Wirtschaft

Evolution statt Revolution

Nach 15 Jahren im Vorstand wurde Stefan Rinsch (52) im Oktober 2018 zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Krefeld eG ernannt. Das Top Magazin Niederrhein traf den waschechten Krefelder zum Interview.


 

Herr Rinsch, Sie sind seit einem halben Jahr als Vorsitzender des Vorstands in Amt und Würden. Sind Sie gut „angekommen“?

Stefan Rinsch (lacht): „… na ja, bei der Volksbank „angekommen“ bin ich ja schon vor viel längerer Zeit. Nach der Realschule und HöHa begann ich 1985 eine Banklehre bei der damaligen Spar- und Darlehnskasse Fischeln eG. Das ist jetzt 34 Jahre her! Nach der Bundeswehr folgte noch ein BWL-Studium, auch in dieser Zeit blieb ich der Bank eng verbunden und arbeitete dort regelmäßig in den Semesterferien. Zwei Jahre war ich dann bei einer anderen Genossenschaftsbank bis ich 1996 wieder zurückkam.  Aber natürlich bringt die neue Funktion einiges Neues und Herausforderungen mit sich. Schließlich geht es darum, die Volksbank Krefeld eG zusammen mit meinen Vorstandskollegen Christoph Gommans und Wilhelm Struck in die Zukunft zu führen.“

Wie geht man so etwas an – mit einem Schlachtplan im stillen Kämmerlein?

„So ähnlich. Wir drei haben im Dezember 2018, außerhalb der eigenen Bankwände, einen intensiven Workshop absolviert. Ziel war es, eine tragfähige Strategie für die nächsten 5 Jahre zu entwickeln. Das heißt, wir haben den Rahmen definiert, welche Dinge wir in den einzelnen Geschäftsfeldern umsetzen und erreichen wollen. Kern der Strategie ist es, ein nachhaltiges gesundes Wachstum zu generieren. Wichtiger für unsere Kunden aber ist: Sie können sich, wie gewohnt, auf die grundsätzliche, traditionelle, genossenschaftliche Ausrichtung ihrer Volksbank Krefeld eG verlassen. Wir halten daran fest, nicht Revolution, sondern Evolution zu betreiben …“

… das müssen Sie bitte näher erklären.

„Wir werden nach wie vor nicht spekulativ unterwegs sein, sondern als eine Bank, die seit mehr als 125 Jahren ihren festen Platz in Krefeld, Brüggen, Nettetal, Tönisvorst, Kempen-St. Hubert, Meerbusch-Lank und in der heimischen Wirtschaftslandschaft hat. Wir sehen uns als zeitgemäße und auf technisch hohem Niveau arbeitende Bank, die wächst und sich zugleich die Nähe zum Menschen bewahrt. Das bedeutet, dass wir unsere Produkte, Services und Tätigkeitsfelder weiterentwickeln und dabei stets bedarfsgerecht beraten und anbieten. So wollen wir beispielsweise bis 2030 erster Ansprechpartner im Firmenkundengeschäft und der Vermögensberatung in der Region sein. Das bedeutet zudem, dass wir von Lank-Latum bis zur holländischen Grenze mit 323 Mitarbeitern und 21 Azubis in 18 Filialen für unsere Kunden zur Stelle sind. Wir werden ein Flächenbank bleiben, auch wenn Veränderungen in der regionalen Infrastruktur nicht ausgeschlossen werden können. “

Ist das im Online-Zeitalter noch zeitgemäß?

„Für uns schon, denn Studien belegen, dass ein hoher Anteil der Bankkunden hybrid sind. Sie nutzen einerseits, weil es bequem, schnell und sicher geht, immer mehr unsere wachsenden Online-Services. Sie begrüßen andererseits aber sehr, dass sie bei Themen wie etwa Hausbau, Vermögensanlage oder Unternehmensfinanzierungen von Menschen beraten und begleitet werden, die nicht nur professionell, sondern ganzheitlich und bedarfsgerecht im Sinne des Kunden agieren. Digital und persönlich schließen sich somit nicht aus. So ganz falsch können wir mit unserem Tun nicht liegen: Der Marktanteil der Volksbank Krefeld eG ist in den zurückliegenden Jahren stetig gewachsen. Im letzten Jahr konnten wir das Volumen in allen Kerngeschäftsfeldern um satte 7 Prozent steigern. Das ist Beleg für die Aktualität unseres Geschäftsmodells und dafür das die Menschen und Unternehmen in der Region uns vertrauen. “

Sie haben die lokale Verwurzelung der Volksbank Krefeld eG erwähnt – was bedeutet das?

„Dass wir Sparringpartner für alle Kunden in unserem Geschäftsgebiet – ob privat oder geschäftlich – sind. Dass wir mit unserer Hauptverwaltung im Herzen Krefelds sitzen. Dass wir uns als Teil der Region verstehen und Verantwortung übernehmen. Dass wir jedes Jahr – 2018 waren es 333.000 Euro – Geld für Sponsoring ausgeben, wovon Soziales, Kultur und Sport, also auch die Menschen in den Vereinen und Initiativen, profitieren. Dass wir beispielsweise beim Charity-Lauf des Kinderschutzbundes selbst mit rund 80 Voba-Mitarbeitern aktiv dabei sind. Dass wir Ideen und Events unterstützen, die die Innenstadt und Krefeld insgesamt noch attraktiver und noch lebendiger machen – exemplarisch sind da zu nennen die Perspektivwechsel-Kampagne des Stadtmarketings, der modernisierte Weihnachtsmarkt oder auch die Rhineside-Gallery. Auch sind wir absoluter Befürworter eines neuen Verwaltungshauses der Stadt auf dem Theaterplatz, wenn das Seidenweberhaus verschwunden ist. Denn das belebt die Innenstadt, sorgt für Publikum und Menschen, die im Zentrum arbeiten, sich gerne dort aufhalten und Kaufkraft für den Handel bringen. Politik und Verwaltung, Handel und Dienstleistung sind da auf einem guten Weg in Krefeld. Es muss nur vorangehen – wir sind als Partner dabei.“

Was macht Sie zum waschechten Krefelder? Was bedeutet Ihnen Heimat?

„Ich bin in Traar geboren, wohl behütet aufgewachsen und wohne dort mit Lebensgefährtin und Kindern bis heute, habe Krefelder Schulen besucht und meine Ausbildung hier gemacht, auf der Straße Rollhockey gespielt, auf dem benachbarten Bauernhof meines Onkels mit angepackt und ich liebe unsere grüne Stadt mit dem Stadtwald und der Rennbahn. All das ist Heimat. Mit Traar bin ich besonders verbunden, weil ich – genauso wie mein Vater und meine zwei Brüder – lange Handball beim TV Traar gespielt habe – sogar mal ein Jahr Landesliga, aber das ist lange her. (lacht) Auch mit dem Traarer Schützenwesen verbindet mich sehr viel.

Gibt es Wünsche, Träume, die noch auf der Liste stehen?

„Ich bin totaler Fan von Weltumsegler-Büchern. Zwar steht der ganz große Törn um den Globus wegen Partnerin und Kindern nicht mehr auf der Agenda. Aber … zusammen mit einer Handvoll sehr enger Freunde gibt es die Verabredung, mit dem Segelschiff den Atlantik zu überqueren, wenn wir uns dem Rentenalter nähern.“

Zum Schluss von der Zukunft zurück zur Gegenwart: Wer oder was erdet Sie, Herr Rinsch?

„Auf jeden Fall meine Patchwork-Familie, bestehend aus meiner Lebensgefährtin und insgesamt vier Kindern im Alter von 13 bis 18 Jahren. Meine Eltern, denen ich viel zu verdanken habe. Ebenso wie meine Brüder, zu denen ich ein sehr enges Verhältnis habe und meine alten Schulfreunde, auf die ich immer zählen kann. Und dann habe ich da noch einen sehr engen Freund aus Studienzeiten, der  ein sehr erfolgreicher Unternehmer im Sanitätsbereich geworden ist. Wir coachen uns gegenseitig, haben einen sehr intensiven Austausch und können uns gegenseitig – ohne Umschweife und ohne im Bereich des Anderen involviert zu sein – die Meinung sagen. Bei strategischen Entscheidungen im Unternehmen ebenso wie bei Themen wie Personalführung oder anderen sozialen Belangen. Dieser Austausch ist für beide Seiten Gold wert.“

 

 

Sekt oder Selters?

… der Top-Fragenklinker mit Stefan Rinsch

 

Berge oder Meer?

Beides. In den Bergen geht’s zum Skifahren und Wandern, am Strand zum Entspannen, Schlendern und Schwimmen. Meine Lieblingsinsel ist seit vielen Jahren Kreta, aber im kommenden Sommer werden wir zum ersten Mal nach Sardinien reisen. Darauf bin ich gespannt.

 

Bier oder Wein?

Auch beides, je nach Anlass … nach dem Sport trinke ich gerne ein schönes, frisches Bier, ansonsten gerne Wein – leichten weißen im Sommer, roten beim gemütlichen Winterabend.

 

Rock oder Classic?

… das und noch viel mehr. Beim Musikgeschmack bin ich ganz breit aufgestellt: sonntagmorgens zum Frühstück gerne Mozart, zu anderen Zeiten je nach Stimmung alles von Pop bis Hardrock.

 

Schokolade oder Chips?

Eindeutig Schokolade – am liebsten weiße!

 

Nachteule oder Frühaufsteher?

Eher Frühaufsteher: In der Woche klingelt der Wecker um 6 Uhr, samstags bin ich auch gerne schon zwischen und 7 und 8 Uhr auf den Beinen – zum Leidwesen meiner Familie. (lacht)

 

Sprachnachricht oder Text?

Zu 99 Prozent Text. Da bin ich – wenn es so etwas beim Smartphone gibt – old school. Ich achte auch auf korrekte Rechtschreibung und Interpunktion. Aber zumindest habe ich neulich mal eine Sprachnachricht ausprobiert – gewöhnungsbedürftig, finde ich.

 

Buch oder TV?

Ganz klar Buch: Ich verschlinge geradezu Weltumsegler-Literatur. Und wenn ich etwas empfehlen sollte, dann zum Beispiel „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari, „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ von Heiner Geißler oder „Selbstbetrachtungen“ von Marc Aurel – letzteres ist anspruchsvoll zu lesen, aber es lohnt sich, weil es viele tolle Gedanken und Ideen zum Menschsein und Leben gibt.

 

Cash oder Karte?

Am liebsten Karte, wobei uns beim bargeldlosen Bezahlen viele andere Länder weit voraus sind, aber wir Deutschen haben ein sehr besonderes, treues Verhältnis zum Bargeld – weswegen auch ich stets 100 Euro in bar dabei habe. Ist beim Bäcker einfach besser … oder wenn ich mal eben weiße Schokolade „brauche“.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein