Kultur

The Walther Collection

Mit Ausstellungsorten wie Paris, Stockholm, New York oder Mexico City scheint der Sammlungsstandort Neu-Ulm nur schwer mithalten zu können. Dabei wären die international gezeigten Ausstellungen von The Walther Collection ohne die drei Häuser im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen nicht möglich.


Artur Walther über seine Walther Collection

Warum das so ist, warum Artur Walther zum Sammler wurde und welche Bedeutung die Sammlung The Walther Collection mittlerweile hat, darüber sprach Top Magazin Redakteurin Sigrid Balke mit dem international renommierten Sammler in seinem Wohn- und Ausstellungshaus in Burlafingen.
Top: Haben Sie irgendwann die Entscheidung getroffen, Fotografie zu sammeln oder wie hat Ihre Sammlertätigkeit begonnen?

Artur Walther: Angefangen hat es mit meiner ganz persönlichen und praktischen Auseinandersetzung mit Fotografie. Ich habe mir eine Leica und eine Hasselblad-Kamera gekauft, in Chelsea ein Studio mit Dunkelkammer gemietet und Seminare besucht. Meine Themenbereiche hatte ich klar definiert: Porträts von Menschen in ihrem Lebensumfeld, Motive aus der Wall Street, Industriestrukturen rund um New York und Straßenfotografie.
Top: Bestand da ein persönlicher Bezug zu diesen Themen?

Artur Walther: Ja, die Wall Street war lange Zeit mein Arbeitsplatz bei Goldman Sachs und ich lebe in einem großen Apartmenthaus, in dessen Wohnungen seit Jahrzehnten dieselben Menschen leben. Sie haben ihr Umfeld geprägt und umgekehrt prägte sie dieses Umfeld. Die Porträts sollten diesen Zusammenhang zeigen. Durch die fotografische Arbeit entwickelte ich eine neue, andere Art des Sehens und ich habe vieles über mich selbst erfahren.
Top: Warum haben Sie damit aufgehört?

Artur Walther: Ich begann, mich in verschiedenen Museen wie dem International Center of Photography (ICP) und dem Whitney Museum of American Art zu engagieren, was mein Interesse an kuratorischer Recherche, Sammlungstätigkeit, Ausstellungen und Publikationen weckte. Durch diese Zusammenarbeit entstand der erste Kontakt zu Bernd und Hilla Becher, aus dem sich eine langjährige Freundschaft entwickelte. Von ihnen habe ich vieles gelernt, sie waren meine Wegbegleiter und sensibilisierten mich für die Fotografie von Karl Blossfeldt und August Sander. Es ist das Typografische, Serielle, das mich bei den Bechers gleichermaßen wie bei Sander und Blossfeldt fasziniert. Die Arbeiten der Bechers waren die ersten Werke in der Sammlung, und sie öffneten mir viele Türen.
Top: War das der Beginn Ihrer Sammlertätigkeit?

Artur Walther:Ja, durchaus. Ende der 1990er Jahre reiste ich dann erstmals nach China, wo sich gerade eine neue Künstlergeneration entwickelte. Chinesische Fotografie zeigt sowohl unterschwellige als auch sehr offene gesellschaftspolitische Kritik. Das ist sehr vielschichtig. Von 2000 bis 2005 folgten weitere Reisen nach Asien, und von 2004 an entwickelte sich ein Fokus auf die Kunst Afrikas. Bei meiner ersten Reise nach Afrika begleitete mich Okwui Enwezor, der viel zum Aufbau und zu meinen späteren Ausstellungen beigetragen hat. Bei meinen Reisen suchte ich den Kontakt mit Künstlern, Galeristen und Wissenschaftlern. Mir ist es wichtig, sie in ihrem Kontext zu erleben. Nach und nach entstand daraus die Sammlung asiatischer und afrikanischer Fotografie.
Top: Die mit den Werken von den Bechers, Blossfeldt oder Sander wenig gemeinsam haben…

Artur Walther: Meine Sammlertätigkeit hat zwar einen roten Faden, aber ich bin auch offen für andere Einflüsse. Ich versuche, fremde Kulturen zu verstehen, und damit entdecke ich andere Formen von Ästhetik und lerne vorhandene Grenzen zu überwinden. Bei alledem ist es mir wichtig, Globalität nicht nur aus westlicher Sicht zu beurteilen.
Top: Sie sind in Burlafingen aufgewachsen, leben aber seit Jahrzehnten in New York. Wie kam es dazu, Burlafingen als Standort für die Sammlung zu wählen?

Artur Walther: Nach dem Tod meiner Mutter standen die Häuser zur Disposition und es stellte sich die Frage, was damit passieren wird. Ich hatte ursprünglich Pläne, mit einem Umbau eine Ausstellungsfläche und ein Lager für die Sammlung zu schaffen. 2008 entschied ich mich dann für den Neubau des Weißen Hauses und die Einbindung der zwei anderen Gebäude. Grundsätzlich erlauben mir die drei Ausstellungshäuser hier die Konzepte für umfassende Ausstellungen und Publikationen zu entwickeln. Sie sind die Grundlage für die Weitergabe der kompletten Ausstellungen oder auch einzelner Bilderzyklen an internationale Museen.
Top: Da die Sammlung nun ihren Standort hat, wie arbeiten Sie heute?

Artur Walther: Es geht nicht mehr nur um das Sammeln von Fotografie, sondern auch um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlungsbestände. Wir arbeiten dafür mit Wissenschaftlern, Autoren und Kuratoren aus aller Welt zusammen und präsentieren die Resultate in unseren Ausstellungen und Publikationen. Bislang haben wir vier große Ausstellungskataloge und fünf Fotobücher zu einzelnen Künstlern veröffentlicht, die speziell für die unbekannteren von ihnen sehr wichtig waren.
Top: Wie weit planen Sie voraus?

Artur Walther: Gerade heute habe ich zusammen mit Daniela Baumann, der Leiterin der Sammlung, die Ausstellungsplanung bis 2020/2021 besprochen.
Top: Dann kann man gespannt sein, was uns hier noch erwartet. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Artikel von www.top-magazin.de/ulm