Lebensart

Smarter wohnen

Immer mehr Bundesbürger installieren Smart-Home-Anwendungen. Es geht ihnen vor allem um mehr Komfort und Sicherheit. Nach Angaben des Digitalverbandes Bitkom nutzt aktuell rund jeder Dritte in Deutschland mindestens eine Smart-Home-Anwendung. Besonders populär sind intelligente Lampen und Leuchten sowie smarte Thermostate und intelligente Alarmanlagen. Doch erst wenn die einzelnen Smart-Home-Elemente miteinander kommunizieren und interagieren, wird das Zuhause richtig smart – und zu einer echten Unterstützung für seine Bewohner.


 

Endlich Feierabend. Eben saß Frank Müller noch im Flieger, er war ein paar Tage fort auf Dienstreise. Jetzt fährt er mit dem Auto vom Flughafen in die Mietwohnung. Lange vor seiner Ankunft ist seine Wohnung zum Leben erwacht. Die Heizung fährt hoch, damit es der Ankömmling schön warm hat. Wie gut, dass Online-Wetterdienste regelmäßig das smarte Heizungssystem mit Wettervorschaudaten für die nächsten Stunden füttern. Vom angekündigten Temperatursturz hat Frank Müller nämlich im Flieger nichts mitbekommen, seine Heizung schon. Und seine Rollläden haben auch den Befehl erhalten, herunterzufahren, damit die Wärme drinnen bleibt. Der Single wird also gleich in eine warme, angenehm beleuchtete Wohnung kommen, die während seiner Abwesenheit auch noch von seiner Haushaltshilfe gereinigt wurde. Sie braucht dazu keinen eigenen Wohnungsschlüssel, stattdessen hat sie nur temporär Zutritt. Möglich macht dies das intelligente Türschloss. Einem gemütlichen Feierabend steht also nichts mehr im Weg.

Smart leben kann ganz schön angenehm sein, wie das Beispiel von Frank Müller zeigt. Er ist Mitglied der fiktiven Familie Müller – einer Familie, die aus drei Generationen besteht und in deren Alltag es Herausforderungen und Nöte, Wünsche und Vorlieben gibt, die sich wohl in vielen Haushalten wiederfinden lassen. Wie ein smartes Haus diese unterschiedlichen Bedürfnisse unterstützen kann, beschreibt der Digitalverband Bitkom in einem Leitfaden, der online unter www.bitkom.org abrufbar ist.

 

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Ob Alarmanlage, Heizung, Licht und Rollläden oder auch Waschmaschine, Kühlschrank und Unterhaltungselektronik: Heutzutage lässt sich eigentlich fast alles via Computer, Tablet und Handy steuern. Und viele Menschen nutzen die neuen Möglichkeiten eifrig. Der Digitalverband Bitkom hat per repräsentativer Umfrage herausgefunden, dass jeder Dritte in Deutschland mindestens eine Smart-Home-Anwendung nutzt. Vor allem intelligente Lampen und Leuchten sind gefragt, ebenso smarte Heizkörperthermostate.

Lösungen für ein smartes Zuhause müssen vor allem zwei Funktionen erfüllen. Sie sollen das Leben angenehmer, aber auch sicherer machen. „Smart-Home-Anwendungen sind nicht nur etwas für Jüngere. Auch für Senioren bieten sie Vorteile und können helfen, dass jeder möglichst lange in seinen eigenen vier Wänden leben kann“, sagt Dr. Sebastian Klöß, Bitkom-Referent für Consumer Technology. Beispielhaft nennt er sensorgesteuerte Orientierungsleuchten, die nachts den Weg zum Badezimmer weisen oder auch Türsensoren, die überwachen, ob die Wohnung zu einer ungewöhnlichen Zeit verlassen wurde oder lange nicht mehr geöffnet wurde. Die Möglichkeiten sind mittlerweile so vielfältig, die Erwartungen der Nutzer entsprechend hoch.

Doch machen Leuchten, die sich per Smart-phone bedienen lassen, ein intelligentes Haus aus? Oder braucht es mindestens ferngesteuerte Thermostate, programmierbare Rollläden oder Rasenmähroboter? Sie alle sind bereits Bausteine des Wohnens der Zukunft. Doch so richtig smart wie bei Frank Müller wird es eigentlich erst, wenn die einzelnen Elemente und Sensoren miteinander kommunizieren, sie sich untereinander vernetzen. Das funktioniert entweder per Datenkabel, via Stromnetz oder per Funk. Hier haben sich unterschiedliche Standards entwickelt. Für kabelgebundene Systeme sind unter anderem digitalSTROM, KNX und Loxone verfügbar. Als Funkstandards gibt es neben den vom Smartphone bekannten WLAN und Bluetooth etwa EnOcean, ZigBee oder Z-Wave.

 


Die fünf Elemente eines Smart Home

Endgeräte/Aktoren:
Heizkörperregler, Rollläden, Lüftungsanlagen, Waschmaschinen, etc.

Eingabegeräte:
Tablet, Smartphone, Touchdisplays

Sensoren:
Sie messen Raumtemperaturen, Bewegungen im Raum, Öffnung eines Fensters etc.

Steuerungseinheit:
Sie sammelt die Daten der Sensoren und sendet Befehle.
Die Steuerung erfolgt meist über Eingabegeräte

Vernetzung:
per Kabel, Stromnetz oder Funk treten Endgerät und Steuerungseinheit in Kontakt


 

Unterschiedliche Steuerungssysteme

Das Zentrum des Netzwerks bildet eine Steuerungszentrale, oft als Bridge bezeichnet. Sie fungiert quasi als Gehirn des Systems und empfängt die Daten von Sensoren, die beispielsweise Bewegungen, Feuchtigkeit, Temperatur und Helligkeit registrieren. Diese Daten werden dann an die sogenannten Aktoren weitergeleitet, welche die elektrischen Signale in mechanische Bewegung umwandelt. Also die Heizung regeln, die Jalousien schließen, Fernseher, Herd oder Licht einschalten.

Die Profis von Stiftung Warentest empfehlen Systeme, die sich mit vielen Diensten und Geräten verstehen. Breit aufgestellt sind hier die Telekom, Innogy sowie Digitalstrom und eQ-3. Weniger vielseitig ist laut ihren Tests Devolo. Noch weniger Komponenten binden AVM, Nest Labs und HomeKit von Apple ein. Fraglich, ob der Verbraucher mit solchen Insellösungen dauerhaft glücklich wird, denn er muss sich dann lange auf ein System festlegen.

Als Steuereinheit kann ein in die Wand integriertes Touchdisplay dienen, oder eben das klassische Smartphone oder Tablet. Viele Systeme und Geräte können auch per Stimme gesteuert werden. Für viele Verbraucher sind Sprachsteuerungsgeräte nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Zwei von fünf Internetnutzern nutzen bereits hin und wieder Alexa, Bisby, Cortana, Google Assistent, Magenta und Siri. „Intelligente Sprachassistenten entwickeln sich rasant und sind in immer mehr Geräten verfügbar – von der Dunstabzugshaube bis zum Auto“, sagt Bitkom- Eperte Dr. Sebastian Klöß. Alexa & Co. müssen dann mithören, schließlich warten sie auf Befehle. Menschen, die Wert auf Privatsphäre legen, behagt diese Vorstellung oft nicht. Wer sich daran nicht stört, hat alle Optionen offen. Schließlich kennt ein Smart Home die Vorlieben jedes Bewohners und stellt sich automatisch auf diese Vorlieben beziehungsweise auf speziell vorkonfigurierte Szenen ein.

 

Unterstützung von Profis ist sinnvoll

Doch immer wieder kursieren Schreckensmeldungen, wenn Hacker ein smartes Haus angreifen. Das kann ganz harmlos sein, indem die Heizung manipuliert wird. Wenn Dritte allerdings die Haustür öffnen können, hört der Spaß auf. Auch hier gilt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Denn wer die Technik gedankenlos mit dem Internet verbindet, riskiert Hackerangriffe. Ein starkes Passwort schützt das WLAN vor unliebsamen Besuchern. Und wer von auswärts auf sein Netz zugreifen möchte, tut dies besser über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN).

Viele Dinge lassen sich übrigens selbst installieren. Bei einem Neubau jedoch wie auch bei umfangreicheren Maßnahmen im Altbau ist es laut den Verbraucherzentralen sinnvoll, sich von einem Architekten beraten zu lassen, der schon Erfahrung mit der Planung von Smart Homes hat, oder ein entsprechend erfahrenes Haustechnikbüro einzuschalten. Bei kleineren Maßnahmen ist das Elektrohandwerk ein guter Ansprechpartner, wobei der Elektriker eine Schulung für Smart Home absolviert haben sollte. Solche Qualifizierungsmaßnahmen bieten unter anderem Branchenverbände, spezielle Schulungseinrichtungen und die Handwerkskammern an. Auch der technikaffine Frank Müller wird sicherlich die Unterstützung von Profis dankbar angenommen haben.

 

 

So arbeiten Sprachassistenten

Sprachassistenten sind mit mehreren Mikrofonen ausgestattet. Vielen Menschen ist das nicht geheuer: man weiß ja nicht, wer da so mit hört in den eigenen vier Wänden. Fakt ist: alle Geräte lauschen mit, denn nur dann können sie aktiv werden, wenn ihr Signalwort („Alexa!“ oder „Hey Google!“) fällt. Allerdings wird erst dann eine Internetverbindung aufgebaut und die Aufzeichnung gestartet. Ein Farbring am Gerät verrät, dass gelauscht wird. Die Sprachaufnahme wird dann verschlüsselt an die Cloud gesendet und in Text transformiert, um die gewünschte Reaktion hervorzurufen. Alle Kommandos werden auf den jeweiligen Servern der Anbieter verarbeitet. Die Texte sind dabei auf einer App einsehbar und löschbar. Um die Algorithmen für die maschinelle Sprachanalyse zu verbessern, lauschen tatsächlich gelegentlich auch Menschen mit. Nutzer haben aber die Möglichkeit, diese Funktion abzuschalten.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart