Lebensart

Kultobjekt Sneaker

Wir alle lieben sie, wir alle tragen sie! Die Rede ist natürlich von Sneakern. Im Lauf der Jahrzehnte haben die trendigen Treter eine enorme Entwicklung durchgemacht: Vom einfachen Turnschuh hin zum ultimativen Modeaccessoire, das beinahe zu jedem Outfit getragen werden kann – egal, ob von Männern oder Frauen.


Off White

Alexander McQueen

 

Als Turnschuh bezeichnet man heutzutage eigentlich nur noch, was auch wirklich beim Sport getragen wird, Sneaker dagegen gehen immer. Dabei sind diese nicht viel mehr als aufgestylte Turnschuhe, oftmals mit allen möglichen Details wie Strass und Bling verziert. Be i nahe jedes FashionLabel der Welt hat heutzutage Sneaker im Sortiment – egal ob Mainstream-Modelabels wie Adidas, Nike und Vans oder High-Fashion-Marken wie Balenciaga, Dsquared2, Alexander McQueen und Off Withe, bei Sneaker-Fans alle aktuell total angesagt.

 

Woher kommt der Begriff Sneaker?

Converse

 

Der Begriff als solcher taucht zum ersten Mal gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Es ist ein amerikanischer Slang Ausdruck und leitet sich von „to sneak“, also schleichen, ab. Doch jeder, der auch nur ein bisschen Englisch versteht, weiß, dass Sneaker übersetzt nicht Turnschuh bedeutet. Kinder nannten aber damals ihre Schuhe mit Gummisohlen Sneaker, weil sie sich mit ihnen leise anschleichen konnten. Damit bildeten sie das Gegenstück zu den gebräuchlichen Schuhmodellen mit harter Ledersohle, deren Markenzeichen das laute Auftreten war.

Dsquared

Der Werbeprofi Henry McKinney etablierte den Begriff dann Anfang des 20. Jahrhunderts in Zeitungen und in der Werbung. Doch von damals war es noch ein langer Weg, bis der Sneaker zum Kult-Schuh wurde, der er heute weltweit ist – den Männer sogar zum Anzug und Frauen zu Kleidern tragen können.

adidas Superstar

 

 

Die erfolgreichsten Sneaker aller Zeiten

Golden Goose

Sneaker sind praktisch, leicht und auch äußerst flexibel. Eigentlich wurden diese Schuhe ursprünglich für sportliche Tätigkeiten konzipiert. Von Fussball über Tennis bis hin zum Basketball und diese war die einflussreichste Sportart für Turnschuhe. 1936 ernannte die US-Basketball-Nationalmannschaft den Chuck Taylor All Star zu ihrem offiziellen Schuh und holte damit im selben Jahr Olympisches Gold. Converse erfand 1917 diese Sneaker und auch genauso lange, also seit über 100 Jahren, wurde fast nichts am Design der stylischen Canvas-Schuhe verändert. Ihren Namen verdanken die Kult-Sneaker dem ehemaligen Basketballspieler und Converse-Mitarbeiter Charles Hollis Taylor, den aber alle nur Chuck Taylor nannten.

Golden Goose

Er soll 1921 die Firma Converse mit Verbesserungsvorschlägen kontaktiert haben, weil ihm nach dem Basketball-Spielen immer die Füße schmerzten. Daraus entstand dann eine enge Zusammenarbeit – die damit gipfelte, dass der Sneaker in Chuck Taylor All Star umbenannt wurde und fortan dessen Signatur auf dem Stern an der Seite trug. Die klassischen Chucks waren geboren. Bis heute wurden davon mehr als eine Milliarde Modelle verkauft – damit ist er der erfolgreichste Sneaker aller Zeiten. Ob Hippie, Punk oder High Fashion – über Jahrzehnte wurden die Kult-Sneaker immer wieder neu entdeckt. Zahlreiche Stars wie Nirvana-Sänger Kurt Cobain, Elvis Presley, James Dean, Joaquin Phoenix oder Kirsten Steward trugen und tragen sie gerne. Mick Jagger bewies bereits 1971, dass Hochzeit und Chucks sich auf keinen Fall ausschließen: Der Rolling-Stones-Frontmann heiratete nämlich in einem grünen Dreiteiler kombiniert mit weißen Chucks. Und spätestens seit Carine Roitfeld, die Chefredakteurin der französischen Vogue, 2007 in einem goldenen Paar Chucks bei den Fashion Shows in Mailand erschien, sind sie absolut in der Gesellschaft angekommen.

 

Die ikonischsten Sneaker der letzten Jahre

Dsquared

Doch nicht nur Chucks sind heutzutage absolute Mode-Ikonen, nein, auch viele andere Modelle diverser Labels genießen mittlerweile absoluten Kult-Status – zum Beispiel die Air Jordans. Damals, im Jahr 1984, designte Nike die Schuhe für Basketballlegende Michael Jordan. Diese waren schwarzrot und verstießen somit gegen die Farbbestimmungen innerhalb der NBA. Jordan trug sie trotzdem, musste Strafe zahlen und machte die Sneaker so zum Kassenschlager. Bis heute existieren etwa 30 verschiedene Designs. Doch Jordans sind mehr als nur Schuhe – sie machten die schwarze Subkultur in den USA zum Mainstream.

Valentino

Endgültig zum Statussymbol wurden Sneaker dann durch das Aufblühen der Hip-Hop Kultur – von welcher auch die Marke Adidas profitierte. Denn 1986 verhalfen die Rapper von Run DMC mit ihrem Song „My Adidas“ dem Modell Superstar zu Weltruhm. Die Single brachte dem Hip-Hop-Trio einen Deal mit dem deutschen Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach ein, der sich auf 1,6 Millionen Dollar belaufen haben soll. Bis heute hat der Adidas Superstar mit Sicherheit eine der ikonischsten Silhouetten im Sneaker-Universum und feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.

 

Sneaker als begehrtes Sammlerobjekt

Off White

Aber auch heute noch haben Musiker einen großen Einfluss auf den Sneaker Hype. DJ Khaled, Jay-Z oder Eminem werden nicht nur für das Tragen der Schuhe bezahlt, sondern designen sie auch selbst. Ebenso wie der US-amerikanische Rapper, Sänger und Musikproduzent Kanye West. Dieser veröffentlichte im Jahr 2015 in einer Kollaboration mit Adidas den Yeezy Boost 750. Zuvor hatte West schon einige Yeezy-Modelle beim Label Nike herausgebracht, diese Zusammenarbeit ging aber wegen künstlerischen Differenzen 2014 in die Brüche. Die Yeezys von Adidas leiteten dann ein neues Hoch in der Sneakerszene ein. Sie waren bei jedem neuen Release innerhalb ein paar Stunden ausverkauft und sind bis heute sehr teuer auf dem Zweitmarkt zu erwerben. Adidas stellte damals nur 9000 Paar der Yeezy Boost 750 her, welche für 350 Dollar pro Stück verkauft wurden. Dadurch konnte das Angebot natürlich bei weitem nicht mit der Nachfrage mithalten, was den Hype noch mehr verstärkte. Um ein Paar dieser begehrten Schuhe zu bekommen, zelteten die meist jungen Fans vor ausgewählten Sneaker-stores – oft tagelang! An viele Modelle der Yeezys kam man auch nur durch sogenannte Online- oder Instore-Raffles. Übersetzt heißt das so viel wie Verlosung. In der Regel wird bei so einem Raffle für einen Sneaker-Release aber nur das Kaufrecht und nicht der Schuh selbst verlost. Das bedeutet, man muss für den Schuh trotzdem den vollen Preis zahlen, bekommt ihn aber auf jeden Fall. Viele der Sneaker-Fans, die in der Szene als Sneaker heads betitelt werden und so an eines der begehrten Modelle kommen, tragen die Schuhe aber nicht zwangsläufig selber, sondern verkaufen sie im Internet zu horrenden Preisen weiter – genannt wird das Ganze dann Resell. Es gibt aber natürlich auch solche Fans, die die begehrten Schuhe sammeln.

 

Die teuersten und hippsten Sneaker der Welt

Nike AirForce 1

Der Rekordpreis für ein Paar Sneaker liegt übrigens bei 11,49 Millionen Euro für das knöchelhohe Model der Nike Air Yeezy 2 Red October. Die Farbgebung der Schuhe, in diesem Fall ein grelles Rot, kann entscheidend sein, ob ein Modell hipp ist oder als einfache Massenware gilt. Apropos Farbe: Egal, welches Label, die hippsten und beliebtesten Sneaker sind seit Jahren weiß – wie die Stan Smith von Adidas oder die Air Force One von Nike. Dieser cleane Look passt einfach zu allem, was Männer und Frauen so im Kleiderschrank haben. Bereits im Jahr 1985 trug Joschka Fischer weiße Nike-Sneaker und sorgte damit für einen Tabubruch, als er sich mit diesen Schuhen im Landtag als erster hessischer Umweltminister der Grünen vereidigen ließ. Wie sich die Zeiten doch ändern – heutzutage hätte damit wohl niemand mehr ein Problem.

 

 

Wie pflegt und reinigt man seine Lieblingsstücke eigentlich richtig?

Marcello Casula bringt verdreckte Sneaker wieder zum Strahlen.

Marcello Casula aus Allmersbach im Rems-Murr-Kreis, hat vor knapp zwei Jahren die Firma „Clean mysneaker“ gegründet und bringt schmutzige Sneaker wieder zum Strahlen. Mit dem Nebenjob im Keller seines Reihen hauses hat Casula einiges zu tun. Inspiriert wurde er durch den Sneakercleaner Jason Markk aus Los Angeles, dort bereits eine Legende. Auch in vielen deutschen Großstädten ist so ein Service schon lange im Trend und sehr rentabel für die Anbieter. „Ich glaube aber, hier in der Region Stuttgart bin ich so ziemlich der Einzige, der so etwas macht“, erzählt Casula. Zwischen 30 bis 40 Paar Schuhe reinigt er mittlerweile pro Monat – und alles von Hand. „Die Waschmaschine kommt bei mir nicht in Frage“, erzählt er.

„Davon rate ich grundsätzlich ab, denn die meisten Sneaker vertragen so eine Prozedur nicht!“ Außerdem gibt es noch ein paar weitere grundsätzliche Dinge,
die man bei der Reinigung seiner Schuhe beachten muss: „Man sollte auf jeden Fall nicht zu lange warten, bis man mit der Reinigung der Schuhe beginnt“, erklärt Casula. „Und bevor man loslegt, sollte man die Sneaker immer abbürsten und nach der Reinigung wieder gut imprägnieren!“

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart