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Ich bin einfach der Özcan

Mit „Die Cosar Show“ hat Özcan Cosar im November 2020 seine erste eigene Comedy-Show gestartet – online und im SWR Fernsehen. Spannender Talk und spektakuläre Studio-Aktionen sorgen für Unterhaltung. In seiner Late-Night-Show zeigt Cosar, dass Comedy und relevante gesellschaftliche Themen gut zusammenpassen. top magazin sprach mit dem 39-jährigen Stuttgarter über die Show, aber auch über sein Leben in Pandemie-Zeiten.


 

Mit „Die Cosar Show“ hat Özcan Cosar im November 2020 seine erste eigene Comedy-Show gestartet – online und im SWR Fernsehen. Spannender Talk und spektakuläre Studio-Aktionen sorgen für Unterhaltung. In seiner Late-Night-Show zeigt Cosar, dass Comedy und relevante gesellschaftliche Themen gut zusammenpassen. top magazin sprach mit dem 39-jährigen Stuttgarter über die Show, aber auch über sein Leben in Pandemie-Zeiten.

 

top: Herr Cosar, eigentlich wären Sie jetzt auf großer Tournee durch Deutschland. Der zweite Lockdown hat diesem Plan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie gehen Sie damit um?

Cosar: Insgesamt geht es mir gut. Klar finde ich es schade, dass es momentan keine Live-Auftritte gibt. Viel wichtiger ist aber, dass wir jetzt alle zusammenhalten und weiterhin Geduld haben. Dann werden wir die Pandemie auch meistern.

top: Sie haben demnach Verständnis für die getroffenen Entscheidungen?

Cosar: Absolut, zumal es in meiner Familie und in meinem Freundeskreis mehrere Corona-Fälle gab, die teilweise schwer verlaufen sind.

top: Wie haben Sie die letzten Monate als Kabarettist und Comedian so erlebt?

Cosar: Es war auf der einen Seite eine sehr monothematische Zeit, Corona beherrschte alles. Auf der anderen Seite war es für mich eine sehr kreative Zeit. Es gab erfreulicherweise verschiedene Projekte im Fernsehen – allen voran „Die Cosar Show“, die ich in aller Ruhe vorbereiten konnte. Insofern war ich eigentlich ganz gut beschäftigt. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass zu viel Freizeit nicht unbedingt vorteilhaft ist. Insgesamt geht es uns Künstlern ja noch einigermaßen gut, wir können uns auch anderweitig auf den Beinen halten. Viel schlimmer sind die Theater dran, die Mieten und ihre Mitarbeiter bezahlen müssen. Oder die Techniker, die an einen Künstler oder eine Tour gebunden sind.

top: Sie hatten Ihre eigene Show beim SWR erwähnt. War dieses Format schon länger angedacht oder hat es sich aufgrund von Corona ergeben?

Cosar: Mit dem SWR war ich hierüber schon vor Corona im Gespräch. Für mich ist mit dieser Show ein echter Traum in Erfüllung gegangen. Gleichzeitig bietet sie mir die große Chance, meine eigene Kunst weiterzuentwickeln. Es handelt sich ja nicht um Stand-Up-Comedy, sondern quasi um eine Late Night Show. Das ist sehr spannend und zugleich eine neue Herausforderung für mich. Die Resonanz zeigt mir, dass das Konzept stimmt. Besonders gefreut habe ich mich neben dem Lob aber auch über einzelne Verbesserungsvorschläge.

top: Wie frei sind Sie denn in Bezug auf die Inhalte und die Gäste?

Cosar: Zusammen mit meiner Produktionsfirma genieße ich sehr viele Freiheiten. Dazuhin kam vom SWR die klare Ansage: „Wir wollen Özcan und kein Katalogformat, die Show soll so individuell wie möglich sein.“ Mehr kann man sich gar nicht wünschen.

top: Wird es weitere Staffeln geben?

Cosar: Das kann ich noch nicht sagen, aber die Show wurde sehr gut angenommen. Insofern bin ich sehr optimistisch, dass es weitergeht.

top: Nun leben Kabarett und Comedy sehr stark vom direkten Austausch mit dem Publikum. Und das fehlt ja momentan eigentlich komplett. Was bedeutet das für Sie?

Cosar: In der Tat ist die Interaktion mit dem Publikum für mich ein tragendes Element, das Publikum ist immer ein Teil meiner Shows. Mit den aktuellen Umständen muss ich leben – aber genau das ist vielleicht die beste Schule für mich. Ich interagiere in der Show so gut es geht mit meiner Showband „Rikas“. Wenn ich dann irgendwann mal wieder vor einem Publikum auftreten kann, ist jeder Lacher ein Geschenk.

top: Wie wird sich denn Corona aus Ihrer Sicht auf die Kultur und letztlich auch die Kabarettszene auswirken?

Cosar: Corona ist ein Schock für die gesamte Branche. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir gestärkt aus der Pandemie hervorgehen. Corona wird uns verändern, die Kunst an sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

top: In den letzten Jahren sind Kabarettisten und Comedians teilweise wie Pilze aus dem Boden geschossen. Gibt es gerade auch im Fernsehen zu viel davon?

Cosar: Überhaupt nicht. Ich finde diese Entwicklung wunderschön, das Spektrum an Künstlern hat sich ungemein erweitert. Gleichzeitig findet aktuell ein Generationswechsel statt, das finde ich sehr spannend. Je mehr Künstler da sind, desto schöner und vielfältiger wird unser Leben.

top: Wie würden Sie sich denn selbst charakterisieren? Was macht den Unterschied aus zu anderen?

Cosar: Der Unterschied liegt in meiner Persönlichkeit. Ich bin nicht schneller oder besser als die anderen, ich bin einfach der Özcan. Ich schlüpfe auf der Bühne in keine Rolle, sondern versuche, immer ich selbst zu sein – mit meinen Höhen, meinen Tiefen, meinen Gedanken und meinen Lachern.

top: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Werden Sie, wenn es hart auf hart kommt, dann wieder als Fitnesstrainer arbeiten? Oder als Zahnarzthelfer?

Cosar: Warum nicht? Beides sind wunderbare Berufe. Die Kunst war aber schon immer ein Teil meines Lebens und wird es auch bleiben. Ich werde also weiterhin auf die Bühne gehen, auch wenn ich nur zwei Zuschauer habe. Ich liebe es, wenn Menschen lachen. Deswegen mache ich diesen Job. Lachen verbindet. Und wenn das Licht ausgeht im Theater, dann lachen alle gleich – egal, woher die Menschen kommen und welche Nationalität sie haben. Wir können keinen Lacher von der Herkunft unterscheiden. Und das ist das, was wir vielleicht auch fürs Leben übernehmen sollten.

 


 

Zur Person

Özcan Cosar, 1981 in Bad Cannstatt geboren, ist Stuttgarter mit türkischen Wurzeln. Er startete seine Karriere mit 12 Jahren als Tänzer, wurde 2000 Deutscher Meister im Breakdance, moderierte 2007 auf der Games Convention, tritt seit 2008 als Stand-Up-Comedian auf, unter anderem in der Liederhalle in Stuttgart. Er produziert die Podcasts „Bratwurst und Baklava“ mit Bastian Bielendorfer sowie „08/17“ mit Chris Tall und ist zu einem Meister der Situationskomik geworden. 2019 gewann er den Deutschen Comedypreis als bester Newcomer. In den sozialen Netzwerken verzeichnet Özcan Cosar bereits eine große Fangemeinde.

„Die Cosar Show“ in Zusammenarbeit mit dem SWR ist seine erste eigene Show im Fernsehen.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart