Wirtschaft

Elena Myrbach hat geschuftet wie die Weltmeister

Seit fünf Jahren betreibt Elena Myrbach einen kleinen Partyservice in Nächstebreck. Im vergangenen Sommer hat sie von dort das Catering für die Ikea-Baustelle gemanagt. Jetzt erhielt sie den Preis „Frau mit Profil“.


 

Als Elena Myrbach fünf Jahre alt war, war das Backen ihre größte Leidenschaft. Von klebrigen Glasuren konnten ihre Eltern sie gar nicht wegbekommen. Mit Zwölf hat sie bei Familienfeiern Personengruppen von 20 Leuten mit mehreren Gängen bekocht. Überhaupt hat man in ihrer Familie immer gern gegessen. Und wenn die Familie fremde Länder bereiste, waren die orientalischen Märkte mit ihren Gewürzen das sehnlichste Ziel. Dass die 49-Jährige heute Inhaberin eines Catering-Service ist, erscheint da nur konsequent – und logischer als die berufliche Laufbahn tatsächlich verlaufen ist.

Immer schon einen eigenen Kopf

„Meine Eltern wollten eigentlich, dass ich eine Banklehre absolviere“, sagt Elena Myrbach amüsiert. „Das ist eben ein sicherer Job.“ Doch die energische Frau hatte auch schon als Jugendliche einen eigenen Kopf und folgt ihrer Leidenschaft: Sie lernt Konditorin. Kurz darauf, mit 23, bekam sie ihr erstes Kind. „Aber als meine Tochter anderthalb war, war mir grottenlangweilig“, erzählt Elena Myrbach. Kurzerhand pachtete sie ein Café. Und weil auch das sie nicht genug ausfüllte, folgte ein halbes Jahr später das zweite Café – eine Cafeteria in einem Altenheim. Als dann ihr zweites Kind zur Welt kam, wurde ihr das dann doch zu viel und sie gab die Cafés wieder ab. Abgeschlossen war das Kapitel aber nur vor übergehend. Als die Kinder älter waren, führte der berufliche Weg die Powerfrau über einen Kiosk in Vohwinkel (dort bot sie auch kleine Speisen an) zur Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft nach Solingen, wo sich Elena Myrbach mit 33 Jahren zur Lebensmitteltechnikerin ausbilden ließ. „Nach den zwei Jahren hat man mich gefragt, ob ich dort als Lehrerin arbeiten wolle.“ Sie wollte. Und vielleicht ist das ein Geheimnis ihres Werdegangs: Einfach machen und Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich bieten. Sie sprang ins kalte Wasser und unterrichtete zwei Jahre im Fach „Feine Backwaren“. Anschließend war sie Werkstattleiterin im Mildred-Scheel-Berufskolleg sowie Hauswirtschaftsleiterin bei einem Bildungsträger. Dort erhielt sie erste Anfragen, Buffets herzustellen – etwa wenn sich der Bischof angesagt hatte. Und dort lernte sie auch ihren heutigen Mitarbeiter kennen, einen psychisch Schwerbehinderten. „Damals habe ich mir geschworen, wenn ich mich noch einmal selbstständig mache, dann mit einem Party-Service.“ So kam es. Am 1. Mai 2012 schloss Elena Myrbach die Tür zu ihrem Laden auf. Gerade mal 15 Quadratmeter groß ist ihr Reich in Nächstebreck. „Drei Leute können hier aber problemlos arbeiten“, versichert die Unternehmerin, die im vergangenen Sommer mit dem Catering für die Ikea-Baustelle ihre bisher größte Herausforderung meisterte. „Das war zum Teil ganz schön wild“, erinnert sie sich. Denn zusätzlich zu dem täglichen Frühstück und Mittagessen für die Baustelle, hat sie auch das Catering für diverse Baustellen-Partys bei Ikea übernommen. Vorbereiten, kaltstellen, kochen, organisieren, liefern – und das zum Teil für 450 Personen. „Wir haben geschuftet wie die Weltmeister. Aber wir haben es geschafft.“

Frisch, regional, saisonal

Elena Myrbach: „Ich will in der oberen Liga der Wuppertaler Caterer mitspielen.“

Elena Myrbach: „Ich will in der oberen Liga der Wuppertaler Caterer mitspielen.“

Dass Elena Myrbach heute ihr existenzsicherndes Einkommen aus ihrem Partyservice bestreiten kann, liegt sowohl an dem stetigen Wachstum ihres kleinen Geschäftes, das sie auch auf die Qualität ihrer Speisen zurückführt – „Ich setze ganz auf frische, regionale und saisonale Produkte“ – wie auch an ihrer Kreativität. Dadurch, dass sie einen Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, der psychisch schwerbehindert ist, erhält sie eine finanzielle Unterstützung. Und weil der öfter Ruhepausen braucht, hat sie über dem Laden eine kleine Wohnung angemietet. „Das war auch für mich eine gute Lösung“, sagt die Mutter von zwei Kindern (20 und 25). „So konnten meine Kinder, als sie jünger waren, dorthin kommen. Und ich kann in Stresszeiten auch dort übernachten.“ Für diese „Kreative Lösung zur Existenzsicherung“ hat Elena Myrbach im Februar den Preis „Frau mit Profil“ des Kompetenzzentrums „Frau und Beruf“ erhalten. Verliehen hat den Preis Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Nach seiner Laudatio konnte ich erst mal gar nix sagen“, lacht die sonst um Worte nicht verlegene Frau. „Das erlebt man ja nicht so oft, dass der OB eine Lobeshymne auf einen hält.“ Ihr Ziel: „Ich will richtig gut von meinem Partyservice leben können. Und ich will in der oberen Liga der Wuppertaler Caterer mitspielen.“ Wer den Ehrgeiz und Energie von Elena Myrbach kennt, hat daran eigentlich keine Zweifel.

Artikel von www.top-magazin.de/wuppertal