Mensch & Kultur

Nicole Köster im Interview

Nicole Köster ist vielen Radiohörern als Moderatorin der SWR3-Sendungen „Club“, „Weltweit“ und dem SWR 2 „Studiobrettl“ ein Begriff. Seit Anfang des Jahres gehört Sie zum Team von SWR 1 „Leute“ und beerbt damit Stefan Siller, der die Sendung mehr als 30 Jahre lang moderiert und geprägt hat.


Köster: “Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen!”

Top Magazin: Frau Köster, am 4. Januar haben Sie als Moderatorin von SWR1 „Leute“ die Nachfolge von Stefan Siller übernommen. Das sind große Fußstapfen, in die Sie da getreten sind.

Köster: Ja, die sind in der Tat sehr groß. Aber genau deswegen habe ich mich auch so darüber gefreut, eine solche ehrenvolle Aufgabe übernehmen zu dürfen. Damit geht für mich ein großer Traum in Erfüllung. Ich glaube, jeder der gerne Gespräche führt und mag, ist Fan dieser Sendung. Für mich persönlich ist „Leute“ eines der besten Radioformate, die es gibt.
Haben Sie sich für die Sendung beworben, gab es ein Casting oder wie lief das ab?

Köster: Es gab ein Casting, ja. Wir haben im Grunde eine „Leute“-Sendung nachgestellt. Gast war die Ver.di-Landesbezirksleiterin und stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Baden-Württemberg Leni Breymaier. Und offensichtlich hat den Verantwortlichen meine Moderation gut gefallen (lacht).
Wie groß ist eigentlich Ihr Team, dass hinter der Sendung steht?

Köster: Redaktionell gesehen besteht dieses Team nur aus zwei Leuten: Wolfgang Heim und mir. Wolfgang und ich können entscheiden, wen wir einladen und setzen die Themen. Natürlich besprechen wir uns mit Kollegen und Musikredaktion, je nachdem, um welche Gäste es geht, um fachliche Einschätzungen zu bekommen und ohne unsere klasse Assistentin würde nichts laufen. Aber das Schöne an der Sendung ist eben, dass es ein kleines Team ist, ich hatte vorher eher gedacht, dass da redaktionell bestimmt eine große Mannschaft dahinter steht.
Wie umfangreich sind die Vorbereitungen, auf den jeweiligen Gast?

Köster: Das ist ganz unterschiedlich. Vor einigen Wochen war zum Beispiel der Regisseur und Grimme-Preisträger Kilian Riedhof in der Sendung, der den “Fall Barschel“ ins Erste gebracht hat. Da schaue ich natürlich den Film vorab an und beschäftige mich intensiv mit dem Leben und Wirken von Uwe Barschel. Als er damals starb war ich elf Jahre alt, das Foto des toten Uwe Barschel in der Badewanne aus dem Genfer Hotel Beau Rivage hatte ich vor Augen, das um die Welt ging, aber sonst wusste ich darüber nicht viel. Da ist die Recherche einfach intensiver. Bei einem Gast wie Thomas Hermanns zum Beispiel, der aus der Comedy-Szene kommt, ist es weniger rechercheintensiv – da ich 12 Jahre die Sendung “Studiobrettl“, die Kabarettinstitution in SWR 2, moderieren durfte. Diese Mischung an unterschiedlichsten Gästen macht es gerade so reizvoll, eine Sendung wie “Leute“ zu moderieren.
Gibt es Themen, die Sie besonders mögen?

Köster: Da bin ich in allen Bereichen sehr offen und freue mich auf alles, was noch kommt.
Und wie sieht es mit möglichen Interviewpartnern aus? Wen hätten Sie denn gerne mal vor dem Mikrofon?

Köster: Ich persönlich finde das Wort Gespräch passender, weil wir unsere Gäste nicht vorführen wollen. Eine gute Gesprächsatmosphäre ist wichtig, damit sich unsere Gäste wohlfühlen – ein Punkt, in dem Stefan Siller und ich die gleiche Meinung haben. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Hape Kerkeling wäre ein toller Gesprächspartner. Er war beispielsweise gerade nach seinem schriftlichen Abitur vor Jahren mal Gast beim Studiobrettl. Die mündliche Prüfung hatte er da noch gar nicht hinter sich und brachte auf der Bühne eine Nummer zum Eurovision Song Contest – eine Sendung, die er viele Jahre später selbst einmal moderieren sollte. Über die Zusage von Max Mutzke in meiner ersten Sendung hatte ich mich auch gleich sehr gefreut, weil er ein guter Gesprächspartner ist und das nicht nur zum Thema Musik. Seine Partnerin stammt aus Eritrea, gerade zur Flüchtlingsthematik und Politik macht er sich viele Gedanken. Ich finde das wichtig, die Menschen auch von einer anderen Seite zu zeigen, als nur von der, für die sie bekannt sind.
Gab es denn von Stefan Siller oder Wolfgang Heim Tipps für Sie zu Ihrem Einstieg?

Köster: Wolfgang und ich unterhalten uns natürlich und fragen uns auch gegenseitig, wie die Sendungen im Einzelnen gelaufen sind. Für diese Eindrücke und Rückmeldungen bin ich sehr dankbar, ich schätze Wolfgangs Feedback sehr, da kann ich noch viel lernen. Und da ich auch ein großer Fan der Sendungen von Stefan Siller war, bin ich auch mit ihm weiterhin in Kontakt. Darum ist mir natürlich auch sein Feedback sehr wichtig.
Wer außer Stefan Siller zählt noch zu Ihren Radiovorbildern?

Köster: Gesprächssendungen wie SWR 1 „Leute“ leisten sich ja die wenigsten Radiosender. Ich schätze beispielsweise Bettina Böttinger sehr für ihre ausgezeichnete Gesprächsführung und Roger Willemsen war ein großes Vorbild von mir. Die besten Gespräche habe ich mit ihm gehört. Ich hatte so gehofft, er könne sich von seiner Krebserkrankung erholen. Denn er wäre ein großer Wunschkandidat meinerseits für „Leute“ gewesen. Roger Willemsen war ein so brillanter Kopf, ich bedauere sehr, dass er nicht mehr lebt.
Bevor Sie bei SWR1 die Sendung „Leute“ übernommen haben, waren Sie Moderatorin bei SWR3 und S2, ebenso beim digitalen TV-Kanal EinsPlus. Welches Medium hat für Sie persönlich den größeren Reiz?

Köster: Radio ist einfach das schnellste Medium, das ist fantastisch. Beim Fernsehen habe ich Geduld gelernt (lacht). Die Abwechslung, beides zu machen, hat mich gereizt.
Ist denn Radio in Zeiten von iPod, YouTube und Musikfernsehen überhaupt noch zeitgemäß?

Köster: Wir bieten “Leute“ ja auch als Pod cast an, weil viele Menschen natürlich nicht die Zeit haben, während der Arbeit die Sendung direkt im Radio zu hören. Über das Internet den „Leute“-Audio- oder Videopodcast zu hören und zu sehen, damit passt sich das Radio auch der Zeit an.
Sie wohnen in Baden-Baden und moderieren nun aus dem Funkhaus in Stuttgart. Wie hat sich Ihr privates Leben durch diesen beruflichen Ortswechsel verändert?

Köster: Ich finde das sehr spannend. Zur Zeit bin ich intensiv dabei, Stuttgart zu erkunden. Ich wohne unter der Woche hier, weil Pendeln für mich absolut nicht in Frage kommt. Am Wochenende bin ich dann privat in Baden-Baden.
Verraten Sie uns abschließend noch Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Köster: Das klingt immer sehr klischeehaft, aber Gesundheit ist das Wichtigste im Leben. Das ist ohne Frage die Basis von allem.

Zur Person

Nicole Köster

Nicole Köster

Nicole Köster wurde 1975 in Brilon im Sauerland geboren. Während ihrer Schulzeit verbrachte sie ein halbes Jahr an einer High School in Oregon in den USA. Nach ihren ersten journalistischen Engagements bei der Westfalenpost und Radio Sauerland war Köster ab August 1998 als Redakteurin und Moderatorin bei SWF 3 und SWR 3 tätig. Dort moderierte sie unter anderem die Sendungen „Club“, „Bis 12“ und „Weltweit“ sowie diverse Events. Außerdem war sie Moderatorin der SWR 2-Sendereihe „Studiobrettl“. Von 2009 bis2015 moderierte Köster das wöchentliche Trend- und Servicemagazin „in.puncto“ auf EinsPlus. Seit 2015 ist sie als Dozentin bei Interviewseminaren für SWR Volontäre tätig, ebenso am Institut für Moderation in Stuttgart und der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Am 4. Januar 2016 übernahm Nicole Köster als Moderatorin auf SWR 1 Baden-Württemberg die Nachfolge von Stefan Siller in der Sendung „Leute“.

Artikel von www.top-magazin.de/stuttgart