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„Es soll wieder richtig Freude machen, Stuttgarter zu sein“

Am 8. November 2020 wird in Stuttgart ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Für die CDU geht dabei der amtierende Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper ins Rennen. Bevor wir in der nächsten Ausgabe die wichtigsten Kandidaten und ihre Ziele für dieses


Frank Nopper vor dem Schillerdenkmal – seinem Lieblingsplatz in Stuttgart

 

Zur Person

1961 in Stuttgart geboren, absolvierte Frank Nopper nach dem Abitur am Wilhelms-Gymnasium in Degerloch zunächst eine Lehre als Bankkaufmann bei der damaligen Dresdner Bank AG in Stuttgart. Anschließend folgte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen das Studium der Rechtswissenschaften. Nach der Zweiten juristischen Staatsprüfung wurde er Leiter der Abteilung Recht und Verwaltung bei der Stuttgarter Messe- und Kongressgesellschaft mbH. In dieser Zeit erfolgte auch die Promotion zum Dr. jur. an der Juristischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität. Von 1994 bis 2002 war Frank Nopper Lehrbeauftragter für Arbeitsrecht sowie Handels- und Gesellschaftsrecht an der Hochschule Esslingen (Fachbereich Betriebswirtschaft), von 2000 bis 2002 außerdem Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Schreinerhandwerks Baden-Württemberg. Im April 2002 wurde der verheiratete Vater zweier Söhne zum Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang gewählt. Dieses Amt hat er nach zwei Wiederwahlen bis heute inne. Anfang April 2020 wurde Frank Nopper von der CDU Stuttgart einstimmig als Kandidat für die diesjährige Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart nominiert.

 


 

top: Herr Dr. Nopper, wie haben Sie denn die letzten Wochen während der Corona-Pandemie erlebt?

Nopper: Zum Teil in Quarantäne – ich war zwei Wochen in freiwilliger Quarantäne und drei Wochen in behördlich verfügter Quarantäne. Hieraus bin ich mit doppelt negativem Test entlassen worden. Die Amtsgeschäfte sind in dieser Zeit allesamt weitergelaufen, aber ausschließlich via Video und Telefonkonferenzen. Wir haben jeden Morgen im Corona-Krisenstab getagt und die Umsetzung der von der Landesregierung erlassenen Verordnungen vorbereitet. Die Infektion mit Covid-19 verlief bei mir – im Unterschied zu anderen Erkrankten – harmlos. Ich hatte nur leichten Husten und ansonsten kein Fieber, keine Gliederschmerzen und keine weiteren Beeinträchtigungen. Dieses Virus ist und bleibt aber gefährlich.

top: Waren Sie denn mit den von der Landesregierung erlassenen Verordnungen einverstanden?

Nopper: Die große Linie von Bund und Land hat meines Erachtens gestimmt. Im Detail hätte ich mir aber mehr Klarheit und auch einfachere Regeln gewünscht, um als Kommune die einzelnen Vorschriften leichter umsetzen zu können. Das wiederum hätte dann mit Sicherheit auch zu einer noch höheren Akzeptanz bei der Bevölkerung geführt. Was wann, wie und wo galt und teilweise heute noch gilt, war uns selbst im Corona-Krisenstab oftmals erst nach ausführlicher Lektüre der sogenannten Auslegungshinweise klar. Vom Normalbürger kann man aber nicht erwarten, dass er sich mit allen Details der Verordnungen und mit ständig neuen Regelungen befasst.

top: Als Oberbürgermeister von Backnang sind Sie seit mittlerweile 18 Jahren im Amt, ihre dritte Amtszeit hat erst vor zwei Jahren begonnen. Was waren die Beweggründe, Ihren Hut für die im November 2020 in Stuttgart anstehende Oberbürgermeisterwahl in den Ring zu werfen?

Nopper: Ich bin Stuttgarter vom Scheitel bis zur Sohle – ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe ganz tiefe Stuttgarter Wurzeln. Ein Urgroßvater von mir war Stadtschultheiß im damals noch selbstständigen Cannstatt. Mein Vater war 1966 OB-Kandidat und saß für die FDP/DVP und später für die CDU über viele Jahre im Gemeinderat der Stadt Stuttgart. Mein jüngerer Bruder ist ebenfalls Stadtrat in Stuttgart. Die Noppers gibt es übrigens schon sehr lange in dieser Stadt: 1816 grün dete Johann Friedrich Nopper im Stuthaus direkt neben der Stiftskirche die Eisenhandlung Friedrich Nopper, die dann im Jahr 1900 mit der Firma Zahn & Compagnie zu Zahn-Nopper verschmolz. Die Firma existierte bis 1988.

 

Der Backnanger Oberbürgermeister ist für alle Situationen gewappnet

Ehepaar Nopper (li. u. re.), Bundespräsident Köhler mit Gattin und Günther H. Oettinger (v.li.)

 

top: Wie sind Sie seinerzeit nach Backnang gekommen?

Nopper: Ich wurde von einigen Backnanger Stadträten wie auch vom ehemaligen Referenten eines früheren Backnanger Oberbürgermeisters umworben. Zu diesem Zeitpunkt war ich Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Schreinerhandwerks Baden-Württemberg. Ich konnte mir schon immer vorstellen, eine verantwortungsvolle Position in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Ich wurde so lange bearbeitet, dass ich mir sagte: Wenn ich jetzt nicht springe, gelte ich als Hasenfuß. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich bin also gesprungen – und das im Rückblick sehr erfolgreich. Es war eine Herausforderungskandidatur gegen den Amtsinhaber von der SPD, die ich im zweiten Wahlgang für mich entscheiden konnte. Bei der ersten Wiederwahl entfielen dann 86,8 Prozent der Stimmen auf mich, bei der zweiten Wiederwahl 87,1 Prozent. Auch bei den Kreistagswahlen erzielte ich gute Ergebnisse, ich war zweimal in Folge Stimmenkönig aller 88 Kreisräte im Rems-Murr-Kreis.

 

Frank Nopper im Gespräch mit Karin Endress und Matthias Gaul (v.re.)

 

top: Entsprechend groß dürfte in Backnang die Enttäuschung über Ihre Kandidatur in Stuttgart sein.

Nopper: Das müssen Sie die Backnangerinnen und Backnanger fragen. Ich bin bislang aber auf großes Verständnis und auf große Akzeptanz gestoßen. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass man die Kandidatur in der Landeshauptstadt einem Ur-Stuttgarter wie mir nachsieht. Darüber hinaus kann ich in Backnang eine sehr lange Zeit des Engagements vorweisen. Wenn es in Stuttgart nicht klappen sollte, bleibe ich auch gerne Oberbürgermeister in Backnang. Ich bin bis 2026 gewählt.

top: Welche würden Sie denn als Ihre größten Erfolge in Backnang bezeichnen?

Nopper: Ganz wichtig war, dass wir ein neues Backnang-Gefühl entwickelt haben. Die Stadt tritt wieder mit dem ihr zustehenden Selbstbewusstsein auf. Backnang ist zu einer noch kinder- und familienfreundlicheren Stadt geworden. Auch in Sachen Infrastruktur hat sich viel getan. Als Stichworte nenne ich hier nur die S-Bahn-Linie 4, den vierspurigen Ausbau der B14 oder das neue Familien- und Sportbad. Auch die Wirtschaft hat mächtig zugelegt. Ende 2019 hatten wir den für Backnang höchsten Stand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aller Zeiten.

 

„Es muss gelingen, durch einen neuen Stuttgart-Spirit die verschiedenen Lebenswelten, Lebensstile und Positionen zusammenzuführen.“

 

Herzog Friedrich von Württemberg, Peter Straub, Maximilian Andreas Markgraf von Baden und Frank Nopper (v.li.)

 

top: Sie haben das Selbstbewusstsein von Backnang angesprochen. Wie sieht es denn damit in Stuttgart aus?

Nopper: Es ist an der Zeit, wieder mehr dafür zu tun, dass Stuttgart stärker leuchtet in der Region, in Deutschland und in Europa. Ich glaube, man muss ein neues Stuttgart-Gefühl entwickeln. Es muss gelingen, durch einen neuen Stuttgart-Spirit die verschiedenen Lebenswelten, Lebensstile und Positionen zusammenzuführen. Also den Daimler-Fließbandarbeiter und den Wengerter vom Rotenberg, den Innen- und den Außenbezirkler, den VfB-Fan aus der Cannstatter Kurve und den blauen Adel von der Waldau oder den Club- und Kulturszenegänger und den Besucher der Stuttgarter Staatsoper, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Das Image der Stadt wurde in den letzten Jahren zu sehr bestimmt durch negative Schlagzeilen und Konflikte, die teilweise auch zu einer Spaltung der Stadtgesellschaft geführt haben. Es soll wieder richtig Freude machen, Stuttgarter zu sein und in Stuttgart zu leben. Das geht nur über Atmosphäre und Gefühle sowie die direkte Ansprache der Menschen in der Stadt. Da ist auch seitens des Stadtoberhaupts eine große Portion Leidenschaft gefragt. In diesem Zusammenhang sehe ich mich als Mann fürs Konkrete und fürs Handfeste und weniger fürs Abstrakte. Ich möchte Versöhner und Brückenbauer sein.

top: Wie wollen Sie denn Ihren Wahlkampf gestalten?

Nopper: Das hängt davon ab, wie es mit Corona weitergeht. Es wird mit Sicherheit ein stark digital geprägter Wahlkampf, der in den nächsten Wochen beginnt.

 

Frank Nopper bei der Stadtputzete … und im Go-Kart

 

Familie Nopper
Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart