Kultur

„Jeder von uns kann etwas tun!“

Man sagt, dass Humor die Welt ein Stückchen besser werden lässt. Doch das war Kabarettist Christoph Sonntag irgendwann nicht mehr genug, weshalb er 2007 seine eigene „Stiphtung“ gegründet hat. Seitdem unterstützt er mit seinem Team viele soziale Projekte in der Region. Ebenso seine Frau Elisabeth, die in Namibia Häuser für die Bewohner der Townships realisiert.


 

Christoph und Elisabeth Sonntag im Gespräch mit top magazin

Angefangen hat damals alles mit einer spontanen Idee und zwar der Rettung des Stuttgarter Max-Eyth-Sees. Durch die mittlerweile erfolgreich abgeschlossene Mission legte Christoph Sonntag vor zehn Jahren den Grundstein für viele weitere gemeinnützige und wohltätige Projekte in und um Stuttgart. Dem Kabarettisten, diplomiertem Landschaftsarchitekten und mehrfachen Familienvater sind dabei besonders die Themen Kinder- und Jugendförderung sowie der regionalen Umweltschutz eine Herzensangelegenheit – und das direkt vor der eigenen Haustüre. „Ich finde, jeder kann etwas tun, um die Gesellschaft ein bisschen besser zu machen“, erklärt Sonntag, für den Kabarett und soziales Engagement unmittelbar zusammen gehören. „Kabarett ist der Versuch, die Welt intellektuell zu verbessern, meine gemeinnützige Stiphtung kann dagegen richtig zupacken – und tut dies auch. Allerdings ist jedes einzelne Projekt mit einem großen Zeitaufwand für alle Beteiligten verbunden.“ Auch die Überzeugungsarbeit, die Christoph Sonntag jedes Mal aufs Neue leisten muss, ist nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz sind seit der Gründung über vier Millionen Euro Geld und Sachleistungen gespendet worden. „Ich finde, für einen Zeitraum von zehn Jahren ist das ein fantastisches Ergebnis“. Ziel der Stiphtung ist es auch heute noch, direkte Veränderungen vor Ort zu bewirken.

 

Ernährungswochen stärken Bewusstsein für ein gesundes Leben

2010 konnten Sonntag und sein Team die Ernährungswochen zum ersten Mal an badenwürttembergischen Haupt- und Werkrealschulen mit großem Erfolg durchführen. Da das Essen in unserem Tagesablauf immer mehr zur Nebensache wird, bestimmen Tiefkühl- und Fertigprodukte immer häufiger unseren Tagesablauf – schnell und günstig heißt die Devise. Tatsache ist inzwischen auch, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu dick sind. Fatal, denn gerade in diesem Alter wird bereits der Grundstein für die Ernährung und Gesundheit im Erwachsenenalter gelegt. Gerade junge Menschen sollten deshalb so früh wie möglich ein Bewusstsein für gesunde Ernährung entwickeln. „Und genau hier setzt unsere Stiphtung mit den Ernährungswochen an“, erklärt Sonntag.

Das Ziel ist es, Kinder und Jugendliche schon so früh wie möglich zu motivieren, Mahlzeiten selbst zuzubereiten und sie auf Bio- und Naturprodukte aufmerksam zu machen. Zudem sollen dabei gute Umgangsformen und Rücksichtnahme vermittelt werden. Dazu dürfen die Kinder und Jugendlichen selbst auf einem Bauernhof mit anpacken. Nach dem Produzieren folgt dann die Verwendung und Verarbeitung der frischen Lebensmittel. Den Abschluss der Woche bildet ein kleiner und jugendgerechter Knigge-Kurs für gute, moderne Umgangsformen am Beispiel eines Restaurantbesuchs.

 

Toleranzwochen bieten Orientierung

Mit verschiedenen Projekttagen an Schulen lernen die jungen Menschen, wie unsere Gesellschaft mit Unterschieden und Vielfalt umgeht. Toleranz als Wert und Maßstab des Handelns bietet hier Orientierung. Dabei geht es nicht um Beliebigkeit, denn Toleranz beginnt bereits beim Aushalten von Fremdheit und Verschiedenheit und hat die Anerkennung der Gleichwertigkeit des Anderen zum Ziel. „Toleranz ist ganz klar erlernbar“, so Sonntag. Die Toleranzwochen der Stiphtung ermöglichen Jugendlichen ab der neunten Klasse sich in ganztägigen Workshops mit Fragen von Toleranz und Intoleranz auseinander zu setzen.

 

Sternchenfänger erfüllen Kinderwünsche

Projekt Sternchenfänger

Ein Herz für Kinder, egal ob arm, schwer krank oder behindert, beweist Sonntags Stiphtung mit ihrem Projekt Sternchenfänger. „Wir wollen Herzenswünsche realisieren, die sich die Kinder, beziehungsweise die Familie, ohne Unterstützung nicht erfüllen könnten“, erklärt der Kabarettist das Ziel. Die Sternchenfänger sorgen dafür, dass dieser Wunsch wahr wird und freuen sich, wenn die Augen der Kinder glänzen und die Kleinen auch einmal auf der Sonnenseite des Lebens stehen dürfen. Mit den erlebten Momenten des Glücks will die Stiphtung Christoph Sonntag den Kindern gleichzeitig Zuversicht schenken, ihr Selbstvertrauen stärken und ihnen vor allem das Gefühl vermitteln, dass sie wichtig sind und einen bedeutenden Teil der Gesellschaft darstellen.

 

StreetCamp hilft obdachlosen Jugendlichen

Das StreetCamp ist ein Projekt für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 21 Jahren, die von Zuhause ausgerissen sind, von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden oder davon bedroht sind. Das Projekt besteht zu einem großen Teil aus aktiver Straßenarbeit, um direkt vor Ort mit betroffenen Jugendlichen in Kontakt zu kommen und diesen Hilfestellung bieten zu können. Dazu ist seit November 2012 der StreetCamp-Van auf den Straßen Stuttgarts unterwegs. Mehrmals pro Woche parkt er an unterschiedlichen Standorten in der Landeshauptstadt, an denen sich die obdachlosen Jugendlichen aufhalten. Der von erfahrenen Streetworkern der Stuttgarter Jugendeinrichtung „Schlupfwinkel“ betreute Van bietet den Jugendlichen somit eine erste Anlaufstelle auf der Straße. „Die Streetworker helfen bei der Suche nach einem Schlafplatz, zeigen mögliche Perspektiven für die Zukunft auf oder sind einfach gute Zuhörer, wenn ein offenes Ohr gebraucht wird.“ Über die Website www.street-camp.de können der aktuelle Standort und die Öffnungszeiten des StreetCamp-Vans abgefragt werden.

 

Klassenzimmer am See und am Fluss

Klassenzimmer am See und am Fluss

Das Klassenzimmer am See ist ein Projekt, das im Rahmen der Initiative „Der Max-Eyth-See Stuttgart soll sauber werden“ ins Leben gerufen worden ist und befindet sich direkt am Ufer des Sees. Hier können Schulklassen, Kindergartengruppen sowie interessierte Gruppen aller Altersstufen das Thema Wasser hautnah in all seinen Facetten erleben, erfahren und erforschen. Dazu gehören unter anderem das Suchen und Sammeln von kleinen Wasserlebewesen, deren Beobachtung und Bestimmung. Einfache ökologische Zusammenhänge, Nahrungsketten und ähnliches wird den jungen Menschen vermittelt. Ein Mitarbeiter führt durch den Vormittag, entsprechende Materialien und geeignetes Equipment wird zur Verfügung gestellt. Das Angebot ist kostenlos und auf eine maximale Gruppengröße von 30 Teilnehmern ausgelegt. Ein ähnliches Projekt ist das Klassenzimmer am Fluss. Es befindet sich auf der Kleinen Erleninsel, direkt an der Rems in Waiblingen, wo Kinder und Jugendliche mit ihrer Schulklasse oder ihrer Kindergartengruppe, aber auch andere Teilnehmer aller Altersstufen das Thema Wasser hautnah erforschen können.

 

Eigentum in Namibia

Elisabeth Sonntag bei der Hilfsaktion in Namibia

Doch nicht nur Christoph Sonntag setzt sich mit seiner Stiphtung für soziale Zwecke ein, auch für seine Frau Elisabeth ist soziales Engagement eine Herzensangelegenheit. Die studierte Ethnologin verbrachte 2015 drei Monate in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, um sich ein Bild der verschiedenen Entwicklungsprojekte vor Ort zu machen. „In Namibia gibt es die zweithöchste HIV-Rate von ganz Afrika“, erklärt Elisabeth Sonntag. Während eines Besuches der Suppenküche „Home of good hope“ lernte sie eine ältere Frau kennen, die mit ihren 16 Enkelkindern unter Plastikplanen hauste. Alle Enkel waren durch Aids zu Vollwaisen geworden. In einem Gespräch bat die Frau um Plastikschachteln, damit sie Kleider und Mehl aufbewahren könne. „Mir war sofort klar, dass da nur ein Dach über dem Kopf helfen kann!“, erzählt die studierte Ethnologin. Und so entstand das Projekt „Make Shakes“ in Zusammenarbeit mit Uwe Waltersbacher von der Aktion Straßenkinder e.V., bei dem Häuser für die ärmsten Bewohner des Townships in Windhoek gebaut werden. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, den schlechten Hygienezuständen und dem daraus resultierendem Gesundheitszustand der Bewohner ist es den Menschen dort häufig nicht mehr möglich, die Materialien für eine eigene Shack zu finanzieren. Das Township Havanna in Namibias Hauptstadt beispielsweise wächst, durch zunehmende Landflucht, täglich an. Meist haben diese Neuankömmlinge mit ihren Familien nicht einmal die Möglichkeit, in einer Wellblechhütte unter zu kommen, sondern müssen unter freiem Himmel, unter Bäumen und Plastikfolien leben. Die mangelhaften Lebensumstände erhöhen nicht nur die Kindersterblichkeit, sondern lassen auch die Kriminalität innerhalb des Townships ansteigen. Frauen und Kinder haben keine Möglichkeit sich vor sexuellen Übergriff en zu schützen, da sie, vor allem nachts, ohne eine abschließbare Türe nicht sicher sein können. „Das sind untragbare und menschenunwürdig Zustände“, erklärt Elisabeth Sonntag. „Mittlerweile haben wir deshalb schon knapp 50 Häuser gebaut und 20 Tonnen Hilfsmittel wie Decken, Kleider, Töpfe oder Matratzen nach Namibia verschifft.“ Auch die Container, mit denen diese Hilfsmittel den Weg nach Afrika finden, bleiben vor Ort und werden beispielsweise als Unterkünfte für Schulen genutzt.

 

Ein Eigenheim für 350 Euro

Für eine Spende von 350 Euro baut Make Shacks ein Eigenheim für obdachlose Familien, das den Standards des Townships entspricht. Jede Bauaktion wird von einem Mitarbeiter des Vereins Aktion Straßenkinder e.V. persönlich organisiert, verwaltet sowie vor Ort begleitet. Als Dank erhält jeder Spender eine Fotodokumentation über den Bau des Hauses und der Familie, der er ein Dach über dem Kopf geschenkt hat! Zusätzlich trägt das Shake den Namen des Spenders. „Die Spenden werden 1:1 umgesetzt“, garantiert Elisabeth Sonntag, die bereits im Februar 2018 wieder nach Namibia fliegt, um weitere Häuser in den Townships zu bauen. „Und für den Beschenkten entsteht so ein positiver Kontakt zum Mitmenschen, der ihm aus größter Not geholfen hat!“ Meist bleibt sogar noch ein Restbudget des Hausbaues über, von dem dann Grundnahrungsmittel und Schuldgelder finanziert werden. „Allgemeine Bildung ist eines der elementarsten Dinge, die den Menschen in Namibia fehlen. Der Aberglaube ist weit verbreitet und viele Menschen denken beispielsweise immer noch, dass HIV durch Zauberei geheilt werden kann.“ Die erwachsenen Einwohner zu bilden ist allerdings schwer, da sie bereits seit vielen Jahren mit ihren gewohnten Lebenserfahrungen leben, weshalb die Helfer den Kindern und Jugendlichen vor Ort eine Schulausbildung ermöglichen müssen. Und um das weiterhin zu können, ist sowohl die Stiphtung Christoph Sonntag, als auch die Aktion Straßenkinder e.V. auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen: „Wir haben leider kein Millionenvermögen, das am Geldmarkt für uns den Treibstoff für die gute Arbeit erwirtschaftet, wir sind hier auf Menschen angewiesen, die uns Geld spenden. Denn ohne solche Hilfen wären unsere guten Ideen immer nur Ideen geblieben und blieben es auch zukünftig.“

 


 

Stiphtung Christoph Sonntag

BW Bank
IBAN: DE79 6005 0101 0001 1166 56
BIC: SOLADEST

Oder

Sparda-Bank
IBAN: DE80 6009 0800 0006 2062 00
BIC: GENODEF1S02

 

Aktion Straßenkinder e.V.

Volksbank Stuttgart eG
IBAN: DE63 6009 0100 0100 0300 09
BIC: VOBADESSXXX

 

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart