Kultur

Krefeld feiert 100 jahre bauhaus

Walter Gropius, Adolf Meyer und nicht zuletzt Mies van der Rohe sind die großen Namen des „Bauhaus“ – jener weltberühmten Ideenschule der Kunst, Gestaltung, Architektur und Pädagogik von 1919 bis 1933. 2019 werden „100 jahre bauhaus“ bundesweit gefeiert. Krefeld ist mit von der Partie und lockt mit zahlreichen Projekten, Ausstellungen und Aktionen zu „100 jahre bauhaus im westen“.


Vereinte Vorfreude auf das Bauhaus-Jahr 2019 in Krefeld: Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen, Dr. Joachim Henneke, Beauftragter des Landes NRW für das Bauhaus-Jubiläum, Uli Cloos, Leiter des Stadtmarketings, Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums, Oberbürgermeister Frank Meyer, Rolf Schlue und Christiane Lange, Projekt MIK.

 

Die Häuser Lange und Esters blieben 2018 wegen Sanierung geschlossen. Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum eröffnen die Kunstmuseen Krefeld die Villen Anfang 2019 wieder: ab dem 24. Februar mit einem ganzjährigen Programm zum Thema „Anders Wohnen. Entwürfe für Haus Lange und Haus Esters“.

 

Bereits seit dem 28. April 2018 ist im LVR-Industriemuseum in Oberhausen die Dauerausstellung „Peter Behrens – Kunst und Technik“ zu sehen. Sie erinnert an das Schaff en Peter Behrens‘, der zu den bedeutendsten deutschen Architekten zählt und Pionier des modernen Designs war. Doch dies war nur der Auftakt zum Jubiläumsjahr „100 jahre bauhaus im westen“. 2019 rücken auch die anderen großen Bauhaus-Namen wie Walter Gropius, Mies van der Rohe und Adolf Meyer ins Rampenlicht. Dabei werden „100 jahre bauhaus“ nicht nur in Berlin, Weimar und Dessau gefeiert, sondern auch in Krefeld. Das Stadtmarketing hat hierfür die 36-seitige Broschüre „Baukultur Krefeld 2019 – bauhaus in krefeld“ herausgebracht. In seinem Grußwort darin sagt Oberbürgermeister Frank Meyer: „Unsere Stadtgeschichte ist eng mit dem Bauhaus verknüpft. In Krefeld lebten und wirkten rund 30 Vertreter der Bauhaus-Bewegung, darunter Ludwig Mies van der Rohe, Lilly Reich, Johannes Itte, Georg Muche und Laszlo Moholy Nagy. Damit war Krefeld in den 1920er- und 30er-Jahren die Bauhaus-Hochburg im heutigen NRW.“

 

Eine begehbare Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte stellt der Verein Projekt MIK von April bis Oktober im Kaiserpark auf.

 

Krefeld setzt mit Ausstellungen und Projekten künstlerische und architektonische Akzente. Sowohl die städtischen Museen als auch die bürgerschaftliche Initiative Projekt MIK bieten ein umfangreiches Programm. Hinzu kommen Veranstaltungen der Kulturinstitute, der freien Szene, der Wirtschaft und des Stadtmarketings.

 

Im HE-Gebäude (Gebäude für Herrenfutterstoffe) der ehemaligen Verseidag wird von Mai bis Juni die Ausstellung ‚Mies im Westen’ 2019 gezeigt. Das Gebäude wurde nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe als dessen einziger Industriebau ab 1931 errichtet.

 

Zu den Höhepunkten zählt das Projekt „map 2019 Bauhaus Netzwerk Industrie“, initiiert von dem Verein Projekt MIK, der vor fünf Jahren mit dem begehbaren Modell „Mies 1:1″ bundesweit viel Aufmerksamkeit erregt hatte: das Originalmodell eines von Mies van der Rohe geplanten, aber nie realisierten Golfclubhauses, das einen Sommer lang auf einem Feld am Stadtrand von Krefeld aufgebaut war. Im Jubiläumsjahr stellt der Verein im Kaiserpark eine begehbare Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte auf. Von April bis Oktober 2019, so die Planungen, dient der achteckige Pavillon zum einen als Ausstellungsfläche, zum anderen als Veranstaltungs- und Begegnungsort.

„Uns interessiert, wie es zu den Verbindungen zwischen dem Bauhaus und der Seidenindustrie kam. Schließlich war das Bauhaus kein Mainstream, sondern eine durchaus umstrittene Avantgarde-Bewegung”, sagte Christiane Lange von Projekt MIK. So soll, bei einem weiteren Projekt, Krefeld entlang den Spuren der Bauhaus-Bewegung kartographiert werden: Für Besucher gibt es Wege, Pfade und Führungen. An einem digitalen Architekturführer zur Geschichte des Bauhauses in Krefeld wird ebenfalls gearbeitet.

 

Bekanntes Krefelder Wahrzeichen: die an ein Raumschiff erinnernde, frühere Textilingenieurschule, die der Krefelder Architekt Bernhard Pfau von 1952 bis 1958 am Frankenring baute. Der Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein hat hier sein Zuhause.

 

 

 

Ausschnitt aus dem 1912 angefertigten Gemälde „Sinftflut“ von Wassily Kandinsky, das zur Sammlung der Kunstmuseen Krefeld gehört. Über Kandinsky fand der Krefelder Maler Heinrich Campendonk Anschluss an die berühmte Gruppe „Blauer Reiter“.

 

 

„100 jahre bauhaus“ in Krefeld ohne die Häuser Esters und Lange wäre undenkbar. Die von Mies van der Rohe Ende der 1920er-Jahre entworfenen und gebauten Häuser, die längst als Kunstmuseen dienen, erstrahlen ab 2019 in neuem Glanz. Dort werden rund 20 internationale Künstler, Designer und Architekten mögliche Einrichtungen für die Villen entwerfen – es entsteht so eine „Dramaturgie aus Installationen” unter dem Titel „Anders wohnen. Entwürfe für Haus Lange Haus Esters“. Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen Krefeld, erklärt dazu: „Wir möchten die Schnittstellen von Kunst und Gesellschaft untersuchen und eine Plattform für die Bürgerinnen und Bürger bieten.“

Das Kaiser-Wilhelm-Museum wird ab Jahresmitte 2019 bis Februar 2020 ins Geschehen involviert – zunächst mit einer Sammlungspräsentation mit dem Fokus Bauhaus und ab Oktober mit der Ausstellung „Folklore und Avantgarde. Volkstümliche Traditionen im Zeitalter der Moderne“. Dabei sind unter anderem Werke von Heinrich Campendonk, Le Corbusier und Wassily Kandinsky zu sehen. Hinzu kommen sogenannte Sammlungssatelliten mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

 

 

Momentaufnahme im Unterricht bei Georg Muche in der Textilingenieurschule in den 1950er-Jahren.

 

„TRIAS – das triadische Ballett“ zeigt das Theater der Klänge open bei „Kultur findet Stadt“.

 

„Pierrot mit Schlange“ von 1923 gehört zu den bekanntesten Werken von Heinrich Campendonk. Der 1889 in Krefeld geborene Künstler prägte den rheinischen Expressionismus.

 

 

Weil Bauhaus weit mehr ist als Architektur, ist auch das Deutsche Textilmuseum beteiligt. Ende September 2019 läuft dort die Ausstellung „Zeitkolorit” an – Entwicklungen der Mode in der Zeit von 1880 bis in die 1930er-Jahre unter dem Aspekt der Erfindung und Anwendung von synthetischen Färbemitteln in der Textilindustrie. Zu den Exponaten zählen neben Kleidung und Accessoires auch Fläschchen mit Färbesubstanzen, Proben, Musterbücher und Fotografien. „Wir arbeiten für diese Ausstellung mit der Hochschule Niederrhein, der Technischen Hochschule Köln und dem Museum Schloss Rheydt in Mönchengladbach zusammen“, erläutert Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums.

Eine absolute Ausnahmestellung in der gesamten Bauhaus-Welt nimmt der Mies van der Rohe Business Park am Girmesgath in Krefeld ein: Dort steht der einzige Industriebau, den Ludwig Mies van der Rohe je gestaltet hat – gewürdigt mit dem Ausstellungsprojekt „grenzWertig“. Zusätzlich erforscht ein Projekt des Stadtarchivs die Industrie- und Konsumkultur in Krefeld zwischen den beiden Weltkriegen. Die Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) arbeitet an einer Ausstellung mit gegenwärtigen künstlerischen Positionen zum Bauhausjahr unter dem Titel „Inspiration Bauhaus“. Die Hochschule Niederrhein veranstaltet eine Bauhaus-Werkschau im Bernhard-Pfau-Bau am Frankenring. Zudem lockt Krefeld zum Bauhaus-Jubeljahr mit Lesungen, Theaterstücken und weiteren kulturellen Angeboten. Das Bauhaus war experimentierfreudig und erfindungsreich, gegen den Mainstream und unkonventionell. „Genau diese Offenheit für Anderes und Neues ist kein Thema für Eliten, sondern eines, das uns alle angeht. Wir möchten uns als Stadt zeigen, die in der Tradition und im Geiste des Bauhauses steht und lebt“, freut sich Ulrich Cloos, Leiter des Stadtmarketings, auf 2019 und „100 jahre bauhaus im westen“ und in Krefeld.

 

 


 

100 jahre bauhaus Programm

 

MUSEEN HAUS LANGE UND HAUS ESTERS

24.02.19 Eröffnung ANDERS WOHNEN
Prolog und Dialog: Augmented Reality – Architektur als lebendiger Körper

ab Jan 20 Partizipation und Wissenschaft Epilog

 


 

Ausstellungen:

1. 05.05.19 – 26.01.20 Akt: Utopie | HAUS LANGE
2. 07.07.19 – 26.01.20 Akt: Mobilität | GARTEN ANLAGE
3. 15.09.19 – 26.01.20 Akt: Dystopie | HAUS ESTER S

KAISER WILHELM MUSEUM
11.10.19 – Feb 20 Folklore & Avantgarde: Die Rezeption von Volkskunst und Traditionen im Zeitalter der Moderne

KAISERPARK
ab 07.04.19 Bauhaus und Industrie in Krefeld – Ausstellung in einem Pavillon von Thomas Schütte
Apr – Okt 19 Mapping Bauhaus – Digitaler Architekturführer zur Geschichte des Bauhauses in Krefeld (Projekt MIK e.V.); im Pavillon von Thomas Schütte

DEUTSCHES TEXTILMUSEUM
29.09.19 – 29.03.20 Zeitkolorit – Ausstellung zur Mode und Textilherstellung

MIES VAN DER ROHE BUSINESS PARK
Mai – Juni 19 Mies im Westen’ 2019 – Projekt: grenzWertig – Ausstellung an drei Orten

KULTUR FINDET STATT
15.06.19 BAUHAUS BÜHNE – Theater der Klänge aus Düsseldorf gastiert open air

KUNST-SPEKTRUM ST.-ANTON-STRASSE
14.06.19 – 13.07.19 KONSTRUKTIV – KONKRET: Inspiration Bauhaus; Gemeinschaft Krefelder Künstler GKK e.V.

SCHLUFF
Mai – Sep 19 Mai – Sep 19 MIES UNTER DAMPF:
Im Traditionszug zur Avantgarde – Baukultur, Natur und Technik

VERSCHIEDENE STANDORTE
ab Frühsommer 19 Virtual Reality: GELEBTE WOHNUNGEN – Das virtuelle Wohnzimmer

BERNHARD-PFAU-BAU
21. – 26.10.19 designkrefeld Bauhaus Werkschau 2019 im Bernhard-Pfau-Bau am Frankenring; Hochschule Niederrhein

VERSCHIEDENE STANDORTE
Apr – Sep 19 KREFELDER TREPPENWITZ: Baukultur auf die Stufenweise

MEDIOTHEK KREFELD
03.04.19 Lesung mit JANA REVEDIN:
Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank.

STADTARCHIV KREFELD
MODERNE ZEITEN IM WESTEN?
Industriekultur und Konsumgeschichte Krefelds 1918 – 1933

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein