Lebensart

Garten und Kunst im Dialog

Inspiriert durch die Maler der klassischen französischen Moderne, durch die Provence, die oberitalienischen Seen und die Natur am Albtrauf, haben Roland Doschka und seine Frau Gabi in Dettingen bei Rottenburg einen einzigartigen Landschaftsgarten geschaffen. Das in den letzten Jahren regelmäßig erweiterte und inzwischen sechs Hektar umfassende Gesamtkunstwerk berauschender Farben und Düfte verbindet auf faszinierende Weise die französischen und englischen Traditionen miteinander.


 

Inspiriert durch die Maler der klassischen französischen Moderne, durch die Provence, die oberitalienischen Seen und die Natur am Albtrauf, haben Roland Doschka und seine Frau Gabi in Dettingen bei Rottenburg einen einzigartigen Landschaftsgarten geschaffen. Das in den letzten Jahren regelmäßig erweiterte und inzwischen sechs Hektar umfassende Gesamtkunstwerk berauschender Farben und Düfte verbindet auf faszinierende Weise die französischen und englischen Traditionen miteinander.

Er umgibt weder ein Villenanwesen in München oder Hamburg noch ein Domizil an der Riviera oder der Côte d’Azur – der Garten, der 2006 den Europäischen Garten-schöpfungs-Kulturpreis verliehen bekam. Gemeint ist das einzigartige Ensemble von Stauden, Rosen, Sträuchern und Bäumen, mit dem Prof. Dr. Roland Doschka und seine Frau Gabi in Dettingen bei Rottenburg ihre Gäste und Besucher in den Bann ziehen.

16 unterschiedlichste „Räume“ hat der emeritierte Romanist und nach wie vor aktive Kunst-Kurator hier konzipiert. Inspirator par excellence: der französische Maler Claude Monet, selbst ein begeisterter Gartenarchitekt. Die jüngsten Erweiterungen sind dabei ganz der angelsächsischen Gartentradition gewidmet und zeichnen sich unter anderem durch den Übergang der gepflegten zur wilden Landschaft aus. Nicht weniger als drei Gärtner sind damit beschäftigt, das neben Monet unter anderem auch von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Max Liebermann, Georges Braque, August Macke oder Paul Klee inspirierte Areal in seiner ganzen Pracht erblühen und erstrahlen zu lassen.

 

„Von frühester Jugend an war ich begeistert vom Erwachen der Natur, wie sie sich im weißen Überschwang der Blüten in den Streuobstwiesen zeigt, im zarten Grün der Gehölze im Mischwald, im Blumenreichtum einer Maienwiese“, berichtet Doschka. Die ländliche schwäbische Landschaft habe ihm sehr bald schon ein Gefühl der heimatlichen Geborgenheit und des verschwenderischen Reichtums der Natur vermittelt. Später dann sorgten die Landschaften der Provence für nachhaltige Eindrücke. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand ab 1980 ein von verschiedenen Blickachsen gekennzeichneter Landschaftsgarten, der seinesgleichen sucht.

Fließende Übergänge von einem Bereich zum anderen

Die verschiedenen „Räume“ folgen fast ausschließlich berühmten Vorbildern – so etwa den Hängenden Gärten von Marbella oder dem mit viel Weiß und herrlichen Rosen gestalteten Sissinghurst. Das berühmteste Zitat findet sich gleich am Eingang und dürfte in der Hochblüte nicht nur jedem Frankreich-Liebhaber das Herz höherschlagen lassen. Vor den Augen des Betrachters entfaltet sich hier das mittlerweile weltweit einzige Claude-Monet-Staudenfeld. Weiße Iris, roter Klatschmohn und blauer Zierlauch – jeweils in verschiedenen Ausprägungen und Farbabstufungen – bilden hinter dem für Monet fast obligatorischen Seerosenteich die Trikolore unserer westlichen Nachbarn in Pflanzen nach. Die enge Verbundenheit Doschkas zu Monet und zur französischen Kultur überhaupt rührt von seinem Studium der Romanistik in Aixen-Provence, wo er intensiv die Eindrücke lichtdurchfluteter Landschaften, von Lavendelfeldern sowie den Duft von Thymian und Rosmarin in sich aufsog.

 

In Etappen steigt man von Monet langsam hinauf in die terrassenförmig abgestuften, unter anderem von Kriesten im Mahdental bei Leonberg gestalteten Ebenen, steht staunend vor einem über 100 Jahre alten Buchsbaum, an dem einst auf der Krim auch Churchill, Roosevelt und Stalin vorbeidefiliert sind. Man genießt die Natürlichkeit von Obstbäumen und einer Blumenwiese, wie sie prächtiger nicht sein könnten, um anschließend die Erhabenheit original romanischer Klostersäulen aus dem südfranzösischen Valence und den Duft der legendären Fantin-Latour-Strauchrose auf sich wirken zu lassen. Jede Menge in die Bäume hineinragende Rambler respektive Schlingrosen ziehen die Blicke ebenso an wie ein mit 20 Arten bestücktes Lavendelfeld, eine Allee aus Buchskugeln, flankiert von trapezförmig geschnittenen Hainbuchen oder zwei sogenannte Border-Pavillons im englischen Stil sowie ein Springbrunnen, der von acht in Zypressenform geschnittenen Smaragd-Thuja umgeben ist. Auch zahlreiche exotische Pflanzen hat Doschka in seinem Garten versammelt – von einer kalifornischen Magnolie über einen japanischen Bonsai bis hin zu tief wurzelnden, mehrstämmigen und schwierig zu kultivierenden Himalaya-Birken. Dazwischen sorgen lebensgroße Skulpturen und Wasserelemente für Auflockerung. Dem Garten haftet dabei überhaupt nichts Gekünsteltes an. Die Übergänge von einem „Raum“ zum nächsten sind fließend, man wähnt sich inmitten eines Naturgemäldes. Ein wahres Paradies.

 

 

 

 

 


Buchtipps:

Gabi und Roland Doschka: Ein Spaziergang durch unseren Garten
Ulmer Verlag, 120 Seiten, 127 Farbfotos von Manuela Göhner, 24,90 Euro
Das Buch gewährt exklusive Einblicke in einen der schönsten deutschen Privatgärten, es zeigt ein inspirierendes und beeindruckendes Porträt eines Landschaftsgartens. Die opulente Bebilderung mit Blick für Details ist ein herrlicher Augenschmaus und regt dazu an, im eigenen Garten selbst öfters mal wieder Hand anzulegen.

Roland Doschka: Mit Goethe durch das Gartenjahr
Prestel Verlag, 112 Seiten, 100 Farbfotos von ferdinand Graf Luckner, 19,95 Euro
Ein Garten-Porträt im Wechsel der Jahreszeiten, begleitet von Versen von J.W. von Goethe. Einer der schönsten deutschen Privatgärten gewährt Einblick in ein kleines Paradies, in dem gestalterische Elemente aus den bedeutendsten Künstlergärten Europas auf gelungene Weise zitiert und spielerisch miteinander kombiniert werden. Die stimmungs-vollen Fotografi en zeigen den Garten im Lauf des Jahres und lenken den Blick auf schöne Details oder die für jede Blütezeit typischen botanischen Kostbarkeiten.

 

Claudia Gölz: Mit Monet, van Gogh und Cézanne im Garten. Kunstkurator Roland Doschka und sein preisgekröntes grünes Paradies – ein Gespräch
DVA, 160 Seiten, 150 Farbfotos von Ferdinand Graf Luckner, 29,95 Euro

In diesem Buch erzählt der emeritierte Romanistik-Professor und Kunstkurator Roland Doschka erstmals, auf welch innige Weise sich seine profunde Kenntnis der Kunst in der Gestaltung seines vielfältigen Gartenreiches niederschlug und er damit einmalige Gartenbilder geschaffen hat, die jedes Jahr zahlreiche Besucher in ihren Bann ziehen.

 

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart