Menschen

Bundestagsabgeordneter Maximilian Mörseburg

Als einziger direkt gewählter U30-Bundestagsabgeordneter von CDU/CSU hat es sich der Stuttgarter Maximilian Mörseburg vorgenommen, aktiv Themen zu setzen und zugleich die Erneuerung seiner Partei voranzutreiben. Im Gespräch mit top magazin erläutert der 29-Jährige unter anderem seine inhaltlichen Schwerpunkte und was er – aus der Opposition heraus – für seinen Wahlkreis erreichen möchte.


top: Herr Mörseburg, Sie haben die ersten Sitzungen im Deutschen Bundestag hinter sich. Wie fühlt es sich an, nun als CDU-Abgeordneter im Reichstag in Berlin und nicht mehr als Stadtrat im Gemeinderat in Stuttgart zu sitzen?

Mörseburg: Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Berlin gegangen. Es ist ein unbeschreibliches  Gefühl – vor allem auch angesichts der Verantwortung, mit der man als Bundestagsabgeordneter ausgestattet ist. Es geht nun darum, in Berlin die entscheidenden Fragen zu beantworten, die Deutschland in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten betreff en. Ich freue
mich auf die neue Aufgabe und vor allem auf die Arbeit in den Ausschüssen, in denen ja die eigentliche Tätigkeit eines Bundestagsabgeordneten stattfi ndet. Auf der anderen Seite bin ich nun aus dem kommunalpolitischen Tagesgeschäft, das mir immer sehr am Herzen lag und viel Freude gemacht hat, erst mal raus. Aber selbstverständlich werde ich mich in Berlin auch für Themen einsetzen, die Stuttgart betreffen.

„Einmal mit dem großen Geschütz die Innenstadt umgestalten zu wollen, ist der falsche Weg.“

top: Am Wahlabend haben Sie sicherlich gehofft, dass die CDU auch zukünftig Teil der Bundesregierung ist. Wie groß ist die Enttäuschung?

Mörseburg: Trotz des persönlichen Erfolgs, gegen den Trend den Wahlkreis gewonnen zu haben, war über das so unerwartet schwache Abschneiden der CDU viel Enttäuschung mit dabei. Mir war aber relativ schnell klar, dass aus der Regierungsbeteiligung nichts wird. Das ist schade, denn man macht ja Politik, um mitgestalten zu können. Und in der Opposition hat man nur wenig Gestaltungsspielraum.

top: Sie gehören zu den jüngsten der insgesamt 735 Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Was kann die junge Generation politisch einbringen, was macht sie anders als die gestandenen Politikerinnen und Politiker?

Mörseburg: Zunächst einmal kommt es aus meiner Sicht auf eine gute Mischung an. Wir brauchen in der Politik erfahrene Leute, die sich bereits auskennen und wissen, wie der Hase läuft. Aber gleichzeitig braucht es für die Parteien und Fraktionen auch immer wieder eine Erneuerung aus sich selbst heraus. Erneuerung mit Jüngeren, die tendenziell eine größere Offenheit gegenüber Zukunftsthemen haben und gleichzeitig mutiger beziehungsweise tatkräftiger sind, möglicherweise etwas komplexere Dinge anzupacken oder zu verändern.

top: Welche Themen sind für Sie in den nächsten Jahren besonders wichtig?

Mörseburg: Wir müssen die Transformation unseres Landes zu einem klimafreundlichen und digitalisierten Industrieland schaff en. Auch das Thema Innere Sicherheit dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Darüber hinaus muss es uns gelingen, eine positive Entwicklung unseres Landes zu erzählen – eine Entwicklung, die nicht gegen andere geht, sondern an der alle teilhaben dürfen und die gleichzeitig so funktioniert, dass man stolz auf sein Land sein darf.

„Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Gesetzgebung im Bund nicht zu Lasten von Stuttgart und der Region geht.“

top: Sie haben bereits erwähnt, sich auch von Berlin aus für Stuttgart einsetzen zu wollen. Wie soll das genau aussehen?

Mörseburg: Ich bin der festen Überzeugung, dass man als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter durchaus auch ein Akteur in der Stadtpolitik ist und als solcher gehört wird. Darüber hinaus kann man über Fördertöpfe des Bundes Gutes für seine Stadt erreichen. Was zum Beispiel die Verkehrspolitik anbelangt, werden zwar viele Entscheidungen vor Ort getroffen. Am Ende gelingt die Umsetzung aber meist nur dann, wenn Geld aus Berlin fließt. Auch aus der Opposition heraus werde ich alles tun, damit Stuttgart gut wegkommt und ordentlich gefördert wird. Das gilt in gleichem Maße für die Kultur. Außerdem ist es mir ein großes Anliegen, dass die Gesetzgebung im Bund nicht zu Lasten von Stuttgart und der Region als einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte Europas geht. Damit meine ich vor allem Entscheidungen, die der hiesigen Automobil- und Zulieferindustrie massiv schaden sowie den Wohlstand und die Arbeitsplätze gefährden würden. Ziel muss der sogenannte Ordoliberalismus sein, also eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, in der ein durch den Staat geschaffener Ordnungsrahmen den ökonomischen Wettbewerb gewährleistet. Es kann nicht sein, dass der Staat bestimmt, wie die einzelnen Wirtschaftsbereiche zu funktionieren haben.

top: Der Ausschuss für Stadtentwicklung des Stuttgarter Gemeinderats hat Ende Oktober das Konzept „Lebenswerte Innenstadt“ beschlossen. Danach sollen schrittweise ab 2022 die öffentlichen Parkplätze auf der Straße innerhalb des Cityrings wegfallen und zudem auf allen Straßen innerhalb des Cityrings mit Ausnahme des Teilstücks Planie Tempo 20 gelten. Wie bewerten Sie diese Pläne?

Mörseburg: Ich finde es nicht richtig, das Auto komplett aus der Innenstadt zu verbannen. Selbstverständlich müssen wir ernsthaft überlegen, an welcher Stelle die Stadt aufzuwerten ist und welchen Effekt das Streichen von Parkplätzen oder Tempo 20 haben können. Das darf aber kein Pauschalurteil aus ideologischen Gründen sein. Die Abwägung zugunsten der Fußgänger und zuungunsten des Autos muss im Einzelfall geprüft werden. Einmal mit dem großen Geschütz die Innenstadt umgestalten zu wollen, ist der falsche Weg. Und der Einzelhandel hat ja gegen diese Pläne auch schon klar Stellung bezogen.

top: Das Ergebnis im Wahlkreis Stuttgart II ist relativ knapp zu Ihren Gunsten ausgefallen. Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag gegeben?

Mörseburg: Es gab natürlich auch noch deutlich knappere Wahlkreise, aber es war in der Tat eng. Tatsache ist: Ohne meine Parteizugehörigkeit hätte ich den Wahlkreis nicht gewonnen. Die Menschen haben sich mehrheitlich für mich entschieden, auch weil sie den CDU-Kandidaten wählen wollten. Zudem war es meiner Meinung nach das richtige Angebot in einer Zeit, in der sich die Wählerinnen und Wähler nach 16 Jahren Angela Merkel und dem Ende einer Ära eine Erneuerung mit einem jungen Gesicht gewünscht haben. Ein entscheidender Punkt war sicherlich auch, dass ich im Wahlkampf viele Termine vor Ort auf der Straße hatte und persönliche Gespräche mit den Menschen führen konnte.

top: Im Vergleich zu 2017 hat die CDU in Baden-Württemberg knapp zehn Prozent bei den Zweitstimmen verloren, bei den Direktmandaten hielten sich die Verluste einigermaßen in Grenzen. Wie erklären Sie sich das Ergebnis? Lag es nur am Erscheinungsbild der CDU im Bund?

Mörseburg: Im Vergleich zu anderen CDU-Landesverbänden haben wir in Baden-Württemberg noch ganz ordentlich abgeschnitten, wir konnten aber den Karren nicht aus dem Dreck ziehen. Zum einen kam offensichtlich unser Spitzenkandidat Armin Laschet bei den Menschen nicht so gut an, auf der anderen Seite war es schwierig, nach 16 Jahren in der Regierungsverantwortung neue inhaltliche Akzente zu setzen. Denn jedes Mal, wenn wir als CDU gesagt haben, wir wollen uns für Erneuerung in diesen oder jenen Punkten einsetzen, kam die Frage, warum wir das nicht schon viel früher getan hätten. Diese Frage kann man aber auch im gleichen Maße der SPD stellen, die – bis auf vier Jahre Pause – genauso lange in der Regierung war wie die CDU und von uns ins Spiel gebrachte Modernisierungsvorhaben nicht selten blockiert hat.

top: Welchen Einfluss auf das Ergebnis hatten aus Ihrer Sicht die Medien? Wurde Armin Laschet überhaupt eine reelle Chance gegeben?

Mörseburg: Die Fehler hat Armin Laschet schon selbst gemacht. Die Medien haben sie dann aber teilweise extrem aufgebauscht und aus meiner Sicht zu wenig über inhaltliche Akzente etwa im Hinblick auf die Modernisierung des Staates oder notwendige Reformen für die Wirtschaft berichtet.

top: Sie haben eine Zulassung als Rechtsanwalt. Warum haben Sie sich für die Politik und nicht für die Arbeit in einer Kanzlei entschieden?

Mörseburg: Die Bundestagsnominierung ist meines Erachtens eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt. Diese Chance hat sich für mich ergeben und ich habe sie beim Schopfe gepackt. Ich wäre aber sicherlich auch anderweitig mit meinem Leben zufrieden, wenn es nicht geklappt hätte.

Nach vier Jahren kann man als Kandidat in einer Großstadt auch ganz schnell wieder abgewählt werden.“

top: Wo soll die weitere politische Reise für Sie hingehen? Ist die Landespolitik eines Tages eine Option?

Mörseburg: Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf meine Aufgabe in Berlin und möchte dort meine Arbeit im Bundestag wie auch für meinen Wahlkreis so gut wie möglich machen. Ich bin auf vier Jahre gewählt. Was dann kommt, wird man sehen. Tatsache ist, dass es für den Bundestag keine lebenslange Jobgarantie gibt – und bereits nach vier Jahren kann man als Kandidat in einer Großstadt auch ganz schnell wieder abgewählt werden.

Zur Person:

Foto: Elias Hoch

1992 in Stuttgart geboren, hat Maximilian Mörseburg nach dem Abitur am Dillmann-Gymnasium zunächst in Mannheim einen Bachelor als Unternehmensjurist absolviert und danach sein erstes juristisches Staatsexamen abgelegt. Nach einer kurzen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Ernst & Young war er zwei Jahre lang als Rechtsreferendar beim Landgericht Stuttgart beschäftigt und für das Amtsgericht Bad Cannstatt, die Staatsanwaltschaft Stuttgart, das Regierungspräsidium Stuttgart, Rechtsanwalt Dr. Klaus Nopper und einen Fachverlag tätig. Seit seinem zweiten juristischen Staatsexamen hat Maximilian Mörseburg, der gemeinsam mit seiner langjährigen Freundin in Stuttgart-Mitte wohnt, eine Zulassung als Rechtsanwalt. Vor der Wahl in den 20. Deutschen Bundestag am 26. September 2021 als Kandidat im Wahlkreis Stuttgart II war er als Stadtrat und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion und zuvor im Bezirksbeirat sowie im Jugendrat kommunalpolitisch aktiv. Erst Anfang November 2021 wurde Maximilian Mörseburg außerdem von der CDU Stuttgart zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart