Wirtschaft

„Das eigene Automobil genießt nach wie vor einen hohen Stellenwert“

An der Spitze des Mercedes-Benz Niederlassungsverbundes Pkw und Vans Württemberg steht seit Februar 2019 erstmals eine Frau: Eva Wiese. Die studierte Diplom-Betriebswirtin ist dabei für rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd und Ulm zuständig – davon knapp 1.000 in Stuttgart. top magazin sprach mit der gebürtigen Darmstädterin über ihre neue Aufgabe.


 

top: Frau Wiese, wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten Monaten aus?

Wiese: Durchweg positiv, ich fühle mich sehr wohl und kann mich dabei auf ein exzellentes Team an meiner Seite verlassen. Das gilt für Stuttgart wie auch für die übrigen Standorte unter meiner Verantwortung.

top: Wie kamen Sie denn zu Ihrer neuen Aufgabe?

Wiese: Ich hatte schon immer den Traum, mal an der Spitze einer Niederlassung beziehungsweise eines Niederlassungsverbundes zu arbeiten. Angesichts der Tatsache, dass mein Vorgänger Manfred Hommel in den Ruhestand ging, war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte zudem durch meine Person und mein Know-how überzeugen.

top: Welche Erfahrungen bringen Sie für Ihre neue Aufgabe mit?

Wiese: In erster Linie die Produktkenntnis, die Produktaffinität und – auch bedingt durch meine schon fast 20-jährige Tätigkeit für die Daimler AG – das gute Netzwerk in den Konzern hinein. Angesichts der direkten Nachbarschaft zur Unternehmenszentrale ist das sicherlich von Vorteil.

top: Stellt die Nähe zur Konzernzentrale auch die Verpflichtung dar, ein besonderes Aushängeschild sein zu wollen?

Wiese: Die Erwartung, dass alles perfekt funktionieren muss, ist hier in der Tat besonders hoch. Es kommt in Stuttgart schließlich auch häufiger als in anderen Betrieben vor, dass der Nachbar eines Vorstands einen Service durchführen lässt. Da werden dann direkt die hoffentlich positiven Erfahrungen mitgeteilt. Sollte es Reklamationen geben, gehen wir das immer sehr positiv an. Denn wenn sich jemand beschwert, hat er oder sie immer noch ein Interesse an der Beziehung zu uns. Darin sehe ich die große Chance, den Kunden zu zeigen, dass wir ihr Anliegen ernst nehmen und dafür sorgen, das betreffende Problem bestmöglich zu lösen.

top: Ein besonderer Service ist stets auch von qualifizierten Mitarbeitern abhängig. Haben Sie Probleme, entsprechende Fachkräfte zu bekommen?

Wiese: Uns erreichen nach wie vor viele Bewerbungen, weil die Niederlassung einen sehr guten Ruf hat und weil viele Menschen gerne für Mercedes-Benz arbeiten. Wir spüren aber schon, dass es in der Region auch noch viele andere attraktive Jobangebote im Automobilbereich gibt. Meine Devise lautet: Wer im Handel tätig sein möchte, sollte Freude am direkten Kundenkontakt haben und seine Arbeit aus Überzeugung tun.

„Auch wenn der Mobilitäts-Mix sehr viel bunter geworden ist, garantiert das Auto in hohem Maße individuelle Freiheit.“

top: Wie andere Hersteller forciert auch Mercedes-Benz den Online-Direktvertrieb. Ist das klassische Autohaus-Geschäft dadurch in Gefahr?

Wiese: Überhaupt nicht. Ich sehe diesen Trend vielmehr als Ausdruck eines geänderten Informationsverhaltens. Entscheidend sind unsererseits schnelle Reaktionszeiten. Wenn der Kunde sich also zum Beispiel sonntags online ein Fahrzeug auswählt oder entsprechend konfiguriert, kann er sicher sein, dass wir gleich am Montag persönlich Kontakt mit ihm aufnehmen. Meiner Ansicht nach ist der Besuch im Autohaus durch nichts zu ersetzen. Nur hier kann man das Fahrzeug erleben und dann auch eine Probefahrt machen. Die Kunden legen, das ist meine Erfahrung, darüber hinaus immer noch großen Wert auf das persönliche Beratungsgespräch. Die zunehmende Digitalisierung ist hierbei eine echte Hilfe – beispielsweise dahingehend, dass man den Kunden auf dem Tablet ganz schnell mal einen Film zeigen und erklären kann, warum sich dieses oder jenes Sicherheitsfeature lohnt und welche Vorteile damit verbunden sind.

top: Wohin geht die Reise aus Ihrer Sicht bei den Antrieben? Haben Benziner und Diesel noch eine Chance?

Wiese: Auf jeden Fall, zumal gerade unsere neuen, zukunftsfähigen Diesel alle Normen erfüllen. Für mich hängt der „richtige“ Antrieb vom jeweiligen Fahrprofil des Kunden ab. Dem einen ist das Drehmoment wichtig, dem anderen die Beschleunigung, der eine fährt hauptsächlich lange Strecken, der andere will möglichst wenig Geld ausgeben. Tatsache ist: Bei uns werden nach wie vor alle Antriebsarten verkauft. Das gilt auch für Hybride sowie Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

top: Planen Sie in naher Zukunft spezielle Aktionen, um neue und speziell auch jüngere Kunden anzusprechen?

Wiese: Wir werden auf jeden Fall unsere Kommunikation über die verschiedenen Social-Media-Kanäle weiter intensivieren. In diesem Punkt sind wir schon sehr aktiv, haben aber noch viele neue Ideen in petto. Wir legen großen Wert auf Interaktion. Sehr gut kommen bei den jüngeren Kunden auch unsere attraktiven Leasingangebote an. Daran zeigt sich, dass das eigene Automobil nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt – es ist nicht zuletzt bei jungen Menschen ein Ausdruck von Persönlichkeit, ja ein modisches Statement. Und auch wenn der Mobilitäts-Mix sehr viel bunter geworden ist, garantiert das Auto in hohem Maße individuelle Freiheit.

top: Wird die Stuttgarter Niederlassung auch in Sachen Events wieder vermehrt in Erscheinung treten?

Wiese: Definitiv, auch in diesem Punkt haben wir schon viele Ideen in der Schublade. Insgesamt sehe ich uns hier aber schon ganz gut vertreten. Ich nenne nur die Stichworte Mercedes-Cup, jazzopen, Stuttgart-Lauf, Sommerfest oder unsere Golfturnier-Serie Schwaben-Cup in mehreren Clubs der Region. Aber wie schon angedeutet: Da wird in Zukunft noch einiges kommen, Details hierzu kann ich jetzt aber noch nicht verraten.

 


 

Zur Person

Eva Wiese trat 2001 als Trainee der Internationalen Nachwuchsgruppe in die Daimler AG ein und absolvierte in diesem Rahmen verschiedene Stationen in Deutschland, in den USA und in Asien. Im Anschluss war sie als Vorstandsassistentin des Leiters Mercedes-Benz Pkw tätig. Unter anderem verantwortete sie in der Folge die Garantie- und Kulanzabwicklung aller Sparten in Europa und leitete das strategische Produktmanagement von Mercedes-Benz Pkw. Ab 2016 war Eva Wiese Leiterin des Marketings und Produktmanagements bei Mercedes-AMG, bevor sie zum 1. Februar 2019 als Nachfolgerin von Manfred Hommel die Leitung des Mercedes-Benz Niederlassungsverbundes Pkw und Vans Württemberg übernahm.

 

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart