Menschen

Hoffnung für die Ukraine

Seit neun Monaten ist sie Gesicht und Stimme ihrer Heimat in Düsseldorf – eine Aufgabe, die Iryna Shum seit Wochen vor ganz neue Herausforderungen stellt. Russland hat die Ukraine überfallen, in ihrer Heimat herrscht Krieg. Die Generalkonsulin ist überwältigt von der großen Welle der Solidarität für ihr Land unter der inzwischen allgegenwärtigen blau-gelben Flagge. Diese Solidarität und Hilfe werden bitternötig gebraucht. Darum wird sie nicht müde, durchs Land zu reisen, um für Unterstützung zu werben: In Bochum und in Essen, in Dortmund und in Herne, bei Parteitagen, Empfängen, Benefizkonzerten – überall in NRW wird sie gerufen und lässt eindringlich ihren Appell hören: Nur wenn die Ukraine als freies Land aus diesem Krieg herauskommt, kann ganz Europa weiter in Frieden leben.


Iryna Shum ist Generalkonsulin der Ukraine in Düsseldorf. Die 37-Jährige ist froh, dass nun, anders als noch 2014 und nach dem Überfall auf die Krim, die Stimme ihres Landes in der Welt gehört wird.

 

„Es ist einfach eine großartige Erfah­rung zu sehen, dass die Menschen hier mit so viel Herz helfen, wo sie können. Menschen aufnehmen, be­treuen, einfach da sind“, sagt Iryna Shum. Das spendet Trost, und den­noch bleibt der Blick der 37­jährigen Abgesandten ernst und ein Stückchen melancholisch an ihrem Schreibtisch vor der blau­gelben Standarte. Hinter ihr an der Wand hängt ein Kunstwerk, ein Symbol für alles, was gerade wie­der so bedeutsam ist. So sprudelt es förmlich aus ihr heraus: „Das ist ganz wichtig. Ich habe es von einem Ma­ler aus der Ukraine, in den 1960er­ Jah­ren Mitbegründer des ukrainischen Nonkonformismus, der sich gegen das russische Regime gewendet hat. Er musste schließlich fliehen und lebt nun in München.“ Dort ist Iryna Shum dem inzwischen über 80­jährigen Vladi­mir Strelnikov per­sönlich begegnet. In München war sie vor ihrem Düsseldorfer Einsatz als Konsulin tätig. Der Maler aus Odessa und seine Geschichte haben sie tief beeindruckt, sein Bild, quadra­tisch mit klaren geo­metrischen Linien, erinnert an ihrer Wand täglich an den Freiheitswillen der Ukrainer, für und mit dem sie heute kämpfen.

Und Iryna Shum kämpft auf ihre Wei­se an ihrem Platz mit. Im General­konsulat an der Im­mermannstraße in Düsseldorf stehen die Türen sieben Tage die Woche für die Landsleute auf. Hier versucht das Team mit allem zu helfen, was geht und gebraucht wird: Pässe müssen verlängert, Identitäten für die bestätigt werden, die nur noch ohne irgendwelche Unterlagen flie­hen konnten. Und das Konsulat muss Sprachbrücken bauen: „In Deutsch­land werden oft Namen falsch aus den kyrillischen Buchstaben über­tragen, dann können wir sie in den Unterlagen nicht finden. Das führt zu Problemen bei der Anmeldung und weiteren Hilfen.“ So stehen Frauen und Kinder geduldig im 6. Stock in der Warteschlange, während die Ge­neralkonsulin Gesicht und Stimme für die dringenden Appelle für Unter­stützung und Hilfe im gesamten Land gibt. Und da ist die junge Frau mit dem melancholischen Blick energisch und kompromisslos: „Wir brauchen Un­terstützung ganz global, mehr Waf­fen, schärfere Sanktionen. Russland versteht nur die Sprache der Stärke.“ Und so wirbt Iryna Shum auch im Revier dafür, die Patenschaften zu russischen Städten zu kappen, damit dort die Bevölkerung merkt, dass die­ser Krieg Spuren zieht. Und für neue Patenschaften mit Städten in der Uk­raine, als Symbol und mit tatkräftiger Unterstützung. Dafür ist gerade ganz NRW ihr Reich, das Bundesland, in dem schon vorher mit 30.000 Ukrai­nern die größte Dependance der Hei­mat war. Und gerade werden es von Tag zu Tag immer mehr.

Die Menschen, die hier Zuflucht su­chen, finden vor allem Sicherheit und viele helfende Hände. Zwei Flieger mit schwerstbehinderten Menschen aus der Ukraine kamen in NRW an, ein Bild, dass die Generalkonsulin nicht so schnell loslassen wird. Und krebskranke Kinder, die in der Uni­Klinik in Essen aufgenommen und behandelt werden. „Danke an die Klinik, danke an Essen, danke an Bo­chum und den Verein Bochum­ Do­nezk, einfach an alle, die überall hel­fen“, sagt Iryna Shum und weiß, dass dem weiterhin eindringliche Bitten folgen müssen: Dass die Unterstüt­zung nicht abreißt und die Solidarität weiter trägt. Damit die Hoffnung auf eine freie Ukraine und Frieden für ganz Europa lebendig bleibt.

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr