Gesundheit & Schönheit

Die Kraft der Kräuter

Vom zierlichen Schmuck bis zum wertvollen Heiler: Die kleinen und großen Kräuter in der Natur bereichern jedes Jahr aufs Neue nicht nur gestalterisch Gärten und Landschaften. Tatsächlich ist es die Vielzahl ihrer Aromen und Inhaltsstoffe, die in vielfältigster Weise positiven Einfluss auf den Menschen und seinen Organismus ausüben.


Ob Rosmarin, Salbei, Basilikum, Barbara kraut, Blutampfer und unzählige weitere Kräuter: Neben dem augenfälligen Plus, für das etwa essbare Blüten auf Gerichten und Büfetts sorgen, zeichnet Kräuter vor allem auch aus, dass sie Gerbstoffe, ungetrübte Aromen, Proteine, Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthalten. Und das weitaus mehr als das Kulturgemüse. Damit stärken sie das Immunsystem des Menschen, sie entschlacken, machen munter und geben Kraft. Das machten sich schon frühere Generationen zunutze. Das älteste Heilkräuterbuch in deutscher Sprache stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Die als Innsbrucker Kräuterbuch bekannte Abhandlung, die erste ihrer Art in deutscher Sprache, gab bereits jede Menge Auskunft über die heilende Anwendung der in der Natur vorkommenden Gewächse wie Minze, Beiwurz, Sellerie oder Enzian. Und nur wenige Jahre später schrieb die große Wissenschaftlerin und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) ihre Kräuterkunde nieder. Darin nennt sie Krankheitssymptome und erläutert anschaulich die mögliche Heilung mittels der Anwendung von Pflanzenteilen. Weit über 100 werden auf ihre Heilkraft hin erklärt: Thymian, Brennnessel, Veilchen, Liebstöckel, Fenchel, Schlüsselblume oder Bockshornklee. Das alles sind Pflanzen, die unvermindert seit vielen tausend Jahren ihre Wirkkraft dem Menschen zur Verfügung stellen.

Während sich die Medizin der heilenden Kraft vieler Pflanzen in der Naturheilkunde bis heute bedient und die Pharmazie sich längst in vielerlei Weise das Potenzial der Natur zunutze macht, bleibt doch noch ein großartiger Spielraum für jeden Menschen, sich selbst immer wieder Kräuter-Wellness für Leib und Seele zu gönnen. Wer einen Garten hat, der kann schon mit wenigen Handgriffen das eine oder andere Kraut pflanzen oder aussäen. Wenn es sich nicht um winterharte Pflanzen wie etwa den Schnittlauch oder den Rosmarin handelt, dann holt man sich im Frühjahr die neue Generation beim Gärtner. Und selbst wer nur über einen Balkon oder ein Fensterbrett verfügt: Kräuter lassen sich hervorragend in Töpfen kultivieren.

Besonders schmackhaft sind Wildkräuter, denn sie besitzen in höherer Intensität etwa die Bitterstoffe, die für den Darm so wichtig sind, als die Züchtungen. Wer in freier Natur sammeln möchte, der sollte allerdings einen anschaulichen Ratgeber zur Hand haben, um Verwechslungen mit giftigen Pflanzen zu vermeiden.

Und Achtung: nur qualitätsvolle Pflanzen ohne Pilzbefall oder krankhafte Verfärbung verwenden. Meist reicht schon eine Handvoll aus, um einer Mahlzeit und damit dem Verzehrer einen kleinen Kick zu verpassen. Kräuterneulinge sollten besser mit nur wenigen Blättern starten, denn die Bitterstoffe sind nicht jedermanns Sache und zunächst gewöhnungsbedürftig. Für die Anreicherung von Speisen und zum Verfeinern von Suppen und Salaten, als Beigabe von Fischgerichten und in Gemüsepfannen machen sich Kräuter hervorragend. Als genussvolles Superfood gilt unter anderem der Ackersenf, Ampfer-Knöterich, Bärlauch, Brennnessel, Brunnenkresse, Ehrenpreis, Gänseblümchen, Giersch (einst der Salat der Römer), Gundermann, Huflattich, Rauke, Löwenzahn, Scharbockskraut, Spitzwegerich, Taubnessel, Vogelmiere und Weißer Gänsefuß.

Doch bei aller Begeisterung für die grünen Blättchen: Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung sollten Kräuter nicht wahllos eingesetzt, sondern mit Fingerspitzengefühl dosiert und vor allem kombiniert werden. Schon in der Wahl ihrer Partner aus den eigenen Reihen sind Kräuter sehr eigen. Brunnenkresse und Waldmeister beispielsweise sind aufgrund ihres intensiven Eigengeschmacks typische Solisten. Majoran und Oregano vertragen sich nicht gut. Sie sind einander so ähnlich, dass sie sich im Geschmack überlagern würden. Rosmarin und Thymian jedoch geben ein perfektes Paar aus gleichberechtigten Partnern ab. In mediterranen Mischungen dagegen sollte Rosmarin nur sparsam verwendet werden, damit die anderen Kräuter eine Chance haben, wahrgenommen zu werden. Gute Allrounder sind Petersilie, Pimpinelle und Portulak. Sie harmonieren mit den meisten anderen Kräutern gut.

Erst richtig kompliziert kann es werden, wenn die Kräuter auch noch auf eine oder gar mehrere Hauptzutaten eines Gerichtes abgestimmt sein sollen. Manch eine Verbindung ist so eng und so stimmig, dass man gut damit beraten ist, wenig zu experimentieren. In Bohnengerichte gehört Bohnenkraut, zum fetten Braten Beifuß und zum Spinatgemüse Portulak. Zu Gurken ist Borretsch das Kraut der Wahl. In vielen Gemüsegerichten dagegen wartet eine große Auswahl an Kräutern darauf, zum Einsatz zu kommen. Tomatensalat etwa schmeckt mit Basilikum, Kerbel, Majoran, Oregano, Pimpinelle oder auch Salbei jedes Mal gut und jedes Mal anders.

 


 

Genuss auf Teller und in Tassen

Energie-Kick

Nicht nur für Salatmuffel: Smoothies gehören für viele bereits zur täglichen Nährstoff- und Vitaminzufuhr, mit Obst, Gemüse und dem kleinen Kick aus Salat, Kräutern oder Blattgrün. Wild und Heilkräuter sind auch hier eine feine Ergänzung, wobei sie als Akzent in kleineren Mengen verwendet werden sollten. Sie bringen Abwechslung in den Speiseplan, bereichern ihn mit ihren wohltuenden Wirkstoffen – und der Körper atmet auf.

Von Frühlings-Tee bis Kräuterbutter

Es gibt so viele weitere Möglichkeiten, die frischen Wildkräuter einzusetzen. Ein Frühlings-Tee aus Birken-, Brennnessel und Löwenzahnblätter zum Beispiel. Oder wie wäre es mit einem bunten Wildsalat? Dafür werden die ausgewählten Kräuter gewaschen, geputzt und in kleine Stücke geschnitten. Dazu einfach das Lieblingsdressing zubereiten und eventuell mit Zwiebeln, Knoblauch oder auch Kopfsalat anreichern. Ein besonderes Schmankerl ist eine Wildkräuterbutter, perfekt zum Grillen. Dazu 250 Gramm Butter mit den kleingehackten Kräutern, Salz und Pfeffer vermengt, in Form gebracht – fertig.

Frankfurter Grüne Sauce

Grüne Sauce ist eine kalte Kräutersauce, die zu Pellkartoffeln oder Salzkartoffeln sowie gekochtem Fleisch oder Fisch gereicht wird. Die Kräuter kann man meist schon fertig zusammengestellt kaufen (z.B. Petersilie, Kresse, Schnittlauch, Sauerampfer, Borretsch, Pimpinelle und Kerbel) – aber auch hier kann man selbst variieren. Sonstige Zutaten für 4 Portionen: 500 g saure Sahne, Schmand oder Crème fraîche, Sahnejoghurt oder Dickmilch (gemischt, je nach Geschmack), 2 El Mayonnaise, 1 El Zitronensaft oder Weißweinessig, 2 EL Speiseöl, 1 Prise Zucker, 1–2 EL Senf, Salz, Pfeffer, 4 hartgekochte Eier (halbiert oder klein geschnitten)

 


 

Wellness und Heilkraft aus der Natur

 

Salbei gegen Kopfschmerzen

Er wird bei Asthma, bei Bronchialka tarrhen, Diabetes, Herzschwäche und Kopfschmerzen eingesetzt und hemmt die übermäßige Schweißsekretion. Hilfreich auch bei Schleimhautentzündungen der Darmschleimhaut. In der Antike galt die Heilpflanze als Sinnbild für ewiges Leben. Aus Wein und Salbeiblättern lässt sich Salbeiwein zubereiten, der bei Erschöpfung oder nach überstandener Virusinfektion kräftigend wirkt.


Basilikum bei Bauchweh

Das königliche Kraut ist in Verbindung mit Tomaten bestens bekannt. Es wirkt appetitanregend, magenstärkend und krampflösend. Allerbeste Küchenmedizin bei Bauchweh! Rund ums Mittelmeer ist Basilikum-Tee bei Übelkeit erste Wahl. Dem ätherischen Öl von Basilikum werden entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt.


Rosmarin vertreibt Erschöpfung

Die duftende Pflanze mit ihren ölschweren Blättern enthält ätherisches Öl, Gerb- und Bitterstoffe. Rosmarin fördert die Durchblutung, kurbelt den Stoffwechsel an – und vertreibt so die Erschöpfung. Außerdem hebt er den niedrigen Blutdruck. Deftige Speisen werden durch Rosmarin bekömmlicher. Denn die Pflanze stimuliert die Produktion von Gallenflüssigkeit und regt dadurch die Fettverdauung auf natürliche Weise an. Rosmarinöl besitzt eine stark antiseptische Wirkung.


Petersilie ist herzfreundlich

Dank ihrer zahlreichen Vitalstoffe tut Petersilie der Gesundheit gut. Bereits 25 Gramm decken den Tagesbedarf an Vitamin C und enthalten mehr Eisen als eine Portion Schweinefleisch. Herzfreundliches Kalium und gefäßschützende Bioflavone sind weitere Pluspunkte. Petersilie unterstützt bei ihrer Entgiftungsarbeit die Leber. Ideal auch zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und Gicht. Im alten Rom wurde Petersilie von den Gladiatoren vor dem Kampf verzehrt. Dem Volksmund nach soll sie der Männlichkeit auf die Sprünge helfen.


Brennnessel für den Stoffwechsel

Das Nesselgewächs – für viele ein lästiges Unkraut – gedeiht ganz schnell meterhoch. Kieselsäure und Kalium, Vitamin C und Carotine machen die Brennnessel zum StoffwechselStar. Sie lindert Leber- und Gallebeschwerden, ebenso Rheuma und Gichterkrankungen. Brennnesseltee befreit den Körper von schädlichen Stoffen. Davon profitiert auch die Haut. Zur Kräftigung von dünnem Haar 1 Teelöffel Brennnesseltee mit 1 Esslöffel mildem Babyshampoo mischen und zur Haarpflege verwenden.


Oregano stärkt die Atemwege

Krankheitskeime im Atemtrakt werden von Oregano effektiv abgetötet. Auch bei Magen-Darm-Koliken ist es zweckmäßig, viel davon zu essen.


Kresse stärkt die Abwehrkräfte

Eine Handvoll pro Tag reicht, um die Abwehrkräfte zu stärken. Die in der Kresse enthaltenen Glucosinolate bekämpfen krankheitserregende Bakterien im Darm und in den Harnwegen. Bei einer Blasenentzündung empfiehlt der Volksmund, reichlich Kresse zu verspeisen. Außerdem beugt die Pflanze Blutarmut vor.


Majoran lindert Bronchitis

Wegen der beruhigenden Eigenschaften seines ätherischen Öls wird Majoran besonders geschätzt. Aus den Blättern lässt sich ein Tee zubereiten, der Erkältungskrankheiten und Bronchitis lindert.


Sauerampfer gegen Hautleiden

Das säuerliche Knöterichgewächs hilft sowohl bei Darmproblemen als auch gegen Hautleiden. Der Mix aus Bitter- und Gerbstoffen sowie Vitamin A regt Darm und Leber an und verbessert die Verdauung. Bei Pickeln oder Akne vier Esslöffel frischen Sauerampfer mit einem Liter Wasser aufbrühen, nach fünf Minuten abseihen. Anschließend mit Watte auf die betroffenen Hautstellen tupfen


Minze wirkt stimulierend

Sie gibt es in vielerlei Arten. Auch in unseren Breitengraden hat es sich herumgesprochen, dass die Pflanze auf wohltuende Weise die Verdauung fördern kann. Im Orient wird Minze gerne als Tee gereicht. Wegen ihrer stimulierenden Wirkung auf Herz und Nerven empfiehlt sich Minze als Alternative zu Kaffee.


Melisse macht gelassen

Der Mix aus Flavonoiden, Gerbstoffen und ätherischem Öl trägt zur Dämpfung negativer Gefühle bei und beruhigt die Nerven. Das Ergebnis: Gelassenheit, auch in Stresssituationen. Melisse hilft auch bei nervlich bedingten Magen-Darm-Beschwerden.


Löwenzahn für die Schönheit

Die Blätter sind reich an Vitamin A und C, Beta-Karotin, Chlorophyll und eine gute Quelle für Eisen. Löwenzahn wirkt blutreinigend und hilft gegen toxische oder entzündliche Er-krankungen der Haut oder Gelenke. Er unterstützt den Aufbau von Haut und Haar, Bindegewebe und Nägeln. Die leberstärkenden Bitterstoffe der Löwenzahnblätter werden geschätzt. Super: Löwenzahn zu Tee brühen und möglichst oft genießen.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart