Gesundheit & Schönheit

So viele Männer wie nie!

Schönheitsbehandlungen sind gefragter denn je. Das geht aus der jüngsten Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie hervor. Erstmals seit 2009 steht dabei die Brustvergrößerung mit Implantaten nicht an der Spitze der beliebtesten ästhetisch-plastischen Operationen in Deutschland. Darüber hinaus legen sich immer mehr Männer unters Messer, um bestimmte körperliche Merkmale korrigieren zu lassen.


Das Geschäft mit Schönheitsoperationen boomt. Nach Angaben der International Society of Aesthetic Plastic Surgery stieg die weltweite Nachfrage nach operativen und nicht-operativen Schönheitseingriffen zwischen 2010 und 2015 von 14,1 Millionen auf beeindruckende 23,6 Millionen an. Deutschland nimmt dabei mit über 730.000 Eingriffen den neunten Platz ein. Spitzenreiter sind die USA mit circa 4,2 Millionen Operationen – gefolgt von Brasilien, Japan, Italien und Mexiko.

Für Deutschland ist die jährliche Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) ein guter Gradmesser. Die Zahlen basieren auf einer anonymen Fragebogenerhebung in den Kliniken und Praxen der DGÄPC-Mitglieder, an der zuletzt über 3.400 Patientinnen und Patienten teilgenommen haben. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2009 finden sich die Augenlidkorrektur, die Fettabsaugung und die Brustvergrößerung mit Implantaten an der Spitze der beliebtesten ästhetisch-plastischen Operationen. Großer Beliebtheit erfreuen sich außerdem nicht-chirurgische Faltenbehand lungen mit Botulinumtoxin oder Füllmaterialien.

 

Frauenwünsche

 

Männerwünsche

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie

 

 

Dass 2017 in Deutschland die klassischen Injektionstherapien zur Faltenbehandlung die ersten Plätze der beliebtesten ästhetischen Behandlungen belegen, verdeutlicht, welche Bedeutung mittlerweile die nicht- oder minimalinvasiven Therapien haben. Bestätigt wird dies auch durch einen direkten Vergleich: Mit 30,8 Prozent ist fast jede dritte Behandlung, die von einem Ästhetisch-Plastischen Chirurgen in Deutschland durchgeführt wird, nichtoperativ. Patienten entscheiden sich meist dann für eine sogenannte sanfte Behandlung, wenn ein umfangreicher Eingriff nicht notwendig oder sinnvoll erscheint. Neben der Botulinum- und der Fillerbehandlung gehören auch die Faltenunterspritzung mit körpereigenem Fett oder seltenere Techniken wie das Fadenlifting und die Eigenbluttherapie zu den gefragten minimalinvasiven Behandlungen.

„Jedoch ist nicht alles, was ohne Skalpell passiert, automatisch sanft oder schonend“, warnt DGÄPC-Präsident Dr. Torsten Kantelhardt vor einer Bagatellisierung nichtchirurgischer Behandlungen. Auch bei diesen Verfahren hänge der Erfolg maßgeblich von der Erfahrung und Fachkenntnis des behandelnden Arztes ab. „Patienten sollten deshalb auch Faltenbehandlungen nur von qualifi zierten Fachärzten durchführen lassen“, rät er.

 

Bei Frauen rückt das Gesicht stärker in den Fokus – Männer lassen Augenlider und Oberkörper straffen

Suchten 2016 noch 17,8 Prozent der Frauen den Ästhetisch-Plastischen Chirurgen wegen einer Brustvergrößerung mit Implantaten auf, waren es 2017 nur noch 10,2 Prozent. Auf dem ersten Platz landete bei den Frauen die Augenlidkorrektur (12,4 Prozent), auch das Facelift (7,9 Prozent) und die Lippenkorrektur (7,4 Prozent) waren im Vergleich zum Vorjahr beliebter.

 

Auch wenn Frauen noch immer das Gros der Patienten in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie bilden, interessiert sich mittlerweile auch eine nicht unerhebliche Zahl von Männern für ästhetische Behandlungen. Im Vergleich zum Vorjahr (12,1 Prozent) stieg der Männeranteil unter den Patienten sogar erheblich und liegt laut aktueller Befragung bei 17,5 Prozent. Bei den Männern stehen Augenlidkorrekturen seit 2014 an der Spitze der beliebtes-ten ästhetisch-plastischen Operationen. Nie war der Anteil der Patienten, die sich zur Entfernung von Schlupflidern oder Tränensäcken in die Hände des Facharztes begeben, so hoch wie heute: Mit 21 Prozent ließ gut jeder fünfte männliche Patient eine Augenlidkorrektur vornehmen. Auch Fettabsaugungen (12,2 Prozent), Nasenkorrekturen (8,0 Prozent), Bauchdeckenstraffungen (7,0 Prozent) und Lippenkorrekturen (2,8 Prozent) sind bei Männern deutlich beliebter als im Vorjahr. Korrekturen der sogenannten Männerbrust (11,5 Prozent) oder überaktiver Schweißdrüsen (5,9 Prozent) erfreuen sich ähnlicher Beliebtheit wie im Vorjahr.

Wer einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aufsucht, lässt sich übrigens keiner bestimmten Altersgruppe zuordnen. Die Altersspanne reicht dabei von jungen Erwachsenen bis hin zu Personen über 80 Jahren. „Ästhetik ist keine Frage des Alters, sondern des individuellen Empfindens“, betont Torsten Kantelhardt. Ein typisches Alter gebe es nicht, vielmehr häuften sich bestimmte Behandlungen und Eingriffe in bestimmten Altersgruppen. Patienten sind laut DGÄPC-Statistik im Durchschnitt 53,3 Jahre alt, wenn sie sich einer Augenlidkorrektur unterziehen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen, die eine Brustvergrößerung vornehmen lassen, liegt hingegen bei 33,8 Jahren.

Aufklärungsbedarf bei fachärztlichen Qualitätsstandards

Grundsätzlich hängt für Patienten die Entscheidung für eine ästhetisch-plastische Operation und auch die für einen bestimmten Facharzt von unterschiedlichsten Faktoren ab. Ein guter Ruf, ein vertrauensvoller Eindruck und ein gewisser Expertenstatus sind dabei wichtige Auswahlkriterien. Allerdings achten die Patienten nach Angaben der DGÄPC zu wenig auf die tatsächliche Qualifikation des behandelnden Arztes. Einziges objektives Qualitätskriterium sei der Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der an eine mindestens sechsjährige spezialisierte Weiterbildung zusätzlich zum eigentlichen Medizinstudium geknüpft ist. Vielen Patienten sei freilich nicht klar, dass sich jeder Arzt Schönheitschirurg nennen darf – ganz egal, was er eigentlich gelernt hat. Die DGÄPC sieht daher bei fachärztlichen Qualitätsstandards weiteren Aufklärungsbedarf.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart