Menschen

Veränderung

Wir haben alle schon viele große Veränderungen in unserem Leben erfolgreich gemeistert – ob Berufswahl, Familiengründung und vieles mehr. Dennoch stehen wir immer wieder vor der Herausforderung, uns einem aktiven Wandel zu stellen oder diesen bewusst herbeizuführen. Das Problem: Häufig nehmen wir lieber das Unglücklichsein in Kauf, als wirklich etwas in unserem Leben zu verändern. Nicht selten ändern wir nur dann etwas, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber warum ist das so? Und was lässt sich dagegen tun?


Von außen betrachtet ist es leicht: Bei anderen Menschen verstehen wir häufig nicht, warum die- oder derjenige immer noch unglücklich im Job verharrt, oder an der Beziehung festhält, anstatt etwas an der jeweiligen Situation zu verändern. Stecken wir selbst in diesem Dilemma, so merken wir, wie schwer es ist, den Mut und die Kraft aufzubringen, etwas Neues zu probieren.

Fakt ist, dass es Menschen häufig große Angst macht, etwas im Leben zu verändern. Ein Grund dafür liegt darin, dass das, was wir bereits kennen, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit gibt. Sogar dann, wenn es unglücklich oder unzufrieden macht. In Routinen, gewohnten Abläufen und Mustern fühlen wir uns wohl, denn wir wissen, wie wir handeln müssen und damit umzugehen haben. Wir fürchten das Neue, denn wer garantiert, dass es nicht noch schlechter wird?

Menschen neigen dazu, sich das Schlimmste vorzustellen. Wir sind gut darin, Risiken und Gefahren vorwegzunehmen und uns auf das schlechteste aller Szenarien gefasst zu machen. Die Entscheidungspsychologie hat in diversen Experimenten gezeigt, dass wir empfindlicher für Verluste als für Gewinne sind. Es schmerzt uns beispielsweise mehr, den schlechten Job zu verlieren als die Chance, einen guten Job zu verpassen.

Die Strategie, lieber beim Bewährten zu bleiben, ist evolutorisch tief in uns verwurzelt. Das Festhalten an Bekanntem bietet mehr Überlebensvorteile als das Eingehen von Risiken. Zudem kann die Angst vor Veränderung auch als Schutz vor Verletzung oder Enttäuschung verstanden werden. Unser Kopf sagt uns, dass es „noch viel schlechter“ sein könnte. Wenn sich konkrete Änderungsvorschläge ergeben, finden sich schnell Argumente und Gründe, die gegen den Vorschlag sprechen. Daran wird deutlich, wie stark wir auf Widerstände und Unannehmlichkeiten fixiert sind. Die möglichen Vorteile und Chancen werden dabei nur untergeordnet oder gar nicht wahrgenommen. Und wenn wir die Vorteile sehen, haben wir Angst davor, dass es vielleicht doch noch anders kommen könnte. Dann hätten wir im schlimmsten Fall nicht mal mehr unsere Hoffnung auf Besserung. Vor einer solchen Enttäuschung wollen wir uns schützen. Doch wie fasse ich den Mut zur Veränderung?

Tipp 1:

Veränderung braucht Kraft und Mut

Etwas im Leben anzupacken und zu verändern, braucht Kraft und eine optimistische Einstellung. Genau das fehlt uns allerdings sehr oft, wenn wir unzufrieden oder unglücklich sind. Belastende Situationen verlangen uns viel Energie ab. Es ist so, als wäre sämtliche Kraft genommen. Woher also die Kraft oder eine optimistische Einstellung nehmen?

„Mit Selbstvertrauen und Mut lässt sich die Angst vor dem Unbekannten besiegen“

Achten Sie auf Ihre Gedanken, wenn Sie an eine mögliche Veränderung denken. Sind diese Gedanken eher positiv oder negativ? Versuchen Sie negative, pessimistische Gedanken aktiv zu vertreiben und malen Sie sich immer wieder ganz bewusst aus, wie die gewünschte zukünftige Situation sein soll. Beschreiben Sie diese Situation auf einem Blatt Papier möglichst genau oder malen Sie sich ein wollen – und nicht, was Sie nicht wollen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie wieder ganz bewusst etwas für sich tun. Fragen Sie sich: Was gibt mir Kraft und Energie, damit ich etwas verändern kann? Wenn man etwas verändern möchte, braucht es den Glauben an und das Vertrauen auf das mögliche Bessere. Und es braucht den Glauben an sich selbst. Mit Selbstvertrauen und Mut lässt sich die Angst vor dem Unbekannten besiegen. Machen Sie sich bewusst, welche anderen Hürden Sie in Ihrem Leben bereits gemeistert haben. Wie haben Sie das geschafft? Was hat Ihnen dabei geholfen? Der erste Schritt in Richtung Veränderung geht also dahin, für sich selbst bewusst zu sorgen und sich selbst Vertrauen zu schenken.

Tipp 2:

Ziele finden und setzen

Um eine Veränderung in Gang zu bringen, ist es wichtig, das eigene Ziel zu kennen. Denn sonst ähnelt das Vorhaben einem Dartspiel ohne Scheibe – die Pfeile werden planlos umhergeworfen und das Spiel ergibt keinen Sinn. Je konkreter Sie ihr Ziel vor Augen haben, desto zielgerichteter können Sie es anstreben. Deshalb stellen Sie sich vorab folgende Fragen:

• Was soll sich ändern?
• Wieso soll sich etwas verändern?
• Was sind die konkreten Ziele?

Tipp 3:

Jeder noch so kleine Schritt führt zum Ziel

Bei den meisten Veränderungen handelt es sich um einen Prozess, der länger andauert und Disziplin und Durchhaltevermögen verlangt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Große Veränderungen, die das Leben maßgeblich beeinflussen, erscheinen oft als unüberwindbare Hindernisse. Deshalb ist es wichtig, diese Herausforderung in Etappen aufzuteilen, um klare Zwischenziele zu haben. Oft braucht es gar nicht die großen Veränderungen auf einmal. Das Erreichen der Zwischenziele gibt Mut und Kraft, um weiterzumachen. Legen Sie ein Teilziel fest und planen Sie: Welches ist der nächste Schritt?

„Worte haben Macht! Alles was ausgesprochen ist, bekommt einen höheren Stellenwert.”

Tipp 4:

Dekatastrophieren Sie

Wie bereits erwähnt, neigen wir dazu, uns auszumalen, dass es noch schlimmer werden könnte. Oft führen wir diesen Gedankengang aber nicht wirklich zu Ende. Stellen Sie sich die Frage: Was wäre das Schlimmste, das geschehen könnte? Wenn Sie diese Gedanken zu Ende führen, werden Sie feststellen, dass das Worst-Case-Szenario möglicherweise weniger Risiko und Gefahren birgt, als Sie zunächst befürchtet haben.

Tipp 5:

Andere ins Boot holen

Suchen Sie sich einen oder mehrere Verbündete, mit denen Sie Ihr Vorhaben besprechen können. Teilen Sie Ihre Gedanken und Ziele sowie Ihre nächsten Schritte. Sprechen Sie darüber, wie Sie sich nach der vollzogenen Veränderung fühlen und wie der Zustand sein wird. Denn Worte haben Macht: Alles, was ausgesprochen ist, bekommt einen höheren Stellenwert. Zudem sind Menschen, die an einen glauben, wohl das Wichtigste und Beste, das man haben kann.

 

Kirsi Fee Wilhelm ist ausgebildeter Coach und systemischer Berater für agile Organisationsentwicklung und Change. Sie war in verschiedenen Führungspositionen, zuletzt als Senior Director, bei dem internationalen Immobilienberatungsunternehmen CBRE tätig. Ihr Schwerpunkt war hierbei die Leitung zahlreicher Projekte zur Reorganisation und Organisationsentwicklung. Darüber hinaus ist sie in Ihrer Tätigkeit als freier Berater und Coach ein gefragter Begleiter von Menschen und Firmen in Transformationen und Veränderungen.

Kirsi Fee Wilhelm

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart