas später den Herstellern Vorlagen für künstliche Waren. Produzenten von Fleischereimaschinen und Ladenwaagen arbeiteten eng mit Hans Horst Thomas zusammen, übernahmen oft seine Verbesserungsvorschläge und Ideen, die dann in die Geräte und Maschinen der neuen Serien eingebaut wurden.
Firmenschluss, dann Kunst-Start
1984 wurde Hans Horst Thomas klar, dass seine Kinder Regina und Arne den Familienbetrieb nicht übernehmen würden, denn sie studierten Kunst und Musik. Er verlor sein Ziel nicht aus den Augen, sich nicht erst als Rentner der Kunst zu widmen. Der nicht bereute Einschnitt gelang: 1995 übernahm Familie Pescher die Fleischerei, und führt sie seitdem auf gleichem Niveau weiter. Sie erreichte nach nur vier Jahren die Auszeichnung zur Fünf-Sterne-Fleischeei, die heute unter dem bewähr ten Namen „Fleischerei Thomas“ laut Zeitschrift „Der Feinschmecker“ zu den besten Fleischereien gehört.
Fotorealismus als Schwerpunkt
Für die Hälfte des Jahres wurde der Lebensmittelpunkt auf die Mittelmeerinsel Ibiza verlegt, nachdem die komplette Familie schon seit 1972 dort Ferien macht. Die Wohnung mit Atelier befindet sich in

Drei Männer, die einer sind: Selbstbildnis des jungen Hans Horst Thomas

Drei Männer, die einer sind: Selbstbildnis des
jungen Hans Horst Thomas

Santa Eulalia. Trotzdem aber ist Ronsdorf für die anderen sechs Monate die Heimat von Ulrike und Hans Horst Thomas geblieben, „weil wir nicht den Anschluss an die Realität verlieren wollen. Hier ist unser Rückzugsort und Ruhepunkt.“ Hans Horst Thomas studierte ab 1995 Kunst, Malerei und Farblehre: Durch Kontakte zu vielen Künstlern auf der Insel hat er sich durch Anregungen, Ideen und genaue Beobach tungen eine Menge an Erfahrung und Praktiken aneignen können. Thomas malt, überwiegend in Ronsdorf, fotorealistische Bilder – Porträts, Stillleben, Blumen, Landschaften, Menschen, Tiere. Zur Vorbereitung nutzt er moderne Technik. Porträts bedürfen einer sorgfältigen Analyse. Dazu dienen Filmaufnahmen, um das Verhalten eines Modells zu studieren und beste Szenen auszuwählen. Dann kommt die Computerarbeit hinzu, während der Gesichter jünger oder älter werden können. Thomas‘ Leidenschaft sind im Moment dreidimensionale Bilder, die den Betrachter verunsichern: Teilweise glaubt man, dass sich das Bild, das man sieht, bewegt…

 

Ulrike Thomas war immer zur Hälfte an den Erfolgen ihres Mannes beteiligt – ob in Sachen Familienbetrieb oder auch beim Thema Kunst. Hans Horst Thomas: „Sie weckt meinen Ehrgeiz und beflügelt mich.“

Ulrike Thomas war immer zur Hälfte an den Erfolgen ihres Mannes beteiligt – ob in Sachen Familienbetrieb oder auch beim Thema Kunst. Hans Horst Thomas: „Sie weckt meinen Ehrgeiz und beflügelt mich.“

Im „Ronsdorf Carré“ und in Miami
Hans Horst Thomas ist ständiger Aussteller in Galerien auf Ibiza. In Wuppertal präsentiert er seine Werke in der temporären Galerie im „Ronsdorf Carré“. Außerdem in internationalen Galerien – beispielsweise in Miami in Florida. Mit befreundeten Künstlern hat Hans Horst Thomas 2002 den „Art Club of Ibiza“ ins Leben gerufen, durch den ein wichtiger Schritt in die Öffentlichkeit gelang. Seit 2010 gestaltet der Ronsdorfer maßgeblich den „Ibizartguide“ mit, in dem sich jährlich 110 Künstler mit ihren Werken vorstellen.

Artikel von www.top-magazin.de/wuppertal