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Der Pragmatiker

Es ist die älteste Form der Medizin, der Ursprung des Heilens, und heute gleichzeitig einer der innovativsten neuen Ansätze: Die Infektiologie. In Essen ist ihr seit vier Jahren eine eigene Klinik gewidmet und Prof. Dr. Oliver Witzke ist ihr Direktor. Nicht erst seit Corona, aber vor allen Dingen durch die Pandemie, stellt sich sein Team hier den ganz besonderen Herausforderungen dieser Disziplin.


Prof. Dr. Oliver Witzke hat in Essen Medizin studiert und mit einem DFG-Stipendium in Oxford drei Forschungsjahre verbracht. Seit 1988 ist er nun am UKE Arzt, heute als Direktor der Klinik für Infektiologie, die mit Unterstützung der Rudolf-Ackermann-Stiftung in Essen als innovatives Projekt realisiert wurde.

 

Prof. Witzke befasst sich intensiv mit Forschung, bildet Studierende aus und ist dabei leidenschaftlich noch immer Kliniker und Arzt.

Die Aufgabe klingt ebenso einfach, wie sie im Wesen komplex ist: In der Infektiologie gilt es, mit der genauen Diagnose einer Infektion die gezielte Behandlungsstrategie dafür zu entwickeln. Und was in den meisten Krankenhäusern ein Anhängsel anderer Abteilungen ist, hat am Universitätsklinikum Essen (UKE) eine eigene Klinik mit zwei hochmodernen Infektions-Stationen. HIV- oder Tuberkulose-Kranke sind hier ebenso gut aufgehoben, wie Patienten vor und nach einer Organtransplantation, bei denen Infektionen den Erfolg der gesamten Operation kosten könnten. Aber auch eine scheinbar einfache Sepsis, eine Blutvergiftung, kann sich zu einer lebensbedrohlichen Krankheit entwickeln, nennt Prof. Oliver Witzke die „Gegner“, die die Medizin auf seinen Stationen bekämpfen muss. 35 Betten stehen dafür zur Verfügung, viele davon in Schleusen- oder auch Isolationszimmern, um Ansteckung zu verhindern. Dabei ist die Klinik nach den modernsten Standards des Smart Hospitals organisiert, funktioniert nahezu ohne Papier und schafft für die Hilfesuchenden die besten Möglichkeiten. War vor vier Jahren die Gründung noch ein scheinbares Wagnis, das auch den Mut zur notwendigen Investition erforderte, ist die Existenz der eigenen Klinik für Infektiologie heute in Zeiten der Pandemie ein zusätzlicher Pluspunkt für das UKE. Hier werden die Corona-Patienten behandelt, hier weiß man, wie man mit Infektionen umzugehen hat. Und dennoch: Als die neuartige Krankheits-Welle anrollt, haben auch die Mediziner um Prof. Witzke Respekt vor der unbekannten Herausforderung. „Keiner wusste, was auf uns zukommt“, sagt der Experte in der Rückschau. Gleichwohl ist mit der Expertise vor Ort die Lage in Essen niemals außer Kontrolle geraten, blickt Prof. Witzke zurück und mit neue gewonnener Zuversicht nach vorne: „Heute ist viel neues Wissen dazugekommen, wir stehen nicht mehr mit leeren Händen da, können auch in Ansätzen behandeln.“ Erste Medikamente, eine eigene Blutbank mit Plasmen von Menschen, die die Krankheit überstanden haben, Stärkung des Immunsystems und Einsatz von Blutverdünnern holen die Medizin aus der ersten Hilflosigkeit gegen Corona nun heraus.

Auch diese neue Krankheit beweist für Prof. Witzke wieder, wie spannend seine Fakultät in der Medizin ist: Es geht immer um eine Teamleistung, in diesem Fall Virologen – Lungenspezialisten – Infektiologen. „Als Ruhrgebietler liegt mir das im Blut“, lächelt der gebürtige Gelsenkirchener. Und weiß dabei genau: „Es bleibt spannend und herausfordernd, und alle lernen einfach immer weiter dazu.“

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr