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Formel-1-Legende David Coulthard begeisterte bei „Pioniere der Welt“ in Mönchengladbach


 

l.n.r.: Schirmherr Sven Holtermann, David Coulthard, Mark Gallagher, GF MGMG Peter Schlipköter

 

„Die David-Coulthard-Story“ persönlich vorgetragen, mit Bildern und Tonmittschnitten untermalt und in einem mit viel britischem Humor, gewürzten Talk unterhaltsam abgerundet – das erlebten rund 1000 Besucher live am Abend des 19. September in der Red Box am Nordpark in Mönchengladbach. Auf Einladung des Initiativkreises Mönchengladbach machte David Coulthard, Formel-1-Vizeweltmeister von 2001, einen Boxenstopp in der Vitusstadt und stand seinem dafür engagierten Moderator und Wegbegleiter Mark Gallagher Rede und Antwort.

Formel 1 und Mönchengladbach – da war doch was… Gallagher konnte es sich in der „HHF – Heinz-Harald-Frentzen-Stadt“ nicht nehmen lassen und kitzelte vom Start weg das Publikum: „Ich wurde gebeten, keine Fragen zu stellen, aber sorry – wir kommen aus der Formel 1 und da wird schon mal geschummelt – also: Sind heute Formel-1-Fans hier?“ Etwa ein Drittel der Zuschauer hob eine Hand. „Das ist gut“, meinte Gallagher und neckte amüsiert: „Für den Rest von Ihnen könnte es ein langweiliger Abend werden.“ Natürlich nicht!

Motorengeräusche brausten auf – der Einspieler mit Rennszenen aus der Formel 1 machte hungrig auf mehr. Coulthard betrat die Bühne. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich die Bilder sehe.“ Gallagher musste kontern: „Ist das beeindruckend, deine ganze Karriere zu sehen – in nur 13 Sekunden?“

Der langjährige Weggefährte Gallagher wusste mit der nächsten Anekdote das Publikum weiter zu erheitern. „Berühmte Doppelgänger“ – Gallagher berichtete von einer gemeinsamen Reise an einem deutschen Flughafen. Alle erkannten Coulthard und die Security fragte nach einem Foto. Da lachte Coulthard und ergänzte: „Ja, und nach dem Foto haben die Jungs gesagt: ,Danke, Ralf‘ – da hatte ich wohl Ähnlichkeit mit Ralf Schumacher.“ Natürlich wurde auch Michael Schumacher angesprochen. Coulthard würdigte ihn als „großartigen Champion“, beiden haben sich respektiert. Mit einem Schumi nach Rennende unterwegs, war meist ein großer Spaß: „Auf Partys hat er gerne bei den Leuten die Taschen hinten an der Jeans gepackt und sie blitzschnell nach unten gerissen. Dabei zerriss oft die ganze Hose. Wenn Michael auf Partys war, musste man sichergehen, dass man Unterwäsche anhatte.“

Party und Jetset

Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass das Fomel-1-Leben einen bunten, regen Jetset bietet. Und ja, man kann es genießen! Warum auch nicht?
Coulthard stammt aus einem 350-Seelen-Dorf namens Twynholm in Schottland. Dort gab es seinerzeit eine große Transport-Firma und da wollte der junge David nicht bleiben. „Ich wäre kein guter Truckfahrer geworden.“ Außerdem: „Wenn du aus einem so kleinen Dorf kommst, musst du reisen, um eine Frau zu finden, die nicht deine Cousine ist“, sagte Coulthard grinsend. So startete er mit Vollgas erfolgreich in den Formelsport und bestritt 246 Grand-Prix-Rennen der Königsklasse.

Zielstrebig, ehrgeizig und schnell

Erfolg kommt nicht von ungefähr. Mit 18 Jahren dominierte er bereits 1989 die britischen Juniorkategorien der Formel Ford, einer Einsteigerklasse des Formel-Rennsports. Ihm wurde als erster der britische Nachwuchspreis McLaren Autosport BRDC Award verliehen.  1991 lieferte er sich einen erbitterten Kampf mit seinem zukünftigen Rivalen in der Formel 1, Rubens Barrichello, um die Meisterschaft in der britischen Formel 3. Er gewann den seit 1954 renommierten Macau F3 Grand Prix. Als Mercedes-Testfahrer wurde David Coulthard 1993 Mitglied des Williams Formel-1-Teams. Der Weg bis dahin, die Lust am Fahren und die Freude, am Ende ganz oben auf dem Podium zu stehen – dafür lohnen sich die Disziplin, die Entbehrungen, die Anstrengungen, das Krafttraining und der tägliche Einsatz. „Ich hatte die Möglichkeit, mit Ayrton Senna zu arbeiten. Das war ein Privileg. Er hatte eine große Aura. Wenn er jetzt da hinten durch diese Tür kommen würde, würden Sie es alle spüren. Als ich sein Cockpit erhielt, wusste ich: Ich kann ihn nie ersetzen, aber ihn damit ehren, dass ich einhundert Prozent gebe“, so Coulthard. Ayrton Senna starb am 1. Mai 1994 bei einem Rennunfall in Imola. Eine Woche nach seinem Tod saß Coulthard in seinem Cockpit. Angst – die kennt ein Rennfahrer nicht. Coulthards Mutter war sehr in Sorge. „Als Rennfahrer nimmst du die Gefahr nicht unmittelbar für dich selbst wahr. Es passiert nur den anderen – glaubst du.“

In der Saison 1994 fuhr er acht Grand-Prix-Rennen für das Team und erhielt 1995 einen Vertrag als Vollzeitfahrer und gewann im selben Jahr den Großen Preis von Portugal. In der Fahrerwertung belegte er Rang drei. Im McLaren Rennstall gewann er direkt den Großen Preis von Australien 1997. Das war der erste Sieg für McLaren seit drei Saisons. Insgesamt erfuhr Coulthard 12 seiner 13 Grand-Prix-Siege und 51 seiner 62 Podiumsplätze mit McLaren.

Emotional und bodenständig

1998 und 1999 unterstützte er seinen Teamkollegen Mika Häkkinen auf seinem Weg zu dessen Championships, 2001 verlor er knapp die Formel-1-Weltmeisterschaften und wurde Zweiter hinter Michael Schumacher. 2005 stieß David Coulthard zum neu formierten Rennstall Red Bull. 2008 beendete er seine aktive Fahrerkarriere. Er hat in seiner Laufbahn 535 Punkte erzielt – die höchste Punktzahl, die ein britischer Fahrer bis dato je erreicht hat.

Erst am Ende seiner Karriere beschäftigte er sich intensiv mit der Familienplanung. Seit 2013 ist Coulthard mit der belgischen Fernsehmoderatorin Karen Minier verheiratet. Sie haben einen neunjährigen Sohn. Und abseits der Rennstrecke ist er auch gern Beifahrer – er schmunzelt. Seit 2016 begleitet der 47jährige als TV-Experte die Formel-1-Berichterstattung für den britischen Sender Channel 4.
In Mönchengladbach begeisterte er mit seinem Auftritt in der Red Box. Seine humorvolle, höfliche und bescheidene Art unterstreichen seine große Persönlichkeit. Seine Message: das Team um die Stars zu würdigen – „Der beste Fahrer ist nichts ohne das Team, Teamwork ist das Wichtigste. Das Leben ist risikoreich, also minimiere die Risiken! Du musst dich voll auf dein Team verlassen können, und das Team sich auf dich“, lautet David Coulthards Botschaft.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein