Gesundheit & Schönheit

Gute Mundhygiene ist ein Booster fürs Immunsystem

Zahnärztliche Präventionsmaßnahmen sind in Coronazeiten unverzichtbarer denn je. Denn eine gesunde Mundhöhle bietet eine effektive Immunbarriere und stärkt das körpereigene Abwehrsystem.


 

Dr. Gerd Reichardt und Renate Bogner

Die Zahl wurde in den letzten Wochen und Monaten regelmäßig genannt, lässt aber trotzdem immer wieder aufhorchen: „80 Prozent der Corona-Geschehnisse finden im Mund- und Nasenraum statt, die Mundschleimhaut ist quasi die Eintrittspforte für Covid-19“, sagt Dr. Gerd Reichardt, Inhaber der Stuttgarter Gemeinschaftspraxis „Ihre Zahnärzte Landhausstrasse“. Vor allem in Zeiten einer Pandemie sei daher eine gesunde Mundhöhle das A und O, um Infektionskrankheiten zu vermeiden. „Durch zahnärztliche Versorgung und Prävention mit professioneller Zahnreinigung sowie bei Bedarf einer Paradontitis-Therapie schaffen beziehungsweise erhalten wir eine stabile Mundgesundheit und leisten damit einen wesentlichen Beitrag für das gesamtkörperliche Wohlergehen“, so Gerd Reichardt, dessen Praxis zwei Dentalhygienikerinnen und zwei Prophylaxeassistentinnen beschäftigt.

„Die unterschiedlichen Verlaufsformen einer Covid-19-Erkrankung hängen Wissenschaftlern zufolge zum einen mit der Menge der Virenbelastung und zum anderen mit bereits bestehenden Vorerkrankungen und einem geschwächten Immunsystem zusammen“, ergänzt Dentalhygienikerin Renate Bogner, Leiterin des Prophylaxe-Teams bei „Ihre Zahnärzte“ in der Landhausstraße. Die Mundhöhle müsse daher sauber und gesund sein, damit die erste unspezifische Abwehr das Eindringen von Krankheitserregern verhindern kann. Soll heißen: Fällt das Coronavirus auf einen sowieso schon kranken Nährboden im Mundraum, dann ist die Widerstandsfähigkeit deutlich geringer. „Prophylaxe bedeutet bei uns deshalb viel mehr als nur die gründliche Reinigung der Zähne“, betont Renate Bogner. Eine umfangreiche Diagnostik gehöre ebenso dazu wie die Berücksichtigung allgemeingesundheitlicher Themen wie zum Beispiel Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Darmgesundheit und Ernährungsberatung. „Gute Mundhygiene zeichnet sich dadurch aus, dass alle Parameter berücksichtigt werden.“

 

Mundhöhle ist Spiegel unserer Gesundheit

Grundsätzlich hat man sich das Ökosystem der Mundhöhle als komplexen Lebensraum unterschiedlichster Mikroorganismen wie zum Beispiel Bakterien, Viren und Pilze vorzustellen. Das Problem: Gewinnt einer dieser Mikroorganismen die Ober hand, kann es zu einer Störung des biologischen Gleichgewichts kommen. Und das wiederum befördert die Entstehung respektive das Voranschreiten von Karies oder Parodontitis. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Bakterien der Mundflora über die Blutbahnen in den Körper gelangen und damit Allgemeinerkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Lungenentzündung oder Herz-/Kreislauferkrankungen begünstigen.

„Eine professionelle zahnmedizinische Prophylaxe sorgt daher im Idealfall für ein bakterielles Gleichgewicht im Biotop Mundhöhle“, erklärt Renate Bogner. Unter die Lupe genommen wird dabei unter anderem auch ein unter Umständen zu geringer Speichelfluss, der beispielsweise mit Medikamenteneinnahme oder Stress zu tun haben kann. Oder damit, dass über den Tag verteilt zu wenig getrunken wird. Und trockene Schleimhäute sind bekanntlich offene Tore für Infektionskrankheiten. Eine Option ist zudem ein Diabetes-Test. Hintergrund: Eine unentdeckte Typ-2-Diabetes, die das Immunsystem mitunter massiv schwächt, zeichnet sich auch in der Mundhöhle ab. Die Dentalhygienikerin Renate Bogner empfiehlt darüber hinaus eine Mikronährstoffberatung, um durch die richtige Ernährung für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt und ein gesundes Gleichgewicht im Mikrobiom des Darms zu sorgen. Denn ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darm-Mikrobiom schwächt unser Immunsystem enorm. Ein übersäuerter Körper ist wiederum der ideale Nährboden für Krankheiten aller Art. Gleichzeitig verschlechtert sich dadurch die Mineralstoff- und Vitaminversorgung, wodurch zum Beispiel die Gefahr besteht, dass Calcium schlechter in die Zähne und den Kieferknochen eingebaut wird.

„So gesehen wird der Zahnarzt zum Gesundheitsmanager, der durch seine ganzheitliche Betrachtung stets den Gesamtorganismus im Blick hat, um so das allgemeine Wohlbefinden zu optimieren“, bilanziert Dr. Gerd Reichardt, der übrigens vom Magazin „Focus“ als „Top Mediziner 2020“ im Bereich der Ästhetischen Zahnheilkunde und der Sport-Zahnmedizin ausgezeichnet wurde. Oder anders gesagt: Gesund beginnt im Mund.

 

Mundspülungen könnten Corona-Übertragungsrisiko senken

Sars-Cov-2-Viren lassen sich mit bestimmten handelsüblichen Mundspülungen inaktivieren. Das zeigt eine Studie von Virologen unter anderem der Ruhr-Universität Bochum. Die Anwendung könnte somit helfen, kurzzeitig die Viruslast und damit eventuell das Risiko einer Übertragung der Coronaviren zu senken, wo das größte Ansteckungspotenzial herkommt, also im Mund-Rachen-Raum. Die Forscher weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass Mundspülungen sich nicht eignen, um eine Covid-19-Infektion zu behandeln. Getestet wurden im Rahmen der Studie acht Mundspülungen mit unter schiedlichen Inhaltsstoffen. Die Forscher mischten jeweils die Mundspülung mit Viruspartikeln und einer Belastungssubstanz, die den Effekt des Speichels im Mund nachstellen sollte. Das Gemisch wurde dann für 30 Sekunden geschüttelt, um den Effekt des Gurgelns zu simulieren. Anschließend nutzten sie zur Bestimmung des Virus-titers Vero-E6-Zellen, die besonders empfänglich für Sars-Cov-2 sind.

Ergebnis: Alle getesteten Präparate reduzierten den initialen Virustiter, also das Maß der Viruskonzentration. Drei Mundspülungen – Listerine Cool Mint, Iso-Betadine und Dequonal – verringerten ihn so weit, dass nach 30 Sekunden Einwirkung kein Virus mehr zu detektieren war. Wie lange dieser Effekt anhält, muss in weiteren Studien untersucht werden.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart