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IMMER AUF AUGENHÖHE

„Wir verstehen unsere Kunden als Partner. Sie sollen von unserer langjährigen Erfahrung profitieren und die ein sicheres Gefühl bei der Zusammenarbeit spüren“, erklärt Harfid Hadrovic.


 

In der Süd-Ost-Ecke der Veltins-Arena auf Schalke, wo seine Loge über dem Rasen thront, hat Harfid Hadrovic vor fast 20 Jahren als Bauarbeiter mitgebaut und Stein auf Stein geschichtet

Am Morgen das Meeting mit Konzernvorständen. Thema: Ein Millionen-Investment als Großprojekt. Termine, Qualitätsvorgaben, Facility Management und wie genau das alles finanziert werden soll. In Summe: Harte Verhandlungen. Nachmittags eine Vorlesung mit Studenten. Thema: Projektmanagement und Kalkulation. Was nach trockenem Theorie-Stoff klingt, wird für die Zuhörer zur praktischen Lehrstunde. Denn Harfid Hadrovic, der Stunden zuvor noch die Anzugträger im edlen Sitzungssaal der Konzernzentrale überzeugt hat, begeistert jetzt die Studenten im grauen Hörsaal mit seinen erlebten Geschichten aus der Praxis. Anschauungsunterricht im wahrsten Sinne des Wortes. Der Lehrbeauftragte an der Universität Duisburg-Essen ist eben jederzeit auf Augenhöhe, mischt Erfahrung mit Kompetenz. „Ich denke, mein Gegenüber merkt schnell, dass ich weiß, wovon ich rede. Das bringt Vertrauen und Sicherheit. Und genau das war immer mein Ziel. Daran habe ich gearbeitet. Daran arbeite ich auch weiter“, erklärt der 41-Jährige. Harfid Hadrovic leitet ein mittelständisches Unternehmen, das er in den letzten zehn Jahren in Essen aufgebaut hat. Durch die zukunftsorientierte Positionierung und Struktur des Unternehmens hat sich HARFID zu einem attraktiven Partner für Projektentwickler und Investoren etabliert, die von der ersten Idee an intensiv unterstützt und beraten werden, um Probleme und Hindernisse frühzeitig zu erkennen und aus dem Weg zu räumen.

„Wir verstehen unsere Kunden als Partner. Sie sollen von unserer langjährigen Erfahrung profitieren und ein sicheres Gefühl bei der Zusammenarbeit spüren“, erklärt Harfid Hadrovic. „Um das Unternehmen weiterzuentwickeln, wollen wir diesen Weg mit unseren starken Partnern weitergehen. Darauf habe ich hingearbeitet“, sagt der Unternehmer mit bosnischen Wurzeln nicht ohne Stolz.

Sein Anspruch, immer auf Augenhöhe zu sein und sich ständig weiterzuentwickeln, liegt in seiner wechselvollen Biografie begründet. Ein Leben als großes Projektmanagement des ambitionierten Projektmanagers. Es sind biografische Brüche, die für Harfid Hadrovic zum Antrieb wurden. Die ihn schon früh lehrten, sich ständig weiterzubilden, um so im Krisenfall Herr der Lage und damit unabhängig zu bleiben. „Ich möchte alle Details kennen und verstehen, wollte und will immer einen Schritt voraus sein. Denn nur so, das war mir klar, konnte ich die Lösungen für Probleme finden, die vor mir auftauchten.“ Und bis heute auftauchen. Dabei spielt, wie es sich für eine Karriere im Ruhrgebiet gehört, eine architektonische Kathedrale der Metropolregion eine besondere Rolle. Die Veltins-Arena, in der, wie es bei einem Fußball-Bundesligisten und Kult-Klub wie dem FC Schalke 04 üblich ist, Helden geboren werden.

Pläne der Veltins-Arena und ein Foto der Baustelle hängen im Büro des Unternehmers und erinnern ihn täglich an dieses ganz besondere Projekt

 

Oft auf dem Rasen. In diesem Fall im Beton. In der Arena wurde aus dem Gesellen Harfid einst der Bauleiter Herr Hadrovic. Eine Geschichte, die der Unternehmer heute immer wieder erzählt, wenn er Geschäftskunden in seine Loge einlädt. „Hier fing alles an.“ Und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint, sondern auf den Punkt gebracht. In der Süd-Ost-Ecke des Stadions, wo die Loge über dem Rasen thront, hat der Inhaber vor 20 Jahren selbst angepackt und Stein auf Stein geschichtet. „Zukunft braucht Herkunft“, das Mantra, das aktuell für das Ruhrgebiet mit dem Ende des Bergbaus bemüht wird, ist hier greifbarer denn je. Als er die Baustelle 1999 das erste Mal betritt, ist er ein Maurer mit Fach-Abitur, der seine Lehre gerade beendet hat. Sein Leben ist nach der Flucht 1992 vor dem Bürgerkrieg aus Bosnien selbst noch eine große Baustelle. Doch er begreift die Brocken, das Geröll und den Schutt als Herausforderung. Sowohl auf der Baustelle in Gelsenkirchen als auch in seinem Leben. Der Geselle steigt nach und nach auf und verlässt die fast fertige Arena schließlich als Bauleiter. Das Rezept für den Erfolg: Ehrgeiz, Fleiß und vor allem seine produktive Neugier.  Schon Jahre vorher hat er in seiner neuen und zweiten Heimat Herne für einen Cousin allabendlich Bautenstandsberichte übersetzt und sich dabei tief in die Matrix und die Strukturen der Branche eingearbeitet. Sein Weg führt weiter. Nach oben.

 

Heim-Studium: Am Schreibtisch in seinem Haus in Recklinghausen hat sich der Unternehmer auf sein Studium vorbereitet, aktuell arbeitet er hier intensiv an seiner Promotion

Vom Bauleiter zum Projektleiter zum Technischen Leiter. Längst ist Harfid Hadrovic häufiger im Büro als auf der Baustelle – kalkuliert, projektiert und präsentiert. Erneut wird ein Bruch zum Karriere-Sprungbrett. In der weltweiten Finanzkrise 2008 droht auch seinem damaligen Arbeitgeber der Konkurs. Der Technische Leiter Harfid Hadrovic übernimmt in der schwierigen Situation Verantwortung und arbeitet die Baustellen weiter nach und nach ab. Dabei erkennt er die verbleibende Substanz des Unternehmens als Chance und wagt mit 40 Mitarbeitern aus diesem Unternehmen einen Neuanfang. Mit dem eigenen Namen als Marke, weil dieser schon damals in der unruhigen Branche für Qualität und Kompetenz, für Vertrauen und Zuverlässigkeit steht. Als Jungunternehmer und ambitioniertes Start-up in der Old Economy Bau, einem der ältesten Gewerbe der Welt. Genau zehn Jahre ist das her. Aus den 40 sind inzwischen 200 Mitarbeiter geworden.

Den Kopf freibekommen: In seiner knappen freien Zeit sitzt der Bau-Unternehmer gerne am Klavier.

Damals wie heute gilt der Satz, der den 41-Jährigen jeden Morgen auf einem Buchtitel neben seinem hölzernen Büro-Schreibtisch begrüßt: „Heute ist dein bester Tag.“ Ein Geschenk eines langjährigen Kunden, das gleichzeitig das Selbstverständnis und den Anspruch des Unternehmers wiedergibt. Jahr für Jahr sind in dieser Dekade Aufgaben, Projekte und Baustellen gewachsen. Von der Metropolregion Ruhr hinaus nach ganz Deutschland. Die Büros, die einst auf einer Etage in der Essener Innenstadt Platz fanden, sind heute auf vier Etagen verteilt. Wachstum und Weiterentwicklung als Herausforderung und Unternehmensstrategie. Aber niemals als Druck, der zu Angst führt. „Denn Angst ist immer ein schlechter Ratgeber“, sagt Harfid Hadrovic. Er ist mit seinem Unternehmen gewachsen. Als Mensch. Als Persönlichkeit. Und er hat sich noch mal fachlich bewusst weiterentwickelt. Neben der Führung und Entwicklung des Unternehmens absolvierte er innerhalb von neun Semestern ein Bachelor- und Master-Studium. Er ist inzwischen Lehrbeauftragter, auf den Master folgte die Promotion beim Essener Bauwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Malkwitz, mit dem innovativen Thema, das die Baubranche derzeit elektrisiert: Building Information Modeling, kurz BIM: Die Digitalisierung und damit Gegenwart und Zukunft der Baubranche. Wie geht es weiter? Wo führt der Weg hin? Manchmal überraschend zurück zu den Wurzeln, sowohl beruflich als auch in seiner Biografie, wie in sein Heimatort, der bosnischen Kleinstadt Kakanj mit Kohlerevier, 45 Kilometer nördlich von Sarajevo, wo Harfid Hadrovic gerade ein Projekt in seinem Geburtsdorf erfolgreich beendet hat. Und größtenteils selbst finanziert hat. Die Hauptstraße des Dorfes ist nun asphaltiert. Ein kleiner Auftrag. Mit großem Herzen realisiert. Auch hier hat Zukunft Herkunft.

 

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr