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Die Eröffnung der „SCHLÜFFKEN“-Brauerei am Nordbahnhof

Für Krefeld öffnet sich am 22. Dezember ein ganz besonderes Türchen: Mit einem Tag der offenen Tür ab 18 Uhr feiern Anne und Johannes Furth die Eröffnung ihrer „Schlüffken“-Brauerei am Nordbahnhof.


 

 

„Wir geben unserem Bier die Zeit, die es braucht“

 

 

Mindestens 50 Personen haben in dem neuen, schicken Gastraum des Neubaus am Oranierring Platz, in Ruhe Speisen und das neue „Schlüffken“-Bierchen zu genießen. Bei unbestuhlten Veranstaltungen wie Parties, Kleinkunst, Empfängen oder Vorträgen können bis zu 150 Gäste empfangen werden. Und stets gibt es für alle den direkten Blick auf die wuchtigen Edelstahlbottiche hinter großen Glasscheiben. Denn im „Schlüffken“ – die Brauerei entstand, wo einst der „Blaue Waggon“ vom Schluff stand – wird nicht nur „mit Volldampf gebraut“, sondern auch für alle ersichtlich. Das Prinzip lautet „offene Brauerei“, und so bekommen auch Passanten, die am Oranierring oder auf Nordbahnhof-Bahnsteig einfach nur vorbeischlendern, einen prächtigen Blick auf die Anlage. Es geht ums Sehen, Erleben und Genießen und die Möglichkeit, jeden Produktionsschritt mit eigenen Augen verfolgen zu können.

 

 

Echtes Handwerk zum Zugucken

„Offenheit und Transparenz sind uns wichtig, weil wir für echtes, ehrliches Handwerk stehen und zugleich einladen wollen, unser neues Bier zu testen“, erklärt Johannes Furth (31). Drei Jahre lang haben er und seine Schwester Anne (29) an der Umsetzung des „Schlüffken“ gearbeitet – von der allerersten Idee, einer kleinen, aber feinen Brauerei mit Gastronomie bis hin zum Startschuss für Betrieb und Ausschank eben jetzt kurz vor Weihnachten.

Die Furth-Geschwister haben beide BWL studiert. Während Johannes zudem u.a. eine renommierte Kochschule in Italien absolvierte, studierte Anne auch Lebensmitteltechnik und absolvierte zudem ein Praktikum in einer Münchener Brauerei. Beide haben so ziemlich alles über Bier und das Brauen gelernt, denn, so Anne Furth, „wir wollten uns als nächste Generation am Nordbahnhof nicht irgendwie, sondern fundiert mit etwas Neuem einbringen. Da lag es nahe, ein Bier zu brauen.“ Ein ziemlich leckeres dazu, wie bereits einige Freunde, Bekannte und Partner der Furths bei mehreren Probe-suds feststellen durften.

 

Bier entsteht bei offener Gärung

Das „Schlüffken“-Alt hat dank einer speziell ausgesuchten Hefe eine fruchtige, frische Note und enthält neben Hopfen und Krefelder Wasser gleich sechs verschiedene Malzsorten. „Wir haben einiges getestet und sind schließlich bei dieser Rezeptur gelandet. Die meisten Menschen, die unser Bier bereits probiert haben, loben es vor allem, weil es so schön rund schmeckt“, sagt Johannes Furth, der sichtlich happy ist, dass ihm das „Schlüffken“ als Alt und Pils auch gelungen ist, weil er Mario Röhm an Bord hat. Der 28-jährige Techniker und Betriebsbraumeister aus dem Raum Heidelberg, der u.a. auch in der Bier-Hochburg München ausgebildet wurde, komplettiert das „Schlüffken“-Brauerei-Team. Er ist so etwas wie das menschgewordene Labor im „Schlüffken“, denn hier wird – nach sehr alter, traditioneller und deswegen auch außergewöhnlicher Manier – Bier bei offener Gärung gebraut. Bedeutet: Nachdem das Bier die ersten Stationen der Maische, der Würze und der Hinzugabe des Hopfens durchlaufen hat, wird es in offene Gärbottiche gepumpt, die bis zu 60 Hektoliter fassen und wo obergärige Hefe hinzugegeben wird, die dann den Zucker in Alkohol umwandelt. Und an dieser Stelle ist Betriebsbraumeister Mario besonders gefragt: „Eine geschulte Nase und geschulte Augen erkennen sofort, ob der Gärprozess wie gewünscht verläuft. Ich kann das Bier optisch verfolgen und anhand der Dämpfe, die ausgestoßen werden, genau erkennen, ob alles im grünen Bereich ist. Trübstoffe lassen sich ganz leicht abschöpfen und Stichproben ganz einfach ziehen. Die Kontrolle durch die Sensorik erspart uns das eigene Labor.“

 

Das „Schlüffken“-Trio vom Krefelder Nordbahnhof: die Geschwister Johannes und Anne Furth mit Betriebsbraumeister Mario Röhm. Sie alle freuen sich darauf, dass Krefelds neue Brauerei jetzt an den Start geht. Am 22. Dezember, 18 Uhr, geht’s los mit einem „Tag der offen Tür“.

 

Flexibel auch für Saison- oder Aktionsbiere

Verarbeitet werden aktuell drei bis vier verschiedene Malzsorten, die in 25-Kilogramm-Säcken geliefert werden. Diese lassen sich nicht nur leicht und platzsparend lagern. „Die unterschiedlichen Noten bringen uns auch Flexibilität, denn so können wir sogar recht spontan auch mal ein besonders Saison- oder Aktionsbier brauen“, freut sich Mario Röhm. Das Malz für das neue Bier vom Krefelder Nordbahnhof kommt von Wayermann aus Bamberg – das fränkische Unternehmen gilt als einer der besten Malzlieferanten weltweit.

Vier Mühlen schroten das Malz, das sodann in der Maischpfanne mit 48 Grad heißem Wasser beschlagen, vermischt und in weiteren Stufen immer mehr erhitzt wird, um den Zucker aus der Malzstärke zu lösen. Die sogenannte Maische wird dann in den Läuterbottich geleitet, wo die Feststoffe herausgelöst werden. Hier entsteht beim Aufkochen bei 100 Grad die Würze, der sodann – ebenfalls in mehreren Schritten – der Hopfen zugegeben wird. Der macht das Ganze (gewünscht) bitter. Jetzt kocht die Würze etwa eine Stunde lang und wird dann auf 20 Grad heruntergekühlt. „Beim Hopfen haben wir uns für Pellets entschieden. Zum einen stehen diese geschmacklich dem frischen Hopfen in nichts nach, zum anderen sind sie wegen gleichbleibender Qualität sicherer: Frischer Hopfen kann – wenn man nicht sehr aufpasst – schlecht werden. Noch ein Vorteil der Pellets: Lagerung und Dosierung sind platzsparender und einfacher“, erklärt Johannes Furth.

 

 

Rampenverkauf ab Frühjahr 2019 Nach den Gärbottichen und vor der Filtration ruht das Bier in der Lagerhalle in großen Tanks – zweimal 40 Hektoliter Fassungsvermögen fürs „Schlüffken“-Alt und einmal 20 Hektoliter fürs „Schlüffken“-Pils. Das obergärige Alt reift 21 Tage, das untergärige Pils braucht vier bis sechs Wochen, bis es zum Ausschank oder zur Abfüllung bereit ist. „Wir geben unserem Bier die Zeit, die es braucht“, erklärt Johannes, „auch das gehört zum traditionellen Handwerk und passt zu unserem Konzept.“

Fehlt nur noch, das neue Krefelder Bier vom Nordbahnhof an die Frau und an den Mann zu bringen. Das geschieht natürlich zunächst beim Ausschank im „Schlüffken“ selbst. Wie das Bier mundet, können die Menschen aus Krefeld und Umgebung dann ab dem 22. Dezember erfahren: Ab 18 Uhr laden Anne und Johannes zum „Tag der offenenTür“. Übrigens: Wer sein „Schlüffken“ aus der Flasche zu Hause oder vom Fass bei der Party genießen möchte, muss sich noch ein bisschen gedulden. Der Rampenverkauf startet im Frühjahr 2019: mit Alt und Pils in 10-Liter-, 30-Liter- und 50-Liter-Fässern sowie in 1-Liter-Flaschen. Darauf ein „Schlüffken“!

 

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein