Gesundheit & Schönheit

Wie man sich bettet, so liegt man

Im Zentrum aller Orte, an denen man sich zur Ruhe legt, befindet sich die Matratze. Selbst der einfache Camper legt sich auf eine Luftmatratze. Ob nun mit Luft oder mit Wasser gefüllt, ob Kaltschaum oder Latex, Federkern oder Futon: Hierzulande gibt es unbegrenzte Möglichkeiten, die richtige Matratze für sich zu finden. Probeschlafen und Probeliegen sind Angebote, die auf der Suche nach der „einen“ Matratze unbedingt Sinn machen. Doch man kann auch schon im Vorfeld Kriterien unter die Lupe nehmen, die einem die Qual der Wahl erleichtern. Was steckt hinter welchem Material? Was gilt es zu unterscheiden und zu berücksichtigen? Wie komme ich zu „meiner“ Matratze? Der Deutsche Fachverband Matratzen-Industrie e. V. hält hierzu eine Menge Infos und Tipps parat. Im Folgenden stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Typen und ihre Eigenschaften vor, damit Ihnen die Suche nach der idealen Matratze nicht schon im Vorfeld den Schlaf raubt.


 

Der Federkern ist der Klassiker unter den Innenleben einer Matratze. Das einfachste Modell ist die Bonnellfederkernmatratze, bei der die einzelnen Stahlfedern mittels Draht zu einem Gesamtkorpus verbunden sind und dann mit einem Polstermaterial umhüllt werden. Anzahl der Federn und die Qualität des Polstermaterials bestimmen hier den Preis.
Die Taschenfederkernmatratze besteht ebenfalls in ihrem Kern aus Stahlfedern, allerdings ist jede einzelne Feder in eine Stofftasche eingenäht. Diese werden dann nebeneinandergesetzt und wiederum mit Polstermaterial umschlossen. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass sich bei Belastung nur diejenigen Federn zusammendrücken, die auch direkt belastet werden, das Umfeld bleibt in der Spannung und stützt somit den Liegenden.

Hinter dem Namen Boxspring verbirgt sich eine Bettkonstruktion ebenfalls mit Federkernmatratze. Der Deutsche Fachverband Matratzen-Industrie e. V. hat sich für eine klare Definition des nicht geschützten Begriffes eingesetzt und damit die Normierung unterstützt. Geprüft werden derzeit die funktionellen Eigenschaften des Boxspringbetts nach DIN EN 1957. Der englische Begriff „Boxspring“ heißt auf Deutsch einfach „Federkiste“. Zu einem solchen Bett gehört der Unterbau, die Box, in die Federn eingebaut sind. Darauf liegt die Obermatratze, eine Federkernmatratze, und auf diese kommt als dritter Bestandteil eine Auflage, „Topper“ genannt, die den Liegekomfort erhöht. Topper werden in ganz unterschiedlichen Materialien angeboten, von Kaltschaum über Viskose bis zu Schurwolle und Rosshaar.

 

 

 

Kaltschaum

 

Latex

Bei der Herstellung von Latexmatratzen gibt es drei unterschiedliche Verfahren. Zum Einsatz kommen als Rohstoff sowohl der natürliche Kautschuk, synthetisch hergestelltes Latex als auch eine Mischung der beiden. Neben der besonderen Punktelastizität sorgt das Material mit seiner Eigenschaft, dass unter Druck Widerstand entsteht, für eine hohe Entspannung der Muskulatur. Die ersten Latexmatratzen wurden in den 1920er-Jahren nach dem Dunlopverfahren hergestellt. Bei dem bis heute am häufigsten angewandten Verfahren wird der Latexrohstoff mit weiteren Zusatzstoffen versetzt und ähnlich dem Sahneschlagen mit Luft aufgeschäumt. Der ursprünglich zähe Rohstoff wird damit zu einem flüssigen Stoff, der nun in eine mit Heizstiften versehene Form gegossen und unter Zufuhr von Hitze und Wasserdampf gebacken wird. Je mehr Luft in die Latexrohmasse geschlagen wird, desto leichter ist anschließend die Matratze.

Taschenfederkern

Als erweitertes Dunlopverfahren kam in den 1950er-Jahren das Talalayaverfahren, entwickelt von zwei russischen Forschern, auf den Markt. Mit zwei zusätzlichen Verfahrensschritte vor der Vulkanisierung — einer Vakuumierung nach dem Eingießen in die Form und dem Schockfrosten — ist dieses Verfahren das energetisch aufwändigste. Allerdings sorgt es für eine außergewöhnliche Elastizität und Langlebigkeit der Matratze. Es gibt weltweit nur noch wenige Hersteller, die dieses Verfahren anwenden. Ein noch junges Verfahren ist das 2012 von der belgischen Firma Latexco entwickelte SonoCore-Verfahren. Eine verbesserte Rezeptur der Latexzusammensetzung und eine energieeffzientere Herstellung des Latexschaumes führen zudem zu einer wesentlich gleichmäßigeren Struktur des Schaumes. Dadurch kann die Feuchtigkeit aus der Matratze besser abgeführt werden.

Verstellbarer Lattenrost

Schaummatratzen sind die in Deutschland am weitesten verbreiteten Matratzen, wobei die Kaltschaummatratze deutlich vorne liegt. Aus Polyurethan geformt, besitzen alle die Eigenschaft, verformbar zu sein und nach der Verformung zu ihrer Ursprungsform zurückzukehren. Die aus Polyol und Isocyanat hergestellten Matratzenkerne sind toxikologisch unbedenklich. Bei ihnen entscheiden Raumgewicht, Stauchhärte und die eingearbeiteten Profile über die Qualität. Die unregelmäßige, gröbere Struktur der Kaltschaumkerne machen die Matratzen leichter und komfortabler als die anderen Schaummatratzen. Außerdem sorgen die offenen Zellen für erhöhte Luftdurchlässigkeit und damit gesteigertem Schlafkomfort.

Matratzen aus viskoelastischem Schaum wurden ursprünglich für Sanitäts- und Krankenhausbetten entwickelt. Ihre Druckreduktion und Elastizität können teilweise Beschwerden mildern. Durch Körperwärme reagiert das Material und passt sich der Liegeform an. Entsprechend passt sich diese Matratze bei Änderung der Liegeposition auch nur zeitverzögert der neuen Position an. Für wen aufgrund orthopädischer Empfehlung eine Matratze mit viskoelastischem Kern in Frage kommt, sollte darauf achten, dass dieser mit einem Matratzenbezug kombiniert ist, der die aufgenommene Feuchtigkeit wieder an den Raum abgeben kann. Viskoelastisches Material wird mittlerweile aber auch sehr gerne als Matratzenbezug von Kaltschaummatratzen verwendet.
Wasserbetten haben in Deutschland ihre kleine Fangemeinde. Etwa 4 Prozent der Deutschen legen sich Nacht für Nacht in diese Sonderform. Wasser sorgt bei richtiger Füllmenge für eine dauerhafte Druckentlastung, zudem ermöglicht die mittlerweile digital gesteuerte Erwärmung für eine Entspannung der Muskulatur. Die Bezüge sind waschbar und die Vinyl-Wasserkerne abwischbar.

Der Futon, japanisch für Decke, ist eine eher dünne Schlafunterlagen. Er kann die aufgenommene Feuchtigkeit schlecht abgeben und verlangt für eine längere Lebensdauer eine fachgerechte Pflege und Durchlüftung. Luftkernmatratzen besitzen anstelle von Federkernen elastische Luftbehälter, über die sich mittels Aufpumpen und Ablassen der Härtegrad regulieren lässt. Sie können schlecht Feuchtigkeit aufnehmen und sind daher für Menschen, die gerne schwitzen, nicht geeignet.

Matratzen aus reinen Naturmaterialien sind aus nachwachsenden Rohstoffen — Kokosfasern, Rosshaar, Seegras oder Stroh — hergestellt. Die Kombination verschiedener Stoffe und unterschiedlicher Anordnungen ermöglichen das Herstellen unterschiedlicher Härtegrade. Allerdings sind sie nicht so langlebig, müssen häufiger nachgepolstert werden und sind auch anfälliger für Milben oder Schimmelbildung bei unsachgemäßer Pflege.

Am häufigsten bei den Mischformen sind die Kombination aus Federkern und Schaum oder eine Kombination verschiedener Matratzenarten mit einer Lage viskoelastischem Schaum.
Und dann wäre da noch die Unterfederung! Sie sollte mit der Matratze „mitgehen“, weshalb man im Idealfall beides zusammen erwirbt. Der klassische Lattenrost ist längst im Hightechalter angekommen und verfügt vielfach über händisch und elektrisch verstellbare Kopf- und oder Fußteile. Die Qualität hängt auch hier vom verwendeten Material und der Art der Verarbeitung ab. Esche oder Buche sind dabei stabiler als Federleisten aus Weichholz. Mit 26 bis 42 Federleisten werden Unterfederungen angeboten, je höher die Anzahl, desto höher der Liegekomfort. Allerdings sollte mindestens die Hälfte der Matratze frei liegen, damit die Belüftung optimal ist. Der Komfort wird erheblich erhöht, wenn die Leisten in flexiblen Endkappen stecken.

Es gibt Unterfederungen, die in mehrere Zonen aufgeteilt sind. Diese können zudem mit unterschiedlichen Materialien gebaut sein: Schulter- und Beckenbereich können mit aus Plastik hergestellten Modulen ausgestattet sein. Ganz ohne Holz kommt das System mit Tellermodulen aus. Es besteht aus einzelnen tellerförmigen Kunststoff-Kleinmodulen, die sich in jede Richtung bewegen können und eine erhöhte Anpassung an den Körper bieten.

Wie bei den Matratzen, so sind auch Unterfederungen in unterschiedlichen Härtegraden erhältlich.

Ein wichtiger Aspekt ist schließlich auch der Härtegrad. Eingestuft werden Matratzen von weich (1) bis fest (5). Faustregel zur Orientierung, welcher Härtegrad passend ist: Körpergröße in Zentimetern abzüglich 100 und dann mit dem eigenen Gewicht vergleichen. Liegt das Körpergewicht unter der errechneten Zahl, dann sollte man eine weiche Matratze wählen. Bei nahezu identischen Zahlen kommt die mittlere Härte in Frage. Und wenn das Gewicht höher liegt, dann ist eine harte Matratze die richtige Wahl.

 

 


 

Gibt es „die beste Matratze“ für alle?

Ein Kommentar von Marcus Mannsdörfer,
Mitglied im Fachausschuss für Schlafsysteme Dormabell e. G.

Man kann es immer wieder in Werbunganzeigen lesen: Die „beste Matratze“ für jedermann ist endlich auf dem Markt – und dazu noch günstig! Aber gibt es wirklich eine solche Matratze? Verschiedene Menschen sollen auf ein und derselben Matratze gut schlafen können? Das verneinen nicht nur die Fachleute, auch der gesunde Menschenverstand lässt daran zweifeln.

Seit Jahrzehnten kümmern sich die guten Bettenfachgeschäfte in Zusammenarbeit mit Ergonomie-Instituten um den guten Schlaf des Menschen. Man analysiert den Körper, sein Schlafverhalten, macht Bedarfsanalysen, vermisst Schultern, Becken, Nacken, schaut sich die Körperstatik an und lässt den Kunden bei einem Liegetest das Verhalten der Matratze im Zusammenspiel mit dem Körper ausprobieren. Abgestimmt darauf werden Lattenrost oder Unterfederung und Kopfkissen – je nach Schlafverhalten als Rücken-, Seiten- oder Bauchschläfer. Erfahrene Fachberater informieren den Kunden über die unterschiedlichen Bauformen wie Kaltschaum, Federkern, Visco und erklären, welche Vor- und Nachteile diese für den jeweiligen Schläfer haben. Neben all diesen Produkteigenschaften geben die Mitarbeiter im Fachgeschäft, oftmals zertifizierte Schlafberater, auch Auskunft darüber, wo die Matratzen gefertigt werden und aus welchen Materialien sie bestehen. Werden sie billig im Ausland oder hier in Deutschland gefertigt?

Gute Fachgeschäfte bieten aber auch noch in anderer Hinsicht perfekten Service. Denn die Matratzen werden vom eigenen Personal ausgeliefert und ein Mitarbeiter stellt vor Ort den Lattenrost auf die individuelle Härte für den Kunden ein. Bestellt man eine Matratze im Internet, ohne dass ein stationärer Fachhandel dahintersteht, muss der Kunde sowohl das Verpackungsmaterial sowie seine alte Matratze selbst entsorgen. Will er per Widerruf die Matratze zurückschicken, muss er sie wieder mühselig verpacken und versenden. Die einmal benutzte und zurückgesandte Matratze darf nicht wiederverkauft werden – im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften und Vermeidung von Müll ist das mit Sicherheit nicht der Idealfall. Im Fachhandel können die Käufer dagegen sowohl verschiedene Testmatratzen ausprobieren als auch, im Falle von dauerhaften Schlafproblemen, nach dem Kauf noch den Kern tauschen. Dies alles im Zuge einer Wohlfühlgarantie, die größtmöglichen Service mit hohem Qualitätsbewusstsein und Nachhaltigkeit verbindet.

 

 

Vor- und Nachteile der verschiedenen Matratzenarten

 

 

Taschenfederkernmatratze

 

Federkern: Belüftet die Matratze sehr gut. Bei jeder Bewegung des Liegenden kommt die Luft in der Matratze in Aktion, sie zirkuliert direkt mit der Raumluft. Deshalb eignet sich eine Federkernmatratze für Menschen, die nachts gerne schwitzen besonders gut. Allerdings sind sie nicht die ideale Auflage für Unterfederungen, die gekippt und verstellt werden können. Aber aufgepasst: Die in Federkernmatratzen enthaltenen Spiralfedern können unter Umständen die elektromagnetischen Wellen etwa von Radio, Fernsehen und Mobilfunk aufnehmen, sie verstärken und an uns abgeben. Und das kann auf Dauer der Gesundheit schaden.

 

Latexmatrazen sind „kuschelig“, da sie sich perfekt an die Liegeposition und den Körper anpassen können. Sie besitzen eine hohe Elastizität und sind für schwere Menschen vorteilhaft. Sie gewährleisten eine gute Wärmeisolierung und nehmen die Feuchtigkeit des Schläfers auf. Deshalb ist bei ihnen unbedingt darauf zu achten, dass man am Tag die Matratze beziehungsweise den Schlafraum gut durchlüftet, damit die Matratze die Feuchtigkeit wieder abgeben kann. Latexmatratzen sind relativ schwer, was die Handhabung beeinflusst.

 

Kälteschaum

Schaummatratzen sind verhältnismäßig leicht und daher gut zu handhaben. Kaltschaummatratzen weisen im Langzeittest eine dauerhafte Elastizität auf und sind als Wärmespeicher gut für Menschen, die nachts schnell frieren.

 

Wasserbetten sorgen für ein trockenes und allergikerfreundliches Schlafklima, sie sind jedoch mit rund 80 Kilogramm Gewicht pro Quadratmeter nicht so leicht zu verstellen. Zu bedenken ist außerdem, dass das Wasser elektrisch beheizt und damit ein elektromagnetisches Feld in unmittelbarer Körpernähe erzeugt wird.

 

Boxspringbetten sind in ihrer Konstruktion relativ schwer. Bislang gibt es keine verbindliche Norm, deshalb sollte man sich bei Interesse genau anschauen und zeigen lassen, welches Teil wie verarbeitet und aus welchem Material hergestellt ist. Wichtig ist auch, dass Obermatratze und Box mit einer Schutzeinrichtung gegen das Verrutschen versehen sind und die Box auf Füßen steht, damit eine gute Luftzirkulation ermöglicht wird.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart