Wirtschaft

Umfrage zum neuen OB

Die Stuttgarter haben entschieden und Dr. Frank Nopper zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Wir haben Persönlichkeiten der Stadt vor der Wahl gefragt, was sie vom neuen Mann an der Spitze der Schwabenmetropole erwarten und welche Aufgabe er aus ihrer Sicht so schnell wie möglich in Angriff nehmen muss.


 

Msgr. Dr. Christian Hermes
Dompfarrer und Stadtdekan von Stuttgart

„Vom neuen OB erwarte ich Leidenschaft für sein Amt und seine Aufgabe. Er muss selbst Ideen und Überzeugungen haben und dafür sorgen, dass, egal von welcher Seite, die besten Ideen in die politische Meinungsbildung eingebracht werden. Und er muss willens und fähig sein, eine große Stadt und eine große Stadtverwaltung gut zu führen und Entscheidungen nachhaltig umzusetzen. Ebenso erwarte ich vom neuen OB, dass er sich energisch um Wirtschaft und Arbeits- plätze bemüht, auf denen der Wohlstand dieser Stadt gründet. Eines der in den letzten Jahren verschlafenen Themen ist der Pflegenotstand, in den Stuttgart sehenden Auges hineinläuft: 2025 fehlen über 2.000 Pflegeheimplätze für die Seniorinnen und Senioren Stuttgarts. Solche großen und für das Zusammenleben in unserer Stadt wichtigen Themen muss ein OB zur Chefsache machen, und zwar mit Taten, nicht nur mit schönen Worten.“

 

 

Dr. Susanne Eisenmann
Ministerin für Kultus, Jugend und Sport

„Stuttgart hat ein unglaubliches Potenzial, das in den vergangenen Jahren leider viel zu wenig ausgeschöpft wurde. Der neue OB steht vor der Herausforderung, die Themen Mobilität, Wirtschaftsentwicklung und Wohnen zukunftsträchtig auf den Weg zu bringen, ohne den Klima- und Naturschutz außen vor zu lassen. Auch am Image muss gearbeitet werden. Es kann nicht sein, dass die Stadt nur mit Fahrverboten und Müll in Verbindung gebracht wird. Stuttgart ist eine Kulturmetropole, eine tolerante und weltoffene Stadt. In den letzten Jahren wurde nur verwaltet, aber nicht entwickelt. Der neue OB muss die Fenster der Stadt öffnen, damit wieder frischer Wind reinkommt.“

 

 

Prof. Dr. Christiane Lange
Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart

„Ich wünsche mir einen OB, der das hohe Potenzial Stuttgarts als Kulturstadt mit ihren Museen, Orchestern, den Staatstheatern und auch der vielfältigen Freien Szene nicht nur persönlich schätzt, sondern auch aktiv über Stuttgart hinaus vertritt.“

 

 

Marc-Oliver Hendriks
Geschäftsführender Intendant der Württembergischen Staatstheater

„Auf den neuen OB warten vielfältige und dringende Auf gaben. Die Herbeiführung eines Grundsatzbeschlusses zur Sanierung des Opernhauses in Stuttgart gehört dabei sicherlich ganz oben auf die Agenda. Wir hoffen sehr, dass der neue OB zusammen mit der Landesregierung nach den Landtagswahlen im März 2021 den gemeinsamen Schwung für diese große Herausforderung finden wird.“

 

 

Dr. Klaus Vogt
Vorstand des Kolping-Bildungswerks Württemberg e.V.

„Es ist wichtig, dass für diese tolle Stadt wieder eine Vision entwickelt wird, die eine Aufbruchstimmung erzeugt und dabei die Bürger mitnimmt. Auf Stuttgart muss wieder mit Interesse geschaut werden. Hier werden Antworten zu wichtigen Fragen wie Mobilität, Arbeiten und Wohnen der Zukunft gefunden. Nach 100 Tagen erwarte ich einen Plan vom neuen OB.“

 

 

Claus Vogt
Präsident des VfB Stuttgart

„Unser neuer Oberbürgermeister hat gleich zu Beginn ein Höchstmaß an dringenden Aufgaben zu erledigen. Ich wünsche mir, dass sich unser OB darüber hinaus aber
auch in hohem Maße für die Kultur sowie den Breiten- und Spitzensport in Stuttgart einsetzt. Sport und Kultur be nötigen gerade in dieser bewegten Zeit die größtmögliche Unterstützung.“

 

 

Christian Witt
Director Corporate Communications bei Breuninger

„Als stationärer Händler liegen uns vor allem die positive Stadtentwicklung sowie die Belebung der Stuttgarter Innenstand am Herzen. Um das Zentrum für Besucher auch künftig attraktiv zu halten, ist es wichtig, ein vielseitiges Angebot an Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und grünen Erholungszonen zu schaffen. Eine zukunftsorientierte und komfortable Verkehrsführung spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle. Hier wollen wir mit der Umwandlung des Breuninger Parkhauses in ein modernes Mobility Hub einen wichtigen Beitrag leisten und eine flexible Erreichbarkeit der Innenstadt ermöglichen.“

 

 

Dr. Ulrike Groos
Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart

„Im Vergleich mit anderen deutschen Städten ist Stuttgart hinsichtlich Kunst und Kultur ein ideales Pflaster – dem muss der neue OB zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Die Errichtung eines Kulturquartiers rund um die B14, die Opernsanierung und die Neuplanung des Linden museums wären da ein wichtiger Anfang. Stuttgart hat zudem viele Möglichkeiten, städtebaulich experimentell voranzugehen. Der neue OB sollte aber nicht nur hier neue Ideen einbringen, sondern auch vom ersten Tag an den Klimaschutz und das Wohnraumproblem in Stuttgart angehen.“

 

 

Eric Gauthier
Tänzer

„Klar, als Künstler dreht sich bei mir alles um die Kultur! Deshalb hoffe ich, dass der neue OB die Kunst liebt und Kultur zur Chefsache macht. Schließlich hat uns das vergangene Corona-Jahr spüren lassen, wie sehr uns das Gemeinschaftsgefühl und die Inspiration fehlen, die uns Live-Aufführungen immer geschenkt haben. Kultur hält unsere Gesellschaft zusammen – und die erzwungene soziale Distanz ist Gift für diesen Zusammenhalt. Die Stadtgesellschaft nach diesem Bruch wieder zusammenzubringen, das Lebensgefühl in der Stadt wieder zu wecken: Das ist sicher die große Aufgabe des nächsten OB. Als Vater von drei Kindern denke ich dabei gerade auch an die junge Generation. Sie braucht jetzt ganz viel Unterstützung. Und viele kluge Aktionen, um die Jungen mit etwas Gutem anzustecken: mit der Liebe zur Kultur.“

 

 

Sabine Hagmann
Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg

„Seitens des Verbandes erwarten wir einen anfassbaren, präsenten OB, der sich  mit den Wünschen und Interessen und Bedürfnissen seiner Bürger und der Wirtschaft, insbesondere auch des Einzelhandels in seiner Stadt auseinandersetzt, sich für sie einsetzt und sie wertschätzt und versucht, einen gerechten Interessenausgleich zu bewirken. Außerdem erwarten wir einen OB, der den Anspruch hat, die Hauptstadt von Baden-Württemberg zu einer modernen, wirtschaftlich prosperierenden und gleichzeitig weltoffenen, ökologisch vernünftigen Metropole mit hohem touristischem Wert weiterentwickeln zu wollen. Und wir hoffen auf einen OB, der eine Verkehrspolitik verfolgt, die ökologisch und modern ist, der einen besseren ÖPNV anstrebt und trotzdem das Auto in der Innenstadt als eines der wesentlichen Fort- bewegungsmittel belässt.“

 

 

Dr. Stefan Wolf
Vorstandsvorsitzender der ElringKlinger AG

„In den nächsten Jahren gilt es für den neuen OB, die richtige Balance zu finden, um ein lebenswertes, ökologisches sowie auch wirtschaftlich starkes Stuttgart zu schaffen und die Stadt nachhaltig und gesund weiterzuentwickeln. Uns allen geht es um Klimaschutz – aber auch um Arbeitsplätze. Hierzu ist ein enger Schulterschluss mit der Automobil- und -zulieferindustrie notwendig.“

 

 

Kevin Tarte
Musicalstar und Sänger

„Ich wünsche mir, dass mit dem neuen OB und seinem Team Stuttgart wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht: Wir brauchen kreative, junge und alte
sowie erfahrene Köpfe, die die Vision haben und dafür brennen, Stuttgart zu einer Modellstadt für Mobilität, Kunst und Technik zu machen.“

 

 

Gunnar Severin
Geschäftsführer der Audi Stuttgart GmbH

„Mir liegt besonders am Herzen, den wirtschaftlichen Standort Stuttgart attraktiv zu gestalten, insbesondere im Hinblick auf die Automobilindustrie und die
Mobilität. Meine Erwartungen richten sich aber auch auf Nachhaltigkeit im Wohnungsbau und auf den Wohnungsmarkt. Bezahlbaren Wohnraum angesichts der Angebotsknappheit in Stuttgart zu finden, ist ein schwieriges Unter-fangen und stellt aus Arbeitgebersicht die Arbeitnehmer vor große Herausforderungen. Im Hinblick auf eine sich immer weiter radikalisierende Gesellschaft und zunehmende Gewaltkonflikte gewinnt das Thema Sicherheit für die Landeshauptstadt an Bedeutung und sollte auch ganz oben auf der Agenda des neuen OB stehen, damit sich solche Ausschreitungen und Plünderungen vom Juni diesen Jahres nicht wiederholen. Eine Stadt und deren Lebensqualität zeichnet sich auch durch das Engagement im Sport und in der Kultur aus. Auch diesen Bereich gilt es, für Stuttgart weiter zu fördern.“

 

 

Winni Klenk
Inhaber der Modeboutique Abseits

„Ich erwarte vom neuen OB mehr Nahbarkeit. Der Kleine Schlossplatz muss wieder mehr ins städtische Geschehen einge­ bunden werden. Das sage ich ganz bewusst auch im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt, die Weihnachtsbeleuchtung, die langen Shoppingnächte oder verkaufsoffene Sonntage. Für dringend erforderlich erachte ich darüber hinaus eine Gewerbesteuersenkung sowie eine Erleichterung für inhabergeführte Geschäfte. Der neue OB muss ein besseres Klima in der Stadt schaffen und – für ein besseres Mit einander – dem Dogmatismus ein Ende bereiten.“

 

Andreas Schwend
Geschäftsführer der diconium GmbH

„Ich würde mich über die Umsetzung eines Programms ‚bürgerzentrierte Stadt‘ mit konkreten Werten wie Achtsamkeit, Wirksamkeit, Zusammenarbeit und Mut freuen. Was wir brauchen, sind nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern messbare Maßnahmen und Services. Bei gewissen Themen könnte man die Bürger sogar im Sinne einer gläsernen Demokratie beteiligen. Der neue OB muss Stuttgart wieder cool machen für alle, die hier leben oder zuziehen sollen. Für mich als ‚Digitalem‘ sind dies natürlich Themen wie zum Beispiel eine wirklich konsequente Digitalisierung der Stadtverwaltung. Außerdem der Aufbau einer digitalen Infrastruktur für einen Marktplatz Stuttgart, um den gebeutelten Handel und die Gastronomie logistisch anzubinden. Und ein neues Mobilitätskonzept, das über verschiedene Stufen wie etwa Rideshare Menschen in die Stadt und samt ihren Einkäufen wieder zum gratis P&R oder nach Hause transportiert. Bürgerzentriert eben.“

 

 

Michaela Russ
Geschäftsführerin der SKS Erwin Russ GmbH

„Aus meiner Sicht ist das gesamte städtische Erscheinungsbild – auch die ‚gefühlte’ Sicherheit und die ewige Verstopfung der Straßen – Ausdruck einer lieblosen Verlotterung. Ein attraktiver, diversifizierter und gerne inhabergeführter Einzelhandel in der Innenstadt anstelle der vielen leerstehenden Flächen würde dem Stadtbild sicherlich zugutekommen. Visionär darf der neue OB gerne hinsichtlich eines neuen Konzerthauses sein, das Stuttgart wieder zum Anziehungspunkt für bedeutende Künstlerinnen und Künstler wie auch für überregionales Publikum machen könnte. Dass Stuttgart auch in Zukunft ein überregional bedeutendes Kulturleben hat und bieten kann, würde durch die Impulse des neuen OB sicherlich mit gefördert werden. Ich erwarte die hundertprozentige Identifizierung mit unserer Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern.“

 

 

Martin Scholpp
Geschäftsführer der Scholpp Kran & Transport GmbH

„Neben all den anderen wichtigen und dringenden Themen wie Wohnungsbau oder Verkehr wünsche ich mir von unserem neuen OB, dass er die Menschen in unserer tollen Stadt wieder vereint und es ihm gelingt, politische und ideologische Hürden zu über-winden, damit wir gemeinsam und stolz in einer sicheren, sauberen und einigen Stadt leben können.“

 

 

Markus Hofherr
Vorsitzender der Kreisstelle Stuttgart des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA

„Vom neuen OB erwarte ich, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein offenes Ohr für unsere Branche hat. Er sollte sich im Interesse der wirtschaftlichen Belebung der Innenstadt und der Bezirke für branchenfreundliche Regelungen einsetzen – zum Beispiel, wenn es um die Nutzung öffentlicher Flächen für die Außengastronomie geht. Zudem wäre eine gastrofreundlichere Überarbeitung der Bebauungspläne in den Innenstadtbezirken zielführend. Wer die Nutzung verändern, seinen Betrieb erweitern oder eine neue Gastronomie eröffnen möchte, sollte vorab wissen, was möglich ist. Außerdem sollte sich der neue OB aktiv für die Wiedereröffnung der Clubs und Diskotheken einsetzen, die seit März 2020 geschlossen sind. Denn ein Nachtleben ohne diese Betriebe, die auch der Kultur eine Bühne bieten, ist nicht vorstellbar. Last but not least: Der neue OB sollte dafür sorgen, dass die Stadt auf die unsinnige Erhebung von Hotel-Bettensteuern verzichtet.“

 

 

Barbara Benz
Geschäftsführerin der Barbara Benz Einrichten GmbH + Co. KG

„Vom neuen OB erwarte ich, dass er die Performance der Stadtverwaltung erhöht, moderne Arbeitsweisen eingeführt werden und die Stadtverwaltung bürger- sowie firmen-freundlich handelt. Dringend notwendig sind außerdem ein faires und funktionierendes Verkehrskonzept sowie die digitale Aufrüstung der Schulen inklusive Betreuung der digitalen Welt.“

 

 

Sonja Merz
Gastronomin und Festwirtin

„Ich wünsche mir, dass unser neuer OB mit Herzblut an die Sache rangeht und auch mal gezielt Vorhaben für die Stadt Stuttgart umsetzt. Wichtig sind mir außerdem Bürgernähe und Präsenz in der Stadt, Einsatz für Mensch, Umwelt und Wirtschaft sowie die Förderung von innovativen Ideen und Konzepten. Außerdem müssen die Sicherheit und Ordnung in unserer Stadt wiederhergestellt und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Ich wünsche mir schnellstmögliche Unterstützung für die Wirtschaft in Bezug auf Gastronomie, Einzelhandel und Industrie. Darüber hinaus muss es gelingen, der Königstraße ihren alten Glanz wiederzugeben.“

 

 

Dr. med. dent. Ernst Peter Drescher
Zahnarzt

„Vom neuen OB erwarte ich, dass er Stuttgart und die Stuttgarter wieder eint. Das gilt auch für das Thema Mobilität: In den letzten Wochen schien es, dass Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger rivalisierende Gruppen aus unterschiedlichen politischen Lagern seien. Fast jeder von uns gehört aber allen drei Gruppen an und wir alle wünschen uns ein gutes Nebeneinander.“

 

 

Hans-Peter Grandl
Gastronom und Festwirt

„Kultur, Einzelhandel und Gastronomie in Stuttgart sind topp, Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten leider nicht. Von unserem neuen OB wünsche ich mir ein Mobilitätskonzept, das Autos nicht wegsperrt und für Fahrräder und Fußgänger konfliktfreie Räume schafft. Klasse wäre auch ein Nahverkehrs-Tagesticket zu einem unverschämt günstigen Preis, der jede Parkhausgebühr alt aussehen lässt. Darüber hinaus braucht es dringend mehr Müllbehälter in der Innenstadt. Die stark steigende Popularität von To-Go-Produkten sorgt für überquellende Behälter, wohin man schaut. Stuttgart kann das besser! Speziell die Innenstadt ist die Visitenkarte der Stadt und sollte einen dementsprechend sauberen Eindruck hinterlassen.“

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart