Wirtschaft

Shoptainment in der Outletcity Metzingen

René Kamm ist neuer Managing Director der Outletcity Metzingen. Der 1960 in Basel geborene Schweizer spricht Deutsch, Englisch, Französisch sowie Italienisch und bringt über 30 Jahre an internationaler Erfahrung mit. In leitenden Positionen war er zuvor bei Unternehmen wie Unilever, Tag Heuer und zuletzt fast 20 Jahre bei der MCH Group als CEO tätig, unter deren Dach die Art Basel, die Messe Schweiz und viele weitere Tochter- unternehmen gehören. top magazin hat mit ihm über seinen Einstieg bei der Outletcity, die aktuelle Situation und die weiteren Ziele für Metzingen gesprochen.


 

René Kamm

top: Herr Kamm, Sie sind seit März 2020 neuer Managing Direktor der Outletcity Metzingen. Wie fühlt es sich an, diese neue Herausforderung während einer Pandemie zu übernehmen?

Kamm: Wenn man neu in eine Firma kommt, möchte man die Leute treffen, ihnen die Hand schütteln und mit ihnen einen Kaffee trinken. So etwas ist leider komplett weggefallen. Aber ich denke, dass ich trotzdem gut reingekommen bin. Zudem habe ich schon Epidemie-Erfahrung: 2003 breitete sich SARS aus – auf der Messe in Basel durften dann die asiatischen Aussteller kurz vor der Eröffnung nicht ausstellen, obwohl schon alle Stände aufgebaut und auch die jeweiligen Personen vor Ort waren. Glücklicherweise war es damals keine weltweite Pandemie. Aber in einer Krisensituation ist es wichtig die Leute zu motivieren.

top: Wie hat sich Corona auf das operative Geschäft ausgewirkt?

Kamm: Wir sind leider ins Jahr 2021 im Lockdown gestartet. Aber wir haben bereits letztes Jahr aus der Situation gelernt, unser digitales In-House-Know-how genutzt und die Outletcity auf die nächste Ebene – Outlet 3.0 – gehoben. Darunter versteht man erstens unsere klassische stationäre Outletcity mit ihrer Architektur und ihren Events, zweitens den Online-Shopping-Kanal, der bereits 2012 gelauncht wurde und drittens die Verschmelzung des stationären Handels mit der digitalen Welt.

 

„Es ist uns ganz wichtig, dass sich alle bei uns wohlfühlen und ein effizientes Shoppingerlebnis haben.“

 

 

top: Was bedeutet das konkret?

Kamm: Bei uns haben die Gäste zum Beispiel die Möglichkeit, in allen Stores, auf allen Freiflächen, in Parkhäusern und in den Gastronomiebetrieben kostenfrei im Ouletcity freeWIFI zu surfen. Somit können Termine in mehreren Stores gemacht und die Zeit optimal genutzt werden. Solange die Kunden in einem Store noch einkaufen, stehen sie virtuell beim nächsten an oder können noch gemütlich einen Kaffee trinken. Unsere digitalen Helfertools gehen aber noch weiter. So ist es beispielsweise bei Tommy Hilfiger oder Calvin Klein möglich, vorab online zu schauen, welche Waren aktuell vor Ort verfügbar sind. Auf der Fläche können auf Screen-Bildschirmen Styles kreiert werden oder es kann aktuell nicht verfügbare Ware einfach mittels QR-Codes im Online-Shop bestellt werden. Außerdem bieten wir auch ein Virtual Shopping: Der Kunde kann via WhatsApp direkt Kontakt zum jeweiligen Store aufnehmen, sich Ware bestellen oder diese reservieren. Nicht vergessen werden darf unsere Live-Shopping-Möglichkeit über die verschiedenen Social-Media-Kanäle. Dessen ungeachtet muss ich ganz deutlich sagen: Je länger der Lockdown oder das Hochfahren dauert, desto schwieriger wird es für unsere Markenpartner. Wir wünschen uns von der Regierung, eine effektive Impfstrategie und die Möglichkeit Schnelltests effizienter einzusetzen.

top: Wie sieht die Zukunft der Outletcity Metzingen aus?

Kamm: Die ursprüngliche Idee von Wolfgang Bauer und den Herren Holy, das US-amerikanische Konzept hierher nach Deutschland zu holen und in eine bestehende Stadt zu integrieren, ist großartig. Oftmals sieht ein Outlet sehr eintönig aus, ein bisschen wie ein Retortenstädtchen. Unsere Outletcity hat aber nichts mit einem solchen Fabrikverkauf zu tun. Hier sind das Ambiente und die Bauten beeindruckend umgesetzt, es ist eine gewachsene Struktur. Wir möchten den Besucher bei uns in Metzingen noch mehr in den Mittelpunkt stellen. Es ist uns ganz wichtig, dass sich alle bei uns wohlfühlen und ein unvergessliches Shoppingerlebnis haben. Dazu wollen wir die Aufenthaltsqualität in der Outletcity weiter steigern und unsere Destination z. B. durch Events und herausragende Erlebnis-Konzepte für unsere Gäste noch attraktiver machen. Familien sollen hier einen schönen Tag verbringen – wie in einem Erlebnispark, in dem alle von Groß bis Klein etwas davon haben. Das ist unser Anspruch für die Zukunft: das Shoptainment. Die Corona-Pandemie hat Vieles ausgebremst. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Irgendwann werden die Leute geimpft sein und hoffentlich sind dann Großanlässe wieder möglich.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart