Magazin Cover
Kultur & Architektur

Das Gold & die Gier

Wenn das Geld den Charakter verdirbt und Solidarität auf der Strecke bleibt


 

Sind wir wirklich solche Raubtiere? Offenbar, denn wir stehlen, wir heiraten, wir morden, wir betrügen, wir spielen, wir führen Kriege, wir bestechen und beten für Gold, für Geld, für Reichtum. Gold also Fluch oder Segen? Sehnsüchte und Ängste? Sucht und Verderben? Seit rund 5000 Jahren sind wir Menschen mehr oder weniger von der Gier nach dem Gold/Geld infiziert, unterwerfen uns dem Diktat nach „mehr“ und lassen uns verführen durch die geliebte Edelmetall-Droge. Ohne Hoffnung auf Entzug. Fast niemand kann sich dieser Sucht entziehen, wenn er ehrlich mit sich umgeht. Auch wenn die Kreditkarte heute die Goldmünze längst ersetzt hat – Geld streichelt unsere Seele. Man muss aber gleichzeitig auch die Frage stellen – macht Gold/Geld glücklich? Wenn ich mir die Lebensläufe von Lottogewinnern ansehe, die für eine kurze Zeit sich wie Dagobert Duck fühlen, aber dessen Sparsamkeit missachten, dann eher nicht. Und doch: Glücklich vielleicht nicht, aber Geld beruhigt ungemein. Egal, wie reich man ist, man kann nicht alles haben. Auch Reichtum kennt Grenzen. Das hässliche Gesicht der unersättlichen Raffkes, die ihren Besitz rücksichtslos, eiskalt und oft am Rande der Legalität – oder darüber hinaus – vermehren – dieses Bild gab es von der Frühantike bis heute.

top-magazin-ruhr-goldgier-3Oft motiviert durch Gier, Neid und Hass. Macht Geld also gemein, oder macht der Gemeine mehr Geld? Irgendwie ist es ein Hauch von Gerechtigkeit, dass ein Teil der Superreichen durch ihren Lebenswandel (Skandälchen, Scheidungen, Angeberei, Betrügereien) unser eigenes Neidgefühl minimieren. Und doch kann Gold/Geld auch viel Gutes bewirken. Zahllose Beispiele der Big Spender belegen das soziale Engagement, denn es gibt sie wirklich, die Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten, die nach dem Motto „Kapital verpflichtet“ handeln– durch Stiftungen, Schenkungen, finanzielle Unterstützung auf vielen Gebieten. Ohne diese Mäzene würde vieles in unserem Alltag auf dem Gebiet des Sozialen, des Sports, der Kultur und in Forschung und Wissenschaft nicht möglich sein. Ist es ein beruhigender Altruismus oder echte Leidenschaft für die Schwachen, Beweise gegen die Eiseskälte unserer Ellenbogengesellschaft? Wir Lions beweisen seit 100 Jahren weltweit, das Geld und gute Worte, Leidenschaft, Engagement und das Ehrenamt Berge versetzen können!

Gold/Geld verdirbt also nicht immer den Charakter. Bedeutende Mäzene haben Großes hinterlassen, von denen die Gesellschaft profitiert. Viele Beispiele gibt es in den Jahrtausenden unserer Menschheitsgeschichte, doch der Kampf zwischen „Gutgold“ und „Bösgold“ wird bis heute geführt. Dass bei den ungeheuren Boni-Zahlungen – sogar bei einem beweisbaren Missmanagement – die Seele kocht, ist ja verständlich.

Pure Gold-Gier sollte man den Piraten überlassen. Reichtum erfordert soziale Verantwortung, sagt Wulf Mämpel

Pure Gold-Gier sollte man den Piraten überlassen. Reichtum erfordert soziale Verantwortung, sagt Wulf Mämpel

Doch dass sich nun die Parteipolitik erdreistet, Managergehälter der Privatwirtschaft in der Höhe begrenzen oder festlegen zu wollen, gehört zu den Wahlkampf geschuldeten Irrwegen wie die einst geplanten Vegetarier-Days, demzufolge eine Partei vorschreiben wollte, wann der Bürger Fleisch essen darf. Wir müssen froh sein, dass staatliche Maßnahmen in echten Demokratien Grenzen haben und in die Schranken verwiesen werden. Und doch: Erlaubt ist eben nicht, was gefällt. Die Habgier nach dem Gold/Geld hat schon zu großem Leid, zu Ausbeutung und einem unmenschlichen Kolonialismus geführt. Was sagt uns das: Geld stinkt nicht – das wissen wir nicht erst seit den Römern, doch um dem Geschmäckle des Negativen zu entgehen, sollten Charity und soziale Verantwortung immer die Oberhand gewinnen gegenüber der Maßlosigkeit. Vielleicht ein Weg, unermesslichen Reichtum sympathischer werden zu lassen! Ein Beispiel aus dem 19. Jahrhundert: Vor 125 Jahren schenkte der Großindustrielle Friedrich Grillo seiner Heimatstadt Essen das neue Theater, das heute noch seinen Namen trägt: Grillo-Theater.

 

top-magazin-ruhr-goldgier-5Das Grillo-Theater in der Essener City feiert in der kommenden Spielzeit 125-jähriges Bestehen. Es zählt zu den ältesten Theatern im Ruhrgebiet. Der Bau im neobarocken Stil wurde ermöglicht durch den Industriellen Friedrich Grillo.

 

Artikel von www.top-magazin.de/ruhr