Lebensart

Was summt denn da

Immer wieder im Frühjahr, sobald die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen die ersten Pflanzen zum Erblühen bringt, beginnt es in der Natur auch zu fliegen und zu summen. Und alle Jahre wieder kommen dann auch die Fragen nach dem Who’s who im gestreiften Out


 

Halbwissen und Mythen schürten schon immer die Ängste vor diesen wunder baren Tieren, andererseits ist die Zahl der Imker im Land weiter gestiegen. Dass bei Naturschützern dennoch die Alarmglocken läuten, ist bei genauer Betrachtung des Lebensraums mehr als verständlich. Sind Biene und Co. doch zentrale Bestandteile des komplexen ökologischen Systems, das unsere Landschaft ausmacht. Ganz unterschiedliche Interessen haben dazu geführt, dass zum einen ihr natürlicher Lebensraum immer mehr reduziert wurde und deshalb schlicht die Lebensgrundlage nicht mehr existiert. Zum anderen sind lange Zeit Insektizide in der Landwirtschaft sowie im privaten Gartenbau – ungeachtet jeglicher Folgeschäden – als direkter Feind zum Einsatz gekommen. Nicht umsonst sind mittlerweile alle heimischen Arten der Bienen und Hummeln sowie die Hornissen und einige Wespenarten in der „Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten“ des Bundesministeriums der Justiz gelistet und damit unter besonderen Schutz gestellt. Wichtig ist deshalb, gewissermaßen als Gebot der Stunde, die Umsetzung von Maßnahmen, die den natürlichen Lebensraum dieser Insekten wiederherstellt.

Seit fünf Jahren lobt der NABU mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden- Württemberg auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Förderprojekte aus. Unter dem Namen „Natur nah dran“ bewerben sich Kommunen mit Konzepten, wie sie die biologische Vielfalt im Siedlungsraum umsetzen wollen. In diesem Jahr werden nun im Regierungsbezirk Stuttgart für das Leben von Wildbiene, Schmetterling und Co. die Städte Künzelsau, Marbach, Neckarsulm, Renningen und Waldenbuch gefördert. In den Regierungsbezirken Freiburg, Karlsruhe und Tübingen erhalten weitere elf Städte die Förderung zur „Umwandlung von jeweils bis zu fünf Flächen in artenreiche Wildblumenwiesen oder blühende Wildstaudensäume“.

Blühende Landschaften braucht es deshalb nicht nur in der Wirtschaft, sprich in der Erschließung von neuen Gewerbegebieten, sondern eben auch im wörtlichen Sinne in den Städten, den Stadtparks und Balkonkästen, in Gärten und in der Landwirtschaft. Die Verantwortung kann nicht allein auf die Politik abgeschoben werden. Lange Zeit herrschte auch der Trend zum exotischen Garten mit viel Stein und Pflanzen, die kaum Arbeit mit Laub und Blüten machen und so die Nahrungsgrundlagen und Lebensräume zerstörten. Städte versiegelten Flächen, wählten Baumarten nach Pflegeintensität und Wachstumsgeschwindigkeit aus. Doch diese Trends und Entscheidungsmechanismen wurden die letzten Jahre immer mehr infrage gestellt. Und wer tatsächlich für Bienen und Co. etwas tun will, der kann auch ohne langwierige Bewilligungsprozesse im Rahmen seiner Möglichkeiten jederzeit damit beginnen.

 

Geeigneten Lebensraum schaffen

Zur Unterstützung der gestreiften Hautflügler kann man zum Beispiel das Nahrungsangebot verbessern. Das beginnt schon bei der Wahl der bienenfreundlichen Blumen für den Balkonkasten. Wer einen Garten sein Eigen nennen darf, der kann zum Beispiel mit dem Pflanzen „wertvoller“ Nahrung die summenden Tiere unterstützen. Nektar- und pollenreiche Gartenpflanzen sind unter anderem Krokusse, Kapuzinerkresse, Pfefferminze, Sonnenblumen, Malvenarten, Dost, Rotklee, Klatschmohn und Herbstzeitlose, Obstbäume, auch Heckenpflanzen wie Holunder, Weißdorn und Wild rosen.

 


Gut zu wissen

 

Das Gift der Wespe und Hornisse unterscheidet sich von dem der Biene. Wer auf Bienen allergisch reagiert, muss deshalb nicht automatisch auch auf Wespen- beziehungsweise Hornissenstiche allergisch reagieren und umgekehrt.

Insekten nehmen sehr gut besonders schnelle Bewegungen wahr (ca. 240 Bilder/Sekunde). Deshalb ist wildes Um-sich-Schlagen eine Einladung zum Kampf. Ruhig stehen bleiben und warten, bis die Neugier vorbei ist. Wer Besuch von Wespen beim Essen bekommt, der bietet ihnen ein Stückchen vom Fleisch oder Kuchen etwas abseits vom Tisch an.

Kommen Hornissen gelegentlich mal an einen Tisch, dann eigentlich nur, um eine fressende Wespe zu jagen, weil sie so eine leichte Beute ist.

Hornissenstiche entsprechen in ihrer Verletzungsart den Stichen von Bienen oder Wespen. Sie schmerzen vielleicht etwas mehr, da ihr Stachel etwas länger ist. Sie sollten aber auf dieselbe Art versorgt werden.

Im Allgemeinen stechen Bienen, Wespen und Hornissen nur, wenn sie Gefahr für ihren Nachwuchs, sprich ihr Nest oder den Staat wittern.

 


 

Bienen und Hummeln leiden oft unter einem stark abnehmenden Nektarangebot. In den Städten blüht zwar im Sommer vermehrt die wenig empfindliche Linde. Allerdings reicht ihr Zuckerangebot, das nach der Blüte Ende Juni stark abnimmt, kaum für die Hummel, die im Unterschied zur Biene keine Vorräte anlegt. Zur Verbesserung des Nahrungsangebots für Hummeln, die ja auch wiederum Futter für die Singvögel sind, bieten sich an:

  • spät blühende Stauden wie zum Beispiel die dekorative Artischocke und die Kugeldistel;
  • die blau blühende, bis einen Meter hohe Bartblume (lässt sich gut als Kübelpflanze verwenden);
  • Büschelschön, der sich auch zur Gründüngung im Nutzpflanzenbeet eignet;
  • Efeu, bietet zu einem besonders späten Zeitpunkt reichlich Nektar, die kugeligen Blütenstände erscheinen aber erst ab einem Alter von acht bis zehn Jahren;
  • Heidekraut als niedriger Halbstrauch für mageren und sauren Boden, jährliches Schneiden fördert die Blühfreudigkeit;
  • alle Arten von Klee, kann in die Gartenwiese gesät werden;
  • Lavendel, der Läuse von den Rosen vertreibt und als Duftpflanze heiß geliebt wird von den Bienen;
  • Malven und Stockrosen, deren ungefüllten Blüten den Hummeln besonders dienen;
  • der Sommerflieder, auch Schmetterlingsflieder genannt, später Rückschnitt vermehrt das Blühen im Folgejahr;
  • Sonnenhutarten, der unverwüstliche, leuchtende Bauerngartenklassiker;
  • die heimische Taubnessel, blüht teils bis in den Winter hinein.

 

Wer mehr über die Tiere wissen will und die Möglichkeit, seinen Garten „artgerecht“ zu beppfanzen, der kann hier hilfreiche Informationen finden:
www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler. Wichtig ist zudem das Anlegen von geeigneten Nistplätzen und weitere leicht umsetzbare Dinge wie etwa das Anbieten einer Wasserquelle.
Weitere Möglichkeiten:

  • Haufen aus Holz, Ästen und Laub aufschichten oder auch einen Haufen aus Grasschnitt anlegen – hier überwintern und nisten Hummeln;
  • an sonnigen Plätzen die Erde nackt lassen, hier nisten viele Arten von Wildbienen;
  • Holz teilweise unbehandelt lassen, kauen sozial lebende Wespen ab und bauen daraus ihr Nest;
  • Bienenhotel bauen oder kaufen und ausbringen;
  • Natursteinmauern;
  • struppiges Gras, hier nisten Hummelarten

 

Als wertvolle Nahrungsquelle und für viele Arten geeigneter Lebensraum braucht es auch die ungemähte Wiese. Zunächst sollte es natürlich nicht der berühmte englische Rasen sein, den man einfach stehen lässt, anstatt ihn einzukürzen, sondern es muss eine Wildblumen und heimische Gräser enthaltene Wiese sein. Oft kann sich aber auch ein Rasen peu à peu wieder zur Wiese entwickeln, wenn man ihn lässt. Der heimische Löwenzahn ist ein leicht einzufangender Gast, der hier gerne die Vorreiterrolle übernimmt. Andererseits gibt es überall Samen für Wildblumenwiesen zu kaufen. Man kann also auch bewusst einen Teil seines Gartens als solchen neu anlegen. Überhaupt ist eine breite Auswahl an Blütenppfanzen durch das ganze Jahr – für die Insekten vor allem vom Frühjahr bis in den Spätherbst – eine großartige Unterstützung für die Tiere und ganz ehrlich: auch eine große Freude für unsere Augen.

Wer in diesem Sinne für die Hautflügler tätig wird, der wird auf kurz oder lang auch eine Zunahme an Käfern, Schmetterlingen und schließlich auch Singvögeln beobachten. Die Vielfalt der Arten ist groß, zu groß sogar, um hier auch nur annähernd adäquat aufgelistet zu werden. Doch im Internet, bei Naturschutzverbänden und in vielen Publikationen kann man stöbern, lesen und Anregungen holen.

 

 

 

 

Honigbiene – lat. Apis

Eigenschaften:

  • Vegetarier, ernährt sich von Pollen und Nektar
  • 1 – 2 cm lang
  • schmal gebaut, an der Unterseite weniger behaart, braun und die ersten Hinterleibsegmente von gelblich bis rotbraun
  • besitzt Stachel, sticht bei Bedrohung, der bleibt im Opfer stecken, reißt dadurch eine Wunde in den Körper der Biene, die dann stirbt

Vorkommen und Lebensart:

  • Gattung aus der Familie der Echten Bienen, umfasst neun Staaten bildende Arten, zahlreiche Unterarten und Rassen
  • leben in Völkern mit bis zu 40.000 Arbeiterinnen auf ein Jahr begrenzt
  • die Westliche Honigbiene ist die Basis der weltweiten Imkerei

Nutzen für die Natur und den Menschen:

  • legt Honigvorräte an, dazu fliegt sie mehrere Hundert Blüten am Tag an (eine Biene sammelt in ihrem rund sechs Wochen langen Leben knapp zwei Teelöffel Honig)
  • aus drei Kilo Nektar werden ein Kilo Honig, hierfür sind circa 60.000 Flüge notwendig
  • beim Flug von Blüte zu Blüte bleibt Blüten- staub am Bein hängen, so bestäubt sie hierzulande 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen

Hilfe für die Biene:

  • keine Pestizide
  • artenreiche Blütenlandschaft

 


 

Wildbienen – Solitärbiene

Eigenschaften:

  • Vegetarier
  • von 3 – 4 mm bis 3 cm lang
  • pelzig behaart, haben unterschiedlichste Farben, gelb, braun bis blauschwarz

Vorkommen + Lebensart:

  • über 580 Arten leben in Deutschland, 460 kommen davon in Baden-Württemberg vor
  • rund 30 Prozent sind auf die Pollen bestimmter Pflanzen spezialisiert
  • bauen ohne fremde Hilfe ihre Nester und versorgen ihre Brut, die Larven verpuppen sich zu erwachsenen Bienen, überwintern im Nest und verlassen im folgenden Frühjahr zur Fortpflanzung ihre Brutröhre
  • sind oft standorttreu und verbleiben Jahre lang mit ihrem Nest in derselben Mauer-spalte oder im Rasen

Hilfe für die Wildbiene:

  • über die Hälfte stehen auf der roten Liste, ein Drittel ist vom Aussterben bedroht
  • artenreiche blühende Gärten mit Nistplätzen

 


 

Hummel – lat. Bombus

zählt zu den Wildbienen

Eigenschaften:

  • Vegetarier, ernährt sich von Pollen und Nektar
  • 1 – 2 cm lang
  • pelzartig behaart, meist schwarz und gelb gestreift, mit weißer Hinterleibsspitze
  • besitzt Stachel, benutzt ihn sehr selten

Vorkommen und Lebensart:

  • rund 70 Arten leben in Europa, davon 36 in Deutschland, ungefähr acht Arten kommen in die Gärten, darunter Stein- hummel, Ackerhummel, Dunkle Erdhummel und Kuckuckshummel
  • leben in Staaten nur für wenige Monate über den Sommer, bauen ihre Nester in der Erde, in struppigem Gras, Mauselöchern, Totholz-haufen, Steinspalten oder Komposttonnen

Nutzen für die Natur und den Menschen:

  • sind hervorragende Bestäuber durch ihre lange Zunge, werden deshalb für die Bestäubung im Gewächshaus (z. B. für Tomaten und Erdbeeren) mittlerweile rund ums Jahr gezüchtet

Hilfe für die Hummel

  • stehen auf der roten Liste
  • Hummeln verhungern durch das reduzierte Nahrungsangebot (Wiesen werden abgemäht, bevor sie blühen + Monokul turen) und sterben auch durch Insektizid einsatz

 


 

Wespe – lat. Vespula

Eigenschaften:

  • frisst andere Insekten, liebt Früchte, Getränke und Essensreste
  • 1 – 2 cm lang
  • haben wenig Körperbehaarung und eine „Wespentaille“
  • besitzt Stachel, kann mehrmals stechen

Vorkommen + Lebensart:

  • zwei Arten finden den Weg in unsere Gärten: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe
  • brauchen Eiweiß zur Aufzucht ihrer Brut
  • nach der Aufzucht der Brut machen sich die Wespen auf die Suche nach Süßem; der entstehende Alkohol in überreifen Früchten macht sie oft aggressiv; dieses Verhalten hält üblicherweise einige Wochen an, dann sterben sie
  • nur begattete Jungköniginnen überwintern, um im Folgejahr einen neuen Staat zu gründen
  • bauen ein Nest, kann bis zu 20.000 Arbeiterinnen beherbergen
  • Nester sind einjährig und werden im Spätherbst verlassen

Nutzen für die Natur und den Menschen:

  • Beutetiere sind unter anderem Fliegen, Blattläuse, Raupen und weitere Insekten
  • große Hilfe im dezimieren von Schädlingen

Hilfe für die Wespe:

  • „Wer in Baden-Württemberg eine Wespe fängt, verletzt oder tötet, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Sicherlich soll das Bußgeld eine abschreckende Wirkung haben, damit alle wissen, dass das Verbot wirklich ernst gemeint ist. Auch die Zerstörung des Nests wird mit einem Bußgeld geahndet. Selbst bei lästigen Wespen, die am Kuchen naschen wollen, muss man die Tiere nicht töten, stattdessen sollte ihnen zur Ablenkung etwas anderes angeboten werden, zum Beispiel eine Schale Zuckerwasser abseits der Kaffeetafel.“ (Auszug aus der Homepage des NABU)

 


 

Hornisse – lat. Vespa

Eigenschaften:

  • frisst andere Insekten
  • Arbeiterin bis 2,8 cm, Königin bis 3,5 cm lang
  • Kopf und Rumpfabschnitt sind schwarz mit rot und rotbrauner Zeichnung
  • typische Kopfform, verbreitert sich nach den Augen
  • besitzt Stachel, kann mehrmals stechen, sind aber eigentlich eher stechunlustig

Vorkommen und Lebensart:

  • Königin baut Nest, Staat umfasst bis zu 700 Tiere
  • Arbeiterin lebt 20 bis 40 Tage
  • Hauptzeit im September
  • sind auch nachtaktiv
  • die einjährigen Nester sind bevorzugt im Holz, bei Mangel an natürlichen Nistplätzen werden Hausverschalungen, Dachböden etc. gewählt
  • Ende Oktober sind die den Sommer über aktiven Nester leer
  • Hornissennester sind unten offen

Nutzen für die Natur und den Menschen:

  • haben Wespen zum Fressen gern
  • Hornissen interessieren sich nicht für den Obstkuchen und die süßen Getränke, allerdings sollte man sich nicht in ihrer Ausflugschneise des Nests befinden, da fühlen sie sich angegriffen
  • Beseitigung von Hornissennestern nur vom Profi

Hilfe für die Hornisse:

  • in Deutschland eine nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art
  • totes Holz als Nistmöglichkeit oder Hornissenkasten
Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart