Wirtschaft

Tradition trifft High-Tech

Wenn es um den Stuttgarter Wirtschaftsstandort geht, denkt man in erster Linie an große Automobilkonzerne und deren Zulieferer, an Maschinenbau und Mittelstand, an High-Tech und Kreativwirtschaft. Dass hier außerdem knapp 200 Landwirte tätig sind, ist nur wenigen bewusst. Und diese stellen nicht nur eine eigene, wichtige Branche dar. Sie übernehmen auch zahlreiche Aufgaben, die weit über die Lebensmittelproduktion hinausgehen.


 

Ines Aufrecht ist Leiterin der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart.

Wenn es um den Stuttgarter Wirtschaftsstandort geht, denkt man in erster Linie an große Automobilkonzerne und deren Zulieferer, an Maschinenbau und Mittelstand, an High-Tech und Kreativwirtschaft. Dass hier außerdem knapp 200 Landwirte tätig sind, ist nur wenigen bewusst. Und diese stellen nicht nur eine eigene, wichtige Branche dar. Sie übernehmen auch zahlreiche Aufgaben, die weit über die Lebensmittelproduktion hinausgehen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Stuttgarter Landwirte bewirtschaften und pflegen eine Stadt­fläche von etwa 2.500 Hektar. Dies ent­spricht circa 12 Prozent und somit einem beachtlichen Anteil der städtischen Ge­samtfläche. Etwa 60 Prozent dieser Flä­che ist Ackerland. 22 Prozent wiederum werden als Dauergrünland, 15 Prozent als Rebland und drei Prozent als Obstanlagen genutzt. Rund 64 Prozent der Landwirte arbeiten im Haupterwerb, 36 Prozent sind nebenberuflich tätig. Acht Betriebe in Stuttgart betreiben auf rund 200 Hektar ökologischen Landbau. Und in 37 land­wirtschaftlichen Betrieben werden Tiere gehalten. „Allesamt müssen sie als Voll­blutunternehmer agieren, ihre Betriebe auf dem neuesten Stand halten und sich einem effizienten Betriebsmanagement widmen“, sagt Ines Aufrecht, Leiterin der Wirtschaftsförderung der Landeshaupt­stadt Stuttgart.

Diese Kompetenzen setzen die Stuttgarter Landwirte in erster Linie ein, um quali­tativ hochwertige Lebensmittel zu pro­duzieren. Dazu gehören mehr als 40 ver­schiedene Gemüsearten, Getreide, Obst, Fleisch, Milch, Eier und Wein. Besagte Produkte werden auf unterschiedlichen Vertriebskanälen angeboten. Ein Trend geht klar zur Direktvermarktung – und damit zu kurzen Wegen für Landwirte wie Verbraucher sowie einer bürgernahen Landwirtschaft. Diese Vermarktungsform ist auch eine Antwort auf das immer stär­ker werdende ökologische Bewusstsein und Interesse an regionalen Erzeugnis­sen. Einige Landwirte bieten ihre Produk­te nicht nur in Hofläden, sondern auch in 24­Stunden­Automaten an, sodass deren Erzeugnisse rund um die Uhr für die Kun­den erhältlich sind. Herzstück der Direkt­vermarktung bleiben aber weiterhin die beliebten Stuttgarter Wochenmärkte mit insgesamt 29 Standorten.

 

WIR MACHEN

 

STUTTGARTS GUTE TROPFEN

Pflege und Bewahrung der heimischen Kulturlandschaft

Der Stuttgarter Wein nimmt unter den heimischen landwirtschaftlichen Pro­dukten eine besondere Rolle ein. Mit über 400 Hektar bestockter Rebfläche und rund vier Millionen Liter erzeugtem Wein pro Jahr ist die Landeshauptstadt eine der größten Weinbaugemeinden Baden­Würt­tembergs. In 16 der 23 Stadtbezirke gibt es Weinbau – damit ist er in Stuttgart so präsent wie in keiner anderen deutschen Großstadt. Und noch eine Besonderheit in diesem Zusammenhang: Stuttgart hat als einzige deutsche Großstadt ein städti­sches Weingut und betreibt Anbau, Aus­bau und Verkauf von Weinen in Eigenre­gie. Knapp fünf der 17 Hektar Rebfläche sind terrassierte Steillagen, die mit viel Aufwand gepflegt und in denen Trauben mühsam mit Hand gelesen werden müs­sen.

Aber der Aufwand lohnt sich – auch damit Teile der heimischen Kulturlandschaft bewahrt werden. Womit wir bei einer wei­teren Aufgabe wären, die in Händen der heimischen Landwirtschaft liegt: die Pfle­ge und Erhaltung der Kulturlandschaft. Viele nutzen die Wälder, Wiesen, Weinber­ge und Felder in und um Stuttgart zum Joggen, Radfahren oder Spazierengehen. Die Kulturlandschaft ist aber nicht nur „Natur pur“, sondern auch das Ergebnis bäuerlicher Arbeit.
Und noch eine weitere, gesellschaftliche Aufgabe übernehmen einige der heimi­schen Landwirte: Sie vermitteln wertvol­les Wissen über die Landwirtschaft, deren Arbeitsweise und Erzeugnisse. Spannende Einblicke in Erzeugung und Verarbeitung regionaler Lebensmittel bekommt man zum Beispiel bei der Landesaktion „Gläserne Produktion“, an der jährlich auch Stuttgarter Betriebe teilnehmen. Eine weitere Möglichkeit für einen Blick hinter die Kulissen bietet der „Lernort Bauernhof“: Drei Höfe in Stuttgart zeigen hierbei mit Lernstationen und Sinneserlebnissen, wie Lebensmittel erzeugt werden.

WIR MACHEN

STUTTGARTS FRÜCHTCHEN

Landwirtschaft ist von gesamtstädtischer Bedeutung

Diese Einblicke sind gleichzeitig eine gute Gelegenheit, manch romantischverstaubtes Bild von der heutigen Landwirtschaft zu revidieren. Denn auch in der Agrarproduktion schreitet die Digitalisierung mit großen Schritten voran. So mancher Branchenkenner prognostiziert eine zweite grüne Revolution, die die Landwirtschaft vollkommen umkrempelt. Vernetzte Maschinen, Drohnen und Sensoren könnten beispielsweise die Produktivität in der Landwirtschaft erhöhen und dazu beitragen, dass weniger Dünger und Spritzmittel eingesetzt werden müssen. Und auch die Vertriebskanäle der Landwirte passen sich dem Digitalisierungstrend an. Ein Beispiel ist die Stuttgarter Marktschwärmerei, die das Online-Shopping mit einem regionalen Bauernmarkt kombiniert. Verbraucher bestellen im Internet ihre Ware und können die Produkte zu einer festgelegten Zeit an einem bestimmten Ort abholen. Die Produkte stammen von Erzeugern aus der Region, die möglichst nicht weiter als eine halbe Stunde Fahrzeit vom Abholort entfernt liegen.

Ebenso gibt es nach wie vor die Trends jenseits der Digitalisierung, die sich bewährter Konzepte besinnen und diese neu interpretieren. Dazu gehören die Mietgärten, die einige Landwirte an Stuttgarter Bürger vermieten. Die Gärten werden professionell vom Landwirt vorbereitet und mit verschiedenen Gemüsesorten bepflanzt. Die Mieter übernehmen dann die Pflege und Ernte. Auf eigene Erzeugung setzt darüber hinaus das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. In Stuttgart beliefert zum Beispiel der Reyerhof seit 2013 ei ne wachs ende Gruppe von Menschen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Verantwortung dafür zu übernehmen, wie ihre Lebensmittel erzeugt und verteilt werden.
Ob retro oder digital: Fakt ist, dass der Landwirtschaft eine gesamtstädtische und wirtschaftliche Bedeutung zukommt. Sie sichert die Nahversorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln und trägt durch die Pflege der Kulturlandschaft zum Erhalt der Naherholungsqualität und somit zu einem wichtigen Standortfaktor bei.

Im dicht besiedelten Stuttgarter Stadtgebiet ist der Boden ein knappes und wertvolles Gut und es ist eine Herausforderung, hier erfolgreich landwirtschaftlich tätig zu sein. Aufgabe und Ziel der Wirtschaftsförderung ist es daher, die Landwirte von städtischer Seite nach Möglichkeit zu unterstützen und die ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe langfristig im Stadtgebiet zu halten. „Und auch die Verbraucher können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie auf frische, regionale Lebensmittel setzen und die Produkte der heimischen Landwirte kaufen“, betont Ines Aufrecht.

 

WIR MACHEN

STUTTGARTS KRAUT UND RÜBEN

IHRE BAUERN IN STUTTGART

 


Anlaufstelle für Stuttgarter Landwirte

Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmer/innen, Gewerbetreibende, Freiberufler/innen, Investoren, Existenzgründer/innen und Wissenschaftler/innen. Sie versteht sich als Lotse und Impulsgeber vor Ort mit der Zielsetzung, die wirtschaftliche Stärke Stuttgarts zu erhalten und weiterzuentwickeln. Den Stuttgarter Landwirten steht die Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner mit folgenden Services zur Seite:

• Lotsenfunktion innerhalb der Stadtverwaltung und Unterstützung bei amtsübergreifenden Anliegen;
• Hilfe bei der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte;
• Veranstaltungen zu landwirtschaftlichen Themen.

 

Um die Bedingungen für die Landwirte in Stuttgart zu verbessern, setzt sich die Wirtschaftsförderung darüber hinaus für eine Verbesserung des Feldschutzes, eine angemessene Pflege von Feldwegen und ein besseres Bewusstsein der Bürger/innen für die Belange der Landwirtschaft ein.

Ansprechpartnerin:
Uta Dickertmann,
Telefon 0711 216-57253

 

Weitere Informationen für Verbraucher/innen:

• Direktvermarkter in Stuttgart –Lust auf Frisches (Neuauflage im Aug. 2018) www.stuttgart.de/wirtschaftsfoerderung/landwirtschaft
https://www.lbv-bw.de/stuttgart/
• http://www.stuttgarter-wochen-maerkte.de/home/
• http://ludwigsburg.landwirtschafts-verwaltung-bw.de (Gläserne Produktion)

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart