Gesundheit & Schönheit

Alzheimer keine Chance geben

Die Ende Juni 2018 von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft veröffentlichten Zahlen lassen aufhorchen: In Deutschland leben aktuell rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf rund drei Millionen erhöhen. Doch so weit muss es erst gar nicht kommen, wie der Arzt und habilitierte Molekulargenetiker Dr. med. Michael Nehls im folgenden Beitrag ausführt. Ein ganz entscheidender Anti-Alzheimer-Faktor ist für ihn die richtige Lebens- und Ernährungsweise.


 

Die Angst vor Alzheimer ist bei vielen Menschen sehr groß. Doch eigentlich ist sie völlig unberechtigt. „Eigentlich“, weil wir uns mit dem richtigen Wissen effektiv vor Alzheimer schützen und gleichzeitig ein wesentlich erfüllteres Leben führen könnten. Die wissenschaftliche Beweislage dazu ist mittlerweile überwältigend. Sie zeigt, dass Alzheimer eine Mangelkrankheit ist, verursacht durch eine moderne Lebensweise, die nicht mehr im Einklang mit unseren natürlichen Bedürfnissen steht.

Die Mängel verhindern die natürliche Regeneration der Nervenzellen. Infolgedessen altern unsere Zellen vorzeitig, obwohl sie eigentlich auf lebenslange „Jugendlichkeit“ ausgelegt sind. Zudem hemmen sie das Wachstum des sogenannten Hippocampus. In ihm befindet sich unsere Gedächtniszentrale. Die Folge: Anstatt lebenslang zu wachsen, schrumpft der Hippocampus. Damit wird die Kombination aus mangelhafter Regeneration und gestörtem Hippocampus-Wachstum zum Treiber der Alzheimer-Erkrankung.

Mit dem Wissen, dass Mängel in unserer Lebensweise den natürlichen Schutz vor Alzheimer sabotieren, haben wir nun die Möglichkeit, uns effektiv zu schützen. Denn beseitigt man die Mängel – wobei eine mangelhafte Ernährung auch ein Zuviel an Giftstoffen sein kann –, dann gibt es keinen Grund mehr, an Alzheimer zu erkranken. Selbst vererbte Risiken verlieren dadurch ihre Wirkung.

 

Die Säulen der Lebensformel auf wissenschaftlich gesichertem Fundament von Dr. med. Michael Nehls

Die Formel gegen Alzheimer ist im Grunde genommen nichts anderes als die Lebensformel für ein gesundes Leben im Einklang mit der eigenen Natur. Diese wurde geprägt in einer langen Periode der Menschheitsgeschichte, in der unsere Vorfahren vorwiegend als Fischer und Sammler lebten. Damit liefert uns die Evolution des Menschen wertvolle Hinweise auf das, worauf es ankommt, wenn wir auch heute noch unsere körperliche und geistige Fitness voll entfalten und langfristig behalten möchten. Entscheidend dabei sind fünf Bereiche oder Säulen: 1) Sinn im Leben; 2) soziale Aktivität; 3) körperliche Aktivität; 4) hirngesunde Ernährung; 5) Schlaf/Regeneration. In all diesen Bereichen können sich durch unsere moderne Lebensweise Mängel entwickeln, die es zu erkennen und zu beheben gilt.

Alle Bereiche respektive Säulen in der Lebens- beziehungsweise Anti-Alzheimer-Formel stehen in enger Beziehung zueinander und bedingen einander. Sie sind eingebettet im Formel-Element Zeit. Das bedeutet, dass wir uns Zeit für alle Bereiche nehmen müssen – keine ist mehr oder weniger wichtig als eine andere. Die Formel macht uns klar, wie lebenswichtig die richtige Balance und Ausgewogenheit aller Lebensbereiche ist. Selbst in einer frühen Phase der Erkrankung gewinnen damit immer mehr Menschen trotz der Diagnose Alzheimer ihre Alltagskompetenz wieder zurück.

 

 

1. Sinn im Leben

Was sich nicht fortpflanzt, stirbt aus. Das gilt für alle Lebewesen. Die Überlebensstrategie bei uns Menschen beruht auf Lebenserfahrung. Über den längsten Zeitraum der Menschheitsgeschichte lernten die Jüngeren von den erfahrenen Älteren, zum Beispiel welche Dinge essbar und welche giftig waren. Auch, wie man mit einfachen Mitteln Werkzeuge herstellen konnte. Oder wie man mit natürlichen Mitteln Krankheiten behandelte. Diese Erfahrungen waren für die Jüngeren überlebenswichtig ─ aber auch für die Älteren! Schließlich gab ihnen diese Aufgabe eine große Verantwortung und bis ins höchste Alter einen Sinn im Leben. Dieser Zusammenhang ist auch die Erklärung dafür, weshalb der Mensch so außergewöhnlich alt werden oder weshalb sein Erfahrungsgedächtnis – der Hippocampus – lebenslang uneingeschränkt neue Hirnzellen bilden kann. Auch heute noch schenkt das Weitergeben von Erfahrung oder auch einfach die Tatsache, gebraucht zu werden, unserem Leben einen Sinn und schützt uns so vor Alzheimer. Mein Tipp: Suchen Sie sich einen Grund, morgens aufzustehen. Sinnvoll sind Aufgaben mit sozialer Verantwortung.

 

2. Soziale Aktivitäten

Eng verbunden mit dem Sinn im Leben ist somit unser Sozialleben. Wir benötigen eine Familie oder zumindest ein soziales Umfeld, in dem wir uns geborgen fühlen. Aus demselben Grund mögen wir es, mit anderen Menschen zu feiern, Sport zu treiben oder etwas gemeinsam zu unternehmen. Gerne umgeben wir uns mit Menschen, die uns wichtig sind und die uns als wichtig anerkennen. Gesellschaftliche Aktivitäten sind entscheidend dafür, dass die Nervenzellen, die im Hippocampus täglich neu gebildet werden, auch tatsächlich überleben und unsere neuen Lebenserfahrungen speichern. Das damit verbundene Wachsen des Hippocampus bietet besten Schutz vor Alzheimer, und deshalb schützt uns ein sozial aktives Leben vor dieser Krankheit. Mein Tipp: Verbringen Sie Zeit mit Familie und Freunden, engagieren Sie sich in einem Verein – wie einem Musikverein, einem Schachclub oder einem Sportverein.

 

3. Körperliche Aktivitäten

Damit unsere Vorfahren genügend zu essen hatten, mussten sie täglich mehrere Stunden körperlich aktiv sein. Dabei galt: Nur wer sich erinnerte, wo es etwas zu essen gab oder wo Gefahr lauerte, überlebte. Der Hippocampus ist der einzige Bereich unseres Gehirns, der sich solche meist einmaligen Erlebnisse merken kann – uns das oft ein Leben lang. Aus diesem Grund regt Bewegung wie kaum eine andere Aktivität sein Wachstum an, ebenso wie die Verjüngung sämtlicher älteren Nervenzellen. Daher sind körperlich aktive Menschen in der Regel geistig fitter als nicht aktive. Sie sind auch resistenter gegen Stress und leiden seltener an Depressionen. Insgesamt schützt uns Bewegung vor Alzheimer und vielen anderen Krankheiten und verlängert so unser Leben. Mein Tipp: Kaufen Sie sich einen Schrittmesser. Jede Aktivität zählt und gehirnschützende 10.000 Schritte pro Tag kommen so leicht zusammen.

 

4. Gesunde Ernährung

Als Fischer und Sammler ernährten sich unsere Vorfahren von den Früchten des Wassers (Fische, Muscheln und Krebstiere) und von denen des Bodens (Gemüse, Obst, Nüsse und ebenso vitalstoffreiche Kräuter und Gewürze). Manchmal kamen Vogeleier durch Nesträuberei dazu oder erbeutete Wildtiere. Während der Mensch größeres Wild nach seiner Ankunft in neuen Territorien meist ausrottete, blieben ihm die Meere, Seen und Flüsse als Nahrungsquellen erhalten. Fische und Meeresfrüchte lieferten dem Gehirn lebenswichtige Energie und wertvolle Baustoffe sowie viele Spurenelemente wie Selen, Magnesium, Zink oder Lithium und Vitamine wie Vitamin B12 oder D. Auch heute noch sind wir auf diese biologisch wirksamen Stoffe angewiesen, wollen wir unser geistiges Potenzial voll entwickeln und behalten. Eine entsprechend hirngesunde Ernährung schützt uns vor Alzheimer und verspricht uns – im Vergleich zu allen anderen Arten der Ernährung – das längste Leben. Mein Tipp: Da Fisch und Meeresfrüchte zur Neige gehen und meist mit Schadstoffen belastet sind, empfehle ich Omega-3-Fettäurenreiches Algenöl aus Mikroalgen. Nur so können Sie Ihren natürlichen Bedarf an diesen essentiellen Wirkstoffen sichern.

 

5. Schlaf

Mittags, wenn die afrikanische Sonne senkrecht vom Himmel brannte, ruhten sich unsere Vorfahren im Schatten aus. Auch die Nacht nutzten sie zum Schlaf und zur Erholung. Mein Tipp: Für unsere geistige und körperliche Gesundheit sind Erholung – dazu gehört auch der Mittagsschlaf – und ausreichender Nachtschlaf von größter Bedeutung: Zum einen wächst der Hippocampus nur im Schlaf. Aber auch viele andere Vorgänge, die unser Gehirn ein Leben lang immer weiter reifen lassen und uns vor Alzheimer schützen, wie zum Beispiel die Reinigung des Gehirns von Giftstoffen, benötigen dringend diese wiederkehrenden Zeiten der vollständigen Erholung.

 

 

Alzheimer in Kürze

Alzheimer ist eine hirnorganische Krankheit und die häufigste Form von Demenz. Sie ist benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, der die Krankheit erstmals im Jahr 1906 wissenschaftlich beschrieben hat. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen festzustellen. Zum Krankheitsbild gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Störungen sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und nehmen im Verlauf der Erkrankung zu. Sie machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwieriger. Die Patienten sind zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die jeweiligen Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung sind dabei sehr unterschiedlich. Denn Alzheimer-Kranke sind keine einheitliche Gruppe, sondern Individuen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen, Kompetenzen und Defiziten, die in unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Situationen leben.

 

 

Lektüretipp

Die Broschüre „Miteinander aktiv“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gibt Anregungen für Aktivitäten und Beschäftigungen im Alltag für Menschen mit Demenz. Die Broschüre, die jetzt in 5. überarbeiteter Auflage neu gedruckt wurde, richtet sich insbesondere an Angehörige, die einen Menschen mit Demenz zu Hause betreuen. Denn vielen Demenzkranken fällt es schwer, sich selbst zu beschäftigen. Um Langeweile, Unzufriedenheit und Unruhe zu vermeiden, helfen Impulse von außen, die Körper und Geist anregen, die vorhandenen Fähigkeiten erhalten und Spaß machen. Hierzu gibt die Broschüre vielfältige Anregungen. Hintergrund: Je nach Möglichkeiten und Interessen können Angehörige und Erkrankte vielerlei rund um Haus und Garten tun, auf „Erinnerungsreisen“ oder reale Reisen gehen, Musik und Kultur genießen, alte Hobbys pflegen, neue Beschäftigungen entdecken oder inneren Frieden in der Religion und Spiritualität finden. Stets gilt es die Tätigkeiten so zu gestalten, dass Menschen mit Demenz weder über- noch unterfordert werden. Wichtig ist auch, dass Angehörige sich nicht selbst überfordern, indem sie pausenlos Freizeitaktivitäten organisieren.

„Menschen mit Demenz wollen ihre Fähigkeiten nutzen, trotz Einschränkungen etwas Sinnvolles tun und dabei Freude haben – dafür sind oft Anregungen von außen nötig“, sagt Monika Kaus, 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG). Die in der Broschüre enthaltenen Vorschläge kommen aus der Praxis, von Angehörigen, Ehrenamtlichen und Profis, die große Erfahrungen bei der Begleitung Demenzkranker haben. Bestellt werden kann die Broschüre für 4 Euro über den Online-Shop der DAlzG (www.deutsche-alzheimer.de).

 

 


 

Zum Autor

 

Der Arzt und habilitierte Molekulargenetiker Dr. med. Michael Nehls entschlüsselte an verschiedenen nationalen und internationalen Forschungszentren die genetische Ursache mehrerer Erbkrankheiten. Er war leitender Genomforscher einer US-Firma und führte ein deutsches Biotech-Unternehmen. Heute arbeitet er als unabhängiger Medizinwissenschaftler, Sachbuchautor und Privatdozent. Bei Heyne erschienen seine drei Spiegel-Bestseller „Die Alzheimer-Lüge“, „Alzheimer ist heilbar“ und „Die Formel gegen Alzheimer“. Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Alzheimer-Entstehung, -Prävention und -Therapie wurde er 2015 von der Universitätsklinik Rostock mit dem Hanse-Preis für Psychiatrie ausgezeichnet.
Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart