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Mensch & Kultur

Schauspielerin Astrid M. Fünderich und ihr Faible für Stuttgart

Aktuell laufen im Studio der Bavaria Fernsehproduktion im Stuttgarter Römerkastell die Dreharbeiten für die neunte Staffel des ZDF-Vorabend-Krimis „SOKO Stuttgart“. Seit Beginn der Serie im Jahr 2009 mit dabei: Astrid M. Fünderich als Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert. Im Gespräch mit top magazin erläutert die Schauspielerin ihr Faible für die Rolle und für Stuttgart, wo die gebürtige Düsseldorferin mittlerweile mit ihrer Familie lebt.


 

„Eine bayerische Bäuerin

würde man mir nicht abnehmen“

 

top: Frau Fünderich, wie kamen Sie seinerzeit zu Ihrer Rolle in der „SOKO Stuttgart“?
Fünderich: Ganz klassisch über ein Casting. Interessanterweise hatte ich nach ein paar Jahren Krimipause zuvor bei der „SOKO 5113“ eine Kommissarin des Landeskriminalamts gespielt. Das hat mir wieder unheimlich viel Spaß gemacht und ich habe gemerkt, dass mir das Krimigenre einfach liegt. Also bin ich der Einladung zum Casting für die Startbesetzung der „SOKO Stuttgart“ gefolgt – und da hat alles gepasst, auch im Zusammenspiel unter anderem mit Karl Kranzkowski, Peter Ketnath und Benjamin Strecker, die ebenfalls bis heute mit von der Partie sind. Wir haben als Team überzeugt.

Karin Endress und Matthias Gaul im Gespräch mit Astrid M. Fünderich

Karin Endress und Matthias Gaul im Gespräch mit Astrid M. Fünderich

top: Vor der „SOKO Stuttgart“ waren Sie auch schon in zahlreichen anderen Serien wie „Der Fahnder“ oder „Die Cleveren“ zu sehen. Sind Krimirollen Ihr bevorzugtes Genre?
Fünderich: So kategorisch würde ich das nicht sagen, aber meine Ausstrahlung und mein Gesicht scheinen für die Besetzung als Kommissarin, Ärztin oder Journalistin prädestiniert zu sein. Selbst wenn ich Bayerisch sprechen könnte, würde man mir eine bayerische Bäuerin wahrscheinlich nicht abnehmen. Eine Rolle in einem „Rosamunde Pilcher“-Film oder im „Traumschiff“ wäre aber durchaus vorstellbar, oder?

top: Und welche Rolle?
Fünderich: Sicherlich nicht mehr die jugendliche Protagonistin, aber sehr gerne die böse Nachbarin oder Stiefmutter, die anderen das junge Liebesglück nicht gönnt.

 


Zur Person

Top-Magazin-Stuttgart_Eine-bayerische-Baeuerin-1Astrid M. Fünderich wurde 1963 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Geologie-Studium in Aachen, das sie aber 1991 mitten im Diplom abbrach, um Ensemblemitglied beim freien Theater K. in Aachen zu werden. 1992 absolvierte sie eine Schauspielausbildung an der Ecole Philippe Gaulier in London sowie bei Hollywood Acting Workshop in Los Angeles. Ihr Fernseh-Debüt hatte sie 1994 mit einem Auftritt in der Serie „Notaufnahme“, im selben Jahr erhielt sie ihre erste längerfristige Rolle als Schwester Ina in der „Sat.1“-Kinderkrankenhaus-Serie „Hallo, Onkel Doc!“. Von 1997 bis 2001 hatte Astrid Fünderich die Rolle der Rechtsmedizinerin Katharina Winkler in der ARD-Serie „Der Fahnder“ inne, außerdem von 1998 bis 2002 in der RTL-Krimiserie „Die Cleveren“ die Rolle als BKA-Kommissarin Eva Glaser. Für diese Rolle war sie 2001 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Von 2002 bis 2004 spielte sie die stellvertretende Schuldirektorin Ruth Hecker in der Serie „Sabine!“, es folgten Engagements unter anderem im „Tatort“ und in der Krimiserie „Wilsberg“. Seit 2009 spielt sie in der ZDF-Krimiserie SOKO Stuttgart die Hauptrolle der Ersten Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert. Neben ihrem Beruf ist Astrid Fünderich auch sozial stark engagiert. Seit Mai 2013 ist die Schauspielerin Mitglied im Kuratorium der Deutschen Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind in Villingen-Schwenningen. Außerdem ist sie aktive Unterstützerin von Campact und Avaaz sowie Botschafterin für Atmosfair, Subvenio und das KIT-Team der Stuttgarter Johanniter. Ebenso engagiert sie sich für verschiedene lokale Projekte in und um Stuttgart. Die heute 53-jährige Mutter eines Sohnes ist seit 1997 verheiratet und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart.


 

top: In der „SOKO Stuttgart“ spielen Sie die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert. Wieviel steckt von Ihnen ganz persönlich in dieser Rolle?
Fünderich: Eine ganze Menge. Was uns aber unterscheidet, ist die Fokussierung von Martina Seiffert auf eine Sache. Ich tanze gern auf vielen Hochzeiten gleichzeitig, daher sieht zum Beispiel auch mein Schreibtisch sehr unaufgeräumt aus. Insofern ist Martina Seiffert manchmal sogar mein Vorbild. Was wir gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir nicht kochen können und dies auch nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen gehört. Beide haben wir aber einen Mann an der Seite, der gerne und gut kocht.

top: Können Sie denn am Drehbuch etwas ändern, wenn Sie meinen, der eine oder andere Dialog würde nicht optimal passen?
Fünderich: Zunächst einmal ist klar, dass formatbedingt beim Drehbuch natürlich nicht derselbe Aufwand betrieben werden kann wie vielleicht in Hollywood. Erfreulicherweise haben wir aber meist sehr gute Bücher, die wir frühzeitig bekommen. Wir haben also ausreichend Zeit zum Lesen und können dann in Absprache mit Regie und Dramaturgie die Dialoge bei Bedarf mundgerecht machen. Allerdings drehen wir jeweils vier Folgen parallel – da kommt in Sachen Lektüre also immer einiges auf uns zu. Zwischen den Blöcken ist Gott sei Dank immer eine Drehpause von einer Woche.

 

„Unter allen ‚SOKOS‘
sind wir ganz vorne mit dabei“

 

Astrid M. Fünderich als Martina Seiffert und Karl Kranzkowski als Michael Kaiser in der „SOKO“ Stuttgart

Astrid M. Fünderich als Martina Seiffert und Karl Kranzkowski als Michael Kaiser in der „SOKO“ Stuttgart

top: Wie lange dauert es, bis eine Folge im Kasten ist?
Fünderich: Im Schnitt sechseinhalb Tage, das ist extrem wenig. Manchmal würde ich mir schon gerne mehr Zeit wünschen, dann könnte man an verschiedenen Szenen sicherlich noch weiter feilen.

top: Sie drehen aktuell die neunte Staffel, die Quote scheint also zu stimmen.
Fünderich: Ja, im Durchschnitt schalten knapp vier Millionen Menschen ein, davon sind rund zehn Prozent zwischen 14 und 49 Jahre alt. Wir arbeiten über die verschiedenen sozialen Medien intensiv daran, die Quote beim jüngeren Publikum zu erhöhen. Unter allen „SOKOS“ sind wir jedenfalls ganz vorne mit dabei.

top: Stuttgart ist einer von sieben Schauplätzen der „SOKO“-Serie im ZDF. Was zeichnet die hiesige „SOKO“ aus?
Fünderich: Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wir sind ein super Team in einer außergewöhnlichen Stadt.

 

„Einen großen Reiz hat Stuttgart

für mich auch als Filmstadt, die

Stadt hat sich zu Recht zu einem

attraktiven Medienstandort entwickelt“

 

Top-Magazin-Stuttgart_Eine-bayerische-Baeuerin-2top: Warum außergewöhnlich?
Fünderich: Faszinierend finde ich zum Beispiel das Nebeneinander von modern und alt in der Architektur. Allein schon die Innenstadt mit ihrem Gegensatz etwa von Kunstmuseum und Altem beziehungsweise Neuem Schloss gefällt mir unwahrscheinlich gut. Klar, die Verkehrssituation ist grauenhaft. Aber damit haben auch andere Großstädte zu kämpfen. Als ich mit meiner Familie nach Stuttgart gezogen bin, hat man mich vor der mürrischen und verschlossenen Art der Schwaben gewarnt. Worauf sich diese Vorurteile stützen, ist mir allerdings schleierhaft. Ich für mich kann dies jedenfalls nicht bestätigen, wir sind hier sehr offen und herzlich aufgenommen worden. Einen großen Reiz hat Stuttgart für mich auch als Filmstadt, die Stadt hat sich zu Recht zu einem attraktiven Medienstandort entwickelt. Daran hat sicher auch die „SOKO Stuttgart“ ihren Anteil.

Sie drehen immer von Februar bis November. Bleibt da noch Zeit für andere Rollen?
Fünderich: Eigentlich kaum, die Arbeiten am Set hier in Stuttgart nehmen mich voll in Anspruch. Wir drehen schließlich täglich von 9 bis 19 Uhr. Über meine Agentur kommen zwar Anfragen für neue Rollen, momentan muss ich aber oft absagen.

top: Und das Golfen bleibt auch auf der Strecke?
Fünderich: Leider ja, die Zeit reicht gerade so zum Joggen und morgens für Yoga. Gerne würde ich auch noch mehr das Kulturleben der Stadt genießen und mich sozial noch stärker engagieren, als mir das im Moment möglich ist.

 


Die „SOKO Stuttgart“ in Kürze

2009 haben in Stuttgart die Dreharbeiten für die ersten Folgen der Krimiserie „SOKO Stuttgart“ begonnen, die das ZDF seit dem 12. November 2009 jeweils donnerstags um 18:05 Uhr ausstrahlt. Produziert wird die „SOKO Stuttgart“ von der Bavaria Fernsehproduktion GmbH im Studio im Stuttgarter Römerkastell. Die Innendekorationen stehen auf einer Studiofläche von rund 1.600 Quadratmetern und umfassen alle Abteilungen eines modernen Polizeipräsidiums. Zudem bietet das Studio eine direkte Anbindung an die Außenflächen vor dem Präsidium mit einem großen Parkplatz, dem Eingangsbereich des Präsidiums und mehrere Werkstätten. Weitere Innendekorationen umfassen die Gerichtsmedizin, das Innenmotiv eines Hausbootes, das von außen am Originalschauplatz am Neckar gedreht wird, „Schrottis“ Autowerkstatt und eine flexibel nutzbare Krankenhaus-Kulisse. Etwa die Hälfte der Drehzeit pro Folge wird in diesem Studio produziert, die andere Hälfte bei Außendreharbeiten in Stuttgart und Umgebung.
Zu den Schauspielern: Die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert, gespielt von Astrid M. Fünderich, führt mit großer Kompetenz und Gelassenheit ihr Team. An ihrer Seite steht der unangepasste und oft ein wenig draufgängerische Kriminalhauptkommissar Joachim „Jo“ Stoll (Peter Ketnath). Vervollständigt wird die „SOKO“ durch die Kriminalkommissarin Selma Kirsch (Yve Burbach), eine Tochter aus gutem Stuttgarter Hause, sowie den Kriminalkommissar und IT-Spezialisten Rico Sander (Benjamin Strecker). Über allen steht der Kriminaldirektor Michael Kaiser (Karl Kranzkowski) als Kripo-Chef im Polizeipräsidium, ein hervorragender Manager der Polizeiarbeit.
In weiteren Rollen zu sehen sind: Eva Maria Bayerwaltes als Professorin Dr. Lisa Wolter, Rechtsmedizinerin mit Lehrauftrag an der Uni Stuttgart, Mike Zaka Sommerfeldt als Kriminaltechniker Jan Arnaud, Christian Pätzold als Friedemann Sonntag, Leiter der Asservatenkammer, und Michael Gaedt als Hinterhof-Werkstattbesitzer Karl-Heinz „Schrotti“ Schrothmann.

 

Das „SOKO“-Team (v.li.): Benjamin Strecker, Peter Ketnath, Astrid M. Fünderich, Yve Burbach und Karl Kranzkowski

Das „SOKO“-Team (v.li.): Benjamin Strecker, Peter Ketnath, Astrid M. Fünderich, Yve Burbach und Karl Kranzkowski

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart