Gesundheit & Schönheit

Die Faszination der Faszien

Jedes Unternehmen hat seinen Netzadministrator, seinen Systemberater und – für den Fall, dass etwas nicht so läuft, wie es soll – seinen Support. Und wer macht das bei unserem ureigensten Unternehmen, unserem Körper? Blöde Frage? Nein, denn spätestens seit dem ersten internationalen „Fascien Research Congress“ an der Havard Medical School in Boston vor knapp zehn Jahren sind die Faszien – unser körpereigenes dreidimensionales Spannungsnetzwerk –endgültig ins Rampenlicht der Medizin gehoben worden. Was Faszien eigentlich sind, welche Bedeutung und Aufgaben sie haben und wie wir sie pflegen können, stellen wir Ihnen hier vor.


Faszien, dieses unscheinbare Gewebe, das sich überall in unserem Körper befindet, ist schon lange Arbeitsgebiet der manuellen Medizin. Nicht nur die manuellen Therapeuten – allen voran die „Rolfer“ bei der Tiefengewebsmanipulation –, sondern auch alternative medizinische Therapien wie die Akupunktur, die Ostheopathie sowie die körperlichen Übungen aus dem Yoga und dem Tai Chi pflegen seit jeher die Möglichkeit, unser „Body-wide-web“ positiv zu stimulieren. Dahinter steckt schließlich auch das alte Sprichwort: Sich regen, bringt Segen. Denn die Faszien haben, das weiß man heute, eine große Verantwortung in unserem Körper: Sie tragen, schützen, verbinden und unterstützen unsere Muskeln, unser Skelett und den ganzen viszeralen, also die Eingeweide betreffenden Bereich unseres Körpers. War man sich also in der Therapie einig, dass mit Hand und oder Nadel anlegen dem Körper Gutes getan und auch erfolgreich Besserung auf den Weg gebracht werden kann, so fehlte doch die wissenschaftliche Erklärung für all das.

Erkenntnis und Aufklärung ins Netzwerk „Faszien“ brachte schließlich der Ulmer Humanbiologe Dr. Robert Schleip. Er und sein Kollege Dr. Werner Klingler von der Neurochirurgischen Universitätsklinik Ulm-Günzburg initiierten maßgeblich den ersten internationalen Kongress 2007 in Boston und setzten entscheidende Akzente in der Grundlagenforschung um das Wunderwerk Faszie. Der empirischen Nutzung werden seit diesem Zeitpunkt immer mehr wissenschaftlich erklärbare Zusammenhänge an die Seite gestellt. Und so haben die neuen Erkenntnisse wiederum rasch die Basis erreicht – Sporttherapeuten wie Trainer. Auch der Württembergische Landessportbund bildet mittlerweile alle Aktiven bis hin zu den Übungsleitern zum Thema „Faszien“ fort.

 


 

Top-Magazin-Stuttgart-Fruehjahr-2017-Die-Fazination-der-Faszien-2Faszien-Aufbau

Die Faszien, gerne auch gleichgesetzt mit dem Bindegewebe, sind genaugenommen die weißlichen bis transparenten Weichteil-Komponenten des Bindegewebes. Sie enthalten Kollagen, das am häufigsten vorkommende Eiweiß in unserem Körper, und sorgen für Elastizität, Zugfestigkeit und Dehnbarkeit. In drei Gruppen aufgeteilt, unterscheidet man die Oberflächenfaszien von den Tiefenfaszien und den viszeralen Faszien. Die Oberflächenfaszien speichern Fett und Wasser, sind Durchgang für Lymphe, Nerven- und Blutgefäße, außerdem Puffer und Dämpfer und verbinden sämtliche Organe sowie Gewebe miteinander. Die zweite Faszienschicht, die sogenannten Tiefenfaszien, sind sehr dicht und faserreich, nicht so durchblutet und nicht so dehnbar wie die Oberflächenfaszien, sie durchdringen und umschließen Knochen, Muskeln, Nervenbahnen und Blutgefäße. Zu ihnen zählt man auch die Bänder, die Gelenkkapseln und die Sehnenplatten. Sie sind mit sehr vielen Rezeptoren ausgestattet. Diese signalisieren Schmerz, Bewegungs- und Temperaturänderungen. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die in den Tiefenfaszien enthaltenen Myofibroblasten dem Gewebe die Fähigkeit geben, sich über einen längeren Zeitraum zusammenzuziehen. Die aktuelle Faszienforschung untersucht deshalb beispielweise, ob ein ursächlicher Zusammenhang etwa zwischen der Anzahl von Myofibroblasten im Gewebe und dem Krankheitsbild der „Frozen Shoulder“ (Schultersteife) besteht. Die dritte Gruppe der Faszien sind die viszeralen Faszien. Sie umgeben die inneren Organe und sind für die Aufhängung und Einbettung der Eingeweide zuständig.

 


 

Stärkung des Bindegewebes

Wenngleich die aktuelle Forschung noch viele Fragen hat und weitere Ansätze verfolgt, so ist doch mittlerweile unbestritten, dass die Faszien in unserem Körper eine Schlüsselrolle beim Thema Haltung, Bewegung und Gesundheit spielen. Sie sind weit mehr als nur passive Kraftüberträger. Vielmehr regulieren sie, aufgrund ihrer Viskoelastizität, die Kraftübertragung, sie dehnen die Skelettmuskulatur und dienen als elastischer Energiespeicher und Verstärker von Bewegung. So kommt schließlich der Stärkung des Bindegewebes mitsamt den Faszien gleich eine mehrfache Bedeutung zu: Sie erhöht die aktive Beweglichkeit, verbessert die Koordination, erhöht die Leistungsfähigkeit und vermehrt ganz allgemein die Bewegungsfreude. Dass dies nicht nur erstrebenswert ist für die Sportler, sondern auch für jeden Einzelnen im Alltag von Vorteil ist, liegt auf der Hand. Denn sobald etwas in unserem Netzwerk nicht mehr im Lot ist, Schmerzen und Verspannungen uns einschränken, sinkt unsere Lebensqualität rapide. Im Grundsatz gilt deshalb auch hier wieder ein altbekannter Spruch: Wer rastet, der rostet.

Konkret heißt das, dass Bewegung für unsere Faszien nicht nur von Vorteil ist, sondern sie diese unabdingbar brauchen, um ihre Funktion dauerhaft und in vollem Umfang zu erfüllen. Dr. Robert Schleip drückt es medizinisch schon etwas präziser aus, wenn er sagt: „Wer sich nicht bewegt – verklebt.“ Gesunde Kollagenfasern sehen denn auch aus wie flauschige Wolle, während von Bewegungsarmut heimgesuchtes Gewebe regelrecht „verfilzt“. Die so verklebten und verhärteten Faszien können schmerzen. Doch die Wissenschaft hat bereits nachgewiesen, dass der Verlust der Elastizität – egal ob durch Bewegungsmangel oder vor allem auch durch Verletzungen – nicht unumkehrbar ist. Durch Training kann das Gewebe wieder elastischer werden.

Hoffnung geben die neuen Forschungsergebnisse auch für die Schmerztherapie. Denn die großen Faszien wie die Lumbal-Faszie, die große Bindegewebsschicht zwischen Rückenmuskulatur und Haut im unteren Rücken, und die Nacken-Faszie, verfügen über eine hohe Anzahl an Schmerzrezeptoren. Amerikanische Studien belegen einen Zusammenhang von Rückenschmerzen mit einer verminderten Gleitfähigkeit der Lendenfaszien.

Aktive Prophylaxe ist darum einmal mehr das Zauberwort. Und gerade in einem Zeitalter, wo uns Menschen oft einseitige Bewegungsabläufe in unserem Arbeitsalltag beanspruchen und so vermehrt zu Fehlhaltung, Schmerzen und undefinierten körperlichen Beschwerden führen, ist Achtsamkeit angesagt. Jetzt, wo wir dank einer guten medizinischen Versorgung und der Möglichkeit zu ausgewogener Ernährung immer älter werden, soll uns die Beweglichkeit plötzlich einen Strich durch die Rechnung machen? Sich der Pflege des körpereigenen Netzwerks zu widmen ist in höchstem Maße wertvoll. Schließlich sind die Faszien „unser wichtigstes Sinnesorgan für den sechsten Sinn, den Körpersinn“.

Training nach Maß

Hinter der Entwicklung des Faszientrainings steckt die medizinische Erkenntnis, dass die überwiegende Mehrheit der Überlastungsschäden im Sportbereich auf nicht ausreichend funktionierenden Faszien basieren. Ein intaktes Bindegewebe ist fest und elastisch zugleich. Es sind daher weniger die Knochen, die Bandscheiben oder die Muskelfasern, sondern sehr viel öfter ist es das kollagene Bindegewebe, das eingeschränkt funktionstüchtig ist. Dieses fit zu halten, bedeutet Verletzungen vorbeugen.

Dabei gibt es unterschiedliche Trainingsansätze. Allesamt sehen diese Übungen eher unspektakulär aus. „Das geht weg vom Bodybuilding-Stil“, betont Klingler, Oberarzt am Bezirkskrankenhaus Günzburg. Nicht einzelne Muskelgruppen werden trainiert, sondern ganzkörperliche Bewegungen sind gefragt. Weites Ausschwingen der Arme, elastische federnde Bewegungen, barfuß Spazierengehen über unterschiedliches Terrain, sich räkeln und strecken wie eine Katze, den ganzen Körper somit in Bewegung bringen, das fördert den Abbau von altem und sorgt für eine Anregung zur Neubildung von frischem Kollagen. Wer also regelmäßig federnde, schwingende und hüpfende Bewegungen in seinen Alltag integriert, macht bereits einen ersten Schritt ins Faszientraining.

Und noch eine Erkenntnis macht Mut, die Pflege des körpereigenen Netzwerks in Angriff zu nehmen: regelmäßig zwei Mal die Woche mindestens zehn Minuten zu trainieren, ist ausreichend. Denn die Faszien müssen nur einmal richtig stimuliert werden, dann wird über eine Dauer von 72 Stunden neues Kollagen produziert. Und wie wird trainiert? Grundsätzlich kann jeder autodidaktisch Grundübungen ausführen. Doch wie bei jedem Training ist es mit gezielter professioneller Anleitung oder in einer Gruppe effektiver und sowieso leichter, dauerhaft dranzubleiben. Denn auch das ist bewiesen: Faszientraining lebt von der Regelmäßigkeit und nicht vom Umfang.

Die vier Säulen des Faszien-Fitness-Trainings

Dr. Robert Schleip hat mit seinem Team ein Faszien-Fitness-Training entwickelt, das auf vier Säulen basiert. Die erste Säule ist der Myofasciale Release. Er ist geeignet, Verspannungen und Verklebungen zu lösen. Dies erreicht man durch die verschiedenen manuellen Therapien und in Eigenmassage mithilfe der in unterschiedlichen Härtegraden und Größen erhältlichen Faszien-Rolle, einer Schaumstoff rolle. Tennisbälle, Faszienbälle oder auch große Flummis eignen sich für kleinere Körperregionen, wie zum Beispiel die Fußsohle. Mit einem der Gewebequalität angepassten Druck wird die jeweilige Körperstelle mehrfach ausgestrichen. Schnelles Tempo erhöht die Durchblutung, was von Sportlern gerne zum Aufwärmen genutzt wird. Die langsamere Ausführung wirkt intensiver auf die Faszien. Durch das Rollen wird das extrazelluläre Wasser im Bindegewebe mit den ortsständigen Schlacken ausgepresst. Bald fließt neues Gewebswasser nach. Eine rasche Zunahme an Beweglichkeit und ein besseres Körpergefühl sind die Folgen.

Die zweite Säule ist das Fascial Stretching, ein dynamisches Dehnen. Hierbei geht es darum, möglichst lange Muskel-Bindegewebsketten zu dehnen. Um Verletzungen vorzubeugen, muss man dafür aufgewärmt sein. Eine kleine Tanzeinlage genügt als Warm-up. Oder man macht diese Übungen als Abschluss nach einer anderen sportlichen Aktivität. Eine solche langkettige Dehnung beginnt beispielsweise an der Fußsohle, geht über die Wade und das Gesäß bis in den unteren Rücken. Es gibt langsam auszuführende Dehnungen und elastisch federnde Bewegungsabläufe. In ihrer Ausführung ähneln diese Dehnübungen teilweise den Bewegungsabläufen aus dem Yoga. Sie verbessern die Gelenkstellung.
Die dritte Säule ist die Rebound Elastici-ty. Der Rebound-Effekt, das Zurückprallen wird genutzt, um die Faszien aktiv zur Kontraktion zu bringen. Entscheidend ist die vorbereitende Gegenbewegung. Somit erreicht man den gewünschten Katapult- oder Pendel-Effekt, der mit wenig Muskelkraft auskommt. Bei allen Übungen dieser Art ist darauf zu achten, dass der Richtungswechsel geschmeidig sowie der weiche Anspannungs- und Entspannungswechsel nicht abrupt erfolgt. Die vierte Säule versteht sich als Wahrnehmungsschulung. Das Erspüren von Zugspannung im körpereigenen Gewebe kann deshalb trainiert werden, weil die Anzahl an Rezeptoren, eine Art Bewegungsmelder, in den Faszien zehn Mal höher ist als in den Muskeln. Diesen sechsten Sinn, der uns Informationen über die Lage unseres Körpers im Raum an das Gehirn meldet, gilt es zu trainieren. Mit ruhigen, sinnlichen Bewegungen, Zug- und Vibrationsreizen kann man so die Gelenkstabilisierung und Koordination verbessern und letztlich Verletzungen vorbeugen.

Und zu guter Letzt: Wie bereits erwähnt, kann mit zehnminütigem Training viel erreicht werden. Einige wenige Übungen sollten Elemente aus allen vier Säulen enthalten. Manche Übungen lassen sich auch gut im Büro ausführen, möglicherweise kann man sie auch in seinen gewohnten Trainingsablauf einbauen. Wichtig ist es, sich nicht durch Reize von anderen Medien ablenken zu lassen, da dies die sinnliche Wahrnehmung der Bewegungsabläufe verringert. Und das gilt es zu erfahren: Zuerst verschwinden die Verspannungen und mit der Zeit erhöht sich die Elastizität.


 

Faszien und der Stress

Top-Magazin-Stuttgart-Fruehjahr-2017-Die-Fazination-der-Faszien-86Schmerzen bestimmen den Alltag vieler Menschen, oft ausgelöst durch Konflikte, Überforderung oder Reizüberflutung. Diese Stressoren bringen Körper und Geist aus dem Gleichgewicht, verursachen Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen und vieles mehr. Um gegenzusteuern, hat der Stuttgarter Physiotherapeut und Osteopath Christopher-Marc Gordon eine besondere Form der Schmerztherapie konzipiert, in deren Zentrum die Faszien stehen. Gordons myofasziale Therapie verhilft dem ganzen Körper zu neuer Balance, Vitalität und Schmerzfreiheit. Eigens zu diesem Zweck hat Gordon den „Fascia-Releazer“ entwickelt. Mit dem stabförmigen Massagegerät lassen sich verklebte Faszien durch massierende Bewegung und eine tiefenwirksame Vibrationsmassage wieder lockern. Das verbessert die Beweglichkeit und Mobilität, unterstützt die Zellstoff -Regeneration und erhöht massiv die Elastizität, Belastbarkeit sowie Durchblutung des behandelten Gewebes. Wie das im Detail funktioniert, erläutert Gordon in seinem Buch „Leben ohne Stress und Schmerzen durch die neue Faszien-Selbsttherapie“ (Fischer Verlag, 192 Seiten, 14,99 Euro). In seinem Center für Integrative Therapie (www.center-gordon.de) veranstaltet er dazu auch regelmäßig Kurse.

 


 

„Die Faszien sind aus ihrem Aschenputtel dasein herausgetreten“

Drei Fragen an den Faszienforscher Dr. Robert Schleip

top: Herr Dr. Schleip, warum standen die Faszien so lange im Abseits, obwohl Mediziner, Trainer und Physiotherapeuten sehr wohl um ihre Existenz und ihre Funktionen wussten?
Schleip: Weil man sich immer zunächst auf Muskeln, Nerven, Knochen, Koordination und Kraft konzentrierte. Die Faszien wurden nicht als eigenständiger Akteur gesehen. Das hat sich in den letzten Jahren massiv geändert: Die Faszien sind aus ihrem Aschenputteldasein herausgetreten. Einiges, was sich in den letzten Jahren an Wissen rund um das Bindegewebe angesammelt hat, wirft alte Konzepte über den Haufen oder löst manchmal geradezu einen Paradigmenwechsel aus: Ein Muskelkater etwa kommt weniger aus dem Muskelgewebe, sondern entsteht hauptsächlich in den Faszien, die den Muskel umhüllen. Rückenschmerzen haben ihre Ursache in vielen Fällen nicht in Wirbel- oder Bandscheibenschäden, sondern in den Faszien. Sportverletzungen sind zum allergrößten Teil keine Muskelprobleme, sondern Faszienverletzungen. Mittlerweile gelten die Faszien als eines unserer wichtigsten Sinnesorgane, das Bindegewebe schickt sogar Signale bis ins Gehirn und den Sitz des Bewusstseins. Alle Körperbewegungen werden von Sensoren in den Faszien mitbestimmt: Fallen sie aus, kann der Mensch seine Bewegungen nicht mehr steuern. Die Liste dieser Erkenntnisse ist ziemlich lang, und fast täglich kommen aus aller Welt weitere dazu.

top: Welche sind denn die neuesten Ergebnisse in der Faszien-Forschung?
Schleip:
Unlängst hat zum Beispiel die italienische Forscherin Dr. Carla Stecco nachgewiesen, dass die Fibroblasten in den weiblichen Faszien über Hormonrezeptoren verfügen und somit die Faszien je nach der Höhe des Östrogen- und Relaxinspiegels weicher oder weniger elastisch sind. Dann konnte ein Team um den Heidelberger Wissenschaftler Prof. Siegfried Mense den Nachweis erbringen, dass dauerhafter emotionaler Stress zu einer nachhaltigen Veränderung der Druckempfindlichkeit myofaszialer Gewebe führt. Und schließlich hat Prof. Dr. Adamantios Arampatzis von der Berliner Humboldt-Universität gezeigt, dass kollagene Bindegewebe ganz andere Reizschwellen für wirksame Trainingsimpulse aufweisen als die Muskelfasern. Seiner Ansicht nach ist bei Faszien eine kurze hochdosierte Belastung besser als dauerhaftes Dehnen und Strecken über eine längere Trainingseinheit.

top: Ein gesunder Lebensstil wirkt sich mit Sicherheit positiv auf die Faszien aus.
Schleip:
Klar, eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil gehören dazu, wenn man seine Faszien fit halten oder wieder fi t machen will. Das ist fast trivial, schließlich ist der gesamte Körper abhängig davon, dass wir ihn mit gutem Essen und gesunder Bewegungsbelastung pflegen. Unbedingt vermeiden sollte man eine zu zuckerreiche Ernährung, denn dadurch verändert sich die Biochemie des Bindegewebes zu einem proentzündlichen Milieu, welches wiederum die Faszien spröde macht. Verzichten sollte man außerdem aufs Rauchen. Denn hierbei entstehen Unmengen an zellschädigenden freien Radikalen im Körper und der Sauerstoffgehalt des Blutes nimmt ab. Zudem inhaliert man Nikotin, das setzt die Blutgefäße unter Stress. Für die Faszien bedeutet dies, dass sie schlechter ernährt werden. Zusätzlich sollte man ausreichend schlafen, denn dabei wird das wichtige Wachstumshormon produziert, welches man für den Kollagenaufbau benötigt.

Dr. Gabriela Rothmund


 

Buchtipp

Faszien in Bewegung. Bedeutung der Faszien in Training und Alltag
Meyer & Meyer Verlag, 288 Seiten, 19,95 Euro

Top-Magazin-Stuttgart-Fruehjahr-2017-Die-Fazination-der-Faszien-225Faszien – woher kommen sie, wozu brauchen wir sie und was steckt in ihnen? In „Faszien in Bewegung“ beschreibt Gunda Slomka mit Unterstützung von Dr. Robert Schleip und Prof. Jürgen Freiwald die Bedeutung und den Nutzen des muskulären Bindegewebes für Training und Alltag. Neue Forschungen zeigen, dass das Fasziennetz im Körper vielfältige Aufgaben erfüllt: Faszien spielen eine Rolle bei muskulärer Kraftübertragung, Körperwahrnehmung und vielen Arten von Weichteilschmerzen. Aus Sicht der Sportmedizin sind Faszien bereits eng mit den Begriff en Beweglichkeit, Schnellkraft und Energieeffizienz verknüpft. Zunächst erhält der Leser das notwendige Grundlagenwissen für die anschließende Trainingspraxis. Ebenso werden die Bedeutung, Entstehung, Anatomie und Physiologie der Faszien erläutert. Anhand zahlreicher bebilderter Übungen und näheren Erläuterungen stellt die Autorin außerdem ihr Bewegungskonzept vor. Neben Trainingstipps gibt sie allgemeine Empfehlungen und diskutiert unter anderem auch geschlechtsspezifische Unterschiede sowie den Einfluss des Alters auf das Faszientraining.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart